Der Bundesparteitag der AfD hat am Samstagvormittag in Erfurt begonnen, begleitet von einer Grossdemonstration mit nach Polizeiangaben rund 20'000 Teilnehmenden. Aktivisten hatten in den Morgenstunden mehrere Autobahnzufahrten und Seitenzugänge zur Messehalle blockiert, der Konvoi mit Parteichefin Alice Weidel und Co-Chef Tino Chrupalla musste nach SRF-Informationen über Umwege einrücken (SRF, NZZ). Im Zentrum des ersten Tages stehen Vorstandswahlen; der thüringische Landesverband um Björn Höcke will mit dem Juristen Stefan Möller einen eigenen Kandidaten in den Bundesvorstand bringen. Diskutiert wird zudem ein Antrag, Mitgliedschaften in als rechtsextrem eingestuften Organisationen nach einer gewissen Frist nicht mehr als Ausschlussgrund zu werten. Die Co-Vorsitzenden Weidel und Chrupalla gelten als gesetzt; inhaltliche Beschlüsse sind laut Tagesschau für dieses Wochenende nicht vorgesehen (Tagesschau). Nach einer neuen NZZ-Umfrage erreicht die AfD in Sachsen-Anhalt den höchsten je in einem Bundesland gemessenen Wert und könnte dort im September laut Umfragen auf eine absolute Mehrheit zusteuern (NZZ).
Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Morgen Angriffe auf Ölanlagen in der russischen Region um St. Petersburg gemeldet. Nach seinen Angaben wurden in der Nacht landesweit 67 Drohnen abgeschossen, wie der Gouverneur des Umlands, Alexander Drosdenko, mitteilte (SRF). Gleichzeitig meldete Kiew die Zerstörung einer strategisch wichtigen Brücke auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim; im Grenzgebiet Belgorod fiel nach ukrainischem Raketenbeschuss zeitweise der Strom aus (NZZ). Die Eskalation fällt in die heisse Phase vor dem NATO-Gipfel in Ankara am kommenden Wochenende, bei dem die europäischen Mitglieder ein neues Militärhilfe-Paket für die Ukraine besiegeln wollen. Die EU-Aussenminister hatten sich nach monatelangem Streit am Freitagabend auf Waffenlieferungen im Wert von mindestens 5 Mrd. Euro aus der Europäischen Friedensfazilität verständigt; Frankreich hatte durchgesetzt, dass europäische Rüstungsfirmen Vorrang erhalten, Käufe etwa in den USA oder Südkorea aber möglich bleiben, wenn die Kapazitäten erschöpft sind (Tagesschau). Der deutsche EU-Botschafter Michael Clauss sprach von einer «guten Nachricht für die Ukraine».