
Die Uhr tickt unaufhaltsam auf den 29. April 2026 zu. Um 14:00 Uhr Eastern Time, was in Bern einem späten Abend entspricht, wird das Federal Reserve System seine Entscheidung publik machen. Die Marktmeinung ist kaum mehr als ein Flüstern im Sturm. Alle Indikatoren deuten auf ein unverändertes Ergebnis hin. Die Zinsen bleiben also stehen. Das ist keine Überraschung. Es ist die logische Konsequenz einer Reihe von Zwängen, die die Notenbank in Washington seit Monaten beherrschen.
Es geht nicht um Inflation allein. Es geht um die Balance zwischen zwei extremen Kräften. Auf der einen Seite stehen die Energiepreise, die wie eine Welle über die US-Wirtschaft fegen. Auf der anderen Seite der Arbeitsmarkt, der sich erstaunlich widerstandsfähig zeigt. Die Fed muss diese Kräfte abwägen. Eine zu frühe Lockerung würde die Preise wieder anheizen. Eine zu strenge Haltung würde den Arbeitsmarkt gefährden, der noch immer Zeichen von Resilienz sendet.
Kevin Warsh spielt dabei eine unerwartete Rolle. Seine Bestätigung als Fed-Gouverneur hat die Märkte schockiert. Laut 24/7 Wall St. hat seine Anhörung jegliche Hoffnungen auf Zinssenkungen im Jahr 2026 zerstört. Die Zahlen des CME FedWatch Tools bestätigen diese harte Linie. Die Wahrscheinlichkeit für eine Senkung ist gegen null gegangen. Nur noch maximal eine Senkung wird in der gesamten restlichen Laufzeit des Jahres 2026 erwartet. Das ist eine extreme Enge. 56 von 103 Ökonomen, die in einer Reuters-Umfrage befragt wurden, gehen davon aus, dass die Zinsen bis zum Jahresende stabil bleiben. Das ist eine klare Abkehr von der früheren Erwartungshaltung.
Die Gründe dafür liegen tief in der Struktur der amerikanischen Wirtschaft. Die Energiepreise sind der primäre Störfaktor. Sie treiben die Kosten für Produktion und Transport in die Höhe. Die Fed kann diese externen Schocks nicht einfach ignorieren. Sie müssten die Zinsen erhöhen, um sie zu bekämpfen. Das wäre kontraproduktiv, da es die Wirtschaft weiter abkühlt. Also bleibt sie...
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