Mittagsbriefing: Trump bremst Iran, SNB glänzt, Moskau unter Schock
Halbjahreszahlen der SNB und UBS, Trump stoppt Iran-Angriffe, drei Tote bei Explosion in Moskau, Waldbrände bei Athen.
Mittagsbriefing: Trump bremst Iran, SNB glänzt, Moskau unter Schock
Die Stunde der grossen Zahlen: Die Schweizerische Nationalbank legt einen Halbjahresgewinn von 25,2 Mrd. Franken vor, die UBS einen Quartalsgewinn von 2,80 Mrd. US-Dollar. Gleichzeitig stoppt US-Präsident Donald Trump eine unmittelbar bevorstehende Angriffswelle auf Iran, in Moskau tötet eine Explosion drei Menschen, und die Waldbrände westlich von Athen zwingen Hunderte Feuerwehrleute in den Einsatz.
Trump setzt Iran-Angriffe vorerst aus
US-Präsident Donald Trump hat eine grossangelegte Militäraktion gegen Iran in letzter Minute gestoppt. Das US-Militär stand nach Berichten mehrerer US-Medien kurz vor einer massiven Angriffswelle auf Ziele in Iran, Trump verzichtet nun zugunsten diplomatischer Annäherung. Hintergrund sind nach Angaben des Weissen Hauses Fortschritte bei Gesprächen über das iranische Atomprogramm; gleichzeitig warnt Trump, sollten die Verhandlungen scheitern, würden die Angriffe «mit voller Wucht» wieder aufgenommen. Die Nachricht wirkt auf die Märkte beruhigend, am Ölmarkt gaben die Notierungen am Morgen leicht nach. (Tagesschau)
Moskau: Drei Tote bei Explosion vor Restaurant
Eine Explosion am Kudrinskaya-Platz im Zentrum der russischen Hauptstadt fordert am Samstagabend drei Tote und mindestens 21 Verletzte. Nach Angaben des russischen Anti-Terror-Komitees versuchte eine Frau, einen selbstgebauten Sprengsatz in das Restaurant «Balzi Rossi» zu bringen, ein Wachmann stoppte sie, beide kamen ums Leben, ebenso ein Besucher. Das Restaurant war laut Medienberichten für eine private Veranstaltung gebucht, im Raum stand eine Geburtstagsfeier für einen General der russischen Streitkräfte. Ein politisches Motiv ist noch nicht bestätigt; der russische Sicherheitsdienst FSB hatte zuletzt den Schutz hochrangiger Militärs verstärkt, nachdem es seit Jahresbeginn wiederholt zu Attentaten kam, für die Moskau die Ukraine verantwortlich macht. (SRF)
SNB schreibt 25,2 Mrd. Franken Halbjahresgewinn
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) erzielt im ersten Halbjahr 2026 einen Gewinn von 25,2 Mrd. Franken, deutlich über den Erwartungen der UBS-Analysten, die mit 18 bis 23 Mrd. gerechnet hatten. Treiber ist das zweite Quartal mit einem Gewinn von 25,8 Mrd. nach einem leichten Verlust von 0,5 Mrd. im ersten Quartal. Die Gewinne stammen vor allem aus den Fremdwährungspositionen mit 31,7 Mrd. Franken; der Goldbestand dagegen rutschte mit 6,4 Mrd. ins Minus, ein Kilogramm Gold fiel von 110'919 auf 104'812 Franken. Für 2025 hatte die SNB insgesamt 26,1 Mrd. Franken ausgewiesen, Bund und Kantone erhielten daraus 4 Mrd. Franken ausgeschüttet. (SRF)
UBS mit Milliardengewinn und neuer Kapitaldiskussion
Die UBS steigert ihren Konzerngewinn im zweiten Quartal auf 2,80 Mrd. US-Dollar, ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Vorsteuergewinn klettert um 64 Prozent auf 3,59 Mrd. Dollar; bereinigt um Restrukturierungskosten liegt er bei 3,89 Mrd. (+45 Prozent). In der Vermögensverwaltung flossen netto 35,5 Mrd. Dollar an neuen Kundengeldern zu, die verwalteten Vermögen wuchsen auf 7326 Mrd. Dollar. Die Bank kündigt ein neues Aktienrückkaufprogramm über 3 Mrd. US-Dollar bis Ende Q2 2027 an, davon 1 Mrd. in den nächsten drei Monaten. Die harte Kernkapitalquote (CET1) liegt bei 14,4 Prozent. Parallel heizt das Resultat die politische Debatte an: Der Bundesrat verlangt seit der CS-Notübernahme höhere Kapitalpolster, das Parlament berät im August weiter; die UBS profitiert nach eigener Einschätzung vom weltweiten KI-Boom an den Aktienmärkten. (SRF)
Jordanien gerät im Iran-Krieg zwischen die Fronten
