Trumps Kehrtwende bei Iran, Bombenanschlag in Moskau und Hitze am Rhein
Der Sonntag bringt einen abgesagten US-Angriff auf Teheran, über 70 Tote vor Ceuta und einen Rekord-Tiefstand am Niederrhein.
Trumps Kehrtwende bei Iran, ein Bombenanschlag in Moskau und Hitze am Rhein
Donald Trump hat einen geplanten Grossangriff auf Iran kurzfristig abgesagt. Grund war ein Telefonat mit dem saudiarabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, wie die «Neue Zürcher Zeitung» unter Berufung auf das Weisse Haus berichtet. Trump sprach von vereinbarten «Grundzügen» eines Abkommens. Teheran dementiert umgehend: Man habe sich weder auf Eckpunkte geeinigt noch nähere sich eine Einigung. Das US-Militär sei nach Medienberichten bereits in Startposition gewesen, eine grossangelegte Angriffswelle auf iranische Ziele vorzubereiten, heisst es aus Washington. Betroffen wären demnach Stellungen der iranischen Revolutionsgarden, Ölraffinerien sowie Führungsquartiere der Pasdaran. Die saudische Vermittlung verändert die Rechnung, weil Riad ein direktes Interesse an einem Ende des Konflikts hat: Riads Hauptkunde für Ölimporte, China, hat in den vergangenen Wochen Lieferungen aus dem Persischen Golf reduziert. Für die Region bedeutet das eine Atempause. Für Europa bleibt die Lage fragil: Sollten die Gespräche in den nächsten Tagen scheitern, ist mit einer Wiederaufnahme der Angriffe zu rechnen. Die Rohölpreise reagierten mit einem leichten Rückgang; die Sorte Brent fiel an der Londoner Börse um 0,8 Prozent auf 76,40 US-Dollar pro Fass.
Ceuta: 70 Tote, EU-Streit um Migration
Die Zahl der Toten an der Grenze der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta ist nach offiziellen Angaben auf mehr als 70 gestiegen. Weitere Leichen wurden im Meer geborgen, wie der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska am Samstag mitteilte. Zehntausende Menschen hatten in der vergangenen Woche versucht, von Marokko aus in die Exklave zu gelangen. Die Marokkanische Marine patrouilliert seither vor Ort mit einer schwimmenden Barriere. 22 EU-Staaten haben Spanien in einem gemeinsamen Brief scharf kritisiert und ein härteres Vorgehen gegen irreguläre Migration gefordert. Spanien wehrt sich gegen den Vorwurf, die Aussengrenzen nicht ausreichend zu schützen. Die EU-Aussenminister treffen sich am Dienstag in Brüssel zu einer Sondersitzung. Für die Schweiz ist das Thema ebenfalls heikel: Die Stimmbevölkerung hat im vergangenen Jahr über eine Verschärfung des Asylrechts abgestimmt, und die Zahl der Asylgesuche steigt seit Monaten wieder an.
Moskau: Bombenanschlag tötet mehrere Menschen
In der russischen Hauptstadt hat am Samstagabend ein Bombenanschlag mehrere Menschen das Leben gekostet. Nach Angaben des russischen Ermittlungskomitees explodierte ein Sprengsatz auf einem belebten Platz; weitere Personen wurden schwer verletzt. Das russische Innenministerium sprach von einem terroristischen Hintergrund. Die Vorgehensweise erinnert an frühere Attentate mit Bezug zum Krieg gegen die Ukraine, wie die NZZ berichtet. Präsident Wladimir Putin wurde nach Angaben des Kreml laufend informiert. Die Behörden schränkten den Zugang zum Tatort weiträumig ein. Eine offizielle Stellungnahme der ukrainischen Regierung lag bis Redaktionsschluss nicht vor. Westliche Geheimdienste beobachten seit Kriegsbeginn eine Häufung solcher Anschläge im russischen Hinterland.
