
Die Stille in Tokio war lauter als jeder Lärm an den Börsen.
Als die Bank of Japan (BoJ) am Donnerstagabend ihre Entscheidung verkündete, atmeten viele Marktbeobachter auf. Die Unsicherheit war vorbei. Oder so schien es zumindest. Der Zinsentscheid ging mit einer deutlichen 8–1-Stimmenmehrheit durch. Das war das erwartete Szenario. Die Mehrheit der Ratmitglieder wollte die extrem lockere Geldpolitik langsam, aber sicher normalisieren. Doch die eine Stimme gegen den Strom tat weh. Hajime Takata dissentierte. Er votierte explizit für einen Anstieg der Leitzinsen auf 1%. Das ist kein kleiner Schritt. Das ist ein Sprung in eine andere Liga.
In der Regel stimmen die Mitglieder des Geldpolitischen Rates der BoJ geschlossen oder mit knapper Mehrheit über die Richtung ab. Dissens ist selten. Wenn er dann auftritt, ist er signalhaft. Takatas Position ist keine Randnotiz. Sie ist ein klares Signal an die Märkte, dass die Angst vor einem zu frühen Ende der Nullzinspolitik längst der Vergangenheit angehört hat. Für ihn war der Zeitpunkt reif. Für die anderen acht Mitglieder war es noch nicht so weit. Die Diskrepanz ist gravierend. Ein Prozentpunkt Zinseszins auf die Schulden des Staates verändert die Haushaltsrechnung drastisch. Japan hat die höchste Staatsverschuldung der entwickelten Welt. Über 250% des Bruttoinlandsprodukts. Das ist kein Spielzeug mehr.
Wer sich in Züriher Büros umhört, wo Portfolio-Manager ihre Allokationen für das nächste Quartal justieren, hört nun andere Namen. Nicht mehr nur die USA. Sondern auch Japan. Die Währung YEN hat in den letzten Wochen massive Verluste hingelegt. Der USD/JPY-Kurs erreichte Levels, die vor zwei Jahren undenklich schienen. Takata wusste das. Er sah die Inflation, die sich endlich im Kern des japanischen Konsums festsetzt. Die Kernkern-Inflation lag über dem Zielwert der BoJ von 2%. Das ist der Schlüsselindikator, den die Zentralbank seit Jahren überwacht. Erstmals seit Jahren ist er nachhaltig über der Marke.
Die anderen Ratmitglieder zögerten. Sie fürchteten...
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