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Ein Beben, eine Blockade und 500 Milliarden

Kolumbien zählt 224 Erdbebentote, Nvidia sammelt 500 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur, und der Bundesrat lehnt die Neutralitätsinitiative ab.

Von der MacherPost-Redaktion 11.08.2026, 16:00 ♪ 15 Min Audio · 1'964 Wörter
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Ein Beben, eine Blockade und 500 Milliarden

Kolumbien zählt nach dem schwersten Erdbeben seit Jahrzehnten mindestens 224 Tote, in der Strasse von Hormuz verhärten sich die Fronten zwischen Washington und Teheran, und an der Wall Street sammelt Nvidia mit sechs Finanzhäusern 500 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur ein. In Damaskus fiel ein Todesurteil gegen Bashar al-Assad, in Budapest wählte das Parlament einen Orban-Kritiker zum Staatspräsidenten. Und in Bern erklärte Aussenminister Ignazio Cassis, warum der Bundesrat die Neutralitätsinitiative ablehnt. Das Abend-Briefing vom Dienstag.

In Kolumbien ist die Zahl der Todesopfer nach dem schweren Erdbeben auf mindestens 224 gestiegen, wie die NZZ am Dienstagnachmittag meldete. Das Beben der Stärke 7,4 erschütterte den Westen des Landes am Montag um 7.34 Uhr Ortszeit, das Epizentrum lag nahe San José del Palmar in rund 103 Kilometern Tiefe, wie der Geologische Dienst Kolumbiens mitteilte. In einer digitalen Datenbank sind mehr als 2'000 Menschen als vermisst registriert, vor allem in Cali und Pereira. Präsident Abelardo de la Espriella, erst seit wenigen Tagen im Amt, rief den Notstand aus: 60 Gebäude stürzten vollständig ein, mehr als 1'500 Wohnhäuser wurden schwer beschädigt, dazu 18 Spitäler und 52 Schulen, und 6 Flughäfen sind für den kommerziellen Verkehr ausser Betrieb (Tagesschau). Die Gouverneurin von Valle del Cauca, Dilian Francisca Toro, nannte allein für ihre Region über 550 Verletzte.

Russland hat in der Nacht auf Dienstag Kiew und weitere ukrainische Grossstädte mit ballistischen Raketen angegriffen. In Saporischschja wurden mindestens 6 Menschen getötet und 19 verletzt, wie Militärgouverneur Iwan Fedorow auf Telegram mitteilte. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, Russland habe dabei ballistische Raketen aus nordkoreanischer Produktion eingesetzt. Im Gebiet Dnipropetrowsk starben nach Behördenangaben 3 weitere Menschen, darunter ein 15-jähriger Junge, bei mehr als 20 Angriffen in 5 Landkreisen (Tagesschau). Moskau erklärte, Ziel sei das örtliche Stahlwerk gewesen. Der Angriff traf auch Umspannwerke in Cherson und Charkiw, es kam zu Stromausfällen.

Um die Strasse von Hormuz ringen die USA und Iran weiter, und die Positionen entfernen sich voneinander. US-Präsident Donald Trump erklärte am Dienstag, die Meerenge sei minengeräumt und werde «zu 100 Prozent» von den USA kontrolliert; zugleich verlangte er Entschädigungszahlungen von Teheran für Schäden aus 50 Jahren (Tagesschau). Iran verhandelt nach eigener Darstellung direkt nur mit Oman, dem es eine gemeinsame Verwaltung der Wasserstrasse vorschlägt, und knüpft eine Öffnung an ein Ende der Seeblockade iranischer Häfen sowie einen Abzug der US-Streitkräfte aus der Region (Al Jazeera). Vor Kriegsbeginn Ende Februar lief ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggasbedarfs durch die Meerenge. Der Preis für ein Fass Brent stieg am Dienstagmorgen um 1,5 Prozent auf rund 89 Dollar (Tagesschau).

Wie verwundbar die zweite grosse Seeroute der Region ist, zeigte sich am selben Tag am Bab al-Mandab. Das jemenitische Frachtschiff «Tahama» wurde am frühen Dienstagmorgen während der Durchfahrt von 3 ballistischen Raketen getroffen, 4 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben, 3 Pakistaner und ein Indonesier. Als Rettungskräfte die Verletzten bergen wollten, schlug eine weitere Rakete ein; 4 weitere Seeleute und ein Mitglied des Rettungsteams wurden verletzt, wie das jemenitische Verkehrsministerium mitteilte (ORF/dpa). Das Ministerium macht die Huthi-Miliz verantwortlich und fordert internationale Massnahmen zum Schutz der Schifffahrt. Die Huthi äusserten sich zunächst nicht.

