Die Schweiz sammelt 4,2 Millionen Flugpassagierdatensätze im Jahr, der Nachrichtendienst führt 209 genehmigungspflichtige Beschaffungsmassnahmen durch, und die Anzeigen beim Datenschutzbeauftragten haben sich innert eines Berichtsjahres mehr als verdoppelt. Was im Hintergrund wächst, ist eine privatwirtschaftliche Datenmaschine, die keinen vergleichbaren Kontrollen unterliegt.
Wer heute fliegt, telefoniert, bezahlt, ein Visum beantragt oder eine Cloud benutzt, hinterlässt Spuren. Die Schweiz ist über Schengen an EU-Datenflüsse angebunden und gleichzeitig Heimat grosser Plattformen und Telekomanbieter. Der Nachrichtendienst des Bundes legt mit dem Lagebericht "Sicherheit Schweiz 2026" Rechenschaft über das staatliche Sammeln ab, der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte dokumentiert im 33. Tätigkeitsbericht 2025/2026, was im privatwirtschaftlichen Bereich passiert. Offen ist, wer diese Spuren kontrolliert, wie lange sie bleiben und was am Ende damit geschieht. Beide Berichte zusammen ergeben das vollständigste Bild, das die Schweiz derzeit von ihrer eigenen Überwachungslandschaft zeichnet, und sie lassen sich gegeneinander lesen wie zwei Hälften derselben Waage.