Wenn Penicillin und seine Nachfolger ihre Wirkung verlieren, verliert die moderne Medizin ihre Grundlage. Die Schweiz gehört im internationalen Vergleich zu den Musterschülern beim Verbrauch - aber die Resistenzlage bleibt ernst. Eine Bestandsaufnahme über das, was eine scheinbar selbstverständliche Errungenschaft gerade verliert.
Am 16. Juli 2026 hat die Weltgesundheitsorganisation ihr Fact Sheet zu antimikrobieller Resistenz zum letzten Mal aktualisiert. Die Botschaft ist nüchtern, die Konsequenzen sind es nicht. Im Jahr 2021 waren weltweit mehr als 4,7 Millionen Todesfälle mit bakteriellen Antibiotikaresistenzen assoziiert. Etwa jede sechste labormässig bestätigte bakterielle Infektion aus dem Jahr 2023 war gegen die verfügbaren Standardantibiotika resistent. Bleibt das derzeitige Massnahmenniveau stabil, prognostiziert die WHO Behandlungskosten resistenter Infektionen bis 2035 in der Grössenordnung von 412 Milliarden US-Dollar pro Jahr, mit zusätzlichen Produktivitätsverlusten von rund 443 Milliarden US-Dollar.