Efta-Deal mit Vietnam, Milliarden für die SBB und ein WM-Morgen um fünf
Schweiz unterzeichnet Freihandelsabkommen mit Vietnam, SBB starten grössten Bahnausbau, und die Nati trifft Algerien um fünf Uhr früh.
Efta-Deal mit Vietnam, Milliarden für die SBB und ein WM-Morgen um fünf
Die Efta-Staaten unterzeichnen ein Freihandelsabkommen mit Vietnam, die SBB starten den grössten Bahnausbau zwischen Zürich und Winterthur, und Bundesrat Rösti warnt vor Übertreibungen bei der Hitzewelle. In der Nacht hat Russland Kiew mit Drohnen und Raketen angegriffen, in Berlin stellt Kanzler Merz ein 10-Milliarden-Steuerpaket vor, und die Schweiz fiebert dem Algerien-Spiel um fünf Uhr früh entgegen.
Efta-Staaten unterzeichnen Freihandelsabkommen mit Vietnam
Die Europäische Freihandelsassoziation (Efta) und Vietnam haben heute in Reykjavik den Abschluss ihrer Verhandlungen über ein umfassendes Freihandelsabkommen bekannt gegeben. Für die Schweiz nahm Bundesrat Guy Parmelin an den Gesprächen teil. Mit Inkrafttreten des Vertrags werden die Efta-Staaten sämtliche Zölle auf Industrieprodukte sowie auf Fisch und Meereserzeugnisse aus Vietnam dauerhaft abschaffen. Vietnam seinerseits baut die Zölle auf den Grossteil der Industrie- und Fischereiprodukte aus den Efta-Staaten innerhalb von maximal elf Jahren ab. Besonders profitieren Schweizer Exporteure von Uhren, Fisch, chemischen Erzeugnissen und Maschinen. Käse, Kaffee, Schokolade und Nahrungsergänzungsmittel erhalten spätestens 16 Jahre nach Inkrafttreten zollfreien Zugang zum vietnamesischen Markt. Das bilaterale Handelsvolumen belief sich im Jahr 2025 auf 4,8 Milliarden Euro. (srf.ch)
SBB starten Milliardenprojekt zwischen Zürich und Winterthur
Die SBB haben am Donnerstag den offiziellen Baustart für den Ausbau der Strecke Zürich–Winterthur auf vier Spuren gegeben. Herzstück ist der Brüttenertunnel mit geplanter Inbetriebnahme im Jahr 2037. Das Vorhaben umfasst zudem den Ausbau zahlreicher Bahnhöfe und Velowege. Nach Abschluss sollen auf der Achse bis zu 30 Prozent mehr Züge verkehren können. SBB-CEO Vincent Ducrot sprach vom «Projekt der Superlative» und der grössten Baustelle der Schweiz. Pro Tag fallen Baukosten von rund einer Million Franken an. In den nächsten 15 Jahren investiert der Bund 9 Milliarden Franken in die Zürcher ÖV-Infrastruktur, mehr als in jedem anderen Kanton. Bereits ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026 müssen sich Reisende auf erste Einschränkungen im S-Bahn-Angebot einstellen. Die SBB rechnen zudem mit Lärm, Staub und Nachtarbeiten, insbesondere in Wohngebieten entlang der Strecke. Zürcher Baudirektor Martin Neukom sprach von einem «Bypass am ÖV-Herzen der Schweiz». (srf.ch)
IV steuert auf Defizit von 800 Millionen Franken zu
Die Invalidenversicherung (IV) rutscht immer tiefer in die roten Zahlen. Für das laufende Jahr 2026 rechnet der Bund mit einem Defizit von 300 Millionen Franken, im Folgejahr bereits mit 800 Millionen. Geht die Entwicklung so weiter, wäre das Vermögen der IV im Jahr 2031 vollständig aufgebraucht. Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) führt die Misere vor allem auf den Anstieg neuer IV-Renten zurück. Besonders stark habe die Zahl der Rentenzusprachen wegen psychischer Erkrankungen zugenommen, betroffen sind alle Altersgruppen, vor allem aber 18- bis 24-Jährige und 60- bis 64-Jährige. Das Departement des Innern zieht die Vernehmlassung zur geplanten IV-Reform auf den Herbst vor. Vorgesehen sind eine neue Integrationsleistung für junge Versicherte und ein erleichterter Zugang zu Aus- und Weiterbildungen. (srf.ch)
Russland greift Kiew mit Drohnen und Raketen an
