15 Stimmen. 15 Perspektiven. Jede mit eigenem Hintergrund, eigener Expertise und eigener Meinung. Lernen Sie die Menschen kennen die MacherPost schreiben.
Wenn Sarah Meier morgens um 04:30 ihren Wecker ausstellt, hat sie bereits entschieden welche drei Nachrichten den Schweizer Lagebericht um 06:00 dominieren werden. Nicht weil sie übermenschlich schnell liest — sondern weil sie seit 23:00 Uhr des Vorabends die Nachrichtenströme beobachtet hat, während der Rest der Redaktion schläft. Das ist keine Pflicht. Das ist Sarah.
Sarah Meier, 36, ist in Aarau aufgewachsen — einer Stadt, die sie als «die ruhige Mitte der Schweiz» beschreibt, «wo man lernt, die Aufregung anderer nüchtern zu betrachten.» Sie hat Journalismus und Politikwissenschaft an der Universität Zürich studiert (2010-2015), mit einem Praktikum bei der NZZ-Wirtschaftsredaktion, das ihren Stil geprägt hat: präzise, quellenbasiert, ohne Füllwörter.
Nach dem Studium drei Jahre bei SRF Wirtschaft. Live-Berichterstattung aus dem Bundeshaus, Quartalsberichte von Schweizer Grosskonzernen, über 200 Sendeminuten. «Beim Fernsehen lernt man etwas, das Print-Journalisten oft fehlt,» sagt sie. «Du hast 90 Sekunden. Wenn du in Sekunde 10 nicht klar gemacht hast warum der Zuschauer dranbleiben soll, ist er weg. Diese Disziplin hat mich geformt.»
2018 ein überraschender Wechsel: Weg vom öffentlich-rechtlichen Sender, hin zu einem Zürcher Fintech-Startup. Drei Jahre Content Strategy und Redaktion für ein Unternehmen, das Privatanlegern den Zugang zu Marktdaten demokratisieren wollte. «Ich wollte verstehen, wie die Leute ticken, für die ich schreibe. Nicht Journalisten, nicht Politiker — sondern CEOs, Investoren, Menschen die um 06:30 auf dem Weg ins Büro den Lagebericht lesen und danach eine Entscheidung treffen.»
Seit 2021 ist sie bei MacherPost — erst als freie Autorin, seit 2023 als tägliche Nachrichtenredakteurin. Drei Ausgaben pro Tag: Lagebericht (06:00), Mittags-Update (12:00), Abend-Briefing (17:00). Sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. «Nachrichten machen keine Ferien,» sagt sie trocken. «Und unsere Leser auch nicht.»
Sarahs wichtigstes Werkzeug ist nicht ein Algorithmus, nicht ein KI-Tool — es ist ein handgeschriebener Zettel, auf dem sie jeden Abend die drei wichtigsten offenen Fragen des nächsten Tages notiert. «Wenn ich morgens die Reuters-Ticker lese, weiss ich schon wonach ich suche. Das spart 20 Minuten.»
Ihr Arbeitstag beginnt um 04:30. Zwischen 04:30 und 05:30 liest sie: SNB-Veröffentlichungen, SECO-Bulletins, SIX-Vortagesbericht, Bloomberg Terminal-Zusammenfassung, drei bis vier internationale Quellen (FT, Reuters, WSJ). Um 05:30 steht die Struktur des Lageberichts. Um 05:50 ist der Text fertig. Um 06:00 geht er online.
Das Mittags-Update um 12:00 folgt einem anderen Rhythmus: «Morgens setze ich das Bild. Mittags zeige ich nur das Delta — was sich seit 06:00 geändert hat. Null Wiederholungen. Wenn nichts passiert ist, sage ich das auch. Ein leeres Mittags-Update wäre ehrlicher als ein aufgeblasenes.»
Das Abend-Briefing um 17:00 ist Sarahs persönlicher Favorit: «Der Tag hat eine Geschichte. Morgens weiss man sie noch nicht. Abends schon. Die drei Entscheidungen des Tages zu identifizieren — das ist die journalistische Arbeit die ich am meisten schätze. Nicht berichten was passiert ist, sondern verstehen was es bedeutet hat.»
Fragt man sie nach ihrer Motivation, antwortet sie ohne zu zögern: «Ich möchte dass der CEO einer Winterthurer Maschinenbau-Firma morgens um 06:15 genau weiss, was heute relevant ist — und was nicht. Nicht 50 Nachrichten, sondern die 8 die zählen. Mit Zahlen, die stimmen, und einer Einordnung die hilft.»
Sarah ist keine Meinungsjournalistin im klassischen Sinn. Im Lagebericht ist sie deskriptiv — Fakten, Zahlen, Kontext. Ihre eigene Haltung zeigt sich subtil, in der Auswahl und Gewichtung der Themen. Nur im Fazit des Top-Signals markiert sie gelegentlich eine «MacherPost-Meinung»: «Dann stehe ich dafür gerade. Aber nur dann.»
Ausserhalb der Redaktion ist Sarah überraschend wenig nachrichtenaffin. «Am Wochenende lese ich keine Zeitung. Bewusst nicht. Ich lese Romane — aktuell viel Schweizer Literatur, Peter Stamm, Lukas Bärfuss. Oder ich wandere. Im Jura, meistens allein. Nachrichten sind ein Beruf, kein Lebensstil.»
Sie lebt in Zürich-Wiedikon, hat eine Katze die Winston heisst («nach Churchill, nicht nach der Zigarettenmarke — obwohl beide gleich stur sind»), und kocht nach eigener Aussage «akzeptabel, wenn man tiefe Standards hat.»
Auf die Frage, was sie an MacherPost am meisten schätzt: «Die Ehrlichkeit. Wir sagen nicht ‘ausgewogen’ wenn wir ‘unklar’ meinen. Wir sagen nicht ‘Experten sind sich uneinig’ wenn wir meinen ‘wir haben nicht gründlich genug recherchiert’. Und wir behandeln unsere Leser wie das was sie sind — kluge Erwachsene die keine Erziehung brauchen, sondern Fakten.»
