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Trump pokert, Iran blufft, Chip-Rout frisst KI-Rally

Iran-Diplomatie am Golf, Chip-Sell-Off bei KI-Deals, Fed hält Zinsen stabil und Zidane/Mancini übernehmen die grossen Fussball-Nationen.

Von der MacherPost-Redaktion 28.07.2026, 16:00 ♪ 12 Min Audio · 1'588 Wörter
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Trump pokert, Iran blufft, Chip-Rout frisst KI-Rally

Die wichtigsten Signale des Tages: Iran-Diplomatie am Golf vor dem Hintergrund einer der grössten KI-Bewertungswellen seit Monaten, ein Fed-Entscheid ohne Zinsänderung und ein historischer Tag im europäischen Fussball.

Trump telefoniert am Golf, der Ölpreis atmet auf

US-Präsident Donald Trump hat am Dienstag von «guten Gesprächen» mit dem Iran über die Strasse von Hormuz gesprochen. Laut zwei voneinander unabhängigen Meldungen führt Teheran parallel direkte Konsultationen mit Saudi-Arabien und Oman über die Meerenge, durch die rund ein Fünftel der weltweiten Ölverladung fliesst. Hintergrund ist eine mehrtägige Angriffspause der US-Streitkräfte, die zuvor Vergeltungsziele im iranischen Festland angeflogen hatten. Der Ölpreis reagiert sofort: Die Sorte Brent fiel am Nachmittag zeitweise um rund sechs Prozent, der US-Referenzwert WTI um etwa fünf Prozent. Iran droht im Gegenzug mit Ausweitung des Konflikts, sollte die Angriffspause platzen. Für Europa und die Schweiz zählt am Ende, was an den Tankstellen ankommt: Sinkende Rohölnotierungen wirken mit Verzögerung von zwei bis drei Wochen auf die Preise an Schweizer Zapfsäulen, weil die Migrol, Tamoil und BP Switzerland ihre Margen bewusst überhöht halten, sobald der Spotmarkt fällt. Diese Asymmetrie gehört zu den unbequemsten Wahrheiten des hiesigen Energiemarktes und zeigt sich fast bei jedem Mittelstreckenereignis.

KI-Deals platzen im Wochenrhythmus, Nvidia unter Druck

Die Nervosität an den US-Tech-Börsen hat am Dienstag nochmals zugenommen. Der Chip-Sektor verlor breit, AMD, Micron und Nvidia setzten die Vortagesverluste fort; im Verlauf rutschte der Nasdaq um mehr als ein Prozent, während der Dow gegen den Trend leicht zulegte. Auslöser ist eine Recherche des Wirtschaftsmagazins Bilanz, wonach Nvidia an einer neuen Runde von KI-Infrastrukturverträgen mit Partnerkonzernen wie SK Group arbeitet, deren Gesamtvolumen laut Schätzungen auf mehr als 750 Milliarden Dollar kommen könnte. Die Konstellation wirkt zunehmend zirkulär: Nvidia, Microsoft, Amazon und Oracle bauen wechselseitig Kapazität füreinander aus und finanzieren das zum Teil mit Schulden. Ein internes Strategiepapier der Investmentbank Goldman Sachs, das CNBC am Dienstag zitiert hat, geht davon aus, dass die grössten Tech-Konzerne im kommenden Jahr mehr als ein Drittel ihrer KI-Investitionen aus neuen Schulden finanzieren werden. Anleger fragen sich zunehmend, wann ein Anbieter wie Microsoft, OpenAI oder Oracle die ersten gigantischen Beträge mit echtem Cashflow unterlegt. Noch ist es eine Wette auf spätere Marktanteile, keine Bilanz.

Die Fed bleibt stabil, Trump wird ungeduldig

Die US-Notenbank Federal Reserve hat am Dienstag ihren Leitzins erwartungsgemäss stabil gelassen und damit den Korridor zwischen 4,25 und 4,50 Prozent bestätigt. Fed-Chef Kevin Warsh begründete die Haltung in seiner Pressekonferenz unter anderem mit den Spannungen am Golf. Trump fordert parallel öffentlich eine Zinssenkung und sprach von «bösen Absichten» einzelner Fed-Mitglieder. Die Märkte preisen ein solches Zugeständnis frühestens für September ein. Für Schweizer Leser zählt vor allem der Brückenschlag: Sinkt der US-Zins spürbar, gerät die Schweizerische Nationalbank unter Druck, ihre Differenz zur Eurozone zu verteidigen, ohne dass der Franken weiter aufwertet. Das ist der Strukturkonflikt, der jede internationale Zinsrunde zu einer direkten Schweizer Frage macht.