Der Iran-Krieg trifft Jordanien als zweitgrössten Tourismusmarkt der Region mit voller Wucht. Laut dem Korrespondenten ist die Tourismuseinnahme, eine der wichtigsten Devisenquellen des Landes, drastisch eingebrochen, das Land werde zunehmend selbst zum Angriffsziel, und in der Bevölkerung wachse der Frust über den Partner USA. Jordanien ist ein wichtiger US-Verbündeter im Nahen Osten und beherbergt amerikanische Stützpunkte; gleichzeitig teilt es eine lange Grenze mit Israel und liegt in direkter Nachbarschaft zu den umkämpften Gebieten. Die wirtschaftliche und politische Erosion eines bisher stabilen Regionalpartners verändert die Kräftekonstellation im Nahen Osten grundlegend. (Tagesschau, Anne Armbrecht)
Bundesregierung verschärft Hitzewarnungen
In Deutschland ruft die Bundesregierung in mehreren Bundesländern die zweithöchste Hitzewarnstufe aus, Meteorologen erwarten in der Wochenmitte Temperaturen von bis zu 39 Grad Celsius. Das Robert-Koch-Institut warnt vor erhöhter Belastung älterer Menschen und chronisch Kranker; Arbeitgeber sind aufgefordert, Schutzmassnahmen am Arbeitsplatz zu treffen. In der Schweiz warnt MeteoSchweiz vor einer Hitzewelle mit Höchstwerten von 35 bis 37 Grad im Mittelland. (Tagesschau)
Waldbrände westlich von Athen: 500 Feuerwehrleute im Einsatz
Die Waldbrände in der Region Porto Germeno, rund 50 Kilometer westlich der griechischen Hauptstadt, weiten sich am Wochenende stark aus. Rund 500 Feuerwehrleute und freiwillige Helfer kämpfen gegen die Flammen, starker Wind macht die Löscharbeiten fast unmöglich, die Temperaturen liegen über 38 Grad Celsius. Erste Evakuierungen in Küstendörfern laufen, die griechische Feuerwehr spricht von einer der schwersten Waldbrandphasen dieses Sommers. Die griechische Regierung hat den EU-Katastrophenschutz aktiviert; der Mittelmeerraum erlebt den zweiten Hitzesommer in Folge mit rekordhohen Temperaturen und zunehmender Brandfrequenz. (Tagesschau)
Münchner Gericht: GEMA siegt gegen Musik-KI Suno
Das Landgericht München I gibt der Klage der deutschen Verwertungsgesellschaft GEMA gegen die US-Musik-KI Suno in wesentlichen Punkten statt. Das Gericht stellt fest, dass Suno ohne Lizenzen urheberrechtlich geschützte Trainingsdaten verwendet hat; unter den Zuhörern war auch GEMA-Aufsichtsratsmitglied Peter Maffay. Das Urteil ist eines der ersten europäischen Grundsatzurteile zur Frage, ob generative KI-Modelle Trainingsdaten lizenzieren müssen, mit Signalwirkung auch für den neuen EU AI Act und alle grossen KI-Anbieter mit Aktivität im europäischen Markt. (BR24)
FIFA zieht WM-Investorenpläne zurück
Fifa-Präsident Gianni Infantino kapituliert nach massivem Widerstand und zieht den Plan zum Verkauf von WM-Anteilen an private Investoren vollständig zurück. ÜFA-Präsident Aleksander Ceferin kritisiert die Pläne als «schäbig» und wirft Infantino vor, das Vertrauen der «Fussballfamilie» verloren zu haben; Spaniens LaLiga-Chef Javier Tebas spricht von der «Spitze des Eisbergs» und fordert Infantinos Rücktritt. Auch der Deutsche Fussball-Bund hatte sich klar gegen die Pläne gestellt. Bewerbungen für die nächste Fifa-Präsidentenwahl können bis zum 18. November eingereicht werden. (Spiegel)
Super League: YB zerlegt Thun 6:0, FCZ feiert ersten Sieg
In der zweiten Runde der Schweizer Super League feiert Young Boys einen furiosen 6:0-Auswärtssieg beim Meister FC Thun und führt die Tabelle nach zwei Spielen mit 10:0-Toren und 6 Punkten an. Tore erzielen unter anderem Monteiro und Blum. Lausanne-Sport entführt mit einem Traumtor von Mollet drei Punkte aus Basel (1:0); der FC Zürich schlägt Servette 2:1 und feiert damit den ersten Saisonsieg unter dem neuen Trainer Marcel Koller, begünstigt durch einen Patzer von Servette-Goalie Gertmonas. (SRF Sport)
Tour de France Femmes startet in Lausanne: Reusser stürzt
Lorena Wiebes (SD Worx-Protime) gewinnt die erste Etappe der Tour de France Femmes 2026 im Ziel Lausanne; die Schweizerin Marlen Reusser stürzt auf der Etappe, fährt aber noch auf Rang 10. Nömi Rüegg aus der Schweiz wird Fünfte. Tour-Direktorin Marion Rousse spricht von einem «ganz besonderen Tag», die Frauen-Tour 2026 ist die erste Austragung mit deutlich erweitertem Programm seit der Emanzipation vom Männerrennen. (Tages-Anzeiger)