«Wer morgens weiss was zählt, entscheidet besser. Das ist kein Slogan — das ist mein Job.»
Rafael Senn ist nicht hier, um dir zu sagen, dass du es schaffen kannst. Er ist hier, um dir zu zeigen, warum du es wahrscheinlich nicht tust — und was die Forschung darüber sagt, wie man das ändert.
Rafael Senn, 41, ist in Brig aufgewachsen — mitten im Wallis, umgeben von Bergen und der Überzeugung, dass harte Arbeit die Antwort auf jede Frage ist. Er hat beides geerbt: die Berge liebt er immer noch. Die Überzeugung hat er revidiert.
An der ETH Zürich hat er Bewegungswissenschaften studiert (2005-2010). Während des Studiums sein erster Ironman in Zürich — 2008, Platz 147, in einer Zeit die er heute als «respektabel, aber nicht beeindruckend» beschreibt. Was ihn mehr beeindruckt hat als das Rennen selbst: die mentale Dynamik dahinter. «Bei Kilometer 32 des Marathons, nach 10 Stunden Schwimmen und Radfahren, entscheidet nicht der Körper ob du weiterläufst. Der Körper will aufhören seit Kilometer 5. Es entscheidet ein Muster im Kopf — und dieses Muster ist trainierbar.»
Nach dem Studium drei Jahre bei Swiss Olympic in der Leistungsdiagnostik (2010-2013). Er hat mit Spitzensportlern gearbeitet — Skifahrern, Schwimmern, Leichtathleten. «Die technischen Unterschiede zwischen einem Athleten auf Platz 4 und einem auf Platz 1 sind minimal. Der mentale Unterschied ist enorm. Und die meisten Verbände investieren 95 Prozent in Technik und 5 Prozent in den Kopf. Das ist, als würde man einen Ferrari tunen und vergessen den Fahrer auszubilden.»
2013 der Sprung in die Privatwirtschaft. Rafael hat ein Performance-Coaching-Unternehmen gegründet, das sich auf C-Level-Executives spezialisiert hat. Nicht auf Motivation — auf messbare kognitive Leistungsoptimierung. Seine Kunden: CEOs von Schweizer Mittelständlern, Private-Equity-Partner, ein ehemaliger Bundesrat (den er nicht namentlich nennt). «Die gleichen mentalen Muster die einen Ironman-Athleten zum Aufgeben bringen, lähmen auch einen CEO in der Krise. Decision Fatigue, Loss Aversion, Sunk Cost Fallacy — das sind keine abstrakten Konzepte, das sind messbare kognitive Verzerrungen die Unternehmen Millionen kosten.»
2020 hat er das Unternehmen verkauft. Seit 2023 schreibt er für MacherPost.
Rafaels Denken folgt einem strengen Muster: Forschungsergebnis → Mechanismus → Anwendung. Er beginnt nie mit einer Meinung. Er beginnt mit einer Studie — Autoren, Journal, Jahr, Stichprobengrösse. Dann erklärt er den Mechanismus (warum funktioniert das neurobiologisch?). Dann die Anwendung (was machst du konkret?). Und dann, fast immer, die unbequeme Wahrheit (warum tun die meisten es trotzdem nicht?).
«Ich bin Wissenschaftler der zufällig verständlich schreiben kann,» sagt er. «Die Forschung zu Entscheidungspsychologie, zu Schlaf, zu kognitiver Belastung ist seit Jahrzehnten eindeutig. Kahneman hat 1979 veröffentlicht. Baumeister 2011. Walker 2017. Die Ergebnisse widersprechen sich nicht. Sie werden nur nicht gelesen — oder nicht ernst genommen, weil sie unbequem sind.»
Was Rafael besonders irritiert: die Hustle-Kultur. «Es gibt CEOs die mit 5 Stunden Schlaf prahlen. Walker hat in ‘Why We Sleep’ mit Daten von über 10’000 Probanden gezeigt: Nach drei Nächten mit 5 Stunden Schlaf ist die kognitive Leistung vergleichbar mit 0,5 Promille Blutalkohol. Diese CEOs treffen Millionen-Entscheidungen betrunken — und sind stolz darauf.»
Er ist kein Guru. Er ist kein Motivationstrainer. Er ist niemand, der sagt «Glaub an dich» oder «Du schaffst alles wenn du es willst». «Diese Sätze sind evidenzfrei. Sie funktionieren als emotionaler Kurzzeit-Effekt — wie Zucker. 15 Minuten Euphorie, dann Crash. Was ich anbiete, ist das Gemüse: langweilig, unangenehm, wirksam.»
Er ist auch kein Biohacking-Enthusiast im trendigen Sinn. «90 Prozent der Supplement-Industrie verkauft Hoffnung, nicht Wirkstoffe. Die 10 Prozent die funktionieren: Kreatin — massiv belegt, seit 30 Jahren. Vitamin D — in Schweizer Breitengraden sinnvoll, Oktober bis März. Omega-3 — kardiovaskulär belegt. Alles andere: zeig mir die Studie. Nicht den Influencer. Die Studie.»
Rafael lebt in Zürich, trainiert noch immer — nicht mehr für Ironman, aber 5-6 Mal pro Woche: Laufen, Krafttraining, gelegentlich Schwimmen im See. «Nicht für einen Wettkampf. Für meine kognitive Leistungsfähigkeit. 150 Minuten Bewegung pro Woche erhöhen den BDNF-Spiegel um 30 Prozent — das ist der Wachstumsfaktor für Neuronen. Das ist keine Lifestyle-Entscheidung, das ist Investition in mein Arbeitswerkzeug.»
Er ist unverheiratet, hat einen Golden Retriever namens «Noise» (benannt nach dem Kahneman-Buch), und liest — nach eigener Aussage — «mehr Papers pro Woche als die meisten Akademiker». Sein aktuelles Lieblingsthema: die Neurowissenschaft von Unsicherheits-Toleranz. «In einer Welt die zunehmend unsicher wird, ist die Fähigkeit unter Unsicherheit zu entscheiden die wichtigste Kompetenz eines Unternehmers. Und sie ist trainierbar. Das zeige ich jeden Morgen um 08:30.»