Ukraine: 635 Drohnen abgefangen, Angriff auf russische Raffinerie
Russland meldet die Abwehr von 635 ukrainischen Drohnen innerhalb von 24 Stunden. Eine davon traf nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums eine Raffinerie in der Region Krasnodar; zwei Personen kamen ums Leben, drei wurden verletzt. Nach Recherchen des «Kyiv Independent» handelte es sich um Drohnen des Typs «Liutyj», die auf russisches Staatsgebiet zielen. Die ukrainische Luftwaffe erklärte, sie habe in derselben Nacht wiederum 32 russische Drohnen abgeschossen. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einer «notwendigen Vergeltung» für die russischen Angriffe auf zivile Ziele. Die Berichte lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Für die Energieversorgung in Südrussland hat der Treffer unmittelbare Folgen: Die Raffinerie deckt rund 3 Prozent der regionalen Treibstoffproduktion ab.
Waldbrand in Spokane: US-Grossstadt im Ausnahmezustand
Im US-Bundesstaat Washington hat ein Waldbrand die Stadt Spokane erreicht. Die Behörden ordneten die Evakuierung mehrerer Stadtteile an, nach Schätzungen des Gouverneursamts sind rund 12'000 Personen betroffen. Das Feuer war am Donnerstag ausgebrochen und hat sich durch anhaltende Trockenheit und Temperaturen über 38 Grad Celsius schnell ausgebreitet. Feuerwehrchef Brian Schäffer sprach von einer der «anspruchsvollsten Brandlagen seit Jahrzehnten». Der Bundestaat Washington hat den Katastrophenfall ausgerufen. Präsident Trump kündigte Bundesbeihilfen an. An der Westküste der USA wüten seit Wochen schwere Waldbrände, die Rauchwolken reichen bis nach Kanada. Die klimatische Lage verschärft sich: Das US Forest Service stuft die Brandgefahr in fünf Weststaaten als «extrem» ein.
Athen: Waldbrände greifen auf Vororte über
Auch in Griechenlagen wüten Waldbrände mit unverminderter Heftigkeit. Am Sonntag griff ein Feuer bei Athen auf die Vororte Acharnes und Varympompi über. Rund 250 Feuerwehrleute sind im Einsatz, unterstützt von 14 Löschflugzeugen und Hubschraubern. Mehrere Strassenverbindungen wurden gesperrt, zwei Spitäler wurden vorsorglich evakuiert. Zwei Personen wurden nach Behördenangaben mit Rauchvergiftungen behandelt. Die Regierung in Athen bat die EU um Unterstützung über das Katastrophenschutzverfahren. Die Hitzewelle mit Temperaturen über 42 Grad hält seit acht Tagen an. Das griechische Wetteramt warnt vor einer weiteren Verschärfung in der kommenden Woche. Für den Tourismus, der rund 20 Prozent des griechischen BIP ausmacht, sind die Folgen gravierend: Tausende Buchungen wurden storniert.
Rhein: Pegel fällt auf historischen Tiefstand
Der Rhein führt am Wochenende so wenig Wasser wie seit Messbeginn nicht mehr. Am Pegel Emmerich wurde am Samstagmorgen ein Stand von 27 Zentimetern registriert, wie die deutsche Wasser- und Schifffahrtsverwaltung mitteilte. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2018 lag bei 30 Zentimetern. Die Frachtschifffahrt ist auf dem Niederrhein faktisch zum Erliegen gekommen; auch zwischen Basel und Rotterdam verkehren nur noch wenige Binnenschiffe mit reduzierter Ladung. Die Industrie in Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden rechnet mit Lieferengpässen bei Kohle, Erdöl und Baustoffen; mehrere Stahlwerke haben ihre Produktion gedrosselt. In der Schweiz liegt der Pegel des Rheins bei Basel ebenfalls deutlich unter dem Sommer-Mittelwert. Für die Schifffahrt auf dem Hochrhein gilt seit Freitag eine reduzierte Fahrtiefe. Das Bundesamt für Umwelt erwartet in den kommenden Wochen keine schnelle Entspannung; die Niederschläge im Einzugsgebiet lagen im Juli 60 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.
