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Angriff auf Kiew, Drohnenalarm in Leipzig, Streit ums Gaza-Abkommen

Russlands Raketenhagel auf Kyjiw, Sprengstoff am Flughafen Leipzig/Halle und der Bruch zwischen Netanyahu und Trump prägen den Mittwoch. Der Abend-Überblick.

Von der MacherPost-Redaktion 05.08.2026, 16:00 ♪ 15 Min Audio · 1'897 Wörter
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Angriff auf Kiew, Drohnenalarm in Leipzig, Streit ums Gaza-Abkommen

Die Nacht brachte Russlands grössten Raketenhagel seit Wochen auf die ukrainische Hauptstadt. Am Mittwochabend stehen gleichzeitig der Nahe Osten, die Schweizer Aussenpolitik und die grossen Märkte unter Spannung. 14 Signale aus Weltpolitik, Wirtschaft, Schweiz und Sport, was den Tag geprägt hat, was morgen zählt.

Russland überzieht Kiew mit Raketen, Leipzig meldet Sprengstoff an Frachtflugzeugen

Russland hat Kiew und mehrere Regionen in der Nacht zum Mittwoch mit ballistischen Raketen und Drohnen angegriffen. Nach ukrainischen Angaben starben 21 Menschen, Dutzende wurden verletzt. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem «gezielten Schlag gegen Logistik und Versorgung» und forderte zusätzliche Abwehrraketen aus westlichen Lieferungen. Die ukrainische Luftwaffe registrierte nach eigener Darstellung 28 Raketen, die ohne nennenswerte Abwehr einschlugen. In Leipzig/Halle musste in derselben Nacht der Flugbetrieb eingestellt werden, nachdem an Frachtmaschinen aus der Ukraine Sprengstoff (PETN und Semtex) entdeckt worden war; ein zweites Frachtflugzeug kollidierte in der Luft mit einem unbekannten Objekt. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) reiste zur Lagebesprechung nach Sachsen, Sachsens Innenminister sprach von einem «sehr ernsten Sicherheitsvorfall». Die Zünder wurden noch in der Nacht entschärft. Für die Schweiz ist der Vorfall relevant, weil auf den Routen zwischen Leipzig und Zürich regelmässig Fracht für die Pharmaindustrie läuft. Hintergrund: Die deutschen Sicherheitsbehörden beobachten seit Monaten eine Zunahme von Sabotageakten auf Logistikanlagen, die in Verbindung mit dem Ukraine-Krieg gebracht werden. Der Generalbundesanwalt ermittelt inzwischen in 17 Fällen. (BBC News, FAZ, Tagesschau)

Netanyahu lehnt Trumps Gaza-Plan offen ab

Benjamin Netanyahu hat den von US-Präsident Donald Trump vorgelegten Gaza-Plan öffentlich zurückgewiesen. Israel werde sich nicht aus dem Gazastreifen zurückziehen, bevor die Hamas sämtliche Waffen abgebe, sagte der Ministerpräsident am Mittwoch in Jerusalem. Damit widerspricht Netanyahu erstmals direkt dem Weissen Haus und verlässt die bisherige Linie, amerikanische Initiativen auch bei innerer Kritik mitzutragen. Hintergrund sind innenpolitischer Druck und die Sorge, einseitige Zugeständnisse könnten die Koalition aus Likud und rechten Parteien sprengen. Trump reagierte nach Angaben israelischer Medien verstimmt, ein Telefonat mit Netanyahu am Dienstagabend blieb ergebnislos. Die Frage, wer den Gazastreifen nach einer Waffenruhe verwaltet, ist damit wieder offen. Für die humanitäre Lage der rund 1,7 Mio. Bewohnerinnen und Bewohner im Süden des Streifens bedeutet das eine weitere Verzögerung der dringend benötigten Hilfslieferungen. Auch die indirekten Verhandlungen über eine Freilassung der 48 noch festgehaltenen Geiseln liegen seit Monaten auf Eis. (NZZ)

