Die Post-Quanten-Kryptografie ist seit dem Sommer 2024 kein Forschungsprojekt mehr, sondern eine Migration mit harten Fristen. Die USA, Grossbritannien, Frankreich und Deutschland ziehen sie durch. Die Schweiz beobachtet.
Ein grosses Problem lässt sich lange ignorieren, solange keiner es benennt. Genau das passiert seit zwei Jahren mit der Post-Quanten-Kryptografie. NIST hat am 13. August 2024 die ersten finalen Standards veröffentlicht. Die NSA hat ihre Commercial National Security Algorithm Suite 2.0 im Mai 2025 aktualisiert und daraus den ersten verbindlichen Stichtag abgeleitet: ab 1. Januar 2027 akzeptiert sie für neue Beschaffungen nur noch quantenresistente Verfahren. Frankreich hat im Oktober 2025 angekündigt, Produktqualifikationen ab 2027 an PQC zu binden. Deutschland und 17 weitere EU-Staaten haben im November 2024 gemeinsam erklärt, die sensibelsten Anwendungen müssten bis Ende 2030 gegen "Harvest Now, Decrypt Later" geschützt sein. Die Schweiz hat keinen dieser Schritte mitgemacht. Sie hat keinen verbindlichen nationalen Fahrplan, keine Regulierung mit Stichtagen und keine politische Debatte darüber. Was sie hat, ist ein 15-seitiger Branchen-Aktionsplan des Swiss Financial Innovation Desk für die Finanzindustrie und die Antwort des Bundesrats, es bestehe kein Bedarf für zusätzliche Bundesmassnahmen. Dazwischen liegt ein Risiko, das mit jedem Quartal wächst.