Die US-Notenbank hat den Leitzins erneut nicht angetastet, zum zweiten Mal in Folge unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh. Gleichzeitig eskaliert der Konflikt mit Iran, Polen meldet eine wahrscheinlich russische Cruise-Missile auf seinem Boden, und an der Wall Street entscheidet sich, welcher Tech-Gigant die KI-Milliarden verdient hat. Der Abend im Überblick.
Die Fed beliess ihren Leitzins am Mittwoch unverändert, hielt ihn dort, wo er seit Ende 2025 steht. Drei Mitglieder des Offenmarktausschusses votierten diesmal für eine Erhöhung, der grösste Dissens in Warshs Amtszeit (CNBC). Die Anleger quittierten das mit Verkäufen an den Anleihemärkten, und der Chef selbst geriet sofort unter Druck: Jeffrey Gundlach, der «Bond King», sagte, der Anleihemarkt signalisiere der Fed, sie müsse wegen der Inflation endlich aktiv werden (CNBC). Parallel schwächte sich das US-Wachstum überraschend ab. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im zweiten Quartal nur um 1,5 Prozent, während die Kerninflation im Juni bei 3,3 Prozent lag (CNBC). Die Financial Times schrieb pointiert, Warshs Kommunikation sei bereits nach wenigen Wochen «nach hinten losgegangen», und Investoren sprächen von einem Vertrauensverlust in die neue Notenbankführung. Aus Sicht der Märkte kein beruhigendes Signal in einer Phase, in der Benzinpreise wegen des Iran-Kriegs wieder spürbar steigen (NZZ). Eine Notenbank, die ihre eigene Botschaft nicht klar rüberbringt, verliert den wichtigsten Hebel, den sie hat: die Erwartungssteuerung.