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Hitze, Chip-Sorgen und ein Schweizer Airline-Bruch

Hitzewelle in Europa, Chip-Aktien unter Druck, Lufthansa höhlt die Swiss aus und die Swisscom rutscht in die zweite Börsenliga.

Von der MacherPost-Redaktion 28.07.2026, 10:00 ♪ 11 Min Audio · 1'468 Wörter
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Hitze, Chip-Sorgen und ein Schweizer Airline-Bruch

Die vier grossen Themen der Mittagsausgabe: eine Hitzewelle mit Waldbränden überrollt Süd- und Westeuropa, an den Chip-Börsen zittern die Kurse wegen hoher KI-Investitionen, der Lufthansa-Konzern höhlt die Identität der Swiss, und die Swisscom rutscht in die zweite Börsenliga. Dazwischen eine Iran-Feuerpause mit neuen Drohungen, ein Schweizer Fussball-Abend mit Koller-Debüt, Schwingen vor dem Saison-Endspurt und ein pakistanisch-britischer Radprofi, der im italienischen Strassenrennen für Aufsehen sorgt.


Hitzewelle erfasst Süd- und Westeuropa

Spanien, Portugal, Frankreich und Italien erleben seit Sonntag die vierte Hitzewelle des Sommers, mit Temperaturen verbreitet über 40 Grad. Rund um Madrid und Bordeaux brennen Wälder, die ersten Brandflächen bei Bordeaux sind nach Angaben der französischen Behörden inzwischen unter Kontrolle. Die deutsche Bundeswehr unterstützt mit Löschflugzeugen, ein in dieser Grösse seltener Einsatz ausserhalb des eigenen Landes. Meteorologen sprechen von «Feuerwetter», also einer Kombination aus langer Trockenheit, extremer Hitze und böigem Wind, die Brände kaum beherrschbar macht.

Reisende müssen mit Einschränkungen rechnen. In Spanien wurden mehrere Naturparks gesperrt, in Südfrankreich gelten temporäre Zugangsverbote für Waldgebiete. Die britische Gesundheitsbehörde hat wegen Temperaturen über 35 Grad eine Warnung für Teile Englands ausgesprochen. Was die Lage verschärft: Die Wissenschaftler führen einen Teil der Trockenheit auf den Klimawandel zurück, die Bewältigungskosten der Waldbrände werden in der EU auf mehrere hundert Millionen Euro pro Saison geschätzt. Für die Schweiz bedeutet das vorerst steigende Ozonwerte und mögliche Waldbrandwarnungen im Jura und in den Voralpen.

Chip-Aktien rutschen ab, asiatische Börsen unter Druck

In Asien und in den USA gaben Chip-Aktien am Montag und Dienstag deutlich nach, Auslöser sind Sorgen über die Rentabilität der enormen KI-Investitionen grosser Cloud-Anbieter. Amazon, Microsoft und Oracle haben in den vergangenen Quartalen zusammen über 80 Milliarden Dollar in KI-Rechenzentren gesteckt, einzelne Investoren fragen offen, ob sich diese Ausgaben jemals rechnen werden. Aus China kommt zusätzlicher Druck: Der chinesische Speicherchip-Hersteller CXMT legte am Montag einen Mega-Börsengang hin, der Aktienkurs stieg im Handelsverlauf um bis zu 472 Prozent. Der Börsengang unterstreicht Chinas Aufholjagd im Halbleiterbereich und sorgt bei westlichen Wettbewerbern für Nervosität. Schweizer Halbleiter-Zulieferer wie VAT in Haag oder Comet Holding in Flamatt gerieten mit den US-Tech-Werten unter Druck. Der Schweizer Tech-Index schloss schwächer, auch wenn die Bewertungen vieler Titel im Vergleich zu den US-Peers noch moderat wirken.

Lufthansa-Konzern höhlt die Identität der Swiss

Die Swiss durchläuft im Konzernverbund der Lufthansa eine weitere Runde der Identitäts-Abnutzung. Nach der Auslagerung weiterer Funktionen nach Frankfurt verliert die Airline schrittweise ihre Eigenständigkeit, und mit ihr schwindet der letzte Rest des einstigen Schweizer Markenkerns. Kunden spüren die Folgen bereits: Catering, Buchungsprozesse und Wartung laufen zentral, das Swiss-typische Bordprodukt ist auf vielen Kurzstrecken nur noch ein Versprechen. Branchenkenner sehen darin den Abschluss eines Trends, der mit der Übernahme der Swiss durch die Lufthansa im Jahr 2005 begann. Für die Schweizer Wirtschaft ist die Marke Swiss touristisch relevant, der Flughafen Zürich verliert bei einer weiteren Schwächung Hub-Funktionen an München und Frankfurt. Die Frage ist, ob und wie sich Zürich gegen die Konkurrenz behaupten kann, wenn das Heimatprodukt im Flugzeug immer weniger nach Schweiz schmeckt.