In der Nacht auf Donnerstag hat Russland die ukrainische Hauptstadt Kiew mit einer Welle von Drohnen und Raketen angegriffen. Nach Behördenangaben starben mindestens 18 Menschen, darunter auch Kinder. Die Angriffe richteten sich zudem gegen mehrere weitere Städte, unter anderem gegen Dnipro und Charkiw. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem «gezielten Terror gegen die Zivilbevölkerung» und rief die westlichen Verbündeten zu einer stärkeren Luftabwehr auf. Die Glückskette hat gemeinsam mit ukrainischen Partnerorganisationen Hilfsprogramme für Betroffene aufgestockt, darunter finanzielle Soforthilfe, Reparaturen an beschädigten Wohnungen und psychosoziale Begleitung. (srf.ch)
Kanzler Merz stellt 10-Milliarden-Steuerpaket vor
Kanzler Friedrich Merz hat gemeinsam mit CDU, CSU und SPD ein Entlastungspaket für kleine und mittlere Einkommen vorgestellt. Ziel sei, «Deutschland wieder flottzukriegen». Bis 2028 sollen Familien mit Kindern um bis zu 600 Euro pro Jahr entlastet werden. Das Paket hat ein Volumen von 10 Milliarden Euro und wird über eine höhere Besteuerung von Wohlhabenden gegenfinanziert. Finanzminister und SPD Co Chef Lars Klingbeil sprach von einem «Paket der Gerechtigkeit». Im Gegenzug flexibilisiert die SPD befristete Arbeitsverträge. Die Einkommensteuerreform ist Teil einer grösseren Reformagenda, zu der bereits Änderungen bei den Krankenkassen und bei der Rente gehören. Wirtschaftsforscher bezweifeln indes, ob 10 Milliarden Euro ausreichen, um die deutsche Wachstumsschwäche zu brechen. Die Wirtschaftsleistung ist 2025 zum dritten Mal in Folge leicht geschrumpft. (srf.ch)
EU-Gericht bestätigt 4,1-Milliarden-Busse gegen Google
Der Gerichtshof der Europäischen Union hat die Beschwerde von Google und Alphabet gegen die Wettbewerbsbusse der EU-Kommission abgewiesen. Damit ist die Busse von rund 4,1 Milliarden Euro rechtskräftig, die höchste, welche die EU je gegen ein einzelnes Unternehmen verhängt hat. Die Kommission hatte Google 2018 wegen der Missachtung von Auflagen im Android-Geschäft bestraft. Google und Alphabet zogen vor das Gericht der EU, das den Betrag 2022 leicht auf 4,125 Milliarden Euro reduzierte. Nun wies der Gerichtshof die Berufung vollumfänglich ab. Der Entscheid ist endgültig, weitere Rechtsmittel sind ausgeschlossen. (srf.ch)
Rösti zur Hitzewelle: «Man darf es auch nicht übertreiben»
Bundesrat Albert Rösti hat sich in einem SRF-Interview zur jüngsten Hitzewelle geäussert, die den Juni in der Schweiz geprägt hat. Die langfristige Erwärmung sei unbestritten, sagte der Umweltminister. Er warnte aber vor überzogenen Reaktionen: «Bei 35 Grad muss man nicht gleich Katastrophenszenarien ausrufen.» Einzelne Unwetter seien kein Beweis für den Klimawandel, betonte Rösti. Gleichzeitig kritisierte er den schleppenden Ausbau der erneuerbaren Energien. Gegen praktisch jedes Wind-, Wasser- und alpine Solarkraftwerk gebe es Einsprachen. Solange der Ausbau blockiert bleibe, seien Studien zu neuen Kernkraftwerken «das Papier nicht wert». (srf.ch)
In zwei Kantonen gilt absolutes Feuerverbot
In mehreren Kantonen herrscht derzeit sehr grosse Waldbrandgefahr. Im Wallis und in Teilen der Waadt gilt die höchste Warnstufe mit absoluten Feuerverboten im Wald, in Waldesnähe und teilweise im gesamten Freien. Die Kantone beurteilen die Lage fortlaufend gemeinsam mit dem Bund und aktualisieren die Warnstufen von Montag bis Freitag. Die Trockenheit der vergangenen Wochen hat die Böden vielerorts austrocknen lassen. Bereits in den Vorwochen war es in der Ostschweiz und im Tessin zu kleineren Waldbränden gekommen. Auch im Aargau und in Teilen der Innerschweiz gilt aktuell ein erhöhtes Brandrisiko. Wanderer und Grillfreunde werden gebeten, auf offenes Feuer im Freien zu verzichten. (srf.ch)
EU-Päcklizoll trifft auch Schweizer Exporteure
