Während die US-Notenbank ihre Zinsen jüngst unverändert ließ und Jerome Powell seinen Rücktritt als Chef bekannt gab, um fortan als einfacher Gouverneur zu verbleiben, vollzog sich in Peking eine stillere, aber weitreichendere Wende. In den letzten Tagen wurde deutlich, dass die regulatorischen Hürden für grenzüberschreitende Tech-Deals in China nicht nur steigen, sondern sich fundamental verändern. Die Blockade des Deals zwischen Meta Platforms und dem KI-Startup Manus durch chinesische Aufsichtsbehörden markiert dabei einen neuen, strengeren Prüfstandard, der weit über die üblichen kartellrechtlichen Bedenken hinausgeht. Es geht hier nicht mehr nur um Marktanteile, sondern um die strategische Kontrolle über die nächste Generation der digitalen Infrastruktur.

Senn: Herr Dr. Weber, lassen Sie uns direkt beim Kernpunkt bleiben. Die Nachricht, dass Meta Platforms den Erwerb von Manus in China nicht genehmigt bekam, ist in den Medien weitgehend untergegangen, verglichen mit den täglichen Fed-Entscheidungen. Warum ist diese eine Transaktion für europäische und Schweizer Investoren so viel relevanter, als sie scheint?

Gast: Das ist die große Illusion, die viele Anleger noch hegen. Man denkt, weil es „nur“ ein KI-Startup ist, sei das lokal begrenzt. Doch genau das ist der Fehler. Die Blockade ist kein Einzelfall. Sie ist das sichtbare Ende einer Ära, in der westliche Tech-Giganten noch naiv genug waren, zu glauben, dass Technologie ein globales, neutrales Gut sei. Peking hat mit diesem Urteil klar gemacht, dass es keine „grüne Wiese“ mehr für US-Kapital gibt, wenn es um kritische Dual-Use-Technologien geht. Manus entwickelte Modelle, die tief in die Datenverarbeitung eingreifen. Für die chinesische Regierung ist das kein Geschäft, das man einfach an Zuckerberg verkaufen darf. Das ist ein Souveränitätsproblem.

Senn: Aber Meta ist doch ein riesiger Player. Hat das chinesische regulatorische System wirklich das Machtgefälle, um einen solchen Deal einfach zu verbieten, ohne dass es zu einer diplomatischen Krise kommt?

Gast: Es ist weniger eine diplomatische Krise als vielmehr eine rechtliche Abschottung. Die chinesische...