Warum ein ehrliches Nichts bei chronischem Kreuzweh fast so viel hilft wie eine Spritze, warum Aufklärung Nebenwirkungen erzeugen kann und was das für die Medizin der nächsten Jahre bedeutet.
Im Juni 2026 haben Ted Kaptchuk und Kollegen in «The Lancet Psychiatry» einen Aufsatz veröffentlicht, der unbequem klingt. Der Placebo-Effekt ist ein eigenständiger therapeutischer Mechanismus, kein Störfaktor, den man aus Studien herausrechnet. Wer ihn weiter als Einbildung abtut, ignoriert die Datenlage. Wer ihn zum Allheilmittel erklärt, verkennt seine Grenzen. Die spannende Frage lautet deshalb: Wie können Ärztinnen und Ärzte ihn nutzen, ohne zu täuschen?