Hitze, Brände, ein abgelehnter Gaza-Plan und Easyjet vor dem Besitzerwechsel
Der Wochenbeginn brachte eine dichte Palette an Krisen: Israel lehnt Trumps Gaza-Plan ab, Kolumbien bebt, Shanghai kämpft mit Jahrhundert-Regen, und in der Schweiz brennt und schwült es.
Hitze, Brände, ein abgelehnter Gaza-Plan und Easyjet vor dem Besitzerwechsel
Der Wochenbeginn brachte eine dichte Palette an Krisen, Entscheidungen und Rekordwerten. Israel lehnt den amerikanischen 15-Punkte-Plan für den Gazastreifen ab, in Kolumbien sterben bei einem Erdbeben mehr als 100 Menschen, Shanghai kämpft mit dem heftigsten Regen seit 150 Jahren, und in der Schweiz gehen Hitzerekorde und ein Grossbrand in Schaffhausen Hand in Hand. Parallel dazu steht mit der Übernahme von Easyjet durch Apollo eine der grössten Airline-Transaktionen Europas vor dem Abschluss, während die Schweizer Hilfswerke wegen bundesrätlicher Sparmassnahmen zahlreiche Projekte im Ausland einschränken müssen.
Netanjahu lehnt Trumps Gaza-Plan ab
Die israelische Regierung hat den vom Weissen Haus vorgelegten 15-Punkte-Plan zur Beendigung des Gaza-Krieges zurückgewiesen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bezeichnete das Papier am Sonntagabend als unausgewogen und forderte eine vollständige Entwaffnung der Hamas als Vorbedingung für jede Vereinbarung. Insbesondere der Punkt, der eine zeitlich begrenzte «Übergangsregierung» unter internationaler Aufsicht vorsieht, stösst in Jerusalem auf Widerstand. Das Weisse Haus reagierte nach israelischen Angaben zurückhaltend und verwies auf laufende Verhandlungen. Nachrichtenagenturen und der Deutschlandfunk berichteten am 10. August übereinstimmend, dass die USA in den nächsten Tagen eine überarbeitete Version vorlegen wollen. Für die Region bedeutet das: die ohnehin stockenden Verhandlungen über eine Waffenruhe, die Freilassung der noch rund 20 israelischen Geiseln und den Wiederaufbau des Küstengebiets bleiben vorerst blockiert. Die humanitäre Lage in Gaza hat sich nach UN-Angaben in den vergangenen Wochen weiter zugespitzt, die Hilfslieferungen reichen bei weitem nicht aus. Gleichzeitig meldet die israelische Armee, dass sie im Westjordanland das palästinensische Dorf Beit Omar abgeriegelt hat, nachdem es dort zu Ausschreitungen gekommen war (DLF, 10.08.2026; WELT, 10.08.2026).
Ukraine: Drohnenangriff auf Russland, 13 Tote in Tatarstan
Die ukrainische Armee hat in der Nacht auf den 10. August einen Drohnenangriff auf die russische Teilrepublik Tatarstan geflogen. Nach Behördenangaben in Moskau starben dabei mindestens 13 Menschen, mehrere Dutzend wurden verletzt. Betroffen war nach Angaben des russischen Zivilschutzes unter anderem ein Industriegebiet in der Stadt Jelabuga, rund 1000 Kilometer östlich von Moskau. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach in seiner abendlichen Videoansprache von einem «historischen» Schlag gegen das russische Hinterland und betonte, dass der Krieg jetzt auf russischem Territorium stattfinde. Moskau kündigte Vergeltung an und warf dem Westen vor, die Angriffe durch Aufklärungsdaten zu ermöglichen. Die Angriffe zeigen, dass die Ukraine ihre Reichweite in den vergangenen Monaten deutlich ausgebaut hat und russische Energie- und Industrieanlagen tief im Landesinnern treffen kann. Für die Schweiz hat die Auseinandersetzung direkte Folgen: Die Bundesanwaltschaft prüft nach eigenen Angaben mehrere Fälle von Umgehung der EU-Sanktionen über Schweizer Firmen, insbesondere im Handel mit Ersatzteilen für die russische Rüstungsindustrie. Die Seco-Exportkontrollbehörde hat in den letzten Monaten 7 Verfahren wegen Verdachts auf Sanktionsverstösse eröffnet (Deutschlandfunk, 10.08.2026; WELT, 10.08.2026).
