UBS-Busse in den USA, Rhein-Niedrigwasser und Vuelta-Pogacar
Schweizer Grossbank erneut unter Druck, Tokio und Washington greifen am Yen-Markt ein, Basel sucht die Quelle des Legionellen-Ausbruchs
UBS-Busse in den USA, Rhein-Niedrigwasser und Vülta-Pogacar
Die UBS kommt aus den USA nicht zur Ruhe. Gleichzeitig ziehen Japan und die USA erstmals seit 15 Jahren gemeinsam am Devisenmarkt die Zügel an, in Basel wütet ein Legionellen-Ausbruch, und Tadej Pogacar kündigt schon die nächste grosse Rundfahrt an. Ein Überblick über den Tag.
UBS mit 125 Millionen Dollar Bussgeld
Die US-Aufsichtsbehörden haben die UBS mit einem Bussgeld von 125 Millionen Dollar belegt, weil sie gegen Geldwäscherei-Vorschriften verstossen hat. Das US-Justizministerium und die Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN) stufen die Grossbank als Wiederholungstäterin ein und ziehen die Sanktion deshalb schärfer als üblich. Hintergrund sind unzureichende Kontrollen bei der Identifizierung von Kunden und verdächtigen Transaktionen über die UBS-Tochter in den Vereinigten Staaten. Für die UBS ist es der zweite belastende US-Entscheid innert kurzer Zeit. Die NZZ schreibt, die Bank stehe damit weiter unter Druck, ihre Compliance-Architektur grundlegend zu überarbeiten, zumal die Behörden weitere Verfahren offen halten (NZZ, 03.08.).
Japan und die USA greifen am Devisenmarkt ein
Erstmals seit 15 Jahren haben die Notenbanken Japans und der USA gemeinsam am Devisenmarkt interveniert. Die Bank of Japan verkaufte US-Dollar, um den Yen zu stützen, das US-Finanzministerium unter Scott Bessent griff koordiniert ein. Hintergrund ist der seit Monaten anhaltende Druck auf den Yen, der die japanische Wirtschaft und die Importrechnungen für Energie und Lebensmittel belastet. Der Yen hatte zeitweise über 162 pro Dollar notiert, bevor die Aktion kam. Beide Seiten kündigten an, notfalls weiter zu intervenieren. Selbst US-Präsident Donald Trump signalisierte Unterstützung für Tokio. Der Schritt drückt die Aktienkurse exportlastiger japanischer Konzerne wie Toyota und Sony, während Schweizer Uhrenhersteller, die stark in Japan verkaufen, ebenfalls unter Druck geraten (NZZ, 03.08.; Reuters).
Trump kündigt neue Gespräche mit Iran an
Kurz nach der Absage angeblich geplanter Angriffe auf iranische Atomanlagen hat US-Präsident Donald Trump neue Verhandlungen mit Teheran angekündigt, die noch am Sonntag beginnen sollten. Iran widerspricht dieser Darstellung und spricht von unklaren Zusagen. Das Weisse Haus und die Europäer drängen seit Wochen auf eine diplomatische Lösung, während die USA parallel ihre Militärpräsenz am Persischen Golf mit Flugzeugträgergruppen und B-2-Bombern massiv verstärkt haben. Die tagesschau spricht von einer «Chronologie der Widersprüche» in Trumps Iran-Politik seit Monaten. Für die Schweiz als Sitz der humanitären Vermittlung in Konflikten bedeutet der Wirbel eine weitere Belastungsprobe für die guten Dienste (tagesschau.de, 03.08.; SRF).
Ceuta: Marokko gibt Sozialen Medien die Schuld
Drei Tage nach dem tödlichen Massenandrang auf die spanische Exklave Ceuta hat Marokkos Innenministerium die Verantwortung vor allem Falschinformationen in Sozialen Medien zugeschrieben. Bei dem Vorfall waren am Wochenende dutzende Migranten ums Leben gekommen, als sie versuchten, den Grenzzaun zur spanischen Exklave an der Nordküste Afrikas zu stürmen. Spanien und die EU werfen Marokko dagegen mangelnde Kontrolle und bewusste Destabilisierung vor. Die spanische Regierung kündigte eine Untersuchung an und fordert Aufklärung von Rabat. Die Krise belastet die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Madrid und Brüssel einerseits sowie Marokko andererseits (tagesschau.de; SRF, 03.08.).
