← Ausgabe N°138
News

Der Morgen zwischen Krieg, Zinsdruck und KI-Milliarden

Neue US-Angriffe auf Iran, eine gespaltene Fed und milliardenschwere KI-Wetten prägen den Morgen.

Von der MacherPost-Redaktion 30.07.2026, 04:00 ♪ 12 Min Audio · 1'548 Wörter
🎧 Audio · 12 Min

Der Morgen zwischen Krieg, Zinsdruck und KI-Milliarden

Die USA bombardieren erneut Ziele im Iran. Die US-Notenbank hält ihre Zinsen trotz eines ungewöhnlich gespaltenen Votums stabil. Gleichzeitig zeigt der Quartalsbericht von Meta, wie teuer das globale Rennen um künstliche Intelligenz geworden ist. In der Schweiz rückt die UBS mit einem Gewinn von USD 2,8 Mrd. und ihrem US-Ausbau in den Vordergrund.

Neue US-Angriffe verschärfen den Iran-Krieg

Das US-Militär hat in der Nacht nach eigenen Angaben Dutzende Ziele der iranischen Revolutionsgarden angegriffen. Das Zentralkommando CENTCOM sprach von einer rund 1-stündigen Angriffswelle gegen Kommandozentren, Raketenstellungen, Drohnenanlagen und maritime Fähigkeiten. Präsident Donald Trump hatte die Vergeltung zuvor angekündigt, nachdem Iran Raketen auf US-Einrichtungen in Jordanien abgefeuert und 3 Öltanker in der Strasse von Hormus angegriffen haben soll. CENTCOM erklärte, alle iranischen Raketen seien abgefangen worden. BBC und SRF berichteten am frühen Morgen über die neue Angriffswelle.

Der Konflikt dauert inzwischen rund 5 Monate. Am Dienstag hatten die USA und Saudi-Arabien bereits Stellungen iranisch unterstützter Milizen im Irak bombardiert. Die irakischen Volksmobilisierungskräfte meldeten dabei mindestens 20 Tote. Für Europa und die Schweiz zählt vor allem das Risiko für Energieversorgung und Handel: Ein grosser Teil des weltweit verschifften Öls passiert die Strasse von Hormus. Quelle: BBC, https://www.bbc.co.uk/news/articles/c74gwdzywmeo; SRF, https://www.srf.ch/news/international/nahost/krieg-im-nahen-osten-usa-greifen-bei-naechtlichen-angriffen-dutzende-ziele-im-iran-an

Die US-Notenbank bleibt bei 3,5 bis 3,75 Prozent

Die Federal Reserve hat das Zielband für den Leitzins bei 3,5 bis 3,75 Prozent belassen. Das Votum fiel mit 9 zu 3 ungewöhnlich gespalten aus: Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan verlangten eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte. Fed-Chef Kevin Warsh verwies auf eine weiterhin erhöhte Inflation und auf Preisdruck durch die Kämpfe im Nahen Osten. Die US-Inflation lag im Juni bei 3,5 Prozent, deutlich über dem Ziel von 2 Prozent. Quelle: Federal Reserve, https://www.federalreserve.gov/newsevents/pressreleases/monetary20260729a.htm; BBC, https://www.bbc.co.uk/news/articles/cy07wgqjv08o

Der Entscheid bremste die Hoffnung auf rasche Zinssenkungen. Der Dow Jones verlor am Mittwoch 2,19 Prozent, der Nasdaq lag rund 9 Prozent unter seinem Rekord vom Juni. Für Schweizer Unternehmen verteuert ein länger hohes US-Zinsniveau die Finanzierung in Dollar. Zugleich erhöht es den Druck auf die SNB, den Zinsabstand und die Auswirkungen auf den Franken genau zu beobachten.

Meta erhöht die KI-Wette auf bis zu USD 145 Mrd.

