Der Samstag liefert einen dichten Strauss an Signalen: In Deutschland tritt der Unionsfraktionschef nach einer Leihmutterschafts-Affäre zurück, in der ukrainischen Hauptstadt gehen Tausende gegen die Entlassung von Verteidigungsminister Fedorow auf die Strasse, und in der Schweiz liegen die Stauseen so tief wie seit 20 Jahren nicht. Dazu kommen ein schwacher US-Technologiemarkt, ein Schweizer Rekordtransfer und ein WM-Final, das unter einer Rauchglocke kanadischer Waldbrände stattfindet.
Jens Spahn gibt sein Amt als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion auf. Hintergrund ist die Debatte um eine Leihmutterschaft, mit der Spahn und sein Ehemann in den USA ein Kind bekommen hatten. In Deutschland ist Leihmutterschaft rechtlich nicht zulässig, weshalb das Vorgehen als Umgehung heimischer Regeln kritisiert wird. Kanzler Friedrich Merz hatte sich am Freitag von Spahn distanziert, die CDU im Hochsauerland, dem Heimatkreis des Kanzlers, forderte den Rücktritt. Spahns Schritt fällt mitten in die parlamentarische Sommerpause und nur wenige Tage vor der Bundestagswahl in Nordrhein-Westfalen im kommenden Jahr. Mit dem Rückzug verliert die Unionsfraktion einen ihrer profiliertesten Innenpolitiker; die Nachfolge ist noch offen. Spahn war von 2009 bis 2021 Mitglied des Bundestags, dann Bundesgesundheitsminister in der Ära Merkel und seit 2021 Fraktionsvorsitzender. Die Affäre wirft ein grundsätzliches Licht auf die Frage, wieweit politische Amtsträger private Lebensentscheidungen rechtfertigen müssen, die nach aussen als Regelbruch wahrgenommen werden (DIE ZEIT, Spiegel, WELT).