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Kiew unter Beschlag, Zürich unter Hitze: Der Morgen am 2. Juli 2026

Russische Luftangriffe auf Kiew, Kane schiesst England ins Achtelfinale, Supreme Court weist Trump zurueck - und Zuerich diskutiert ueber Klimaanlagen.

Von der MacherPost-Redaktion 02.07.2026, 04:00 ♪ 14 Min Audio · 1'769 Wörter
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Kiew unter Beschlag, Zürich unter Hitze: Der Morgen am 2. Juli 2026

Guten Morgen. Die Nacht brachte einen der heftigsten russischen Luftangriffe auf Kiew seit Wochen. Tagsüber richtet sich der Blick nach Zürich, wo die Hitze die Politik mobilisiert, und nach Washington, wo der Supreme Court dem Präsidenten eine schwere Niederlage zugefügt hat. Das ist Ihr Morgenbriefing.

Schwere russische Angriffe auf Kiew. Russland hat die ukrainische Hauptstadt in der Nacht zum Donnerstag mit massiven Luftangriffen überzogen. Nach Angaben der Stadtverwaltung Kiew kam mindestens ein Mensch ums Leben, mehrere wurden verletzt, Rettungskräfte waren in mehreren Stadtteilen im Dauereinsatz. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte noch am Vorabend vor einem «massiven» Schlag aus Moskau gewarnt und die Verbündeten umgehendere Luftabwehrlieferungen gebeten. Die Angriffe folgten auf verstärkte russische Gleitbombenangriffe auf Saporischja (BBC, 2.7., 01:55 Uhr MEZ; NZZ-Liveticker).

Fussball-WM: Kane schiesst England ins Achtelfinale. Harry Kane traf am Mittwochabend doppelt und drehte die Partie gegen die Demokratische Republik Kongo zu einem 2:1-Sieg für England. Damit trifft das Team von Trainer Thomas Tuchel am Sonntag im Azteca-Stadion in Mexiko-Stadt auf Mexiko. Tuchel verwies auf den Höhennachteil von über 2'200 Metern und forderte eine frühzeitige Akklimatisierung. Der Sieg wirkt befreiend: England hatte zuvor die Vorrunde überraschend mühsam gestaltet (BBC Sport, 1.7.).

WM: Belgien rettet sich gegen Senegal. Youri Tielemans verwandelte in der 121. Minute einen Penalty nach VAR-Überprüfung und sicherte Belgien einen 3:2-Erfolg nach Verlängerung. Belgien lag 0:2 zurück, ehe Leandro Trossard und Tielemans die Partie noch drehten. Tielemans hatte sich mit Trossard während einer Trinkpause zuvor angelegt, das Streitgespräch schweisste die Mannschaft aber zusammen (BBC Sport, 1.7.). Unterdessen brachte Folarin Balogun die USA im «Last 32» gegen Bosnien-Herzegowina in Führung; Balogun flog zudem mit einer Roten Karte vom Platz (BBC Sport, 2.7., 02:12 Uhr).

Wimbledon: Djokovic zerlegt Tsitsipas. Novak Djokovic fertigte Stefanos Tsitsipas in der dritten Runde 6:2, 6:3, 6:4 ab und präsentierte sich in «Full Flow», wie die BBC schrieb. Auch Jannik Sinner zog in zwei Sätzen weiter. Bei den Damen schlug Barbora Krejcikova die überraschend favorisierte French-Open-Siegerin Mirra Andreeva in der zweiten Runde. Krejcikova widmete den Sieg ihrer an Windpocken erkrankten Nichte (BBC Sport, 1.7.).

Anthropic: US hebt Exportverbot für KI-Modelle auf. Das US-Handelsministerium hat das im Juni verhängte Verbot der beiden Anthropic-Modelle «Fable» und «Mythos» wieder aufgehoben. Begründet worden war der Exportstopp mit Befürchtungen, die Modelle könnten von Hackern für Cyberangriffe missbraucht werden. Anthropic begrüsste die Entscheidung als «faktengestützt» und kündigte eine stärkere Sicherheitsbegleitung an (BBC Business, 1.7.).

Trump verliert vor dem Supreme Court. Mit einer klaren Mehrheit wies der Supreme Court Trumps Vorhaben zurück, die Geburtsort-Staatsbürgerschaft auf US-Boden geborener Kinder einzuschränken. Das Urteil ist ein schwerer Schlag für Trumps Migrationsagenda, die er mit Dekreten und Sondervollmachten durchgedrückt hatte. Bürgerrechtsorganisationen sprachen von einem klaren Sieg, der Präsident kündigte seinen Unmut per Truth-Social-Post an (BBC, 1.7.). Unterdessen verdiente Trump im ersten Jahr seiner Amtszeit über 1 Mrd. US-Dollar mit Krypto, wie offizielle Dokumente zeigen, die das Weisse Haus am Mittwoch veröffentlichte. Damit übersteigt das Krypto-Einkommen sein Immobilien- und Lizenzgeschäft; Analysten sehen darin den grössten finanziellen Interessenkonflikt eines modernen Präsidenten (BBC, 1.7.).