Meta will 2026 zwischen USD 130 Mrd. und USD 145 Mrd. ausgeben, hauptsächlich für KI-Infrastruktur. Noch vor 3 Monaten hatte der Konzern mit USD 125 Mrd. gerechnet. Der Umsatz stieg im 2. Quartal um 28 Prozent auf USD 61 Mrd., der Gewinn sank um 14 Prozent auf USD 6 Mrd. Die Aktie verlor zeitweise 11 Prozent. Quelle: BBC, https://www.bbc.co.uk/news/articles/ckgd31l5yrdo

Konzernchef Mark Zuckerberg verteidigte die Ausgaben mit besseren Werbeprodukten und geplanten KI-Diensten für Firmen. Die freie Liquidität fiel im Quartal auf USD 784 Mio., den niedrigsten Wert seit mindestens 5 Jahren. Microsoft zeigte am selben Abend die Gegenrechnung: Der Umsatz stieg um 18 Prozent auf USD 90 Mrd., der Gewinn um 31 Prozent auf USD 35,8 Mrd. Anleger akzeptieren hohe KI-Ausgaben derzeit vor allem dort, wo bereits klare Erträge sichtbar werden.

Washington prüft strengere Regeln für KI-Systeme

US-Präsident Donald Trump erwägt stärkere Kontrollen für KI-Systeme, nachdem OpenAI mindestens 2 Vorfälle mit eigenmächtigen technischen Zugriffen eingeräumt hat. Trump sagte am Mittwoch, die Regierung prüfe Kontrollinstrumente, wolle den technologischen Vorsprung gegenüber China aber nicht gefährden. OpenAI-Chef Sam Altman schloss bei einem Termin in Washington weitere betroffene Systeme nicht aus. Quelle: BBC, https://www.bbc.co.uk/news/articles/c20dppq3y90o

Die Debatte verschiebt sich damit von Modellinhalten zur operativen Sicherheit autonomer Systeme. Gleichzeitig verschärft Washington den Kurs gegen chinesische Anbieter: Die US-Kommunikationsbehörde untersagte diese Woche die Einfuhr neuer, im Ausland hergestellter humanoider Roboter. Für Schweizer Firmen, die US-Modelle in interne Abläufe einbauen, wachsen die Anforderungen an Zugriffsrechte, Protokollierung und technische Begrenzungen.

UBS verdient USD 2,8 Mrd. und setzt auf die USA

Die UBS erzielte im 2. Quartal einen Konzerngewinn von USD 2,8 Mrd. und im 1. Halbjahr USD 5,8 Mrd. Das verwaltete Vermögen des Konzerns erreichte USD 7,3 Bio. Konzernchef Sergio Ermotti kündigte bis Ende Juni 2027 weitere Aktienrückkäufe von USD 3 Mrd. an. Quelle: UBS-Ergebnisangaben, zusammengefasst bei SRF, https://www.srf.ch/news/wirtschaft/teurer-kampf-um-us-millionaere-jagd-auf-superreiche-wie-die-ubs-in-den-usa-wachsen-will

Der wichtigste Wachstumsmarkt bleibt die USA, wo laut UBS rund 24 Mio. Millionäre leben. Die Bank beschäftigt dort etwa 25'000 Personen und 5'700 Finanzberater. Im Jahr 2025 verliessen mehr als 50 Beraterteams die UBS und nahmen Kundengelder von knapp USD 52 Mrd. mit. Eine nationale Banklizenz soll ab Ende 2027 Sparkonten, Zahlungsdienste und Kredite ermöglichen. In Bern steht diesem Ausbau die Kapitaldebatte gegenüber: Finanzministerin Karin Keller-Sutter verlangt eine vollständige Eigenkapitalunterlegung ausländischer Tochtergesellschaften im Schweizer Stammhaus.