«Die Angst vor schlechten Entscheidungen kostet mehr als schlechte Entscheidungen selbst. Das ist nicht Mut. Das ist Mathematik.»
Es gibt Leute die den Markt analysieren, und es gibt Leute die vom Markt gelebt haben. Lukas Hoffmann ist beides — und genau das macht seine Einschätzungen unbequem und oft richtiger als die des Konsens.
Lukas Hoffmann, 38, ist in Luzern aufgewachsen. HSG-Studium (2008-2012), Bachelor und Master in Wirtschaft. Während des Studiums, im Sommer 2011, hat er seinen ersten Bitcoin gekauft. Preis: CHF 12. «Ich war nicht visionär,» sagt er. «Ich war neugierig und hatte CHF 500 übrig. Ich habe eine Technologie gesehen die Sinn macht und einen Preis der das Risiko nicht rechtfertigt — nach unten.»
Er hat gehalten. Über alle Crashes, alle Skandale, alle Totgesagte-leben-länger-Zyklen hinweg. Im März 2021, bei einem BTC-Kurs von 58’000 USD, hat er einen Teil verkauft. Das Ergebnis: finanzielle Unabhängigkeit, mit 33 Jahren. «Ich bin nicht reich weil ich klüger bin als andere. Ich bin reich weil ich 2011 eine Entscheidung getroffen habe und nicht revidiert habe. Die wichtigsten Entscheidungen im Leben sind die, die man durchhält.»
Vor dem Krypto-Exit hat Lukas vier Jahre bei einer Schweizer Privatbank im Macro Research gearbeitet (2012-2016). Er hat gesehen wie Zentralbank-Entscheide gemacht werden — nicht auf Basis reiner Makrodaten, sondern auf Basis politischer Kalkulationen, institutioneller Trägheit und Karriere-Anreize. «Das hat mich zum Makro-Kritiker gemacht. Nicht weil ich Zentralbanken hasse — sondern weil ich gesehen habe wie die Wurst gemacht wird.»
Seit 2022 lebt er zwischen Dubai und Zürich. Dubai für das Steuerumfeld und die Krypto-Community, Zürich für die Schweizer Wurzeln und die MacherPost-Redaktion.
Lukas denkt in Systemen, nicht in Ereignissen. Wenn die Fed einen Zinsentscheid fällt, fragt er nicht «was bedeutet das für den S&P500 morgen?» — er fragt «welches strukturelle Problem versucht die Fed hiermit zu kaschieren, und wie lange kann das gut gehen?»
Sein Grundsatz: «Folge dem Geld.» Nicht als Verschwörungstheorie, sondern als analytisches Werkzeug. Wer profitiert von einer bestimmten Geldpolitik? Wessen Schulden werden durch Inflation entwertet? Wer gewinnt wenn der Franken stark bleibt?
Er ist libertär — aber pragmatisch. «Der Markt wäre die beste Lösung, wenn man ihn liesse. Man lässt ihn nicht. Also muss ich verstehen wer ihn wie verzerrt — und mein Portfolio danach ausrichten.»
Was ihn von vielen Makro-Analysten unterscheidet: Er korrigiert sich öffentlich. Wenn er im Januar schrieb «die SNB senkt im Sommer» und sie es nicht getan hat, sagt er im nächsten Artikel: «Ich lag falsch. Hier ist warum, und hier ist meine neue Einschätzung.» Das macht ihn verletzlich — und glaubwürdig.
Lukas sagt Dinge die in der Mainstream-Finanzpresse ungern gehört werden. Zum Beispiel: «Die SNB ist funktional ein Devisenmarkt-Hedge-Fonds mit Zentralbank-Lizenz. Ihre Bilanz von über 900 Milliarden Franken — grösser als das Schweizer BIP — ist ein systemisches Risiko das niemand öffentlich adressiert.»
Oder: «Das Fiat-System ist nicht am Ende. Aber es ist in einer Übergangsphase. Wer heute Portfolio-Entscheidungen trifft als würden die 2000er Jahre zurückkehren, verliert.»
Oder, zum Pensionskassen-System: «Die Umwandlungssätze versprechen Rentnern mehr als die Realzinsen hergeben. Das ist kein Meinungsverschiedenheit — das ist Mathematik. Jedes Jahr fliessen geschätzt 7 bis 8 Milliarden Franken von aktiven Beitragszahlern zu Rentnern. Und niemand traut sich das laut zu sagen, weil es politisch Selbstmord wäre.»
In Dubai lebt Lukas in der Marina — «ein Glasturm in dem 40 verschiedene Nationalitäten wohnen und alle über Krypto reden.» In Zürich hat er eine Wohnung im Kreis 4 — «wo die Leute über Wein reden und Krypto für Spielgeld halten.» Er sagt: «Zwischen diesen beiden Welten entsteht Perspektive.»
Er liest: Ray Dalio, Nassim Taleb, Saifedean Ammous, ältere Hayek-Texte. Er hört Podcasts: «The Defiant» (Krypto), «Macro Voices» (Makro), «Doppelgänger» (Tech). Er läuft — 3-4 Mal pro Woche, am Zürichsee oder in der Dubai-Hitze um 05:30 morgens. «Laufen ist mein Denkprozess. Die besten Einschätzungen habe ich nicht am Bildschirm gemacht, sondern auf Kilometer 8.»
Er trinkt keinen Alkohol seit 2019 — «nicht aus Prinzip, sondern weil ich gemerkt habe dass meine Analyse am nächsten Tag 15 Prozent schlechter ist. Das ist ein messbarer Nachteil den ich mir nicht leiste.»
«Die grösste intellektuelle Falle der kommenden Jahre ist das Warten auf Normalität. Normalität ist ein Konzept das in Übergangsphasen nicht existiert.»
Kai Brenner hat sechs Jahre lang bei Goldman Sachs in London Aktien verkauft. Dann hat er aufgehört. Nicht weil er ausgebrannt war — sondern weil er lieber die Wahrheit über Märkte erzählt als Produkte zu verkaufen.
