Warum die Lehre vom römischen Kaiser Marcus Aurelius ausgerechnet in Therapie, Managementkultur und Silicon Valley Karriere macht. Und was nach dem Marketingnebel davon übrig bleibt.
Im Winter 170 nach Christus sitzt der römische Kaiser Marcus Aurelius in einem Feldlager an der Donau und schreibt für sich selbst auf, was er über das Leben gelernt hat. Zwölf Bücher griechischer Selbstgespräche, nie für eine Veröffentlichung gedacht. Erst nach seinem Tod erscheinen sie unter dem Titel "Meditationen". Heute, im Juli 2026, stehen sie auf den Bestsellerlisten der Welt, mit Hunderttausenden Bewertungen allein auf den grossen englischsprachigen Plattformen. Im gleichen Zeitraum hat sich eine globale Bewegung um eine altehrwürdige Idee gebildet, mit jährlichen Stoizismus-Wochen, einer eigenen Nonprofit-Organisation seit 2012 und einer therapeutischen Infrastruktur, die bis in moderne Psychologiepraxen reicht.