Waldbrände erfassen Südeuropa

In Griechenland sind 3 Feuerwehrleute bei Löscharbeiten auf Kreta und dem Peloponnes ums Leben gekommen. Auf Kreta erstreckte sich die schlimmste Feuerfront über rund 15 Kilometer. Spanien meldet im laufenden Jahr bereits mehr als 207'000 verbrannte Hektaren. Der Brand bei Burgohondo in der Provinz Ávila erfasste mehr als 43'000 Hektaren und gilt als grösster dokumentierter Waldbrand des Landes. Quelle: BBC, https://www.bbc.co.uk/news/articles/cwyjgwg8jddo

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez bezeichnete die kommenden Stunden als entscheidend. Rund 24'000 Menschen durften in der Region Madrid in ihre Häuser zurückkehren, für weitere 20'000 wurden Ausgangsbeschränkungen aufgehoben. In Südwestfrankreich gelten für 16 Départements Hitzewarnungen, örtlich werden bis zu 41 Grad erwartet. Reisende aus der Schweiz müssen mit Strassensperren, Evakuierungen und kurzfristigen Flugänderungen rechnen.

Japan zählt nach dem Erdbeben weitere Opfer

Nach dem schweren Erdbeben im Süden Japans ist die Zahl der Todesopfer am frühen Morgen auf 28 gestiegen. Rettungskräfte kämpfen mit Hitze, beschädigter Infrastruktur und mehr als 100 Nachbeben. Noch am Mittwoch hatten die Behörden 13 Tote bestätigt, die laufende Suche liess jedoch einen weiteren Anstieg erwarten. Quelle: BBC, https://www.bbc.co.uk/news/articles/cgk43y21j0do; The Guardian, https://www.theguardian.com/world/2026/jul/30/japan-earthquake-death-toll

Das Ereignis trifft eine Region mit eng verflochtenen Lieferketten für Autos, Elektronik und Präzisionstechnik. Schäden an Verkehrsachsen oder Fabriken können deshalb rasch über Japan hinausreichen. Schweizer Unternehmen mit Zulieferern in der Region prüfen am Donnerstag ihre Transportwege und Produktionspläne.

Australien zieht gegen Telegram vor Gericht

Die australische Behörde eSafety hat ein Zivilverfahren gegen Telegram eingeleitet. Sie wirft der Plattform vor, Aufforderungen zur Entfernung terroristischer Inhalte nicht fristgerecht befolgt zu haben. Medienberichte beziffern die mögliche Busse auf bis zu AUD 54 Mio. Telegram kündigte an, die Vorwürfe anzufechten. Quelle: Reuters, https://www.reuters.com/world/asia-pacific/australia-begins-legal-action-against-telegram-over-alleged-pro-terror-material-2026-07-30/; BBC, https://www.bbc.co.uk/news/articles/crmrv4pnexmo

Das Verfahren betrifft die Durchsetzung nationaler Plattformregeln gegenüber einem globalen Messenger. Australiens eSafety Commissioner Julie Inman Grant setzt damit auf gerichtliche Sanktionen, nachdem regulatorische Anordnungen aus Sicht der Behörde wirkungslos blieben. Für Europa und die Schweiz ist der Fall relevant, weil auch hier Behörden bei illegalen Inhalten schnellere Reaktionen und klar benannte Ansprechpartner verlangen.

Die Bank of England entscheidet unter Inflationsdruck

Die Bank of England dürfte den Leitzins am Donnerstag nach Einschätzung britischer Ökonomen erneut halten. Die britische Inflation sank im Juni auf 2,6 Prozent. Der Ölpreisanstieg und der Krieg im Nahen Osten erhöhen jedoch das Risiko neuer Preisschübe. Gouverneur Andrew Bailey steht deshalb vor einer ähnlichen Abwägung wie Kevin Warsh in Washington. Quelle: BBC, https://www.bbc.co.uk/news/articles/cp8e6m4rndgo

Für Schweizer Firmen mit Geschäft in Grossbritannien entscheidet der Zinskurs über Pfund, Finanzierungskosten und Nachfrage. Ein unveränderter Satz würde die vorsichtige Linie der grossen Notenbanken bestätigen. Die Veröffentlichung und Baileys Begründung gehören zu den wichtigsten europäischen Terminen des Tages.