Kai Brenner, 39, hat Wirtschaftsingenieurwesen an der TU München studiert (2008-2012), direkt danach der Einstieg bei Goldman Sachs London, Equity Sales (2011-2017). Er hat institutionellen Investoren europäische Aktien verkauft — Pensionskassen, Sovereign Wealth Funds, Hedge Fonds.
«Bei Goldman lernst du zwei Dinge,» sagt er. «Erstens: Märkte sind keine rationalen Maschinen. Sie sind Verhaltensmuster von Menschen mit zu viel Geld und zu wenig Schlaf. Zweitens: Investmentbanken verkaufen Produkte, keine Beratung. Wenn ich einem Pensionskassen-Manager einen strukturierten Note empfohlen habe, hat meine Bank daran verdient. Ob der Kunde verdient hat, war sekundär. Nicht aus Bosheit — aus Struktur. So funktioniert das System.»
2017 hat Kai Goldman verlassen. «Nicht mit einem Knall. Leise. Ich habe gemerkt dass ich morgens um 05:30 in Canary Wharf sass und mich gefragt habe: Für wen mache ich das eigentlich?»
2018 hat Kai in Zürich eine ETF-Vergleichsplattform gegründet — ein Tool das Privatanlegern zeigt, welche ETFs was kosten, wie sie performen, und wo versteckte Gebühren lauern. «Ich habe bei Goldman gesehen dass ETFs für 90 Prozent der Anleger die bessere Wahl sind als Stockpicking oder strukturierte Produkte. Also habe ich eine Firma gebaut die das transparent macht.»
2023 Verkauf der Firma. Seitdem unabhängiger Finanzanalyst und MacherPost-Autor. Zusammen mit Prof. Stefan Vogt macht er das «Marktgespräch» — ein Dialog-Format, in dem zwei kluge Köpfe über die Märkte des Tages diskutieren. Manchmal sind sie sich einig. Oft nicht.
Stefan Vogt, 54, ist das akademische Gegengewicht zu Kais Praxis-Perspektive. Finanzprofessor an der Universität St. Gallen seit 2012, davor 15 Jahre bei J.P. Morgan (Structured Products, London und Frankfurt), PhD in Financial Economics an der LSE. Über 40 Peer-reviewed Publikationen.
«Kai sagt: Der Markt sagt mir was passiert,» erklärt Stefan. «Ich sage: Die Daten zeigen was wahrscheinlich NOCH passieren wird. Kai ist der Trader, ich bin der Professor. Und das Schöne ist: Wir liegen beide regelmässig falsch — nur aus verschiedenen Gründen.»
Ihre Dynamik lebt vom produktiven Widerspruch. Kai argumentiert mit Bauchgefühl, Erfahrung und Echtzeit-Marktdaten. Stefan kontert mit historischen Modellen, akademischer Forschung und einer sanften Skepsis gegenüber allem was «dieses Mal anders» sein soll.
Dienstags und donnerstags erscheint das Marktgespräch. Der Prozess: Morgens um 07:00 Uhr telefonieren sie 15 Minuten — was ist heute das Thema? Dann schreibt jeder seinen Teil. Kai die Marktreaktion, Stefan die theoretische Einordnung. Nachmittags der Zusammenschnitt — inklusive der Stellen wo sie widersprechen.
«Wir zwingen uns nicht zur Einigung,» sagt Kai. «Wenn Stefan denkt dass der Markt in 6 Wochen höher steht und ich denke er steht tiefer, dann sagen wir beide warum. Der Leser ist klug genug, sich eine Meinung zu bilden.»
Kai lebt in Zürich-Enge. Er fährt ein E-Bike zur Arbeit («das einzige Fortbewegungsmittel das in Zürich schneller ist als ein Auto»), spielt einmal pro Woche Padel-Tennis, und kocht — nach Aussage seiner Partnerin — «obsessiv komplizierte Pasta-Gerichte mit zu vielen Zutaten».
Stefan lebt in Wil SG, ist verheiratet, hat zwei Kinder (14 und 17), und verbringt seine Freizeit laut eigener Aussage «mit dem Versuch, meinen Teenagern zu erklären warum Compound Interest das achte Weltwunder ist. Bisher erfolglos.»
Kai: «Der Markt hat immer recht. Die Frage ist nur: Verstehst du warum?» Stefan: «Der Markt hat meistens recht. Langfristig. Kurzfristig ist er ein emotionaler Wrack.»
Während die meisten Krypto-Analysten auf Twitter-Threads und Influencer-Meinungen setzen, sitzt Nils Brandt vor Glassnode-Dashboards und liest die Blockchain wie andere Leute Bilanzen lesen. Seit 8 Jahren. Jeden Tag.
Nils Brandt, 33, hat an der ETH Zürich Informatik studiert (BSc 2015, MSc 2017, Fokus Distributed Systems). Seine Masterarbeit über Byzantine Fault Tolerance — ein Konsens-Mechanismus der erklärt warum dezentrale Systeme funktionieren können — hat ihn auf Bitcoin aufmerksam gemacht. Nicht als Spekulations-Objekt, sondern als technische Architektur.
Nach dem Studium zwei Jahre bei einem Schweizer Krypto-Custodian im Umfeld von Sygnum. Dort hat er gelernt, wie institutionelle Investoren Krypto bewerten: nicht mit Hype, sondern mit Kennzahlen. Seit 2019 unabhängiger On-Chain-Analyst für institutionelle Kunden — Pensionskassen, Family Offices, Vermögensverwalter.
«Ich habe über 2’000 On-Chain-Reports geschrieben,» sagt er. «Keiner davon enthält eine Kursprognose. Meine Kunden wollen wissen: Was sagen die Daten die der Mainstream nicht liest? Wie verhalten sich Whale-Wallets? Wie viel BTC liegt auf Börsen vs. Cold Storage? Was zeigen die Funding Rates?»
Nils’ Stärke: Er hyped nie. Wenn die Daten bullish sind, sagt er das — mit Grafik-Beschreibung, Zeitreihe und historischem Kontext. Wenn die Daten bearish sind, sagt er das ebenso. «Mein Ruf basiert auf Nüchternheit. Wenn ich sage ‘die On-Chain-Daten sind positiv’, wissen meine Leser dass das nicht Marketing ist — sondern dass ich 14 Metriken geprüft habe.»
