Am 28. April 2025 um 12 Uhr 33 fällt auf der iberischen Halbinsel binnen Sekunden der Strom aus. Spanien und Portugal sitzen für rund zehn Stunden im Dunkeln. Was wie ein Kurzschluss aussieht, ist das Ergebnis einer physikalischen Schieflage, die seit Jahren im europäischen Netz wächst: je mehr Sonnenstrom und Wind, desto weniger stille Reserve, die einen solchen Schlag abfängt. Dieser Bericht erklärt, warum das europäische Stromnetz ein Balanceakt in Echtzeit ist, warum der Blackout in Spanien kein Zufall war und welche Rolle die Schweiz mit ihren Bergen in diesem System spielt.
Strom lässt sich nicht lagern. Was eine Kilowattstunde kostet, entsteht in derselben Sekunde, in der sie verbraucht wird, europaweit, in einem einzigen synchronen Verbund. Wasserrohre haben einen Puffer, Datenpakete stauen sich kurz und werden später übermittelt. Beim Strom fehlt dieser Puffer im physikalischen Sinn fast vollständig.