Kolumbien: Erdbeben der Stärke 7,4, mehr als 100 Tote
Im Südwesten Kolumbiens hat am Sonntagnachmittag (Ortszeit) ein Erdbeben der Stärke 7,4 die Region um die Stadt Cali erschüttert. Präsident Gustavo Petro rief noch in der Nacht den landesweiten Notstand aus. Nach ersten amtlichen Bilanzen starben mehr als 100 Menschen, mehrere Hundert wurden verletzt. In mehreren Städten stürzten Wohnhäuser und eine Klinik ein, Strom- und Wasserversorgung fielen grossflächig aus. Helferteams des Roten Kreuzes und der kolumbianischen Armee sind im Einsatz. Das Epizentrum lag nach Angaben des kolumbianischen geologischen Dienstes in der Provinz Cauca in rund 150 Kilometern Tiefe. Kolumbien liegt am pazifischen Feuerring und wird regelmässig von starken Beben getroffen, die Schäden sind diesmal laut Petro «beispiellos». Die Schweiz hat über die DEZA erste Hilfsmittel zugesichert und stellt 2,5 Millionen Franken für Nothilfe bereit. Die Auslandschweizer in den betroffenen Regionen sind nach Angaben des EDA wohlauf; das Konsulat in Bogotá steht für Notfälle bereit. Schweizerische seismologische Stationen haben das Beben weltweit registriert, der Schweizerische Erdbebendienst spricht von einem «sehr starken» Ereignis (ZEIT, 10.08.2026; FAZ, 10.08.2026).
Taifun «Dolphin» legt Shanghai lahm
Der Taifun «Dolphin» hat am Montag die chinesische Metropole Shanghai mit dem heftigsten Regen seit 150 Jahren getroffen. Behörden brachten nach offiziellen Angaben mehr als 1 Million Menschen in Sicherheit. Der Flughafen Shanghai-Pudong strich Hunderte Flüge, der öffentliche Nahverkehr wurde zeitweise komplett eingestellt. Die chinesische Regierung löste die höchste Sturmwarnstufe aus und entsandte das Militär zur Unterstützung der Rettungsarbeiten. Auch die Hauptstadt Peking bereitete sich auf die Ausläufer des Sturms vor und rief die Bewohner auf, zu Hause zu bleiben. Für die Schweiz hat das indirekte Folgen: Wichtige Containerverbindungen von Shanghai nach Rotterdam und Antwerpen sind unterbrochen, was die ohnehin angespannte Logistik in Europa weiter belastet. Die Frachtraten auf der Asien-Europa-Route sind nach Angaben der Reederei MSC in den letzten Tagen um 8 bis 12 Prozent gestiegen. Der Detailhandel in der Schweiz rechnet laut dem Branchenverband HandelSchweiz allerdings noch nicht mit Engpässen in den Regalen, da die meisten Händler Vorlaufzeiten von mehreren Wochen haben (n-tv.de, 10.08.2026; FAZ, 10.08.2026).
Schaffhausen: Grossbrand mitten in der Stadt
Am Sonntagabend ist in Schaffhausen an der Fulachstrasse, nur wenige hundert Meter vom Hauptbahnhof entfernt, ein Grossbrand ausgebrochen. Nach Angaben der Kantonspolizei Schaffhausen wurden mehrere Feuerwehrleute verletzt, Anwohnerinnen und Anwohner sprachen von zwei Explosionen und meterhohen Flammen. Das Feuer in einem Gewerbegebäude war auch in den umliegenden Quartieren noch kilometerweit zu sehen. Die Schadenshöhe ist noch unklar, die Brandursache wird untersucht. Wegen der laufenden Hitzewelle und der damit verbundenen extremen Trockenheit ist die Waldbrandgefahr in weiten Teilen der Schweiz laut dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) «gross» bis «sehr gross». In mehreren Kantonen gilt ein Feuerverbot im Freien, die Kantone Graubünden und Wallis haben zusätzliche Feuerwehrkräfte in Bereitschaft versetzt. Die Schaffhauer Feuerwehr war nach eigenen Angaben mit 60 Einsatzkräften und 12 Fahrzeugen vor Ort, unterstützt von Kollegen aus dem Nachbarkanton Thurgau (Tages-Anzeiger, 10.08.2026; SRF, 10.08.2026).