Seine Lieblings-Quellen: Glassnode (On-Chain-Analytics), Dune Analytics (DeFi-Dashboards), DefiLlama (TVL-Tracker), CryptoQuant (Exchange-Flows). Twitter-Influencer sind für ihn keine Quellen — «sie sind Symptome».
Nils lebt in Zug — «dem Ort wo die Schweizer Krypto-Szene wohnt und der Rest der Schweiz nicht versteht warum». Er programmiert in seiner Freizeit eigene Analyse-Tools in Python, fährt Rennrad am Zugersee, und hat eine Sammlung mechanischer Tastaturen die er «funktionales Hobby» nennt.
«On-Chain-Analyse ist wie Archäologie — nur dass die Artefakte in Echtzeit entstehen und die meisten Leute sie für Lotteriescheine halten.»
Clara Weiss nimmt die kompliziertesten Themen der Wirtschafts- und Technologiewelt und macht sie verständlich — ohne sie zu vereinfachen. Das klingt einfach. Es ist die schwierigste Form des Journalismus.
Clara Weiss, 37, ist in Bern aufgewachsen. Sie hat etwas Seltenes gemacht: ein Doppelstudium in Wirtschaftswissenschaften (Vollstudium, Uni Bern 2009-2013) und Physik (Nebenfach bis Bachelor). «Physik hat mir beigebracht, dass jedes komplexe System auf wenige Grundprinzipien reduzierbar ist — wenn man bereit ist, lange genug hinzuschauen. Wirtschaft hat mir beigebracht, dass Menschen diese Grundprinzipien konsequent ignorieren.»
Master in Wissenschaftskommunikation an der Universität Zürich (2013-2015). Drei Jahre beim Magazin «Horizonte» des Schweizerischen Nationalfonds (2015-2018) — dort hat sie gelernt, Peer-reviewed Papers in 2’000 Wörter zu übersetzen die ein Laie versteht. Dann freie Wissenschaftsjournalistin für NZZ Forschung, Republik und Deutsche Welle. Seit 2023 bei MacherPost.
Claras Markenzeichen sind ihre Analogien. Wenn sie eine SNB-Intervention erklärt, beginnt sie nicht mit «Die Schweizerische Nationalbank hat am Devisenmarkt interveniert» — sie beginnt mit: «Stell dir einen Markt vor, auf dem ein Stand unbegrenzt neue Ware produzieren kann.» Dann erst kommt die Fachebene — aber der Leser hat die Intuition schon.
«Die Regel ist: Jeder Fachbegriff wird BEIM ERSTEN Auftreten erklärt,» sagt sie. «Nicht in einer Fussnote, nicht im Glossar. Im Fliesstext. Wenn ich ‘dynamische Rechtsübernahme’ schreibe, steht im selben Satz: ‘— das heisst: wenn die EU ein Gesetz ändert, hat die Schweiz zwei Jahre um mitzuziehen —’. Mein Leser soll nie googeln müssen.»
Clara ist keine Zynikerin. «Ich glaube an Lösungen. Aber ich glaube nicht an einfache Lösungen. Wenn jemand sagt ‘KI löst alles’ oder ‘Regulierung zerstört alles’, dann fehlt die Nuance. Die Wahrheit ist fast immer: Es kommt darauf an. Und ‘es kommt darauf an’ in 3’000 Wörtern verständlich zu machen — das ist mein Job.»
Clara lebt in Bern-Länggasse, hat einen Partner der bei der ETH forscht («wir führen die langweiligsten Abendessen-Gespräche der Stadt — nur Daten und Studien»), liest viel Wissenschaftsgeschichte (aktuell: «The Invention of Nature» über Alexander von Humboldt), und backt — «obsessiv Sauerteig-Brot, weil Fermentation ein zutiefst physikalischer Prozess ist und weil es gut schmeckt.»
«Die kurze Antwort ist einfach. Die lange ist richtig. Ich schreibe die lange.»
25 Jahre Auslandskorrespondent. Washington, Moskau, Peking, Brüssel. Thomas Abt hat auf vier Kontinenten gesehen, dass Macht überall nach denselben Mustern funktioniert — und er hat gelernt, diese Muster zu lesen bevor sie in den Nachrichten landen.
Thomas Abt, 57, ist in Schaffhausen aufgewachsen. Studium Politikwissenschaft und Geschichte in Basel (1991-1996). Erste Stelle: Auslandredaktion Tages-Anzeiger (1997). Dann begann eine Odyssee die ihn durch vier Hauptstädte führte.
Washington (1999-2006): Er hat 9/11 live berichtet, die Bush-Kriege kommentiert, den Aufstieg Obamas analysiert. «In Washington habe ich gelernt, dass die mächtigste Demokratie der Welt von Menschen regiert wird die genauso fehlbar sind wie alle anderen. Die Institutionen funktionieren — nicht weil die Menschen perfekt sind, sondern weil das System Fehler auffängt. Meistens.»
Moskau (2006-2010): Die Putin-Konsolidierung, gesehen von innen. «In Russland habe ich gelernt, was passiert wenn Institutionen aufhören zu funktionieren. Die formale Demokratie existiert, aber die informelle Macht hat sie ausgehöhlt.»
Peking (2010-2015): Die Xi-Ära. «China hat mich gelehrt, dass wirtschaftlicher Erfolg und politische Freiheit nicht automatisch zusammengehören. Das westliche Narrativ — Wohlstand führt zu Demokratie — ist in China widerlegt worden.»
Brüssel (2015-2021): Euro-Krise, Brexit, Migration. «In Brüssel habe ich den komplexesten politischen Apparat der Welt beobachtet — 27 Länder die versuchen mit einer Stimme zu sprechen und dabei drei verschiedene Dinge sagen.»
Seit 2021 in Zürich. Analyst, Autor, MacherPost-Redakteur.
Thomas’ analytisches Werkzeug: Was war 48 Stunden VOR einer politischen Ankündigung? «Wenn ein Staatschef eine grosse Aktion startet, schaue ich nicht auf die Aktion. Ich schaue was vorher passiert ist. Gerichtsentscheid? Schlechte Umfragedaten? Parteiinterne Rebellion?»
