Die ukrainische Hauptstadt erlebt nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko den schwersten russischen Angriff seit Beginn der Invasion. In der Nacht zum Donnerstag schlugen Dutzende Drohnen und Marschflugkörper in Wohngebiete ein, mehrere Hochhäuser gerieten in Brand. Klitschko sprach am Morgen von mindestens 13 Toten und rund 90 Verletzten (Tagesschau, 02.07., 07:52). Präsident Wolodymyr Selenskyj rief die Bevölkerung auf, Schutzräume aufzusetzen, und forderte westliche Luftabwehrsysteme. Der Kreml bestätigte auf Anfrage keine Beteiligung an Angriffen auf zivile Infrastruktur, wies jede Verantwortung zurück (BBC, 02.07.). Es mehren sich Hinweise aus Kiew, dass der Beschluss zur Eskalation mit dem laufenden Streit über westliche Waffenlieferungen und dem Streit um eingefrorene russische Vermögen zusammenhängt.
Russland hat nach Recherchen der BBC und des Guardian über mindestens 18 Monate hinweg Drohnen-Aufklärung über europäische Atomkraftwerke betrieben. Betroffen sind Standorte in Frankreich, Belgien, Grossbritannien und den Niederlanden (The Guardian, 02.07., 08:30). Die Daten wurden offenbar systematisch an Militärgeheimdienste in Moskau und Minsk übermittelt. Die britische Regierung hat den russischen Botschafter einbestellt, Paris und Brüssel kündigten eine gemeinsame Sicherheitsüberprüfung an. Auch für die Schweiz ist der Fall relevant: Die Axpo betreibt keine Anlagen in den genannten Ländern, das Bundesamt für Energie BFE steht aber nach eigenen Angaben im Austausch mit der Aufsichtsbehörde ENSI. Die IAEO in Wien will am Freitag zu einer Sondersitzung zusammentreten, um Konsequenzen zu beraten.