Apollo übernimmt Easyjet: Druck auf Ryanair und Wizz Air
Der US-Finanzinvestor Apollo übernimmt den britischen Billigflieger Easyjet. Wie aus einer Mitteilung an die Londoner Börse am 6. August hervorgeht, sichert sich Apollo rund 49 Prozent der Anteile und löst damit den bisherigen Grossaktionär Castlelake ab. Apollo hatte in den vergangenen Wochen mehrere Bieter ausgestochen, darunter die indische Indigo Partners. Mit der Übernahme steigt der Druck auf die Airline, ihre Marge zu verbessern und den Wettbewerb mit Ryanair und Wizz Air zu verschärfen. Die Pilotengewerkschaft Balpa zeigte sich besorgt und warnte vor einem «Kahlschlag» bei den Arbeitsbedingungen. Für Reisende in der Schweiz bedeutet das vorerst kaum Änderungen: Easyjet betreibt weiter die Basen Genf und Basel und gehört zu den wichtigsten Anbietern auf Kurzstrecken ab der Schweiz. Easyjet fliegt von Genf aus 45 Destinationen und von Basel aus über 30 Ziele an, davon viele Ferienorte in Südeuropa und Nordafrika. Der Flughafen Genf bezeichnete die Übernahme als «neutral» für den Standort (Süddeutsche Zeitung, 06.08.2026; SRF, 06.08.2026).
Schweizer Hilfswerke kürzen Projekte im Ausland
Die Schweizer Hilfswerke müssen wegen der Kürzungen der Bundesbeiträge zahlreiche Projekte im Ausland einschränken oder ganz aufgeben. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) hat die Mittel für die internationale Zusammenarbeit in der laufenden Periode deutlich reduziert. Betroffen sind nach Angaben der Hilfswerke vor allem Programme in den Bereichen Trinkwasser, Bildung und Gesundheit in Ostafrika und im Nahen Osten. Die Caritas Schweiz sprach von einer «schweren Hypothek für die Schweizer Aussenpolitik». Auch Helvetas und das Schweizerische Rote Kreuz bestätigen, mehrere langjährige Engagements überprüfen zu müssen. Konkret werden nach Angaben der Caritas in Kenia drei Schulprojekte und in Jordanien zwei Gesundheitsstationen in den nächsten Monaten geschlossen. Für 2027 ist mit weiteren Kürzungen zu rechnen, sollte der Bundesrat an seinem Sparkurs festhalten. Parlamentarier aus der Mitte und der SVP verteidigen die Kürzungen als nötig für die Sanierung des Bundeshaushalts; SP und Grüne sprechen von einem «fatten Signal» an die internationale Gemeinschaft (SRF, 10.08.2026).
Devisen: EZB-Referenzkurs Euro/USD 1,1555
Die Europäische Zentralbank hat den Referenzkurs des Euro am 10. August auf 1,1555 US-Dollar festgesetzt. Damit hat die Gemeinschaftswährung im Vergleich zum Vortag leicht zugelegt. Gegenüber dem Schweizer Franken notiert der Euro weiter unter der Parität, was die Schweizerische Nationalbank (SNB) schon seit Monaten aufmerksam beobachtet. Der EZB-Ref ist die Grundlage für viele internationale Transaktionen, Indikatoren und die tägliche Bewertung von Devisenportfolios. Für Schweizer Exporteure in die Eurozone bleibt die Schwäche des Frankens ein zweischneidiges Signal: Einerseits verbilligt sie die Waren in Euro, andererseits verteuert sie die in Euro abgerechneten Vorleistungen aus dem EU-Raum (Yahoo Finanzen, 10.08.2026).