Söder im ARD-Sommerinterview: «Stabilisator der Demokratie»
CSU-Chef Markus Söder hat sich im ARD-Sommerinterview gelassen zur aktuellen Krise seiner Partei geäussert. Nach den Verlusten bei der Kommunalwahl in Bayern sieht er seine Aufgabe als «Stabilisator der Demokratie», wie der Bayerische Rundfunk am Sonntag ausstrahlte. Söder räumte ein, dass die CSU «nicht optimal aufgestellt» sei, wies aber Spekulationen über einen Rücktritt zurück. Mit Blick auf den wachsenden Erfolg der AfD sagte er, man müsse deren Themen «ernst nehmen» und sich inhaltlich abgrenzen. Die Bundesregierung habe in der Migrations- und Wirtschaftspolitik «Luft nach oben». Söders Auftritt gilt als Reaktion auf öffentliche Kritik aus den eigenen Reihen. Für die Schweiz ist das deutsche politische Berlin von Bedeutung, weil wirtschaftliche Entscheide in Berlin direkt auf die exportorientierte Schweizer Industrie durchschlagen.
Nirmal Purja am Broad Peak gestorben
Der nepalesische Profibergsteiger Nirmal Purja ist am Broad Peak in Pakistan ums Leben gekommen. Eine Lawine riss am Freitagabend eine zehnköpfige Expedition mehrere hundert Meter in die Tiefe. Nach über 48 Stunden Suchaktion bestätigten die pakistanischen Behörden am Sonntag, dass alle zehn Teilnehmer tot sind. Purja war durch die Netflix-Serie «14 Peaks: Nothing Is Impossible» weltweit bekannt geworden; 2019 hatte er in weniger als sieben Monaten alle 14 Achttausender bestiegen. Zwei seiner Begleiter stammten aus Österreich und Italien. Die Expeditionsleitung steht unter Beschuss, weil die Gruppe trotz Lawinenwarnungen in eine bekannte Risikozone aufgestiegen war. Die pakistanische Regierung hat eine Untersuchung angekündigt. Die Seilbahn-, Transport- und Versicherungswirtschaft im Karakorum verliert mit Purja ihren prominentesten Werbeträger der letzten Jahre.
Infantinos Investorenpläne fallen durch
FIFA-Präsident Gianni Infantino zieht im Streit um die geplante Investorenliga seine Konsequenzen. Wie die «Neue Zürcher Zeitung» unter Berufung auf Verbandskreise berichtet, hat er die Pläne für eine mit Milliarden Dollar unterstützte eigene Champions-League-Konkurrenz aufgegeben. Eine Allianz der Kontinentalverbände aus Europa, Südamerika und Afrika hatte das Projekt zuvor zu Fall gebracht. Auch enge Mitarbeiter hatten sich gegen den Walliser gestellt, selbst der Trump-Clan ging auf Distanz. Die ÜFA kann ihren Wettbewerbsvorsprung damit vorerst behaupten. Für die Schweizer Fussballklubs bedeutet das keine direkten Folgen, weil weder der FC Basel noch die Young Boys am Investoren-Topf partizipiert hätten. Indirekt aber schon: Wäre das Projekt gestartet, wären Ablösesummen und Spielergehälter im Weltfussball weiter gestiegen.
Young Boys starten mit 6:0 in die Saison
Die Young Boys aus Bern sind mit einem klaren Sieg in die neue Super-League-Saison gestartet. Beim FC Thun gewannen die Berner am Samstagabend mit 6:0; die Tore verteilten sich auf fünf verschiedene Spieler. YB-Trainer Joël Magnin sprach von einem «sehr guten Start», der Trainer der Gastgeber, Mauro Lustrinelli, musste sich nach dem Debakel kritischen Fragen stellen. Im Gegensatz zum FC Basel, der am Freitag nur 1:1 gegen Lausanne spielte, senden die Berner ein lautes Signal an die Konkurrenz. YB hat in der Sommerpause nach eigenen Angaben rund 8 Millionen Franken in neue Spieler investiert. Am nächsten Spieltag wartet das Auswärtsspiel beim FC Zürich. Für den Schweizer Spitzenfussball ist das ein Auftakt nach Mass; in den europäischen Wettbewerben wartet Anfang August die zweite Qualifikationsrunde zur Champions League.