Iran-Krieg belastet weiter Öl und Schifffahrt

Seit Februar 2026 befinden sich die USA und Iran faktisch im Kriegszustand. Eine von Trump Anfang Juli ausgerufene Waffenruhe gilt seit Wochen als faktisch beendet. Iran blockiert Verhandlungen über eine Wiedereröffnung der Strasse von Hormus; gleichzeitig griff die Huthi-Miliz am Mittwoch einen weiteren saudischen Tanker an. Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur passieren täglich rund 17 Mio. Barrel Rohöl die Meerenge, ein Ausfall verteuert globale Frachtraten sofort. Für die Schweiz bedeutet das höhere Importrechnungen für Erdölprodukte und anhaltenden Aufwärtsdruck auf die Inland-Heizölpreise. Die Tankstellenpreise in der Schweiz lagen am Mittwoch im Schnitt 9 Rappen über dem Vorjahreswert. (NZZ)

Ölkonzerne melden Rekordgewinn von 93 Mrd. USD

Die acht grössten Ölkonzerne der Welt haben im zweiten Quartal zusammen 93 Mrd. USD Gewinn erzielt, fast doppelt so viel wie im Vorjahresquartum. Zu den Gewinnern zählen Saudi Aramco, BP, Shell, ExxonMobil, Chevron, TotalEnergies, Eni und Equinor. CEO Amin H. Nasser sprach von einem «robusten» Halbjahr für den saudischen Staatskonzern, dessen Q2-Gewinn allein auf 24 Mrd. USD stieg. Die Debatte um eine europäische Übergewinnsteuer ist damit neu entfacht; Brüssel hatte einen entsprechenden Vorschlag 2023 nach kurzem Anlauf wieder fallen lassen. Für Europa heisst das: hohe Ausschüttungen an die Aktionäre, weiter hohe Sprit- und Heizkosten für die Verbraucher. Der Bund der Schweizerischen Steuerpflichtigen fordert unterdessen eine Sonderabgabe auf Schweizer Raffinerien, die ihre Margen ebenfalls deutlich ausweiten konnten. (Spiegel)

Rhein fällt auf historische Tiefstände, Schweiz meldet Erdrutsche

Der Rhein führt an vielen Messstellen diese Woche so wenig Wasser wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Am Pegel Kaub, dem wichtigsten deutschen Messpunkt für die Binnenschifffahrt, wurde am Mittwoch ein Stand registriert, der den Schiffsverkehr nur noch mit rund einem Drittel der üblichen Ladung erlaubt. Die Achse Rotterdam-Basel ist damit für grosse Frachter teilweise gesperrt. Betroffen sind Stahl-, Chemie- und Pharmakonzerne, die entlang dieser Route produzieren, darunter auch BASF in Ludwigshafen und die Schweizer Salinen in Pratteln. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) muss sich mit der Trockenheit befassen, in der Schweiz laufen parallel Hilfsprogramme für die Landwirtschaft. An 263 von 460 deutschen Messstationen wurden am Mittwoch mindestens 30 Grad gemessen, Spitzenwert 35,0 Grad in Dachwig (Thüringen). In den Alpen meldeten Bergführer vermehrte Steinschläge, die Rega führte drei Hubschrauber-Einsätze wegen blockierter Hüttenzufahrten. Die Schweizerische Meteorologische Anstalt erwartet für die Südschweiz noch bis Ende Woche Temperaturen über 30 Grad. (FAZ, SRF, Spiegel)

Maria Sacharowa mischt sich in Schweizer Abstimmungskampf ein

Die Sprecherin des russischen Aussenministeriums, Maria Sacharowa, hat am Mittwoch offen zur Ablehnung der Schweizer Neutralitätsinitiative aufgerufen. Es ist das erste Mal, dass Moskau sich so direkt in einen laufenden Schweizer Abstimmungskampf einmischt. Sacharowa sprach von einem «historischen Fehler», den die Schweiz mit der Initiative begehen würde. In der Schweiz formiert sich gleichzeitig eine ungewöhnliche Allianz aus SVP-nahen Kreisen um Christoph Blocher und kleinen kommunistischen Gruppen zugunsten der Initiative. Beide Lager eint die Skepsis gegenüber einem engeren Sicherheitsabkommen mit der EU. Der Bundesrat hat die Einmischung bisher nicht kommentiert, der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) beobachtet die Vorgänge. Volksabstimmung ist am 28. September 2026. Umfragen sehen ein Patt: 41 Prozent Ja, 43 Prozent Nein, der Rest ist unentschlossen. (NZZ)

