Fed hält still, Iran schlägt zurück, Börse sucht die KI-Linien
US-Notenbank belässt Leitzins stabil, Iran kündigt Vergeltung an, Polen unter russischer Cruise-Missile, Microsoft zieht 15 Prozent an während Meta weiter verliert.
Fed hält still, Iran schlägt zurück, Börse sucht die KI-Linien
Die US-Notenbank hat den Leitzins erneut nicht angetastet, zum zweiten Mal in Folge unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh. Gleichzeitig eskaliert der Konflikt mit Iran, Polen meldet eine wahrscheinlich russische Cruise-Missile auf seinem Boden, und an der Wall Street entscheidet sich, welcher Tech-Gigant die KI-Milliarden verdient hat. Der Abend im Überblick.
Notenbank unter Druck
Die Fed beliess ihren Leitzins am Mittwoch unverändert, hielt ihn dort, wo er seit Ende 2025 steht. Drei Mitglieder des Offenmarktausschusses votierten diesmal für eine Erhöhung, der grösste Dissens in Warshs Amtszeit (CNBC). Die Anleger quittierten das mit Verkäufen an den Anleihemärkten, und der Chef selbst geriet sofort unter Druck: Jeffrey Gundlach, der «Bond King», sagte, der Anleihemarkt signalisiere der Fed, sie müsse wegen der Inflation endlich aktiv werden (CNBC). Parallel schwächte sich das US-Wachstum überraschend ab. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im zweiten Quartal nur um 1,5 Prozent, während die Kerninflation im Juni bei 3,3 Prozent lag (CNBC). Die Financial Times schrieb pointiert, Warshs Kommunikation sei bereits nach wenigen Wochen «nach hinten losgegangen», und Investoren sprächen von einem Vertrauensverlust in die neue Notenbankführung. Aus Sicht der Märkte kein beruhigendes Signal in einer Phase, in der Benzinpreise wegen des Iran-Kriegs wieder spürbar steigen (NZZ). Eine Notenbank, die ihre eigene Botschaft nicht klar rüberbringt, verliert den wichtigsten Hebel, den sie hat: die Erwartungssteuerung.
Iran: Vergeltung angekündigt
Nach den «schweren» US-Luftschlägen auf iranische Ziele kündigte die iranische Führung an, «den Aggressor noch heute» zu bestrafen (CNBC, 11:47 UTC). Die BBC berichtet, ein vorheriger versuchter Angriff auf amerikanische Truppen habe die Eskalation ausgelöst. Für Europa hat das unmittelbare Folgen: Grossbritanniens Notenbank beliess ihren Leitzins ebenfalls, stellte aber klar, bei einer weiteren Eskalation zur Zinserhöhung bereit zu sein (BBC Business). Singapur zog bereits und erhöhte seine Zinsen überraschend, mit ausdrücklichem Verweis auf ölpreis-getriebene Inflationsrisiken (CNBC). In Asien löste die Nachricht Wellen aus: Der japanische Yen, traditionell sicherer Hafen in Krisen, stieg zeitweise um 0,8 Prozent gegen den Dollar. Gleichzeitig kletterten die Frachtraten für Öltanker durch die Strasse von Hormus sprunghaft, weil Versicherer ihre Prämien für die Route nach oben schraubten.
Polen unter russischer Rakete
Polens Ministerpräsident Donald Tusk erklärte am Nachmittag, dass «alles darauf hindeute», dass eine russische Cruise-Missile auf polnisches Territorium eingeschlagen sei (Politico, BBC). Die BBC zitiert Tusk mit der Einschätzung, das Geschoss sei «wahrscheinlich russisch» gewesen, gestartet vermutlich von einem Angriff auf die westukrainische Stadt Lwiw. Es ist die erste direkte Konfrontation dieses Ausmasses zwischen einem Nato-Staat und russischer Militärtechnik seit Beginn des Ukraine-Kriegs. Polen hat den Luftraum daraufhin für den zivilen Flugverkehr gesperrt, Flughäfen in Warschau und Rzeszów stellten den Betrieb zeitweise ein. Die Nato-Botschafter traten zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen, das Bündnis aktivierte Artikel 4 des Washingtoner Vertrags, der Konsultationen vorsieht, wenn ein Mitglied seine Sicherheit bedroht sieht. Eine Auslösung von Artikel 5, der Beistandspflicht, ist damit noch nicht verbunden.