Die EU erhebt ab sofort eine Zollpauschale von 3 Euro pro Artikelkategorie auf Pakete mit einem Gesamtwert unter 150 Euro. Damit will Brüssel die Flut von Billigware aus Asien über Plattformen wie Temu und Shein eindämmen. Der Zoll gilt auch für Pakete aus der Schweiz, da die Schweiz nicht zur EU gehört. Bestellungen von Schweizer Konsumenten in europäischen Onlineshops bleiben unverändert, weil die EU nur Importe, nicht Exporte eindämmen will. Die Pauschale gilt vorerst für zwei Jahre und soll die Zeit überbrücken, bis eine neue digitale Zollabwicklung an den Start geht. Schweizer Exporteure befürchten, dass die Zusatzkosten auf kleine Händler durchschlagen. (srf.ch)
Basel: Polizei räumt besetztes Chemie-Areal, Demonstration eskaliert
In Basel hat die Polizei am Mittwochmorgen das besetzte ehemalige Chemie-Areal an der Klybeckstrasse geräumt. Der Einsatz begann um 4 Uhr. Zwei Aktivisten hielten sich mehrere Stunden lang auf dem Dach eines Gebäudes auf. Am Abend eskalierte eine Demonstration gegen die Räumung: mehrere hundert Personen zogen vom Kleinbasel in die Innenstadt, die Polizei setzte Reizgas und Wasserwerfer ein. Das «Zack-Kollektiv» hatte das rund 7000 Quadratmeter grosse Gelände vor rund einem Monat besetzt und dort ein selbstverwaltetes Kulturzentrum eingerichtet. Arealbesitzerin Swiss Life begründete die Räumung mit Sicherheitsrisiken. (srf.ch)
Grossbritannien verschärft Asylpolitik
Anerkannte Flüchtlinge in Grossbritannien sollen künftig bis zu 10'000 Pfund, umgerechnet rund 11'000 Franken, für Unterkunft und Lebensunterhalt zurückzahlen. Das Bleiberecht wird erst nach der Begleichung erteilt. Wer arbeitet, soll zudem einen Teil des Einkommens abgeben, sofern dieses über einer noch festzulegenden Schwelle liegt. Kritiker bezeichnen das Vorhaben als Abschreckung. Migrationsexperten bezweifeln, dass viele Betroffene werden zahlen können, da anerkannte Flüchtlinge oft unter dem Durchschnittslohn verdienen. Die britische Regierung verweist auf die hohen Kosten für die Steuerzahlenden. (srf.ch)
Schweiz fiebert dem Algerien-Spiel um fünf Uhr früh entgegen
Die Schweizer Fussball Nationalmannschaft trifft am Freitagmorgen um 5 Uhr auf Algerien. Es ist das erste WM Sechzehntelfinal der Schweiz seit 1994 nach 28 jähriger Wartezeit. Auf der Schweizer Bank steht Trainer Murat Yakin, auf algerischer Seite sein früherer Super League Kollege Vladimir Petkovic. In fünf Direktdüllen in der Schweizer Meisterschaft war Yakin gegen Petkovic noch ungeschlagen. Wegen des frühen Anpfiffs öffnen Public Viewing Areale in Bern, Basel und Zürich schon vor Sonnenaufgang. Im Berner «Summer Beach» werden 2000 Plätze angeboten, die ersten 800 Gäste erhalten ein Gratisgipfeli. In Solothurn steht gar eine Mehlsuppe auf der Karte. Auch eine Schulklasse in Goldau trifft sich zum Mitfiebern. (srf.ch)
Israel gedenkt 1000 Tage nach Hamas-Massaker
In Israel jährt sich heute der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 zum tausendsten Mal. Bei dem Überfall auf den Süden Israels wurden rund 1'200 Menschen getötet und etwa 250 weitere als Geiseln genommen. Zum Gedenktag fanden in mehreren israelischen Städten Kundgebungen statt, gleichzeitig gab es Proteste gegen die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Kritiker werfen der Regierung vor, das Geiselabkommen mit der Hamas zu zögerlich zu verhandeln. Die Familien der noch immer festgehaltenen Geiseln forderten erneut deren Freilassung. Der anhaltende Krieg im Gazastreifen hat nach UN-Angaben zu einer schweren humanitären Krise geführt. (srf.ch)
Vatikan schliesst erzkonservative Piusbrüder-Bischöfe aus
Der Vatikan hat drei Bischöfe der erzkonservativen Priesterbruderschaft St. Pius X. mit sofortiger Wirkung aus der katholischen Kirche ausgeschlossen. Die Behörde für Glaubenslehre wirft den Geistlichen vor, mit einer eigenmächtigen Bischofsweihe im walliserischen Écône die Spaltung der Kirche bezweckt zu haben. Die Weihe am Mittwoch erfolgte trotz ausdrücklicher Warnung aus Rom. Der Vatikan hatte bereits im Vorfeld klargestellt, dass eine solche Handlung ohne Zustimmung des Papstes den automatischen Kirchenausschluss nach sich zieht. Bereits 1988 hatte der damalige Traditionalistenführer Marcel Lefebvre gegen den Willen von Papst Johannes Paul II. vier Bischöfe geweiht und war daraufhin exkommuniziert worden. (srf.ch)