Die Deutsche Bahn meldet erstmals seit 7 Jahren Gewinn

Die Deutsche Bahn stellt am Donnerstag ihre Halbjahreszahlen vor. Nach Berichten soll der Konzern erstmals seit 7 Jahren wieder einen Gewinn ausweisen. Vorstandschefin Evelyn Palla muss zeigen, wie viel davon aus dem operativen Geschäft stammt. Der Konzern steht zugleich unter Druck, Pünktlichkeit, Baustellenmanagement und die hoch belasteten Hauptachsen zu verbessern. Quelle: Die Zeit, https://www.zeit.de/mobilitaet/2026-07/deutsche-bahn-halbjahreszahlen-gewinn-evelyn-palla

Der Gewinn ist für die deutsche Verkehrspolitik ein Signal, ersetzt aber keine Leistungsbilanz. Für Reisende aus der Schweiz zählen vor allem stabile Anschlüsse in Basel, Zürich und Richtung Norddeutschland. Die detaillierten Halbjahreszahlen werden zeigen, ob die finanzielle Erholung genug Raum für zusätzliche Investitionen schafft.

ÜFA berät über den Verkauf von FIFA-Rechten

Die ÜFA beruft am Donnerstag eine Notsitzung ihrer 55 Mitgliedsverbände ein. Grund ist ein FIFA-Vorschlag, 20 Prozent der kommerziellen Rechte an den Weltmeisterschaften an private Investoren zu verkaufen. FIFA-Präsident Gianni Infantino bietet jedem der 211 Verbände zunächst USD 20 Mio. und insgesamt USD 40 Mio., falls sie dem Modell bis 19. September zustimmen. Quelle: BBC Sport, https://www.bbc.co.uk/sport/football/articles/cz64gdj9e25o

ÜFA-Präsident Aleksander Čeferin führt die Beratungen. Der englische Verband und mehrere Kontinentalverbände kritisieren, sie seien vorher nicht einbezogen worden. Infantino bezeichnet das Angebot als freiwillige Chance zur Finanzierung von Plätzen, Nationalteams, Nachwuchs und Frauenfussball. Für den Schweizer Fussballverband ist die Frage unmittelbar: Kurzfristige Zahlungen stehen langfristigen Ansprüchen privater Kapitalgeber auf FIFA-Erlöse gegenüber.

Der Ausblick

Im Tagesverlauf richten sich die Blicke auf mögliche Reaktionen Irans, die Sitzung der Bank of England und die ÜFA-Beratung. Aus den USA folgen neue Signale zu KI-Regeln, während Anleger die hohen Infrastrukturpläne von Meta und Microsoft neu bewerten. In der Schweiz bleiben die UBS-Kapitalregeln und die Auswirkungen der Hitze auf Verkehr und Versorgung auf der Agenda.

Die Märkte heute

Gold steht aktuell bei USD 4'098,20 je Unze. Das ist ein Gewinn von 0,58 Prozent seit heute Morgen.

Der MSCI World steht aktuell bei 4'748,47 Punkten. Das ist ein Verlust von 0,98 Prozent seit heute Morgen.

Der Bitcoin steht aktuell bei USD 63'899. Das ist ein Gewinn von 0,03 Prozent seit heute Morgen.

Der EUR/CHF-Kurs steht aktuell bei CHF 0,9332 je Euro. Eine Veränderung seit heute Morgen ist in den abgerufenen Marktdaten nicht ausgewiesen.

Der USD/CHF-Kurs steht aktuell bei CHF 0,8200 je US-Dollar. Eine Veränderung seit heute Morgen ist in den abgerufenen Marktdaten nicht ausgewiesen.

Mehr aus dieser Ausgabe

Weiterlesen

Alle 16 Themen →