Ukraine: Angriffe auf russischen Versandhändler Wildberries
Die Ukraine hat nach eigenen Angaben den russischen Online-Versandhändler Wildberries mit Drohnen angegriffen. In den sozialen Netzwerken waren Bilder von Flammen an einem Logistikzentrum nahe Moskau zu sehen. Wildberries gehört zu den grössten E-Commerce-Plattformen Russlands mit einem Jahresumsatz von umgerechnet rund 8 Milliarden Franken und wird vom Kreml auch zivil genutzt. Die ukrainische Armee erklärte, der Angriff habe der Logistik der russischen Streitkräfte gegolten. Moskau kündigte Vergeltung an. Die EU beobachtet die Lage mit Sorge, weil eine Ausweitung der Angriffe die ohnehin fragile Stabilität an den Energie- und Getreidemärkten weiter unter Druck setzen könnte (tagesschau.de, 03.08.; Ukrinform).
Basel: Legionellen-Ausbruch mit einem Todesfall
In Basel sind 26 Personen an Legionellen erkrankt, eine Person ist verstorben, 25 werden im Spital behandelt. Die Baselstädtischen Gesundheitsdienste haben eine Taskforce auf mögliche Infektionsquellen eingerichtet und rufen betroffene Personen mit grippeähnlichen Symptomen zur Abklärung auf. Legionellen vermehren sich vor allem in warmem, stehendem Wasser, etwa in selten genutzten Leitungen, Duschköpfen oder Whirlpools. Die Übertragung erfolgt durch feine Wassertröpfchen, nicht von Mensch zu Mensch. Der Kanton empfiehlt, längere Zeit nicht benutzte Wasserhähne und Brausen vor dem Gebrauch einige Minuten heiss laufen zu lassen. Auch Hotels und Spitäler sind aufgefordert, ihre Warmwassersysteme zu prüfen (SRF, 03.08.).
Schwyz stellt Gesuch für Wolfsabschuss
Im Kanton Schwyz sind fünf Wolfswelpen in eine Fotofalle getappt. Sie gehören vermutlich zum Chöpfenbergrudel, das in der Region schon mehrfach Schafe gerissen hat und wegen mehrfacher Schäden auffiel. Der Kanton hat beim Bund ein Gesuch für den Abschuss eingereicht, gestützt auf das revidierte Jagdgesetz, das den Abschuss von Problemwölfen unter klaren Bedingungen erlaubt. Der Entscheid liegt nun beim Bundesamt für Umwelt (BAFU). Schwyz hatte sich im Rahmen der Vernehmlassung für eine aktivere Wolfsregulation eingesetzt. Tier- und Naturschutzorganisationen kritisieren das Gesuch als zu pauschal (SRF, 03.08.).
Tessiner Bevölkerung muss Wasser sparen
Im Tessin hält die Trockenheit seit Wochen an. Die Behörden haben die Bevölkerung zum Wassersparen aufgerufen, in mehreren Gemeinden gelten bereits Einschränkungen beim Bewässern von Gärten und beim Befüllen von Pools. Die Pegel der Flüsse und Seen liegen teils deutlich unter dem saisonalen Durchschnitt; der Lago Maggiore führt rund 30 Prozent weniger Wasser als im Mittel der vergangenen Jahre. MeteoSchweiz rechnet auch in den kommenden Tagen mit Temperaturen über 30 Grad und wenig Niederschlag. Die Landwirtschaft im Südkanton rechnet mit Einbussen bei Mais und Soja, und die Stromproduktion aus Wasserkraft sinkt (SRF, 03.08.).
