Sechs Jahre nach der Unterzeichnung in Washington, drei Monate nach dem Waffenstillstand zwischen Israel und Iran, und wenige Wochen nach dem Beitritt Kasachstans: Was vom einstigen Normalisierungsprojekt noch übrig ist, was es im Sommer 2026 erweitert, und warum die Palästinafrage plötzlich zurück auf dem Verhandlungstisch liegt.
Am 15. September 2020 unterzeichneten Israel, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain im Weissen Haus zwei bilaterale Normalisierungsabkommen. Marokko und Sudan folgten noch im selben Jahr, beziehungsweise im Januar 2021. Das Paket wurde unter dem Namen Abraham-Abkommen als grösste diplomatische Wende im Nahen Osten seit den Oslör Verträgen gefeiert. Sechs Jahre später, nach dem Gaza-Krieg, dem zwölftägigen Iran-Krieg vom Februar bis April 2026 und dem Waffenstillstand von Islamabad, ist das Projekt kein Friedensdokument mehr. Es ist die operative Architektur einer neuen Regionalordnung, in der Israel, die Golfstaaten und bald auch Staaten jenseits der arabischen Welt zusammenarbeiten. Wer die Verschiebungen des Sommers 2026 verstehen will, muss bei den Abkommen anfangen.