Offenes Placebo funktioniert. Und die wachsende Placebo-Antwort in klinischen Studien verzerrt, was wir über neue Medikamente zu wissen glauben.
Wer heute ein Medikament verschreibt, unterschreibt eine Rechnung, die er nicht vollständig versteht. Ein Teil der Wirkung kommt aus dem Molekül, ein anderer aus dem, was Patient und Arzt gemeinsam erwarten. Dieser zweite Teil heisst Placebo, und er ist seit 2025 keine Fussnote der Medizingeschichte mehr. Eine aufwendige kalifornische Studie hat ihn als messbaren neurobiologischen Mechanismus dokumentiert. Gleichzeitig steigt in randomisierten klinischen Studien die Placebo-Antwort seit Jahrzehnten, was den gemessenen Unterschied zwischen neuen Medikamenten und Placebo schrumpfen lässt. Dieser Bericht zeigt, was Placebo im Gehirn tut, warum offenes Placebo auch ohne Täuschung wirkt, und welche Folgen die wachsende Placebo-Antwort für die Arzneimittelentwicklung hat.