Die Märkte hatten sich auf eine schrittweise Normalisierung eingestellt, doch die Realität zeigt ein anderes Bild. Eine aktuelle Umfrage unter Ökonomen, die von Reuters aggregiert wurde, deutet darauf hin, dass die Federal Reserve ihre Zinssenkungen bis ins späte 2026 verschieben muss. Der Grund liegt nicht in einer plötzlichen Wende der geldpolitischen Philosophie, sondern in den persistierenden inflationsbedingten Risiken, die durch geopolitische Konflikte verstärkt werden. Diese Entwicklung ist keine Überraschung für jene, die die Mechanismen globaler Lieferketten beobachten, sie bestätigt jedoch die strukturelle Steifigkeit der aktuellen Preisentwicklung.

Donald Trump hat Jerome Powell und das Komitee der Federal Reserve scharf kritisiert, weil sie den Leitzins im aktuellen Korridor von 3,5 bis 3,75 Prozent halten. Der Präsident argumentiert, dass zu hohe Zinsen Unternehmen und Privatpersonen das Borgen erschweren und die USA wirtschaftlich schwächen. Doch die Daten des Fed Funds Interest Rates zeigen, dass das Entscheidungsgremium im März 2026 zum zweiten Mal in Folge an seiner Kurs festhielt. Die Begründung war nüchtern: Die Wirtschaftsaktivität expandiere zwar solide, doch die Jobzuwächse blieben niedrig und die Inflation weise weiterhin keine ausreichende Annäherung an das Ziel von zwei Prozent auf.

Wer sich in Zuercher Büros umhört, hört oft von der Enttäuschung über die Verzögerung. Die Hoffnung auf schnelle Erleichterung bei den Kreditkosten ist nun durch die harte Kalkulation der Risikofaktoren ersetzt. Laut den aktualisierten Prognosen der Fed liegt die Kern-PCE-Inflation für 2026 bei rund 2,7 Prozent. Dieser Wert liegt deutlich über dem früheren Korridor, der sich im unteren zweistelligen Bereich bewegte, und bleibt somit oberhalb der tolerierten Grenze. Die Headline-PCE-Inflation folgt diesem Trend ebenfalls, was bedeutet, dass die Preisstabilität noch weit entfernt ist.

Die Verschiebung der Zinssenkung auf das späte 2026 ist kein technisches Detail, sondern eine fundamentale Anpassung an die neue Realität. Kriegsbedingte Inflationsrisiken zwingen die Notenbank zu einer Pause, die länger dauert als erwartet. In Gesprächen mit CFOs...