Hitze, Handel, Hightech: der Sonntag im Überblick
Swiss Re schlägt Hitze-Alarm, Trump droht mit Uhren-Zoll, Waymo startet in Zürich — und der Showdown der Tour de France.
Hitze, Handel, Hightech: der Sonntag im Überblick
Guten Tag, willkommen zur Morgenausgabe von Macher-Post am Sonntag, neunter August zweitausendsechsundzwanzig. Der Blick auf das, was über Nacht wichtig wurde, und was den Tag prägen wird.
Die Schweiz schwitzt, und die Swiss Re schlägt Alarm. Konzernchef Andreas Berger sagt in einem Interview, das Risiko einer Hitzewelle sei in den Modellen der Versicherer über Jahre hinweg unterschätzt worden. Europaweit stieg die Zahl der hitzebedingten Todesopfer in diesem Sommer laut einer europäischen Gesundheitsbehörde auf 31'800, die Schweiz verzeichnet 357 Hitzetote. Für die Schweiz als trockenheitsanfälliges Land mit hoher Versicherungsdichte hat das unmittelbare Folgen: Sachversicherer wie Swiss Re und Zurich Insurance müssen ihre Klimarisiken neu kalkulieren, was sich in Policen und Rückversicherungsprämien niederschlagen wird. Berger kündigt Konsequenzen für die Kapitalallokation an. (Quelle: NZZ)
Im Handelsstreit mit den USA legt Präsident Donald Trump nach. In einem Videointerview sagt er wörtlich, alles, was er tun müsse, sei zu sagen: «Ich will eure Uhren nicht». Die Schweiz steht wegen ihrer niedrigen Zinsen und der hohen Preise für Exportgüter am Pranger. Die Uhrenindustrie mit Sitz in der Westschweiz und im Jura, die rund 9 Prozent der Schweizer Exporte ausmacht, ist unmittelbar betroffen. Bern verhandelt seit Monaten, das Staatssekretariat für Wirtschaft bestätigt Gesprächsbereitschaft, eine Senkung der Industriezölle ist im Gespräch. Trump setzt die Schweiz als Beispiel in seiner Kampagne gegen «Elite-Länder» mit niedrigen Zinsen. (Quelle: NZZ)
Waymo, das Robotaxi-Schwesterunternehmen von Google, gründet in Zürich eine Schweizer Niederlassung. Der Eintrag im Handelsregister ist erfolgt, der operative Start ist für Anfang 2027 angekündigt. Auf Schweizer Strassen zeichnet sich damit ein Wettbewerb mit Uber und dem deutschen Anbieter Moia ab. Der Bund will mit dem neuen Mobilitätsgesetz den Rechtsrahmen für autonome Fahrzeuge schaffen, der Bundesrat hat den Entwurf im Juni in die Vernehmlassung geschickt. Branchenkenner sehen Zürich als idealen Testmarkt: kurze Distanzen, hohes Einkommen, funktionierende Verkehrsinfrastruktur. (Quelle: NZZ)
Bei der Generaldirektorin der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG, Susanne Wille, kündigt sich unterdessen ein politisches Projekt an. Im Interview kündigt sie eine Allianz mit der ETH Zürich gegen die Macht der grossen US-Technologiekonzerne an. Wille wirbt für mehr digitale Eigenständigkeit der Schweiz, gestützt auf ETH-Forschung und europäische Cloud-Infrastruktur. Der Bundesrat hatte im Mai einen ersten Entwurf für ein neues Datengesetz in die Vernehmlassung geschickt. (Quelle: NZZ)
Am Schweizer Hitzetag mit 35 Grad in Zürich feierten am Samstag Hunderttausende an der Street Parade. Die Veranstalter ziehen eine positive Bilanz, die Polizei meldet keine nennenswerten Zwischenfälle. Die Hitze zwang das Sanitätspersonal zu zusätzlichen Pausen, Wasser wurde gratis verteilt. (Quelle: NZZ)
