Wenn 74 Prozent der Weltbevölkerung in Systemen leben, die keine freie Wahl kennen, lohnt sich der Blick auf das Handwerk hinter der Fassade.
Im März 2025 liess die türkische Justiz Istanbuls Bürgermeister Ekrem İmamoğlu verhaften, den wichtigsten politischen Rivalen von Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Die Anklage wirft ihm Korruption vor, später kam Spionage hinzu. Ihm drohen nach unterschiedlichen Verfahren mehr als zweitausend Jahre Haft. Im September 2025 verurteilte ein Gericht in Peking die Bürgerjournalistin Zhang Zhan zu weiteren Jahren Gefängnis, weil sie über die Pandemie in Wuhan berichtet hatte. In El Salvador schaffte das von Präsident Nayib Bukele kontrollierte Parlament im Jahr 2025 die Beschränkung der unmittelbaren Wiederwahl ab und ebnete den Weg für eine weitere Amtszeit. Diese Fälle stehen nicht für sich. Sie sind Bausteine eines globalen Musters, das die Universität Göteborg in ihrem Demokratie-Bericht dokumentiert hat: Zum zweiten Mal in Folge leben mehr Menschen in Autokratien als in Demokratien.