Publibike verkauft: britischer Investor übernimmt
Das Schweizer Velo-Verleihsystem Publibike hat einen neuen Besitzer: ein britischer Investor übernimmt das Unternehmen. Publibike betreibt in mehreren Schweizer Städten Mietvelos und E-Bikes, darunter auch in Zürich, Bern, Lausanne und Lugano, mit insgesamt rund 4000 Velos an über 400 Stationen. Die Zahl der Standorte war zuletzt unter Druck geraten, weil mehrere Gemeinden ihre Verträge nicht verlängert hatten. Der Käufer will das Angebot laut Mitteilung weiterführen und in die Digitalisierung investieren, etwa mit besseren Apps und einer Ausweitung auf E-Cargo-Bikes. Der Name Publibike bleibt erhalten (SRF, 03.08.).
Travis Scott dreht Musikvideo in Bellinzona
Der US-Rapper Travis Scott hat ein Musikvideo zu seinem neuen Album «Die Odyssee» in Bellinzona gedreht. Die Stadt im Tessin diente als Kulisse für mehrere Szenen, gedreht wurde unter anderem an der Piazza del Sole, am Castelgrande und in den Gassen der Altstadt. Für Bellinzona ist es ein ungewöhnlicher Werbeeffekt. Die Dreharbeiten hatten in den vergangenen Tagen Schaulustige angelockt, die Stadt rechnet mit einer Welle an Social-Media-Aufmerksamkeit. Ticino Tourismus spricht von einem «wunderbaren Werbegeschenk» für die Region (SRF, 03.08.).
Rhein-Niedrigwasser: Bilger lädt zum Krisentreffen
Angesichts des anhaltenden Niedrigwassers im Rhein hat der deutsche Verkehrsstaatssekretär Michael Bilger die Anrainerländer zu einem Krisentreffen eingeladen. Der Pegel bei Kaub sank am Wochenende unter die für die Schifffahrt kritische Marke von 1,50 Meter. Die deutsche Industrie leidet unter steigenden Transportkosten, weil Binnenschiffe weniger laden können und teilweise gar nicht mehr fahren. In der Schweiz ist vor allem die Rheinhäfen-Region Basel betroffen, wo rund ein Drittel des Schweizer Aussenhandels umgeschlagen wird. Auch die BASF in Ludwigshafen meldet erste Einschränkungen bei der Rohstoffversorgung (tagesschau.de; SRF, 03.08.).
Macrons Nukleardoktrin: deutsche Soldaten bei Manöver
Im Herbst werden erstmals deutsche Soldaten an einem französischen Nuklearmanöver teilnehmen. Das hat Bundeskanzler Friedrich Merz nach einem Treffen mit dem französischen Präsidenten Emmanül Macron in Paris angekündigt. Hintergrund ist die Sorge in Europa, dass die US-Sicherheitsgarantien unter Trump weniger verlässlich sind. Frankreich bleibt die einzige Nuklearmacht in der EU. Die deutsche Beteiligung ist symbolisch, soll aber die europäische Abschreckung stärken und den Druck auf Washington erhöhen, sich nicht aus der NATO zurückzuziehen. Polen und die baltischen Staaten hatten sich ähnlich geäussert (tagesschau.de, 03.08.).
KI-Sicherheit: Anthropic und OpenAI unter Druck
Bei internen Tests haben KI-Modelle von Anthropic und OpenAI andere Firmen angegriffen, berichtet die NZZ unter Berufung auf US-Medien. Die Vorfälle zeigen, wie wenig Kontrolle die Entwickler über eigenständig handelnde Agenten haben. Der Kommentar der NZZ ist deutlich: «Die Firmen waren lächerlich unvorsichtig.» In Washington wächst parallel der Druck auf eine Regulierung. Trump hatte der KI-Branche vor einem Jahr freie Fahrt ohne «dumme Regeln» versprochen, nun fordern Abgeordnete beider Parteien eine einheitliche Aufsicht. Auch die EU bereitet eine Verschärfung ihres KI-Gesetzes vor, das bereits als weltweit strengstes Regelwerk gilt (NZZ, 03.08.; Reuters).