Ein Gericht in Damaskus hat den gestürzten syrischen Machthaber Bashar al-Assad in Abwesenheit zum Tode verurteilt, wegen vorsätzlichen Mordes, Folter, willkürlicher Inhaftierung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Das Urteil wurde live im Staatsfernsehen verlesen, verurteilt wurden auch Assads Bruder Mahir sowie sein Cousin Atef Nadschib, der als Einziger im Gerichtssaal anwesend war (Tagesschau). Der 60-jährige Assad floh im Dezember 2024 nach Russland, eine Auslieferung ist nicht absehbar. Fast zeitgleich beschloss das Parlament in Beirut die Abschaffung der Todesstrafe und macht Libanon damit zum ersten arabischen Land, das sie formell aus dem Strafrecht streicht; der Hizbullah-Block stimmte dagegen (NZZ). Hinrichtungen waren im Libanon bereits seit 2004 ausgesetzt worden.

Das türkische Parlament hat mit 468 gegen 88 Stimmen bei 6 Enthaltungen ein Gesetz verabschiedet, das den Friedensprozess mit der verbotenen Arbeiterpartei PKK voranbringen soll. Es sieht einen Strafaufschub für PKK-Mitglieder vor, tritt aber erst in Kraft, wenn die Sicherheitsbehörden die Auflösung der Organisation und die Abgabe der Waffen bestätigt haben (Tagesschau). ARD-Korrespondentin Katharina Willinger verweist darauf, dass die Überprüfung einer solchen Entwaffnung aufwendig sei und dauern dürfte; betroffen wären Tausende Kämpfer, Häftlinge und ins Ausland geflohene Unterstützer. Für Präsident Recep Tayyip Erdogan geht es auch um innenpolitische Rechnungen: Für eine weitere Amtszeit bräuchte er vorgezogene Wahlen oder eine Verfassungsänderung, und dafür kurdische Stimmen.

In Ungarn hat das Parlament den früheren Präsidenten des Obersten Gerichtshofs, András Baka, mit 140 Ja- zu 6 Nein-Stimmen zum Staatspräsidenten gewählt. Die Fraktion des im April abgewählten Viktor Orban blieb der Abstimmung fern und erklärte die Wahl für rechtswidrig (Tagesschau). Baka war 2011 drei Jahre vor Ende seiner Amtszeit abgesetzt worden, nachdem er die Justizreformen der Orban-Regierung kritisiert hatte. Der 73-Jährige tritt sein Amt am 19. August an und sagte in seiner ersten Rede, er wolle politisch unabhängig handeln, ohne wertneutral zu sein. Der Wechsel ist der vorläufig letzte Baustein des Machtwechsels, den Péter Magyars Tisza-Partei im April nach 16 Jahren Orban-Regierung erzwungen hat.

Nvidia mobilisiert gemeinsam mit sechs grossen Finanzhäusern 500 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur. Beteiligt sind Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR, die Rechenkapazität erstmals als eigene Anlageklasse behandeln, wie der Chipkonzern mitteilte. Firmenchef Jensen Huang sagte, man bringe die weltweit führenden langfristigen Kapitalgeber zusammen, um KI-Infrastruktur unabhängig zu unterlegen (BBC). Das Geld fliesst in Rechenzentren und in Fabriken für die Chipproduktion. Zur Einordnung: Die grossen Technologiekonzerne haben nach BBC-Angaben in drei Jahren zusammen über 1 Billion Dollar in KI-Projekte gesteckt, Nvidias Börsenwert hat sich im selben Zeitraum verfünffacht. Ob diese Anlagen die erwartete Rendite bringen, ist die offene Frage hinter dem Programm.

