Am Donnerstag sind nach Angaben der Bürgermeisterin von Ceuta, Cristina Pérez, innert Stunden rund 60'000 Menschen aus Marokko in die spanische Nordafrika-Exklave gelangt, die spanische Regierung spricht von einem «Angriff auf die territoriale Integrität». Bei der anschliessenden Welle nach Melilla, über den Grenzzaun und durchs Meer, starben nach bisheriger Zählung 57 Menschen, spanische Behörden gehen am Freitagabend davon aus, dass die meisten der Eingereisten bereits wieder zurück nach Marokko gelangt sind. Italiens Regierung hat die Aktivierung des Schengen-Suspensionsverfahrens gegenüber Madrid bekannt gegeben: Rom will Grenzkontrollen und Dublin-Überstellungen für Migranten aus Spanien bis auf Weiteres aussetzen. Der Fall ist die bislang grösste Migrationsbewegung über die 8,3 Kilometer lange EU-Aussengrenze bei Ceuta seit 2005.
Die Stadt musste ihr Stadtfest absagen, die spanische Polizei und die Guardia Civil wurden mit Verstärkung aus dem Festland zusammengezogen. In Rabat erklärte Innenminister Abdelouafi Laftit, die marokkanischen Sicherheitskräfte hätten die Lage wieder «unter Kontrolle» gebracht. Premier Pedro Sánchez berief für Freitagabend eine Sondersitzung des Kabinetts in Madrid ein, EU-Innenkommissarin Ylva Johansson forderte eine «gemeinsame europäische Antwort auf das organisierte Verbrechen der Schlepper». Hintergrund: Ceuta und Melilla liegen als einzige Landgrenzen der EU auf dem afrikanischen Kontinent, umgeben von Marokko, der Schutz der Grenzen ist seit Jahrzehnten ein politischer Dauerbrenner. Analysten werten den Vorfall als Vergeltung Marokkos für die anhaltende Weigerung Spaniens, die Westsahara-Frage im Sinn Rabat zu lösen (BBC, The Guardian).