In den USA verhängt die Federal Trade Commission eine Busse von 567 Millionen Dollar gegen Meta. Es ist die grösste Strafe im Bereich Kindersicherheit, die je gegen ein soziales Netzwerk verhängt wurde. Hintergrund: gezielte Werbung gegenüber Minderjährigen auf Instagram und Facebook. Für Meta ist das Image-Schaden grösser als die finanzielle Belastung. In der Schweiz läuft parallel eine Untersuchung der Datenschutzbeauftragten gegen TikTok und Meta wegen Datenverarbeitung Minderjähriger. Auch die SRG-Tochter Play Suisse geriet in eine vergleichbare Debatte. (Quelle: BBC)
Der Schweizer Versicherer Zurich Insurance gehört zu den grössten Rückversicherern von Waldbrandrisiken in Kalifornien. An der Westküste Kanadas hat sich der Notstand in der Provinz British Columbia verschärft, der grösste aktive Brand verdoppelte seine Fläche innerhalb von 24 Stunden. Etwa 8'000 Menschen wurden evakuiert, die Rauchschwaden ziehen bis nach Washington. Der Bund hat die Katastrophenhilfe mit Hubschraubern aufgestockt. Die Schäden dieses Sommers in Nordamerika könnten nach Schätzungen der Munich Re die Versicherungsindustrie mit bis zu 25 Milliarden Dollar belasten. (Quelle: Tagesschau, BBC)
An der Schweizer Ostgrenze sorgt eine Drohnensichtung über dem Flughafen Friedrichshafen für Diskussionen. Deutsche Innenminister Alexander Dobrindt hat den Vorfall zum Anlass genommen, ein neues Forschungszentrum für Drohnenabwehr zu fordern. Die Schweiz beobachtet die Vorgänge genau, das Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL hat im Mai eine neue Drohnenregelung erlassen, die den Betrieb in der Nähe von Flughäfen einschränkt. Die RUAG, ein Schweizer Rüstungs- und Technologiekonzern, bietet bereits Drohnenabwehrsysteme an und sieht steigende Nachfrage aus dem europäischen Ausland. (Quelle: Tagesschau)
In Bulgarien ist am Samstag eine mutmasslich ukrainische Drohne explodiert. Die Regierung in Sofia sieht darin keine Absicht, Kiew erklärte sich zur Aufklärung bereit. Der Vorfall fällt in eine Zeit wachsender Spannungen entlang der Südostflanke der NATO. Für die Schweiz als neutraler Staat mit Nachrichtendienst des Bundes ist die Bedrohungslage Anlass zur Wachsamkeit, der Chef des NDB, Christian Dussey, sprach kürzlich von einer «deutlich erhöhten» Gefahr durch hybride Angriffe. (Quelle: Tagesschau)
Im Nahen Osten verhandelt Oman über eine Lösung für die Strasse von Hormuz. Nach Angaben des omanischen Aussenministers seien die Gespräche mit Iran «in der Endphase». Sollte eine Einigung gelingen, würde ein Drittel des globalen Öltransits wieder normal fliessen. Iran knüpft eine Öffnung jedoch an weitreichende Forderungen: Aufhebung aller Sanktionen, Sicherheitsgarantien und Reparationszahlungen. Die USA haben in den letzten Wochen Abwehr- und Präzisionsraketen aus ihren Beständen gegen iranische Ziele eingesetzt, Pentagon und Trump bestreiten Engpässe. Für die Schweiz als Transitland für Öl und als Sitz bedeutender Rohstoffhändler (Gunvor, Trafigura) sind die Entwicklungen unmittelbar relevant. (Quelle: NZZ, BBC)