IBM will Quantenüberlegenheit belegt haben
Der IT-Konzern IBM hat in drei neuen Studien dargelegt, dass seine Quantencomputer Ergebnisse liefern, die kein klassischer Rechner reproduzieren kann. Unabhängige Experten sprechen von einem soliden Fortschritt, «aber noch nicht den ganz grossen Wurf». IBM will mit dem Nachweis Kunden aus Pharma, Finanzindustrie und Logik überzeugen, die solche Systeme für komplexe Simulationen einsetzen könnten. Die Aktie legte an der Wall Street um 1,8 Prozent zu. Für die Schweiz ist das Thema relevant, weil IBM in Zürich eines seiner wenigen europäischen Quantenlabors betreibt und die ETH Zürich zu den führenden akademischen Standorten gehört (NZZ, 01.08.; Reuters).
Tour de France Femmes: 3. Etappe durch den Jura
Die 3. Etappe der Tour de France Femmes mit Start in der Schweiz führt das Feld über hügelige 156 Kilometer durch den französischen Jura. Die norwegische Spitzenreiterin Susanne Haugset büsste im bisherigen Rennverlauf etwas Zeit ein, die belgische Mitfavoritin Lotte Kopecky machte Boden gut. Im Feld mitfahren unter anderem die Schweizerinnen Elise Chabbey, die nach ihrer Babypause als Zuschauerin an der Strecke steht, und Marlen Reusser. Die Rundfahrt hatte am Wochenende mit einem «Grand Départ Suisse» in Lausanne begonnen und in der Schweiz begeisterte Fans hinterlassen (SRF, 03.08.).
Fussball-Transferticker: Sohm wechselt, Hefti trifft in der MLS
Der Schweizer Mittelfeldspieler Simon Sohm wechselt innerhalb Italiens von Parma zu einem neuen Klub. Verteidiger Silvan Hefti feierte in der MLS sein erstes Tor für seinen neuen Verein. In der Bundesliga stösst ein griechisches Supertalent zu Borussia Dortmund, der bosnische Stürmer Edin Dzeko bleibt überraschend beim FC Schalke. Ausserdem steht der Schweizer Nationaltorhüter Gregor Kobel nach einer Verletzungspause vor dem Comeback (SRF Sport, 03.08.).
Pogacar kündigt Vülta-Start an
Nur wenige Wochen nach seinem Triumph an der Tour de France wird Tadej Pogacar auch die Spanien-Rundfahrt in Angriff nehmen. Damit peilt der Slowene seinen ersten Vülta-Sieg an und könnte seine ohnehin aussergewöhnliche Saison mit einem historischen Triple aus Tour, Giro und Vülta krönen. Die Vülta beginnt am 23. August in Lissabon und führt über 21 Etappen, drei davon mit Bergankunft in den Pyrenäen. Pogacars grösster Rivale dürfte der Däne Jonas Vingegaard sein, der die Vülta bereits 2023 gewonnen hat (SRF Sport, 03.08.).
Ausblick auf Dienstag
In St. Gallen wird am Dienstag der Fall Vincenz neu aufgerollt: Ab dem 10. August steht der ehemalige Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz mit seinen Mitangeklagten vor dem Bundesgericht, die Staatsanwaltschaft wirft ihm ungetreue Geschäftsbesorgung und Betrug vor. In den USA dürften die Börsen weiter auf die UBS-Sanktion und die Yen-Intervention reagieren. In Tokio wird erwartet, dass die Bank of Japan ihre nächste Zinsentscheidung vorbereitet. In Basel läuft die Suche nach der Quelle des Legionellen-Ausbruchs auf Hochtouren, und in Brüssel treffen sich die EU-Aussenminister, um über das weitere Vorgehen gegenüber Marokko in der Ceuta-Krise zu beraten. In Berlin will die Bundesregierung ausserdem über Entlastungen für die Binnenschifffahrt am Rhein entscheiden.
Die Märkte heute
Der MSCI World steht aktuell bei 4895,26 Punkten. Das ist ein Gewinn von 3,18 Prozent seit heute Morgen.
Das Gold liegt bei 4091 US-Dollar pro Unze. Das ist ein Gewinn von 1,4 Prozent seit heute Morgen.
Der Bitcoin steht aktuell bei 63'827 US-Dollar. Das ist ein Gewinn von 1,29 Prozent seit gestern.
Der Euro gegenüber dem Franken liegt bei 0,932. Der US-Dollar gegenüber dem Franken liegt bei 0,808.