Die Kirchen verlieren Mitglieder im Rekordtempo. Die Sehnsucht nach dem, was sie einmal trugen, bleibt. Eine Spurensuche in den Räumen, die heute übernehmen.
Wer 2024 in der Schweiz aus der katholischen Kirche austritt, ist nicht der Mensch, der mit Gott bricht. Er ist häufig der junge Erwachsene, der den ersten eigenen Schritt ins Erwachsenenleben tut, die Kirchensteuer als Doppelbelastung empfindet oder sich an einer konkreten Lehre reibt. Wer 2024 eintritt, ist die Ausnahme: 1'189 Eintritte stehen 36'682 Austritte gegenüber, ein Verhältnis von eins zu dreissig. Der grösste Block der Schweizer Bevölkerung gehört keiner Religionsgemeinschaft mehr an. Was hier wegbricht, ist nicht eine Randgruppe. Es ist die tragende Mehrheit des 20. Jahrhunderts. Die offene Frage ist nicht, ob dieser Trend umkehrbar ist. Er ist es nicht. Die Frage ist, wohin der Halt wandert, den diese Institutionen über Jahrhunderte gegeben haben.