Börsen: Microsoft zieht, Meta bricht
Der Tech-Handelstag an der Wall Street war ein Lehrstück über die Spaltung der KI-Erzählung. Microsoft sprang nach seinem Ausblick um 15 Prozent nach oben, während Meta den vierten Tag in Folge fiel und weitere 9 Prozent abgab, die längste Verlustserie in der Firmengeschichte (CNBC). Der S&P 500 und der Nasdaq drehten daraufhin ins Plus, angetrieben von Microsoft. Gleichzeitig stieg die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe auf den höchsten Stand seit 19 Jahren, weil Investoren für die langfristigen KI-Investitionen mehr Risiko einpreisen (Yahoo Finance). Bei aller Begeisterung für Microsoft bleibt das Bild gemischt: KI-Investor Leopold Aschenbrenner musste laut CNBC sämtliche öffentlichen Aktienpositionen nach «steilen Verlusten» auflösen. Ein Mahnmal in einer Branche, die sonst nur Rekordmeldungen kennt. Die NZZ bringt es auf den Punkt: «Die Börse verlangt Resultate. Microsoft profitiert von seiner KI-Strategie, Meta hingegen bezahlt für hohe Investitionen.»
Ölkonzerne als Kriegsgewinner
Mit dem Iran-Krieg verteuert sich Rohöl, Diesel noch stärker, und volatile Preise werden für Händler zur Goldgrube. Shell hat nach BBC-Informationen seinen Gewinn im zweiten Quartal «verdoppelt». Die NZZ identifiziert die Profiteure schon jetzt: Shell, Glencore und andere Rohstoffhändler, die von der Knappheitsprämie leben und auf schwankende Spreads setzen. Auf Schweizer Seite schlug am Mittag die UBS auf: Sie kündigte ein neues Aktienrückkaufprogramm an, nachdem sie im zweiten Quartal ein Konzernergebnis von 2,8 Milliarden Dollar erzielt hatte, die Titel legen zu (NZZ). Die Frage, ob der Konzern in der Schweiz politisch noch Rückendeckung für solche Aktionen hat, stellt sich neu. Das politische Bern debattiert seit Monaten über die Eigenkapitalpuffer der Grossbanken, ein neuer Rückkauf kommt im falschen Moment.
Autoindustrie unter Druck
Die Krise der deutschen Autobauer verschärft sich. BMW kündigte vergangene Woche ein Sparprogramm mit «Tausenden» Stellen in Deutschland an, nachdem der Gewinn «um mehr als ein Drittel» eingebrochen war (NZZ). Bei Jaguar Land Rover fallen «Hunderte» Stellen weg (BBC Business). Der deutsche Bahn-Konzern, oft im gleichen Atemzug genannt, hat 2026 nach eigenen Angaben erstmals seit Jahren wieder schwarze Zahlen geschrieben: 147 Millionen Euro Plus (NZZ). Ein Lichtblick in einem Industriesektor, der sonst vor allem Hiobsbotschaften produziert. Allerdings ist 147 Millionen Euro auf einen Konzernumsatz von rund 45 Milliarden Euro bezogen ein verschwindend geringer Betrag, die strukturellen Probleme der Bahn bleiben bestehen.
Schweizer Neubau-Rekord ohne Mietentspannung
In der Schweiz entstehen so viele Neubauten wie seit 2018 nicht mehr, schreibt die NZZ unter Berufung auf das Bundesamt für Statistik. Doch dort, wo die Wohnungsknappheit am grössten ist, in den städtischen Ballungsräumen Zürich, Basel, Lausanne, wächst das Angebot kaum, und die Hauspreise steigen weiter. Ein klassisches Verteilungsproblem: Es wird gebaut, aber nicht da, wo es gebraucht wird. Eine marktwirtschaftliche Lösung würde Anreize in den nachfragestarken Regionen setzen statt in den Bauzonen mit politisch bequemen Verdichtungen. Solange die Baubewilligungen in den Zentren durch jahrelange Verfahren verzögert und in der Peripherie grosszügig erteilt werden, klafft die Schere weiter auseinander.
Konzernverantwortung: Initiative vor der Wende
Der Gegenvorschlag des Bundesrates zur Konzernverantwortungs-Initiative stösst bei Wirtschaftsverbänden und bürgerlichen Parteien auf scharfe Kritik, schreibt die NZZ. Im Zentrum stehen neue Haftungsregeln für Schweizer Konzerne bei Geschäften im Ausland, insbesondere in Rohstoff- und Textillieferketten. Damit rückt ein Szenario näher, in dem die Initiative ohne Gegenvorschlag zur Abstimmung kommt, was ihre Chancen deutlich erhöhen würde. Aus Sicht der Wirtschaft wäre das die schlechtere Variante, weil ohne den Gegenvorschlag deutlich strengere Regeln drohen. Das Ringen um einen kompromissfähigen indirekten Gegenvorschlag wird in den nächsten Wochen entschieden, möglicherweise schon in der Herbstsession.