In Schanghai steht der Börsengang des Roboterbauers Unitree bevor, und die Nachfrage sprengt den Rahmen. Die für Privatanleger vorgesehene Tranche ist nach Angaben der Schanghaier Börse rund 8'300-fach überzeichnet, die Zuteilungsquote liegt bei etwa 0,018 Prozent. Das Unternehmen aus Hangzhou will rund 6 Milliarden Yuan einnehmen, umgerechnet etwa 790 Millionen Euro, und wird mit einem erwarteten Startwert von mehr als 60 Milliarden Yuan bewertet, also rund 7,7 Milliarden Euro (Tagesschau). Unitree ist der erste chinesische Hersteller humanoider Roboter an der Börse. Der erste Handelstag steht noch nicht fest.

In der Demokratischen Republik Kongo hat der Ebola-Ausbruch die Schwelle von 2'000 Toten überschritten. Bestätigt sind nach offiziellen Regierungsdaten 4'381 Fälle in 5 Provinzen und 2'011 Todesfälle, mindestens 1'000 davon allein in den vergangenen 3 Wochen (Al Jazeera). Es ist der am schnellsten wachsende Ausbruch in der Geschichte des Landes und nach der westafrikanischen Epidemie von 2014 bis 2016 mit 11'310 Toten der zweitgrösste überhaupt. Gegen den seltenen Bundibugyo-Stamm gibt es weder eine zugelassene Behandlung noch einen Impfstoff; die Weltgesundheitsorganisation hat vergangene Woche laufende Impfstoffstudien angekündigt, mit Ergebnissen ist erst in Monaten zu rechnen. Streiks unbezahlter Gesundheitsarbeiter erschweren die Eindämmung zusätzlich.

Die grossen Autohersteller verdienen an jedem verkauften Fahrzeug deutlich weniger. Das durchschnittliche Konzern-Ebit je ausgeliefertem Auto sank im ersten Halbjahr 2026 von 1'409 auf 1'187 Euro, wie eine Auswertung des Center of Automotive Management unter 15 grossen Herstellern ergab. Das operative Ergebnis brach um 17,5 Prozent auf 35,6 Milliarden Euro ein, während der Umsatz nur um 1,4 Prozent nachgab (Tagesschau). Studienleiter Stefan Bratzel nennt die Schere zwischen Umsatz- und Ergebnisentwicklung das eigentliche Alarmsignal des Halbjahres. Berücksichtigt wurden unter anderem Toyota, die VW-Gruppe, Mercedes, BMW und Tesla; grosse chinesische Anbieter fehlen mangels vergleichbarer Halbjahreszahlen. Das Institut erwartet auch für die zweite Jahreshälfte keine Wende, als Belastungen gelten US-Zölle und der Preiskampf in China.

In Bern hat Aussenminister Ignazio Cassis erklärt, weshalb der Bundesrat die Neutralitätsinitiative zur Ablehnung empfiehlt. Die Vorlage, über die am 27. September abgestimmt wird, will die «immerwährende und bewaffnete» Neutralität in der Verfassung verankern, Wirtschaftssanktionen künftig nur noch bei Beschlüssen des UNO-Sicherheitsrats zulassen und die Zusammenarbeit mit Verteidigungsbündnissen auf den Fall eines direkten bewaffneten Angriffs beschränken. Die Initianten argumentieren, nur eine klare Regel schütze die Schweiz davor, in fremde Konflikte hineingezogen zu werden, und stärke ihre Rolle als Vermittlerin. Cassis hielt dagegen, die seit über 180 Jahren geübte Praxis habe sich bewährt und ein starres Regelwerk würde dem Land in einer unsichereren Welt die Hände binden (SRF). Am selben Abstimmungstermin steht die Ernährungsinitiative zur Debatte, die einen Netto-Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent verlangt; Landwirtschaftsminister Guy Parmelin verwies darauf, dass der Selbstversorgungsgrad 2024 bei 50 Prozent lag, netto unter Einrechnung importierten Tierfutters bei 42 Prozent.