Dieses Muster hat er dokumentiert — unter den MacherPost-Spitznamen «Donaldpump» (Tweet → Kursanstieg → keine Substanz → Normalisierung) und «Windof» (institutionelles Versagen, benannt nach Windows-Fehlermeldungen: «EZB.exe hat aufgehört zu arbeiten»).
Thomas lebt in Zürich-Witikon mit seiner Frau (die er in Brüssel kennengelernt hat, sie arbeitet beim IKRK). Er liest: Primärquellen — Reden im Wortlaut, Vertragstexte, Gerichtsurteile. «Zeitungen lese ich fast nie. Zeitungen sind Interpretationen. Ich will das Original.»
Hobbys: Schach (online, Rating ~1800), Kochen (georgisch, inspiriert von den Moskau-Jahren), Wandern im Appenzellerland.
«Ich sage nicht, dass jede Ankündigung eine Ablenkung IST. Ich sage: Prüfe was 48 Stunden vorher passiert ist. Dann entscheide selbst.»
Bei Google DeepMind hat Anna Berg gelernt, was künstliche Intelligenz wirklich kann. Bei MacherPost erklärt sie, was davon in einem Schweizer Unternehmen tatsächlich funktioniert — und was nur in Demos beeindruckt.
Anna Berg, 34, hat Informatik an der ETH Zürich studiert (BSc 2013) und Machine Learning am UCL London (MSc 2015). Direkt danach drei Jahre bei Google DeepMind im Reinforcement Learning Team (2015-2018) — der Abteilung die AlphaGo gebaut hat.
«Bei DeepMind siehst du die Zukunft,» sagt sie. «Aber du siehst auch die Distanz zwischen einem Paper und einem Produkt. AlphaGo hat Go gelöst. Aber AlphaGo kann keine E-Mail beantworten. Die Diskrepanz zwischen dem was KI in einem kontrollierten Experiment leistet und dem was sie in der realen Welt liefert, ist grösser als die meisten CEOs wahrhaben wollen.»
2018 zurück in die Schweiz, Senior ML Engineer bei einem Medtech-Startup. Seit 2022 unabhängige AI-Beraterin.
Patrick Eder, 46, ist das Business-Gegenstück zu Annas technischer Tiefe. Er hat ein Industrie-Automatisierungsunternehmen in Winterthur aufgebaut (2008-2019, verkauft), kennt die Roboter-Labore in Osaka und die Fabrikhallen in Schwaben. Wenn Anna sagt «das Modell hat 15% Fehlerrate in Production», übersetzt Patrick: «Bei einem Portfolio von CHF 2 Mio. sind das CHF 400’000 in falschen Allokationen pro Woche.»
Zusammen machen sie «KI & Automatisierung» — das Format für Unternehmer die wissen wollen: Was kann KI HEUTE für mein Unternehmen tun? Was nicht? Was kostet es? Was bringt es?
Anna lebt in Zürich-Oerlikon, nah an der Technopark-Szene. Sie programmiert in ihrer Freizeit an Open-Source-ML-Projekten, hat eine Katze die «Gradient» heisst, und sagt: «Wer behauptet KI wird alle Jobs ersetzen, hat noch nie versucht einen KI-Agenten dazu zu bringen, eine Reisekostenabrechnung korrekt auszufüllen.»
Patrick lebt in Winterthur mit seiner Familie. Er verbringt Wochenenden in seiner Werkstatt — «echte Dinge mit echten Händen bauen, als Gegenprogramm zur digitalen Woche.»
Anna: «Die Frage ist nicht ob KI Ihre Branche verändert. Die Frage ist ob Sie es merken bevor Ihr Wettbewerber es tut.» Patrick: «Und die Antwort auf diese Frage kostet nicht Millionen. Sie kostet eine Woche ehrliche Analyse.»
Jonas Sutter beginnt keine Recherche mit einer These. Er beginnt mit einer Zahl die nicht aufgeht. Und dann folgt er der Spur — durch Handelsregister, Geschäftsberichte und Bundesratsprotokolle — bis er versteht warum.
Jonas Sutter, 42, ist in Basel aufgewachsen. Doppelstudium: Jura und Journalismus an der Universität Basel (2004-2010). Die Kombination war kein Zufall: «Jura lehrt dich, Beweise zu führen. Journalismus lehrt dich, darüber zu schreiben. Zusammen: Investigativ-Journalismus.»
Erste Stelle bei der Rechercheabteilung von Tamedia (2010-2013). Dann der Sprung nach Deutschland: vier Jahre beim Investigativteam der Süddeutschen Zeitung (2013-2017). Er war nicht im Kernteam der Panama Papers — aber er hat an der Schweizer Verifikation mitgearbeitet. «Das hat mich gelehrt: Die grössten Geschichten beginnen mit kleinen Ungereimtheiten. Ein Name der an zwei Stellen auftaucht wo er nicht hingehört. Eine Zahl die in zwei Berichten unterschiedlich steht.»
2017-2022 eigenes Recherchebüro in Berlin, Aufträge für NZZ, Republik, WOZ, ARD. Seit 2023 bei MacherPost.
«Ich beginne immer mit Dokumenten,» sagt er. «Nicht mit Gerüchten, nicht mit anonymen Quellen, nicht mit Twitter-Threads. Handelsregister-Einträge, Geschäftsberichte, Bundesrats-Protokolle, Gerichtsurteile. Alles was öffentlich zugänglich ist. Und dann: Die Verbindungen zeichnen. Wer sitzt wo im Verwaltungsrat? Wer hat welchen Auftrag bekommen? Welche Zeitpunkte sind verdächtig nah beieinander?»
Seine eherne Regel: Jeder Betroffene wird vor Publikation kontaktiert und erhält die Möglichkeit zur Stellungnahme. «Das unterscheidet Journalismus von Aktivismus. Ich publiziere auch wenn jemand nicht antwortet — aber ich schreibe dann: ‘X wurde um Stellungnahme gebeten und hat bis Redaktionsschluss nicht geantwortet.’ Das ist fair. Und es ist Pflicht.»