Höhenbergsteiger Nirmal Purja stirbt in Lawine
Der nepalesisch-britische Extrembergsteiger Nirmal Purja ist im Himalaya in einer Lawine ums Leben gekommen. Purja wurde weltberühmt durch die Netflix-Dokumentation «14 Peaks: Nothing Is Impossible», in der er alle 14 Achttausender in unter sieben Monaten bestieg. Er galt als kompromissloser und gefürchteter Hochleistungsbergsteiger; die internationale Alpinszene, darunter viele Schweizer Expeditionen und Bergführer, trauert um eine prägende Figur. (Tages-Anzeiger)
WHO: Junkfood-Hersteller blockieren Anti-Adipositas-Initiativen
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlicht einen scharfen Bericht, in dem sie grossen Lebensmittelkonzernen vorwirft, internationale Initiativen für gesündere Ernährung und gegen Adipositas aktiv zu blockieren. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus fordert mehr politischen Druck auf die Industrie. Der Bericht erscheint zwei Wochen vor dem UN-Gipfel zu chronischen Krankheiten und benennt konkrete Lobby-Strategien der Hersteller, die auch für die DACH-Lebensmittelbranche mit Nestlé in Vevey und den deutschen Discountern unmittelbar relevant sind. (Spiegel Wissenschaft)
BMW kündigt Abbau von 8000 Stellen weltweit an
Der deutsche Autobauer BMW will weltweit rund 8000 Stellen abbauen, das berichten mehrere Nachrichtenagenturen übereinstimmend aus Unternehmenskreisen. Ein Abfindungsprogramm soll von Oktober 2026 bis Ende 2027 laufen und sich in Deutschland an Mitarbeiter ausserhalb der direkten Produktion wenden, einige Zehntausend Beschäftigte; mehr als die Hälfte der knapp 154'000 BMW-Angestellten ist in Deutschland tätig. Erst Mitte Juli hatte Porsche den Wegfall weiterer 5000 Jobs angekündigt, im VW-Konzern läuft eine zweite Streichungsrunde; die gesamte deutsche Autoindustrie leidet unter dem Einbruch des chinesischen Marktes, US-Zöllen und der Krise im Nahen Osten. BMW legt am Donnerstag die Halbjahreszahlen vor, der neue Konzernchef Milan Nedeljkovic hatte bereits im Juni eine Gewinnwarnung ausgesprochen. (SRF)
Fed lässt Leitzins stabil, Warsh stimmt auf harten Kurs ein
Die US-Notenbank Federal Reserve belässt ihren Leitzins zum fünften Mal in Folge unverändert in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Im geldpolitischen Ausschuss FOMC sprachen sich drei der neun Mitglieder für eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte aus, ein Zeichen für die Uneinigkeit über den Umgang mit der hartnäckigen Inflation; im Juni lag die Teuerungsrate bei 3,5 Prozent, deutlich über dem Fed-Ziel von 2,0 Prozent. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh, vom US-Senat im Mai bestätigt, kündigte Reformen am Notenbank-Rahmenwerk an und liess Kritik an seinem Vorgänger Jerome Powell anklingen. Für 2026 rechnet die Fed mit einer Teuerung von 3,6 Prozent, 2027 sollen es 2,3 Prozent sein. (SRF)
Ausblick auf den Nachmittag
Im weiteren Tagesverlauf stehen die ersten Reaktionen aus der iranischen Führung auf Trumps Aussagen zur Angriffspause im Mittelpunkt des Interesses. In Bern trifft sich der Bundesrat zur ordentlichen Sitzung, mögliche Beschlüsse zur UBS-Kapitaldebatte werden erwartet. Die US-Börsen öffnen um 15:30 Uhr Schweizer Zeit, nach der Fed-Entscheidung vom Vortag richtet sich der Blick auf die Quartalszahlen weiterer US-Grossbanken. In Lausanne beginnt am Nachmittag die zweite Etappe der Tour de France Femmes.
Die Märkte heute
Der Euro steht aktuell bei 0,9304 Franken, der US-Dollar bei 0,8101 Franken (Frankfurter/EZB-Referenz vom 31. Juli 2026). Die Goldunze notiert bei 4107 US-Dollar, das ist ein Gewinn von 1,75 Prozent gegenüber der Vorwoche (Yahoo Finance, Gold-Futures). Der MSCI World Index steht bei 4847,88 Punkten und legt damit 1,0 Prozent seit Wochenbeginn zu (Yahoo Finance). Bitcoin notiert bei 63'130 US-Dollar, ein minimales Plus von 0,07 Prozent innert 24 Stunden (CoinGecko).