Die EU hat zwischen dem 16. und dem 24. Juli 2026 drei Verfahren gegen X, AliExpress und TikTok eröffnet oder verschärft. Was dabei sichtbar wird: ein neues Machtverhältnis zwischen Plattformen und Aufmerksamkeit. Und eine Schweiz, die mittendrin steht, ohne den Hebel zu besitzen, den Brüssel gerade zieht.
Die EU-Kommission hat in der dritten Juliwoche 2026 gezeigt, wie ernst sie den Digital Services Act meint. Am 16. Juli akzeptierte sie den Aktionsplan von X zur Einhaltung des Gesetzes. Am 20. Juli verhängte sie ein Bussgeld von 550 Millionen Euro gegen AliExpress. Am 24. Juli verschickte sie vorläufige Feststellungen an TikTok wegen unzureichendem Schutz minderjähriger Nutzer. Drei Verfahren in acht Tagen, gegen drei der grössten Plattformen der Welt. Das ist Zufall in der Woche, aber nicht im Grundsatz: Brüssel ist vom Grundsatz zur Praxis übergegangen, und die Schweiz, die nicht zur EU gehört, ist von dieser Praxis unmittelbar betroffen. Die Sommermonate sind dabei strategisch kein Zufall. Das Europäische Parlament tritt üblicherweise Mitte Juli in die Sommerpause, die Kommission konzentriert ihre politisch wirksamen Mitteilungen in diese Fenster, um den medialen Resonanzraum zu nutzen, bevor die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit in die Ferienzeit abwandert. Wer die Verfahren als isolierte Einzelaktionen liest, verkennt die operative Logik der Brüsseler Behörde.