Zidane übernimmt Frankreich, Mancini kehrt nach Italien zurück

Im europäischen Fussball markiert der Dienstag einen Einschnitt. Die NZZ und die Nachrichtenagentur Al Jazeera bestätigen übereinstimmend die Personalentscheidungen der beiden grossen Fussballnationen: Zinedine Zidane übernimmt das Amt des Cheftrainers der französischen Nationalmannschaft, Roberto Mancini kehrt in identischer Funktion zur Squadra Azzurra zurück. Beide Verbände agieren nach schwachen Auftritten an der Heim-EM 2024 und unter dem Eindruck einer Verjüngungskur. Für Schweizer Fussballfans ist die Personalie Zidane die relevanteste: Frankreich ist der Gruppengegner der Nati an der WM 2030 und bei zukünftigen Turnieren ein direkter Gradmesser.

Embolo, Seixas, Tour de France

Der Internationale Fussballverband (IFAB) hat am Dienstag bestätigt, dass der Platzverweis von Breel Embolo im WM-Achtelfinal gegen Argentinien eine fehlerhafte Regelauslegung war. Embolo hatte nach einer Schwalbe Rot gesehen, das Spiel war verloren, die Diskussion über Jahre im Gang. Die IFAB-Entscheidung kommt zu spät für den Spieler, wirft aber ein Schlaglicht auf die Schiedsrichter-Fortbildung. An der Tour de France fährt unterdessen der 19-jährige Paul Seixas aus den eigenen Reihen des Schweizer Radsportverbandes wie ein Routinier: Die NZZ beschreibt ihn als Fahrer, der die typischen Fehler seines Jahrgangs vermeidet und im Gesamtklassement ausserhalb der Plätze liegt, die die Spitze definieren. In der dritten Woche wird sich zeigen, ob er die Bergetappen sauber durchsteht.

Waldbrände in Südwesteuropa, Verteidigungsstandorte bedroht

In Südwest-Europa brennen weiterhin grosse Waldflächen. CNBC spricht von annähernd 300'000 Acres betroffener Fläche in Frankreich und Spanien, der spanische «El País» meldet die Evakuierung mehrerer Gemeinden in den Provinzen Madrid und Ávila. Die Wetterdienste erwarten in den kommenden Tagen eine Hitzewelle mit Temperaturen über 40 Grad. Der französische Wetterdienst Météo-France stuft mehrere Départements neu auf die höchste Warnstufe. Besonders heikel: In der Region Gironde bedrohen die Flammen zwei militärische Liegenschaften, eine davon mit Munitionslager, deren Evakuierung am späten Nachmittag begann. Der Europäische Zivilschutz-Mechanismus hat unterdessen die Stützpunktfeuerwehr mit Löschflugzeugen aus Deutschland und Italien verstärkt. Für die Schweiz bleibt die Frage offen, ob Helikopter der Armee bei einer erneuten Eskalation ausrücken müssen.

Angriffe auf Moscheen in Grossbritannien

Die NZZ schildert eine Häufung von Sachbeschädigungen und Brandanschlägen auf Moscheen im Vereinigten Königreich. Die genauen Zahlen schwanken je nach Zählweise, die Polizeibehörden haben aber landesweit Ermittlungsgruppen eingerichtet. Innenministerin Shabana Mahmood sprach von einer «Welle», die alles übersteige, was Grossbritannien in den letzten Jahren gesehen habe. Die Angriffe fallen in eine Phase steigender Spannungen zwischen den Religionsgemeinschaften, ausgelöst unter anderem durch die Diskussion um ein neues Sicherheitsgesetz und mehrere umstrittene Social-Media-Kampagnen.

Schweiz: Klimageräte ausverkauft, Wasserpegel kritisch, 1. August ohne Feuerwerk

In Zürich und Winterthur sind Klimaanlagen und mobile Ventilatoren nach Angaben von Händlern und der NZZ weitgehend ausverkauft. Die Detailhandelsgruppe Brack führt die Lieferengpässe auf eine Kombination aus Hitzesommer und anhaltender Lieferkettenproblematik bei asiatischen Herstellern zurück. Der Kanton Zürich reagiert mit einem Verbot von Feuer und Feuerwerk im Wald und in Waldesnähe rund um den 1. August. Die Stadt Zürich lässt unterdessen ihre rund 1'200 öffentlichen Brunnen weiterlaufen, obwohl die Pegel mehrerer Seezuflüsse sinken. An der Medienkonferenz sagte ein Stadtsprecher, eine Abschaltung wäre rechtlich nur im äussersten Notstand möglich. Die Wasserthematik gehört zu den wenigen Bereichen, in denen sich Stadtrat und Bevölkerung ohne Parteipolitik rasch einigen müssen.

Swisscom rutscht ab, Bally blockiert, UBS vor Zahlen

Im Schweizer Wirtschaftskalender stehen drei Signale an: Die Swisscom-Aktie rutscht nach Analysteneinschätzungen in den Bereich der «zweiten Börsenliga» ab, weil Investoren die Bundesbeteiligung als strukturellen Nachteil werten; die Präsidentin der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) hat zudem ein neues Verfahren wegen möglicher «Rentenklau»-Praktiken gegen die Versicherung Zurich eingeleitet. Das Wirtschaftsmagazin Bilanz berichtet ausserdem, dass die US-Holding Regent ein Kaufangebot des Schweizer Unternehmers Roberto Martullo für die 175-jährige Luxus-Schuhmarke Bally abgelehnt hat. Martullo war 2023 durch den Einstieg bei Künzli bekannt geworden. Die UBS legt morgen Mittwoch das Ergebnis zum zweiten Quartal vor; im Anlegerfokus stehen Eigenkapitalquoten und ein allfälliges weiteres Aktienrückkaufprogramm.