Swisscom steigt in die zweite Börsenliga ab

Die Swisscom hat in den vergangenen Wochen signifikant an Marktkapitalisierung eingebüsst und rutscht in die zweite Börsenliga der Schweizer Blue Chips ab. Hintergrund ist der wachsende Investitionsstau bei Glasfaser und 5G sowie der Bund als Hauptaktionär, der strategisch nicht mehr in den Ausbau investieren kann. Sunrise, mittlerweile von Liberty Global übernommen, zieht unterdessen mit aggressiven Glasfaser-Offerten in den Städten an der Swisscom vorbei.

Gleichzeitig nimmt die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma den Versicherer Zurich Insurance unter die Lupe, Grund ist ein neuer Verdachtsfall im Bereich Lebensversicherung, bei dem es um nicht ausbezahlte Rentenansprüche geht. Die Versicherungsgruppe spricht von einem offenen Punkt aus früheren Beständen, der untersucht werde. Beide Themen zusammen zeigen exemplarisch, wie Grossunternehmen unter politischer und regulatorischer Beobachtung an Wert verlieren. Anleger mit CHF-Blue-Chips-Mandaten bekommen das in der Performance ihrer Depots deutlich zu spüren.


Iran und USA: Feuerpause wackelt, neue Drohungen

Trotz der zwischen Washington und Teheran vereinbarten Feuerpause hat Irans Regime mit einer Ausweitung des Konflikts gedroht, sollten die USA den Konflikt neu eröffnen. Berichtet wird von einer Eskalation über Stellvertreter: An der Meerenge Bab al-Mandab, im Jemen, greifen die Huthi-Milizen Frachtschiffe an, was die globalen Lieferketten empfindlich stört. Beobachter befürchten, dass Iran über seine Verbündeten den Druck erhöht, ohne selbst die Feuerpause formell zu brechen.

Parallel ist die Ölpreis-Erholung nach der ursprünglichen US-Angriffspause wieder teilweise abgegeben worden. Eine Tonne Brent fiel zwischenzeitlich um mehrere Prozent, hat sich seit den neuen Drohungen aber stabilisiert. Für die Schweiz als rohstoffarmer Industriestandort sind die Preisbewegungen am Ölmarkt doppelt relevant: direkt über die Treibstoffkosten der Logistik, indirekt über die Weltkonjunktur, die mit höheren Energiepreisen sofort abkühlt.

Super League startet mit St. Gallen-Sieg und Koller-Debüt

Die Schweizer Super League ist am Wochenende in die neue Saison gestartet. Der FC St. Gallen gewann zum Auftakt gegen den FC Zürich mit 2:1, der erste Auftritt der Zürcher unter dem neuen Trainer Marcel Koller fiel aber trotz der Niederlage vielversprechend aus. Koller, der die Mannschaft erst seit wenigen Wochen kennt, setzte auf eine defensiv stabile Grundordnung und schnelles Umschalten, das Spiel über weite Strecken liess Hoffnung aufkommen. Thun steht unterdessen in der Champions-League-Qualifikation und trifft in der ersten Runde auf einen internationalen Gegner.

Im Hintergrund laufen die Vorbereitungen für das Schwingen-Saisonfinale, mehrere Eidgenossen kämpfen um den Titel, der Saison-Endspurt beginnt diese Woche. Im Strassenradsport sorgte ein pakistanisch-britischer Neoprofi mit einer Attacke für Aufsehen, der Name steht für einen neuen Generationenwechsel im europäischen Radsport.

Tour de France, Formel 1 und ein geplatzter Trainer-Wechsel

Die Tour de France ist Geschichte, das Résumé zeigt ein von Taktik und Höhenmetern geprägtes Rennen, in dem die Favoriten ihre Form bestätigten. In der Formel 1 geht es in die Sommerpause, die Saison wird im Spätsommer in Belgien fortgesetzt. Die Teams nutzen die Pause für die Vorbereitung auf das zweite Saison-Drittel, in dem die Abstände in der Konstrukteurswertung erfahrungsgemäss grösser werden.