Belgien und USA stehen im WM-Achtelfinal
Youri Tielemans hat Belgien in der Nacht auf Donnerstag in extremis ins WM Achtelfinal geschossen. Die «Roten Teufel» lagen gegen den Senegal bereits 0:2 zurück, ehe Romelu Lukaku in der 86. Minute verkürzte und Tielemans zwei Minuten später per Kopf ausglich. In der 117. Minute verwandelte Tielemans einen umstrittenen, vom VAR angezeigten Penalty zum 3:2. Der Senegal hatte zuvor durch Habib Diarra (25.) und Ismaïla Sarr (51.) klar geführt und schien bereits im Achtelfinal. Am gleichen Tag setzte sich Co-Gastgeber USA 2:0 gegen Bosnien Herzegowina durch, Folarin Balogun traf und sah kurz darauf die Rote Karte. Nächster Gegner der USA ist nun Belgien. In Wimbledon zog derweil Iga Swiatek (WTA 3) mit einem 6:1, 6:3 gegen Karolina Pliskova in die dritte Runde ein, ohne dass die Polin einen Satz abgeben musste. Auch der Schweizer Jakub Paul gab sein Wimbledon Debüt. (srf.ch)
Trump verdient am meisten Geld mit Krypto
Aus den neu offengelegten Einnahmen des US Präsidenten geht hervor, dass Donald Trump den grössten Teil seines Vermögens im vergangenen Jahr mit Kryptowährungen verdient hat. Mehr als 500 Millionen Dollar brachte das Krypto Unternehmen World Liberty Financial ein, das Trump gemeinsam mit seinen Söhnen und seinem Berater Steve Witkoff gegründet hat. Weitere 635 Millionen Dollar nahm Trump durch den Verkauf seiner sogenannten Meme Coins mit dem Kürzel «$TRUMP» ein. Kritiker sehen darin einen klaren Interessenkonflikt, da die Regierung parallel Regulierungen erlässt, die den Krypto Markt begünstigen. Die Trump Organisation hat das Geschäftsmodell in den vergangenen Jahren konsequent auf Lizenzierung statt Eigeninvestition umgestellt. (srf.ch)
Wagenknecht wirbt die AfD, Weidel lehnt ab
Die deutsche Politikerin Sahra Wagenknecht hat in einem offenen Brief die AfD Co Chefin Alice Weidel zu zwei öffentlichen Debatten herausgefordert. Die Veranstaltungen sollen «im Osten der Republik» stattfinden und die politische Debatte zurück in die Mitte der Gesellschaft holen. Wagenknechts Partei BSW verweist auf Gemeinsamkeiten in der Migrationspolitik und bei der Ablehnung von Waffenlieferungen an die Ukraine. Die AfD lehnte die Einladung jedoch ab und verwies auf fundamentale inhaltliche Differenzen. Beobachter werten den Vorstoss als Versuch, die Brandmauer gegen die AfD von links aufzuweichen. In Sachsen Anhalt und Thüringen war das BSW zuletzt auf 12 bis 14 Prozent gekommen. (srf.ch)
Ausblick auf morgen
In der Schweiz beginnt am Freitag um 5 Uhr das WM Sechzehntelfinal der Nati gegen Algerien. In Wimbledon steigen die Herren in die zweite Runde, am Abend trifft Iga Swiatek in der dritten Runde auf Petra Kvitova. In Berlin berät der Bundestag über das Steuerpaket der Koalition. In London präsentiert Premierminister Keir Starmer den Haushalt für 2027. Und in Genf eröffnet die Genfer Auto Show ihre Tore.
Die Märkte heute
Der Euro steht aktuell bei 0,92 Franken. Der US Dollar notiert bei 0,8071 Franken. Bitcoin wechselt bei 61'522 Dollar den Besitzer, ein Gewinn von 3,46 Prozent seit gestern. Gold kostet 4'135,3 Dollar pro Unze, ein Plus von 2,81 Prozent. Der MSCI World steht bei 4'843,62 Punkten, ein Gewinn von 1,11 Prozent.
Zum Wetter morgen Freitag: in Zürich 27 Grad und trocken, in Bern 26 Grad und sonnig, in Basel 28 Grad, in Genf 29 Grad, in Lugano 33 Grad und überall niederschlagsfrei. In den Alpen bleibt es oberhalb von 2'500 Metern winterlich.
Das war die Abend Ausgabe von MacherPost am Donnerstag, zweiter Juli zweitausendsechsundzwanzig. Die MacherPost-Redaktion verabschiedet sich, bis morgen früh um sechs Uhr.