Lufthansa, Porsche, Mercedes-Benz: Die deutsche Industrie setzt weiter Personal ab

Die Lufthansa hat am Dienstag den Programmnamen «New Ways» für den bislang grössten Stellenabbau in der Firmengeschichte bestätigt. Wie die NZZ unter Berufung auf Aufsichtsratskreise meldet, sind bis zu 4'000 Stellen im Verwaltungsbereich betroffen. Porsche trennt sich nach einem schwachen Halbjahresergebnis von weiteren 5'000 Mitarbeitenden, wie aus zwei gewerkschaftsnahen Quellen verlautete. Mercedes-Benz hält mit Kostendisziplin gegen das schwache Chinageschäft und liegt operativ leicht über Erwartungen. Die deutsche Industrie reagiert damit auf eine Exportflaute, bei der die Auftragseingänge im Maschinenbau laut VDMA seit acht Quartalen in Folge sinken.

Apple, Klarna, Visa: Drei Schlaglichter aus dem Silicon Valley

Apple lanciert in Partnerschaft mit dem schwedischen Zahlungsdienstleister Klarna ein neues Leasingprogramm, bei dem Kunden iPhones für 17,99 Dollar pro Monat mieten können. Die Variante greift den Trend zum «Handy auf Abo» auf, der in der Schweiz bereits von Sunrise und Yallo angeboten wird. Visa kündigt parallel einen Stellenabbau in der Höhe von etwa sieben Prozent der Belegschaft an, offiziell wegen «Effizienzgewinnen durch KI». Coca-Cola hebt den Jahresausblick an, Konzernchef James Quincey verwies am CNBC-Interview auf den Marketing-Schub durch den WM-Sommermodus bei Männern unter 35. Die Kontraste zwischen Tech-Aufbruchsstimmung, klassischem Konsumgüter-Comeback und aggressiver Stellenkürzung zeigen, wie ungleich die Wirtschaftslage zwischen Sektoren verteilt ist.

Anthropic, SpaceX und die Welt der offenen KI-Modelle

Anthropic-CEO Dario Amodei hat in einem gemeinsamen Auftritt mit dem US-Senatsausschuss die Idee zurückgewiesen, offene KI-Modelle zu verbieten. Stattdessen solle die US-Regierung Exporte einschränken, um Chinas Aufholjagd zu bremsen. Politico zitiert den CEO mit der Aussage, ein Verbot offener Gewichte schade dem US-Ökosystem mehr, als es die Sicherheit erhöhe. Zeitgleich gerät Elon Musks Raumfahrtkonzern SpaceX unter Druck: Der Konzern hat nach Berechnungen von CNBC den Gegenwert einer vollständigen Tesla-Marktkapitalisierung verloren, was den Börsenwert allein in diesem Jahr auf unter 200 Milliarden Dollar drückt. Hinzu kommen Meldungen, wonach Mitglieder des US-Kongresses SpaceX-Aktien gekauft haben, was eine Ethikdebatte ausgelöst hat.

Ausblick auf Mittwoch

Morgen dürfte der UBS-Q2-Bericht den Schweizer Handelstag prägen, parallel veröffentlicht die Europäische Zentralbank die geldpolitischen Protokolle der letzten Sitzung. In den USA öffnen Amazon, Meta und Microsoft nach Börsenschluss ihre Bücher, eine heisse Quartalswoche beginnt. Geopolitisch bleibt die Iran-Frontlage offen, eine Wiederaufnahme der US-Angriffe ist nicht ausgeschlossen, falls die Gespräche am Golf stagnieren. In Frankreich wird Zidane seine erste Pressekonferenz geben, an der Tour de France fällt die Entscheidung in den Pyrenäen-Etappen.

Die Märkte heute

Der Euro steht zum Franken bei 0,9319 (EZB-Referenzkurs, stabil zum Vortag). Der US-Dollar wechselt zum Franken bei 0,8198, ein leichter Rückgang gegenüber heute Morgen. Gold notiert bei 4'027,80 US-Dollar pro Unze, ein Verlust von 0,5 Prozent seit dem Vortagsschluss (Yahoo Finance). Der MSCI World liegt bei 4'788,32 Punkten, ein Gewinn von 0,1 Prozent seit heute Morgen, getragen von robusten US-Bankenwerten und FTSE-Schwergewichten. Bitcoin wechselt bei 63'378 US-Dollar den Besitzer, ein Verlust von 1,9 Prozent innert 24 Stunden (CoinGecko).

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