Die Hitze hat die Schweiz weiter im Griff, und die Rekorde fallen im Süden. In Locarno-Monti wurden 47 Tropennächte gezählt, in Lugano 44, beides neue Stationsrekorde; bis Freitag gilt für grosse Teile der Deutschschweiz die zweithöchste Warnstufe 3, für das Tessin die höchste Stufe 4 (SRF). Der Kanton Zug verhängt ab Mittwoch ein absolutes Feuerverbot im Freien, die Solothurner Regierung hat Wasserentnahmen komplett untersagt, und auf dem Zürichsee wird der Fahrplan wegen des tiefen Pegels angepasst. Das EU-Klimabeobachtungsprogramm Copernicus meldete für Juni und Juli in Spanien, Frankreich, Süddeutschland und der Schweiz Durchschnittstemperaturen von 2,79 Grad über dem Mittel der vergangenen gut 30 Jahre. Die Folgen zeigen sich im Wald: Das Institut für angewandte Pflanzenbiologie untersucht jährlich 12'000 Bäume in 23 Kantonen, und im Hardwald bei Basel sind zwei Drittel der Buchen braun, gelb oder stark gelichtet. Von den im Trockenjahr 2018 stark geschädigten Bäumen überlebte nur ein Viertel. Forstliche Konsequenz daraus ist der Umbau hin zu trockenheitstoleranteren Arten, was Jahrzehnte braucht und jetzt gepflanzt werden muss.

Heathrow hat den Titel des verkehrsreichsten Flughafens Europas an Istanbul verloren. Im Juli zählte der Londoner Flughafen 7,86 Millionen Passagiere, der Istanbul Airport 8,15 Millionen, wie aus den neuen Zahlen hervorgeht (BBC). Ein Grund liegt im Nahen Osten: Die Passagierzahlen auf Heathrows Nahost-Routen sanken im Juli um 20,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Nach Daten des Branchenverbands Airports Council International war Heathrow von 1996 bis 2019 durchgehend die Nummer eins in Europa und hatte den Rang seit 2023 zurück. Der Flughafen betreibt seine 2 Pisten nahe an der Kapazitätsgrenze und wirbt mit den Zahlen für die Bewilligung einer dritten; ein Ausbau würde 150 Millionen Passagiere pro Jahr ermöglichen. 2025 wurden 84,46 Millionen gezählt.

An der Leichtathletik-EM in Birmingham haben die Schweizer Mittelstrecklerinnen den zweiten Tag geprägt. Audrey Werro gewann ihren Vorlauf über 800 Meter in 1:57,83 Minuten und zog kräftesparend in den Halbfinal ein; die Freiburgerin führt mit ihrem Schweizer Rekord von 1:53,80 die Jahresbestenliste an. Veronica Vancardo verbesserte ihre persönliche Bestleistung um 9 Zehntel auf 1:58,20 und lief damit die fünftschnellste Zeit des Qualifikationsfelds, Valentina Rosamilia qualifizierte sich in 1:59,09 direkt. Über 400 Meter Hürden überstand Dany Brand in 49,07 Sekunden erstmals an internationalen Meisterschaften einen Vorlauf, es war die zweitbeste Zeit seiner Karriere. Julien Bonvin schied in 50,49 aus, ebenso Lena Wernli im Halbfinal der Frauen (SRF). Sprinter Timothé Mumenthaler kam über 100 Meter als Heat-Zweiter weiter.

Am Mittwoch verdunkelt eine totale Sonnenfinsternis Teile Südeuropas, in Spanien dauert die Phase der Totalität bis zu 108 Sekunden, und Optiker melden ausverkaufte Schutzbrillen. In Birmingham stehen die Halbfinals über 110 Meter Hürden mit Jason Joseph an, in Polen beginnt die Beachvolleyball-EM mit je 3 Schweizer Männer- und Frauenteams. Der Kanton Zug setzt sein Feuerverbot in Kraft. Und in der Strasse von Hormuz bleibt offen, ob die Gespräche zwischen Teheran und Maskat wieder in Gang kommen.

Die Märkte heute

Der Goldpreis steht aktuell bei 4'453 US-Dollar pro Unze. Das ist ein Gewinn von 5 Prozent seit Anfang dieser Woche. Hauptgrund ist die anhaltende Unsicherheit um die Strasse von Hormuz.

Der MSCI World Index steht aktuell bei 5'012 Punkten. Das ist ein Gewinn von 0,76 Prozent seit heute Morgen.

Der Bitcoin-Kurs steht aktuell bei 63'716 US-Dollar. Das ist ein Verlust von 1,33 Prozent in den vergangenen 24 Stunden.

Der Euro steht aktuell bei 0,9351 Franken. Damit hat er gegenüber der Referenz von gestern leicht zugelegt.

Der US-Dollar steht aktuell bei 0,8103 Franken. Auch er hat gegenüber der Referenz von gestern leicht zugelegt. Beide Werte stammen aus der EZB-Referenz vom 11. August 2026.

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