An den Börsen sorgt der erste Quartalsbericht von SpaceX seit dem Börsengang für einen Kursrückgang. Die Aktie fiel um 6,8 Prozent, weil das Unternehmen massive Investitionen in KI-Rechenzentren ankündigte. Das Management plant, die KI-Kapazität bis Ende 2027 auf 1,5 Gigawatt zu verdoppeln, die Kosten dafür sollen 18 Milliarden Dollar übersteigen. Analysten bemängeln die fehlende Transparenz über die Margen. SpaceX-CEO Gwynne Shotwell sprach von einer «Transformationsphase». Schweizer Investoren halten über die SIX und Schweizer ETFs indirekt an SpaceX, (Quelle: BBC)
Die EU-Kommission bereitet ein Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel vor, die Schweiz geht einen ähnlichen Weg. Der Bundesrat hat einen Entwurf in die Vernehmlassung geschickt, der Werbung für Chips, Schokolade und Energy-Drinks an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren verbieten will. Betroffen sind vor allem Werbung in sozialen Medien, in Schulen und an Veranstaltungen. Wirtschaftsverbände warnen vor Einnahmeausfällen in dreistelliger Millionenhöhe, die Konsumentenschützer begrüssen den Schritt. Nestlé mit Sitz in Vevey ist als einer der grössten Lebensmittelhersteller Europas unmittelbar betroffen, auch Migros und Coop haben ihre Werbestrategien bereits angepasst. (Quelle: NZZ)
Die 25-jährige Schweizer Schwimmerin Noè Ponti geht heute an den Europameisterschaften in Belgrad über 50 und 100 Meter Delfin an den Start. Der 24-Jährige aus Lugano hatte 2024 in Paris enttäuscht, jetzt will er Revanche. Ponti gehört zu den Medaillenkandidaten, sein Trainer Massimo Nöthiger rechnet mit einer Finalchance. Übertragen wird auf SRF zwei. (Quelle: NZZ)
Im Frauenrennen der Tour de France steht am Sonntag der Showdown um das Gelbe Trikot an. Die Bernerin Marlen Reusser verlor das Leadertrikot am Samstag auf der Königsetappe zum Mont Ventoux an die polnische Vorjahressiegerin Kasia Niewiadoma Phinney. Die Schweizerin liegt nun 18 Sekunden zurück und hat in der letzten Etappe über die Alpen eine realistische Chance auf den Sieg. Die Etappe startet um 13 Uhr, das Schweizer Team Roland Le Clézio ist prominent besetzt. (Quelle: NZZ)
Zum Schluss der Überblick über das Wetter in den Schweizer Regionen. In Zürich 35 Grad und wolkenlos, in der Nacht kühlt es auf 21 Grad ab, morgen Montag 31 Grad mit vereinzelten Schauern. In Bern 34 Grad und sonnig, morgen 30 Grad mit Niederschlag. In Basel 35 Grad, trocken, morgen 32 Grad und leicht bewölkt. In Genf 33 Grad und wolkenlos, morgen 29 Grad mit Schauern am Nachmittag. In Lugano 32 Grad, morgen 30 Grad und trocken.
Die Märkte heute
Der Euro notiert bei 0,9347 Franken, der US-Dollar bei 0,8103 Franken, beide Werte gemäss der Frankfurter Referenz der Europäischen Zentralbank vom Freitag. Der MSCI World steht bei 5'007,84 Punkten, ein Plus von 2,1 Prozent seit Wochenbeginn. Die breite Erholung an den Weltbörsen spiegelt die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung im Nahen Osten und robuste US-Arbeitsmarktzahlen. Gold kostet 4'399,7 Dollar pro Unze, ein Wochenplus von 9,07 Prozent. Das Edelmetall profitiert von der geopolitischen Unsicherheit rund um Iran und der Erwartung einer baldigen Zinssenkung der US-Notenbank. Bitcoin steht bei 64'771 Dollar, ein Minus von 0,18 Prozent in den letzten 24 Stunden, die Kryptowährung zeigt sich damit stabil trotz der jüngsten Cyberangriffe auf KI-Plattformen.