Bundesrat Pfister verteidigt Entwicklungshilfe gegen Umlagerung

Bundesrat Martin Pfister (Die Mitte) hat am Mittwoch den Vorstoss aus dem eigenen Bundesrat zurückgewiesen, Mittel der Entwicklungszusammenarbeit (Deza) in die Armee umzulagern. Die internationale Hilfe sei auch sicherheitspolitisch nötig und diene der Stabilisierung von Regionen, aus denen später Migrationsdruck entstehen könne, sagte der Vorsteher des VBS vor den Medien in Bern. Hintergrund sind die steigenden Verteidigungsausgaben und der Druck auf das Armeebudget, das bis 2030 auf 1 Prozent des Bruttoinlandprodukts wachsen soll. Das Deza-Budget liegt aktuell bei 0,51 Prozent des Bruttonationaleinkommens und damit leicht unter dem internationalen Zielwert von 0,7 Prozent. Akten aus dem Bundesrat belegen den Dissens; eine Entscheidung ist noch offen. (SRF)

EU zahlt Milliardenerträge aus eingefrorenem Russland-Vermögen an Kyjiw

Die EU-Kommission hat am Mittwoch formell beschlossen, die Erträge aus den seit 2022 eingefrorenen russischen Staatsvermögen an die Ukraine auszuzahlen. Es geht um mehrere Milliarden Euro, die aus den Zinsen der festgesetzten Gelder stammen; das Gesamtvolumen beläuft sich nach Schätzungen der EU auf rund 200 Mrd. EUR. Brüssel reagiert damit auf die wiederholten russischen Angriffe auf ukrainische Städte und den stockenden militärischen Fortschritt an der Front. Die Schweiz ist als wichtiger Rohstoffhandelsplatz und Finanzstandort indirekt betroffen, weil hier mehrere Spezialfonds für Osteuropa-Mandate verwaltet werden. Der Bundesrat prüft, ob die EU-Regelung auf Schweizer Banken durchschlägt. (Spiegel)

Fed lässt Leitzinsen unverändert

Die US-Notenbank Federal Reserve hat ihren Leitzins am Mittwoch unverändert gelassen. Die Spanne bleibt bei 4,25 bis 4,50 Prozent. Fed-Chairman Kevin Warsh begründete den Schritt mit der noch immer leicht erhöhten Inflation (Juni-Wert 2,8 Prozent gegenüber Vorjahresmonat) und einem robusten Arbeitsmarkt (4,1 Prozent Arbeitslosigkeit). Die Entscheidung war im Markt weitgehend erwartet worden. Sie stützt den Dollar kurzfristig und entlastet den Franken nicht. Für die Schweizerische Nationalbank bleibt der Spielraum für eine eigene Zinssenkung vorerst eng, da die Zinsdifferenz zur USA sonst noch grösser würde. Der nächste SNB-Termin ist am 25. September. (Federal Reserve, SRF)

SNB schreibt 25 Mrd. Franken Gewinn im Halbjahr

Die Schweizerische Nationalbank hat im ersten Halbjahr 2026 einen Gewinn von 25 Mrd. CHF ausgewiesen. Der Wert resultiert vor allem aus den höher bewerteten Gold- und Devisenpositionen. Im Vorjahresvergleich bedeutet das eine Steigerung von rund 30 Prozent. Der Gewinn fliesst nach Abzug der Reservebildung in die Bundeskasse und die Kantone. Für den Bundeshaushalt bedeutet das einen dringend benötigten Finanzierungsbeitrag in einem Jahr mit steigenden Militärausgaben und höheren Beiträgen an die AHV. Der Bundesrat rechnet für 2026 mit einem Defizit von rund 1,2 Mrd. CHF, das ohne den SNB-Beitrag grösser ausfiele. (SRF)

UBS und Sandoz mit Millionenvergleichen in den USA

Die Grossbank UBS muss in den USA 125 Mio. USD zahlen, weil ihre Geldwäschereikontrollen über Jahre hinweg Mängel aufwiesen. Die Bank akzeptierte den Vergleich mit der Federal Reserve und der Staatsanwaltschaft. CCO Martin Nelson entschuldigte sich öffentlich und kündigte zusätzliche Investitionen in die Compliance-Abteilung an. CEO Sergio Ermotti bezeichnete den Vergleich als «notwendigen Schlussstrich». Separat hat der Generikahersteller Sandoz 450 Mio. USD an 43 US-Bundesstaaten gezahlt, um Klagen im Zusammenhang mit Preisabsprachen bei Generika beizulegen. CEO Richard Saynor sprach von einem «Schritt nach vorn». Beide Vergleiche drücken auf die Reputation der Schweizer Konzernsitze und stärken die Rufe nach schärferen internen Kontrollen. (SRF)