Hitze und Trockenheit in der Schweiz
Die Schweiz steckt in einer der schlimmsten Trockenphasen seit Jahren. Die NZZ berichtet von «toten Feldern», Hitzestress für Pflanzen und Kühe und Ertragsausfällen in der Landwirtschaft. Mancherorts müssen Tiere wegen Futtermangel notgeschlachtet werden. Auf den Alpen wird das Wasser knapp, ohne Wasser kann das Vieh nicht bleiben. Die Lage ist ein landwirtschaftliches Problem und eines der Wasserversorgung insgesamt, mit Konsequenzen für die Energieproduktion aus Wasserkraft, die in trockenen Sommern empfindlich sinkt. Der Bund hat erste Hilfspakete in Aussicht gestellt, die Bauernverbände fordern einen runden Tisch mit dem Bundesrat.
Megafeuer in Südeuropa
In Griechenland mussten auf Kreta «Tausende» Menschen evakuiert werden, während Spanien, Frankreich und das Vereinigte Königreich in einer gemeinsamen Erklärung vor einer neuen Dimension der Waldbrände warnten. Politico zitiert die drei Länder mit der Aussage, die Megafeuer zeigten, dass der Klimawandel «unsere Lebensweise bedroht». In Spanien brennen nach Angaben der Behörden derzeit über 60'000 Hektar Wald, mehr als die durchschnittliche Waldfläche, die im ganzen Mittelmeerraum jährlich abbrennt. Für die Schweiz ist die Entwicklung doppelt relevant: als Alarmzeichen für den eigenen Sommer und als Vorzeichen einer weiteren Migrationswelle aus dem Mittelmeerraum.
KI: Sicherheit und Regulierung
Beim OpenAI-Hack auf Hugging Face haben sich laut CNBC neue Details gezeigt, die zeigen, «wie weit Agenten gehen». Das sind keine spekulativen Risiken mehr, das sind Vorfälle mit konkreten Akteuren. Die EU reagiert parallel mit einem 30-Milliarden-Euro-Programm für sieben grosse KI-Rechenzentren (Politico). Zwischen Sicherheitslücke und industriepolitischer Grossinvestition tut sich eine Spannung auf: Wer das eine beschleunigt, kann das andere nicht ignorieren. In den USA wächst unterdessen der Druck auf die Bundesregierung, schärfere Leitlinien für autonome Agenten zu erlassen. Die BBC berichtet, Trump prüfe KI-Kontrollen nach den jüngsten Vorfällen.
Ausblick auf morgen
Für Donnerstag zeichnen sich drei Stränge ab. Erstens die Reaktion Irans auf die US-Schläge, ob als militärische Vergeltung, als Cyberangriff oder als Provokation in der Strasse von Hormus. Zweitens die Frage, ob Polen den Nato-Bündnisfall nach Artikel 5 ausruft oder den Vorfall als «Unfall» behandelt. Drittens der nächste Quartalsbericht-Schwerpunkt: Apple und Amazon melden nach Börsenschluss, die Optionen implizieren eine Bewegung von 4 bis 6 Prozent (CNBC). An den Anleihemärkten wird die 30-Jahres-Rendite darauf geprüft, ob sie das 19-Jahres-Hoch hält. In der Schweiz geht der Blick nach Bern, wo der Bundesrat in den kommenden Tagen zur Konzernverantwortung Stellung nehmen dürfte. Am Sporttag schliesslich steht Newcastle vor dem Verlust von Kapitän Bruno Guimaräs, der laut BBC unmittelbar vor einem Wechsel zu Arsenal steht.
Die Märkte heute
Der Goldpreis steht aktuell bei 4'164,5 Dollar pro Unze. Das ist ein Gewinn von 2,21 Prozent seit heute Morgen. Hauptgrund ist die anhaltende Iran-Krise, die den Dollar schwächt und den sicheren Hafen stützt (Yahoo Finance).
Der MSCI World notiert bei 4'797,81 Punkten. Das ist ein Plus von 0,04 Prozent seit heute Morgen, faktisch also seitwärts. Die Märkte bleiben verhalten, weil der Iran-Krieg die Gewinne aus dem Tech-Rebound bremst (Yahoo Finance).
Der Bitcoin-Kurs liegt bei 64'593 Dollar. Das ist ein Gewinn von 0,84 Prozent seit gestern. Der Wert bleibt im Korridor der vergangenen Handelstage und reagiert kaum auf die geopolitischen Spannungen (CoinGecko).
Der Euro steht zum Franken bei 0,9324. Das ist seit heute Morgen ein leichter Verlust von rund 0,1 Prozent. Der Franken bleibt als sicherer Hafen in der Iran-Krise leicht gefragt (EZB-Referenz).
Der US-Dollar steht zum Franken bei 0,8125. Das entspricht einem Verlust von rund 0,2 Prozent seit heute Morgen. Die Risikoaversion nach den Iran-Schlägen belastet den Dollar global (EZB-Referenz).