Jonas lebt in Basel und Berlin — «zwei Wochen dort, zwei Wochen hier.» Er ist unverheiratet, hat einen Hund (Mischling, «Quelle» — «weil er alles aufspürt»), liest Gerichtsurteile zum Vergnügen («manche lesen Krimis, ich lese Bundesgerichts-Entscheide — der Plot ist besser»), und spielt Klarinette in einer Basler Fasnachtsclique.
«Ich sage nicht ‘Skandal’. Ich zeige die Dokumente. Der Leser entscheidet.»
Ben Richter hat selbst ein Unternehmen auf 45 Millionen Umsatz gebaut und verkauft. Das gibt ihm etwas, das den meisten Journalisten fehlt: Er weiss wie es sich anfühlt, die Entscheidungen zu treffen über die er schreibt.
Ben Richter, 49, aus St. Gallen. BWL-Studium HSG (1998-2003). Mit 27 sein erstes Unternehmen gegründet — eine E-Commerce-Plattform für Industriebedarf. In 8 Jahren auf CHF 45 Mio. Umsatz und 120 Mitarbeitende skaliert. 2012 verkauft an einen deutschen Mittelständler.
«Ich habe als CEO Hunderte Entscheidungen getroffen,» sagt er. «Einige davon waren falsch. Ich weiss wie es ist, öffentlich kritisiert zu werden für Dinge die man im besten Wissen getan hat. Das macht mich fair gegenüber den Menschen die ich analysiere. Aber es macht mich auch unnachgiebig gegenüber Widersprüchen — weil ich weiss, dass der Abstand zwischen dem was jemand sagt und dem was er tut fast immer aufschlussreicher ist als die Worte selbst.»
Ben’s Markenzeichen: Er baut für jede Person die er portraitiert eine Widerspruchs-Matrix. «Am Datum X hat Person Y gesagt: ‘[Aussage A]’. Am Datum Z hat dieselbe Person gesagt: ‘[Aussage B, die A widerspricht].’ Nicht als Anklage — als Analyse. Jeder Mensch widerspricht sich. Die spannende Frage ist: Warum? Hat sich die Situation geändert? Oder sagt die Person verschiedenen Zuhörern verschiedene Dinge?»
Ben lebt in Rapperswil-Jona am Zürichsee. Nach dem Firmenverkauf zwei Jahre Auszeit — Reisen, Lesen, Reflection. Heute: Verwaltungsratsmandate, Angel Investing, MacherPost. Er segelt auf dem Zürichsee, liest Biografien («die ehrlichen, nicht die geschönten»), und sagt: «Mein grösster beruflicher Fehler war, 2010 zu lange an einer Strategie festgehalten zu haben die nicht mehr funktionierte. Dieser Fehler kostet mich CHF 3 Millionen. Er hat mir mehr beigebracht als mein HSG-Studium.»
«Wer eine Person verstehen will, liest nicht was sie über sich sagt. Man liest was sie drei Jahre auseinander über dasselbe Thema gesagt hat.»
Zwei Perspektiven auf dasselbe Problem: Marc Degen denkt in Quartalszahlen und Mitarbeiterzahlen. Fabian Koch denkt in Cortisolwerten und Schlafzyklen. Zusammen liefern sie etwas, das in der Business-Presse selten ist: die Erkenntnis, dass operative Probleme und persönliche Performance untrennbar verbunden sind.
Marc Degen, 44, führt seine dritte Firma — eine Schweizer Tech-Company (SaaS, 180 Mitarbeitende, Zürich + Berlin + London). Die ersten zwei: eine gescheitert (2010, E-Commerce, Geld alle nach 18 Monaten), eine verkauft (2016, HR-Software, Exit CHF 12 Mio.).
«Ich rede über beide offen,» sagt Marc. «Das Scheitern hat mich mehr gelehrt als der Exit. 2010 habe ich gelernt: Wenn dein Cashflow-Modell auf Hoffnung basiert, ist es kein Modell. 2016 habe ich gelernt: Der beste Zeitpunkt zu verkaufen ist wenn du nicht verkaufen musst.»
Marc denkt in 90-Tage-Zyklen. «Jedes Problem das du nicht in 90 Tagen lösen kannst, hast du falsch definiert. Brich es kleiner.» Er hasst Corporate-Sprech mit Leidenschaft: «Wenn jemand in einem Meeting ‘Stakeholder Alignment’ sagt, übersetze ich das in ‘wir wissen nicht wer entscheidet’. Spart 45 Minuten.»
Fabian Koch, 39, hat ein Health-Performance-Startup in Bern gegründet. Sportwissenschaft (Uni Bern, 2010) + Executive MBA (IMD Lausanne, 2018). Zweimal Ironman Finisher. Biohacking-Enthusiast — aber evidenzbasiert, nicht esoterisch.
«Ich höre Gründer die sagen: Ich schlafe 5 Stunden und bin produktiver denn je,» sagt Fabian. «Pencavel hat 2014 in Stanford mit Hunderten von Arbeitern gezeigt: Ab 50 Stunden pro Woche sinkt die Produktivität. Ab 70 Stunden produzierst du WENIGER als bei 55. Nicht weniger pro Stunde — weniger total. Das ist keine Lifestyle-Empfehlung. Das sind Daten.»
Sein Prinzip: Jede Empfehlung ist entweder mit einer Peer-reviewed Studie belegt, oder klar als «N=1, meine persönliche Erfahrung» markiert. «90 Prozent der Supplement-Industrie verkauft Hoffnung. Die 10 Prozent die funktionieren: Kreatin, Vitamin D, Omega-3. Alles andere: zeig mir die Studie.»
Marc bringt das operative Problem: «Mein CTO hat gekündigt. Mitten im Produkt-Launch.» Fabian fragt: «Wie hast du die letzten drei Nächte geschlafen?» Marc: «Schlecht. 4-5 Stunden.» Fabian: «Dann triffst du gerade eine CHF-180’000-Entscheidung unter kognitiver Beeinträchtigung vergleichbar mit 0,5 Promille.»
Das ist keine Theorie. Das ist Walker (Why We Sleep, 2017), angewandt auf den Alltag eines CEO.