Leichtathletik-EM Birmingham: Schweizer Rekordaufgebot
Bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Birmingham ist die Schweiz mit 67 Athletinnen und Athleten so gross wie nie zuvor angetreten. Am ersten Wettkampftag am Montagabend erreichten Mujinga Kambundji und Salomé Kora das Halbfinal über 100 Meter, ebenso Jason Joseph über 110 Meter Hürden. Mit Medaillenchancen werden vor allem Kambundji, das Stabhochsprung-Talent Angelica Moser und das Diskus-Quartett gerechnet. Swiss Athletics sieht das grosse Aufgebot als Ergebnis einer gezielten Förderung der vergangenen Jahre und hat vor dem Turnier eine Zielsetzung von 13 Medaillen ausgegeben. Die EM dauert bis zum 16. August und ist die grösste Sportveranstaltung des Sommers für Swiss Athletics. Am Dienstag stehen die Halbfinals und erste Finals auf dem Programm, darunter das Diskuswerfen der Frauen, in dem die Schweiz mit Anita Marton und Chiara Scherrer doppelt vertreten ist. Auch im Hochsprung der Männer mit Loïc Gasch und im Weitsprung der Frauen mit Annik Kälin rechnen sich die Schweizer Medaillenchancen aus (sport.ch, 10.08.2026; SRF, 10.08.2026).
Hitzewelle und Trockenheit: Kühe früher ins Tal
Die Schweiz erlebt eine der heftigsten Hitzewellen des Sommers 2026. Am Montag wurden in mehreren Kantonen Temperaturen über 34 Grad gemessen, in Genf und im Wallis bis zu 36 Grad. Die Trockenheit hat in Graubünden ein historisches Ausmass erreicht: Auf einer Alp bei Disentis mussten rund 80 Kühe mehrere Wochen früher als üblich ins Tal gebracht werden, weil das Gras verdorrt ist. Auch die Alpkäse-Produktion ist betroffen, weil die Hitze auf 1700 Metern den Reifungsprozess stört. MeteoSchweiz rechnet erst für Mitte nächster Woche mit einer spürbaren Abkühlung und warnt vor einer weiteren Zunahme der Waldbrandgefahr. Der Bundesrat hat noch keine Krisensitzung einberufen, beobachtet die Lage nach Angaben eines Sprechers aber «sehr genau». Mehrere Gemeinden im Wallis und in Graubünden haben Wasserentnahmen aus Bächen und Seen für die Landwirtschaft beschränkt. Satellitenbilder, die das Bundesamt für Umwelt (BAFU) am Montag veröffentlicht hat, zeigen eine schweizweit deutlich reduzierte Bodenfeuchtigkeit im Vergleich zum langjährigen Mittel (Blick, 10.08.2026; SRF, 10.08.2026).
Ausblick auf den Tag
Am Dienstag entscheidet das Bundesgericht in Lausanne im Fall des ehemaligen Raiffeisen-Chefs Pierin Vincenz. Die Anklage wirft ihm ungetreue Geschäftsbesorgung im Zusammenhang mit einer gescheiterten Übernahme der Bank in Liechtenstein vor. Parallel öffnen die Schweizer Börsen nach einem verlängerten Wochenende, und in den USA werden neue Inflationsdaten erwartet, die den Kurs der US-Notenbank und den Dollar beeinflussen dürften. In Birmingham geht die Leichtathletik-EM mit den Halbfinals und ersten Finals weiter. Am Mittwoch steht das astronomische Highlight des Jahres an: Eine partielle Sonnenfinsternis ist in der Schweiz am späten Nachmittag sichtbar, die nächste in dieser Deutlichkeit gibt es erst 2027 wieder.
Die Märkte heute
Der Euro steht aktuell bei 0,934 Franken. Das ist seit heute Morgen eine stabile Notierung ohne klare Richtung (Quelle: Frankfurter/EZB-Referenz 10.08.2026).
Der US-Dollar steht aktuell bei 0,8083 Franken. Das ist seit heute Morgen eine stabile Notierung (Quelle: Frankfurter/EZB-Referenz 10.08.2026).
Der MSCI World steht aktuell bei 5005,77 Punkten. Das ist ein Gewinn von 0,48 Prozent seit heute Morgen (Quelle: Yahoo Finance, MSCI World Index, 11.08.2026).
Der Bitcoin steht aktuell bei 63.989 US-Dollar. Das ist ein Verlust von 1,63 Prozent seit gestern (Quelle: CoinGecko, 11.08.2026).
Das Gold steht aktuell bei 4475 US-Dollar pro Unze. Das ist ein Gewinn von 5,4 Prozent seit dieser Woche (Quelle: Yahoo Finance, Gold-Futures, 11.08.2026).