Reusser verteidigt Maillot jaune, Rüegg sorgt für Schweizer Ausreisser-Gruppe

An der Tour de France Femmes trägt Marlen Reusser aus Bern auch am Mittwoch das Maillot jaune. Die 5. Etappe führte von Mâcon nach Belleville-en-Beaujolais. Eine Ausreissergruppe um die Schweizerin Nömi Rüegg fuhr zeitweise mit zwei Minuten Vorsprung, ehe das Feld mit Reusser an der Spitze aufschloss. Reusser führt in der Gesamtwertung mit 38 Sekunden Vorsprung auf die Niederländerin Demi Vollering. Ihr Team spricht bereits vom «Projekt Nizza», wo am Sonntag das Tour-Finale stattfindet. Für den Schweizer Radsport ist es das beste Ergebnis seit Jahren. (SRF Sport)

Salah verlässt Liverpool, FIFA unter Druck

Mohamed Salah, 34, verlässt nach acht Jahren den FC Liverpool und wechselt in die türkische Süper Lig zu Trabzonspor. Der Wechsel kommt überraschend, Salah war in Liverpool zuletzt unumstrittener Leistungsträger mit über 200 Toren im Trikot der Reds. Der Stürmer unterschrieb einen Dreijahresvertrag über geschätzt 24 Mio. EUR pro Saison. Sportlich hinterlässt er eine grosse Lücke. Parallel dazu ringt die FIFA um ihre Glaubwürdigkeit: Präsident Gianni Infantino zog am Mittwoch seine Pläne für eine Investorenliga zurück und berief eine Krisensitzung ein. Hintergrund sind Erpressungsvorwürfe des jordanischen Verbandspräsidenten Ali bin al-Hussein und scharfe Kritik von Luís Figo, der Infantino in einem Interview «institutionelles Versagen» vorwarf. Auch die European Leagues sprechen sich gegen die geplante Aufstockung der Weltmeisterschaft auf 64 Teams aus, die der FIFA-Sonderkongress im kommenden Jahr entscheiden soll. (NZZ Sport)

Ausblick auf Donnerstag

Am Donnerstag stehen die Halbjahreszahlen weiterer Schweizer Grosskonzerne an, dazu neue Konjunkturdaten aus den USA (Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe). In Berlin wird die Bundesregierung über weitere Entlastungen für die von der Dürre betroffene Landwirtschaft entscheiden. In Bern tagt der Nationalrat zur Mehrwertsteuerreform, bei der die Erhöhung des Normalsatzes von 8,1 auf 8,7 Prozent zur Diskussion steht. Und in Brüssel beginnt die zweite Verhandlungsrunde über ein neues Stromabkommen zwischen der EU und der Schweiz, das seit Jahren blockiert ist. Die Schweiz exportiert im Sommerhalbjahr regelmässig Stromüberschuss, im Winter ist sie auf Importe angewiesen.

Die Märkte heute

Der MSCI World steht aktuell bei 4999,58 Punkten. Das ist ein Gewinn von 3,13 Prozent seit Wochenbeginn. Hauptgrund ist die anhaltende Erwartung stabiler Notenbankzinsen und überraschend starker Unternehmensgewinne im zweiten Quartal.

Die Gold-Unze (Gold-Futures) notiert aktuell bei 4307,4 USD. Das ist ein Gewinn von 6,38 Prozent seit Wochenbeginn. Treiber sind die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und in der Ukraine sowie die Erwartung sinkender Realzinsen nach dem Fed-Entscheid vom Mittwoch.

Der Bitcoin-Kurs liegt aktuell bei 64'367 USD. Das ist ein Gewinn von 0,46 Prozent innert 24 Stunden. Die Richtung bleibt seit Tagen seitwärts, grössere Sprünge bleiben angesichts der regulatorischen Unsicherheit in den USA aus.

Der Euro steht zum Franken aktuell bei 0,9345. Der US-Dollar liegt zum Franken bei 0,8088. Die EZB-Referenzkurse vom Mittwoch zeigen einen stabilen Franken gegenüber beiden Währungen, die Schwankungsbreite lag im Tagesverlauf bei weniger als 0,2 Rappen.

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