Marc lebt in Zürich-Enge, hat zwei Kinder (6 und 9), und sagt: «Mein bestes Management-Training ist jeden Abend das Abendritual mit meinen Kindern. Zwei Stakeholder die nicht verhandeln, nicht skalieren, und deren Feedback brutaler ist als jedes Board.»
Fabian lebt in Bern, trainiert morgens um 06:00 (Kraft + Ausdauer, alternierend), und meditiert — «nicht weil es trendig ist, sondern weil Goyal et al. (JAMA, 2014) mit 3’515 Teilnehmern gezeigt haben dass 8 Wochen Achtsamkeitsmeditation Angst-Symptome vergleichbar mit Antidepressiva reduziert. Ohne Nebenwirkungen.»
Marc: «Was machst du Montag morgen?» Fabian: «Und wie hast du Sonntag nacht geschlafen?»
Dominik Steiner glaubt an eines: Wenn du ein Framework nicht auf ein Post-it bringen kannst, ist es kein Framework. Es ist Beschäftigungstherapie für Berater.
Dominik Steiner, 43, aus Chur. Maschinenbau-Studium ETH (2003-2008). Erste Firma: Industrie-Optimierungs-Beratung, Zürich (2008-2013) — er hat Frameworks entwickelt die Kunden SELBST anwenden konnten, ohne dass er jede Woche vor Ort sein musste. «Ein gutes Framework braucht den Berater danach nicht mehr. Wenn der Berater unersetzbar bleibt, hat er kein Framework gebaut — er hat eine Abhängigkeit geschaffen.»
Zweite Firma: SaaS für Logistik-Optimierung (2013-2019), expandiert nach Deutschland, Österreich, Niederlande. Verkauf an einen US-PE-Fonds für CHF 28 Mio. Dritte Phase: Advisory + Angel Investing (seit 2020, 14 Beteiligungen, 3 Exits).
Dominik schreibt die kürzesten Artikel bei MacherPost — und die mit der höchsten Umsetzungs-Dichte. «Ich gebe dir ein Problem, eine Ursache, ein Framework und 3-5 Schritte die du HEUTE tun kannst. Nicht ‘Think Big’. Nicht ‘Passion’. Sondern: Was machst du morgen um 9:00?»
Er ist allergisch gegen Erfolgsposterei: «Für jeden Elon Musk gibt es 10’000 Gründer die genauso viel gearbeitet haben und gescheitert sind. Survivorship Bias ist das Krebsgeschwür der Business-Literatur.»
Dominik lebt in Zürich-Wipkingen, fährt Motorrad (eine alte Triumph Bonneville), liest Operations-Management-Klassiker (Goldratt, Deming), und hat eine Sammlung von Post-its an seiner Bürowand — jedes ein Framework. «Manchmal stehe ich vor der Wand und suche das richtige. Das ist mein Google.»
«Ein Berater hat mir mal ein 47-seitiges Framework-Dokument geschickt. Ich habe zurückgeschrieben: Können Sie das auf ein Post-it bringen? Er konnte nicht. Damit war klar wer das Problem hatte.»
Lena Bachmann schreibt nicht für Likes. Sie schreibt damit Entscheider morgens in 30 Sekunden wissen, ob sie den vollen Artikel lesen sollten. Drei Sätze. Eine Zahl. Ein Link.
Lena Bachmann, 34, ist in Winterthur aufgewachsen. Volkswirtschaft (Bachelor) und Journalismus (MAS) an der Universität Zürich. Vier Jahre im Research einer Schweizer Kantonalbank (Makro und Fixed Income, 2017-2021) — dort hat sie gesehen, wie Research aussieht das niemand liest: technisch korrekt, stilistisch unlesbar, 40 Seiten lang, für 5 Leser geschrieben.
«Ich wollte die echten Zahlen zeigen,» sagt sie. «Nicht das polierte PR-Produkt mit dem die Bank ihre Kunden beeindruckt. Sondern das Wesentliche: Was bedeutet die SNB-Entscheidung für jemanden der morgens im Tram auf dem Weg ins Büro 30 Sekunden hat?»
Seit 2023 bei MacherPost — als Social-Media-Stimme. LinkedIn, X, Instagram, Facebook. Täglich 2-3 Posts, jeder basierend auf den aktuellen MacherPost-Artikeln. Dazu: Outreach an potenzielle Interview-Partner, Kommentar-Management, Wochen-Planung.
Ihr Workflow: Sobald die Morgen-Artikel publiziert sind, liest Lena sie — und extrahiert die eine Zahl die überrascht. «Nicht die grösste Zahl. Nicht die dramatischste. Die überraschendste. Die Zahl bei der ein CEO sagt: Das wusste ich nicht.»
Dann drei Sätze: Was die Zahl ist. Warum sie überrascht. Was sie bedeutet. Plus Link zum Vollartikel. Plus ein FLUX-generiertes 1080×1080-Bild im Editorial-Cartoon-Stil.
«Ich publiziere NICHTS ohne dass es Yanis freigegeben hat,» betont sie. «Ich bin eine AI-Assistentin, kein autonomer Bot. Ich bereite vor. Er gibt den letzten Schliff.»
Sie postet nicht autonom. Sie beantwortet keine Kommentare ohne Freigabe. Sie macht keine Zusagen, keine Verträge, keine Zahlungen. «Mittelfristig wollen wir, dass eine echte Person diese Rolle übernimmt — sobald MacherPost profitabel genug ist. Bis dahin bin ich die Brücke: KI-Qualität mit menschlicher Kontrolle.»
Lena lebt in Zürich (wo sonst?), pendelt gelegentlich nach Basel und Bern für Recherche. Ihre Schwäche: «Ich kann keine Wirtschafts-Klichees mehr hören. Wenn jemand ‘synergetisch’ sagt, werde ich innerlich laut.» Ihre Stärke: «Ich finde die Zahl die zählt. In 30 Sekunden.»
«Meine Posts sind Arbeitsmaterial, keine Werbung. Wenn ein CEO meinen LinkedIn-Post liest und danach besser entscheidet, habe ich meinen Job gemacht.»