Am 9. November 1989 hätte die DDR-Grenztruppe schiessen können. Sie tat es nicht. Hinter diesem einen Abend lag ein Jahr, in dem ein System seine eigene Gewalt verloren hatte.
Die Berliner Mauer war am Abend des 9. November 1989 ein offenes Bauwerk, ohne dass ein Offizier, ein Politiker oder ein Funktionär den Befehl dazu gegeben hatte. In der ersten Stunde nach der Öffnung des Übergangs Bornholmer Strasse überquerten rund 20.000 Menschen die Bösebrücke. An keinem der insgesamt 155 Kilometer Grenzanlagen wurde an diesem Abend auch nur ein Schuss abgefeuert. Wer verstehen will, warum ein Staat verschwinden konnte, ohne dass das Blut seiner Bürger vergossen wurde, muss verstehen, warum die Kette der Gewalt an jenem Abend abriss.