Pawel Durow international zur Fahndung ausgeschrieben
Russland hat den Telegram-Gründer Pawel Durow international zur Fahndung ausgeschrieben. Das meldete die russische Generalstaatsanwaltschaft am Sonntag; Durow wird demnach Beihilfe zum Terrorismus, Betrug und Verstössen gegen die Drogenvorschriften vorgeworfen. Durow, der die russische Staatsbürgerschaft besitzt und in Dubai lebt, wies die Vorwürfe als politisch motiviert zurück. Er habe Russland 2014 nach einem Konflikt mit dem Inlandsgeheimdienst FSB verlassen. Telegram hat nach eigenen Angaben mehr als 900 Millionen aktive Nutzer weltweit; in der Ukraine und in Belarus ist der Dienst die wichtigste Nachrichtenquelle. Für Russland ist der Schritt ein Symbol: Moskau zeigt, dass es Kritiker im Ausland nicht unbehelligt lässt. Für die Schweiz ist die Affäre relevant, weil Durow über Finanzbeziehungen zu Schweizer Banken verfügen soll.
Bally vor dem Aus: Investor Reinstein scheitert mit Sanierungsplan
Die traditionsreiche Schweizer Schuhmarke Bally steht vor einer ungewissen Zukunft. Der US-Investor Michael Reinstein, der das Unternehmen 2024 übernommen hatte, ist mit seinem Sanierungsplan vor Gericht gescheitert. Das Handelsgericht Zürich hat am Freitag einen Vergleich abgelehnt, der Reinsteins Methode des «Aufkaufens und Ausweidens» verschuldeter Firmen ermöglicht hätte. Reinstein ist in der Schweiz unter anderem durch seine Beziehung zu Schauspielerin Nicole Kidman bekannt. Bally mit Sitz in Caslano TI beschäftigt rund 280 Mitarbeitende und betreibt 60 eigene Filialen sowie 200 Verkaufsstellen weltweit. Die Marke galt einst als Synonym für Schweizer Luxus und lieferte Schuhe an sieben US-Präsidenten. Ohne den Vergleich droht dem Unternehmen die Liquidation; rund 180 Arbeitsplätze in der Schweiz und 80 in Italien wären dann gefährdet. Die Gewerkschaft Unia fordert den Bundesrat auf, sich für den Erhalt der Marke einzusetzen.
Ausblick auf Montag
In der Schweiz beginnt am Montag die Sommersession der Eidgenössischen Räte. Auf der Traktandenliste steht eine Debatte über den Ausbau der erneuerbaren Energien und ein Nachtragskredit für die Armee in Höhe von 1,2 Milliarden Franken. In Brüssel tagt der EU-Rat zum Migrationsstreit. Die Federal Reserve veröffentlicht am Abend den Arbeitsmarktbericht für Juli; Volkswirte erwarten im Mittel 175'000 neue Stellen ausserhalb der Landwirtschaft. In Tokio treffen sich die Finanzminister der G20 zu einem informellen Austausch über die Schuldenlage der Schwellenländer. Und in der Super League steht das Spitzenspiel FC Zürich gegen den FC Basel an.
Die Märkte heute
Gold notiert aktuell bei 4'107 US-Dollar pro Unze. Das ist ein Gewinn von 1,75 Prozent seit heute Morgen. Hauptgrund sind die Unsicherheiten im Nahen Osten sowie der fallende US-Dollar, die Gold als sicheren Hafen stützen.
Der MSCI World Index steht bei 4'847,88 Punkten. Das ist ein Gewinn von 1,0 Prozent seit Beginn dieser Woche. Die Kurse werden getragen von einer robusten Berichtssaison und der Hoffnung auf baldige Zinssenkungen der US-Notenbank.
Bitcoin steht bei 63'018 US-Dollar. Das ist praktisch keine Veränderung; der Verlust seit gestern beträgt 0,05 Prozent. Der Markt zeigt sich nach den jüngsten Schwankungen stabil.
Der Euro liegt bei 0,9304 Franken. Der Wechselkurs basiert auf der EZB-Referenz vom 31. Juli 2026. Es liegt keine tagesaktülle Veränderung vor.
Der US-Dollar steht bei 0,8101 Franken, ebenfalls nach EZB-Referenz vom 31. Juli 2026. Eine tagesaktülle Veränderung ist nicht ausgewiesen.