Geplatzt ist der Wechsel von Andrea Pirlo zum italienischen Fussball-Verband als Nationalcoach. Das Engagement scheiterte an bestehenden Verbindungen des früheren Weltklasse-Mittelfeldspielers nach Russland, politische Bedenken der FIGC waren am Ende nicht ausräumbar.

Super-El-Niño bedroht die Weltwirtschaft

Klimatologen warnen vor einem Super-El-Niño, der nach derzeitigem Stand Lebensmittelpreise, Energiekosten und Lieferketten gleichzeitig unter Druck setzen könnte. Berichtet wird von einem möglichen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um mehrere Zehntel Grad im kommenden Winterhalbjahr. Das hätte Folgen für Exportnationen wie die Schweiz, deren Maschinen- und Pharma-Produkte auf verlässliche Logistikketten angewiesen sind. Die Preise für Soja, Kakao und Reis dürften bereits jetzt anfangen, die Erwartungen einzupreisen. Für Anleger ist das relevante Makro: Zentralbanken, die auf sinkende Inflation gehofft haben, bekommen neue Auftriebsimpulse, das Zinsumfeld bleibt länger straff als zuletzt angenommen.

US-Gericht blockiert Trump-Wahlrechtspläne

In den USA hat ein Bundesgericht die jüngsten Pläne von Präsident Donald Trump zur Beschränkung der Briefwahl vorläufig gestoppt. Parallel dazu hat Trump den Supreme Court im Streit um Wahlregeln angerufen. Politisch bleibt das Thema bis zu den Midterms im Herbst ein zentraler Konfliktherd, die Aktienmärkte reagierten bisher zurückhaltend. Schweizer Investoren beobachten die Vorgänge wegen der starken US-Allokationen in den globalen Aktienindizes, ein dauerhafter Konflikt könnte die Bewertungen insbesondere im Tech-Sektor belasten.

Schweizer Banken: EFG fordert Julius Bär, Bellevü verliert Kundengelder

EFG International hat im ersten Halbjahr ähnlich viel Neugeld wie Julius Bär eingeworben, aber mit deutlich mehr Dynamik bei den Margen. Das zeigen die Halbjahreszahlen. Gleichzeitig verliert die Zürcher Boutique Bellevü Asset Management weiterhin Kundengelder, der Gewinn stieg dennoch deutlich, weil das Cost-Income-Verhältnis sich verbessert hat. Der Zürcher UBP-Chef Adrian Künzi sagt im Interview, die wahre Zäsur am Schweizer Bankenplatz sei nicht der Untergang der Credit Suisse gewesen. Der viel härtere Kampf werde um Talente geführt. Lombard Odier geht im Fall Karimowa in Berufung gegen eine Busse von 3 Millionen Franken, die Bellinzona wegen Verstössen gegen Geldwäscherei-Regeln ausgesprochen hatte.

Im Hintergrund laufen die Vorbereitungen für den Villars-Ollon-Sommeranlass der Schweizer Vermögensverwalter, der traditionell Ende Juli stattfindet und Gelegenheit für informelle Gespräche über die zweite Jahreshälfte bietet.


Ausblick

Bis zum Abend-Briefing um 18 Uhr stehen vor allem drei Themen im Fokus. Die iranische Reaktion auf die US-Drohung einer erneuten Eskalation, neue Quartalszahlen aus den USA am Nachmittag und die weitere Entwicklung der Chip-Kurse nach dem asiatischen Ausverkauf. In Europa laufen die Löscharbeiten bei Madrid weiter, in Bern beginnt die Sommersession der Eidgenössischen Räte. Ausserdem veröffentlicht die Europäische Zentralbank am Mittwoch die Protokolle der letzten Ratssitzung, was dem Euro-Franken-Kurs neue Impulse geben könnte.

Die Märkte heute

Der MSCI World steht aktuell bei 4'789,93 Punkten. Das ist ein Gewinn von 0,15 Prozent seit heute Morgen. Gold notiert bei 4'044,80 US-Dollar pro Unze, praktisch unverändert mit einem Minus von 0,04 Prozent. Bitcoin wechselt bei 63'356 US-Dollar den Besitzer, ein Verlust von 2,72 Prozent in den letzten 24 Stunden. Der Euro notiert bei 0,9284 Franken, der US-Dollar bei 0,8152 Franken, beide Werte vom Frankfurter Referenzkurs vom 27. Juli.

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