Berlin klagt Nord-Stream-Verdächtigen an. Rund drei Jahre nach den Sprengstoffanschlägen auf die Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 hat die deutsche Bundesanwaltschaft Anklage gegen einen mutmasslichen Täter erhoben. Der Beschuldigte ist ukrainischer Staatsbürger, gegen ihn wird unter anderem wegen verfassungswidriger Sabotage und Herbeiführung einer Explosion ermittelt. Drei der vier Pipeline-Stränge waren bei den Anschlägen im September 2022 zerstört worden. Kiew bestreitet eine staatliche Beteiligung und verweist auf mögliche Auswirkungen auf die deutsch-ukrainischen Beziehungen (NZZ, 1.7.; BBC, 1.7.).

Venezuela: Fast 2'300 Tote nach Erdbeben. Zwei schwere Beben vom 29. Juni richteten in der Region La Guaira verheerende Schäden an. Die Regierung hat die Region militarisiert, Rettungskräfte suchen weiter nach Überlebenden. Ein Kleinkind namens Kleiber Moran wurde am Mittwoch nach sechs Tagen unter den Trümmern eines eingestürzten Hauses gefunden und in ein Spital gebracht. Die Tante des Jungen kündigte an, ihn «mit mütterlicher Wärme» aufzunehmen (NZZ-Liveticker; BBC, 2.7., 00:26 Uhr).

Tote bei mexikanischen WM-Feiern. Mehr als 1 Mio. Menschen hatten am Dienstag in Mexiko-Stadt den Sieg der Nationalelf gegen Ecuador gefeiert. Vier Menschen kamen dabei ums Leben, mehrere wurden verletzt. Die Behörden ermitteln wegen unkontrollierten Schusswaffengebrauchs und mehrerer Verkehrsunfälle, eine nationale Untersuchung wurde eingeleitet (BBC, 1.7.).

Washington blockiert USMCA-Verlängerung. Die US-Regierung hat die langfristige Verlängerung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens (USMCA) gestoppt. Das 16 Jahre laufende Abkommen hätte neu auf 16 weitere Jahre verlängert werden sollen, künftig soll es jedoch jährliche Reviews geben. Für kanadische und mexikanische Exporteure bedeutet das eine deutlich höhere Planungsunsicherheit; Premier Mark Carney bereitet sich auf Neuverhandlungen vor (BBC, 1.7.; BBC über Carney, 1.7.).

London: Halifax-Marke wird eingestellt. Die Lloyds-Banking-Gruppe gibt den traditionsreichen Markennamen Halifax nach 173 Jahren auf. Unter dem Namen laufen rund 6 Mio. britische Konten und Filialen. Lloyds kündigte an, die Filialen und Produkte blieben bestehen, künftig aber unter der Hauptmarke. Der Schritt ist Teil einer breiteren Bereinigung des britischen Bankenplatzes (BBC Business, 1.7.). Unterdessen verklagt die australische Wettbewerbsbehörde ACCC Amazon wegen angeblich unfairer Verträge mit Abo-Kunden (BBC Business, 1.7.).

Zürich: Klimaanlagen-Debatte und autofeindliche Volksinitiative. Die Stadt Zürich ächzt unter den hohen Temperaturen, das Thermometer kratzt tagsüber an der 35-Grad-Marke. Die FDP-Fraktion im Stadtparlament fordert, den Einbau von Klimaanlagen baurechtlich zu erleichtern, die linken Parteien setzen auf mehr Bäume und «renaturierte» Bäche. Im Stadtparlament stützte Rot-Grün eine autofeindliche Volksinitiative, die Stadträtin Simone Brander wehrte sich gegen den Vorwurf, man wolle den Autoverkehr abschaffen (NZZ, 1./2.7.). Bundesrat Albert Röstis traditionelle Sommerreise ins Verkehrshaus Luzern wurde von Klimaaktivisten gestört, mehrere Sprechchöre unterbrachen die Rede des Volkswirtschaftsministers (NZZ, 1.7.).

15-jähriger IS-Attentäter von Zürich könnte Bürgerrecht verlieren. Dem 15-jährigen Schweizer mit Migrationshintergrund, der im Frühjahr einen IS-Anschlag auf einen Zürcher Quartiertreff verübt hat, droht der Entzug der Schweizer Staatsbürgerschaft. Das Bundesamt für Justiz bestätigte ein entsprechendes Verfahren. Es wäre der erste Fall eines Minderjährigen seit dem Zweiten Weltkrieg; die Verhältnismässigkeit ist umstritten, mehrere Menschenrechtsorganisationen äusserten Bedenken (NZZ, 1.7.).

Schweiz: Finanzkontrolle rügt Bundesrat. Die Eidgenössische Finanzkontrolle kritisiert in einem am Mittwoch vorgelegten Bericht fehlerhafte Prognosen in offiziellen Abstimmungsbüchlein, unter anderem bei der «Heiratsstrafe» und der AHV-Vorlage. Die Zahlen und Entscheidgrundlagen seien mangelhaft, die Stimmbürger teilweise falsch informiert worden. So habe der Bund bei einer Vorlage zur Familienbesteuerung die fiskalischen Effekte um mehrere hundert Millionen Franken daneben dargestellt; bei der AHV seien demographische Annahmen veraltet gewesen. Der Bund verweist auf laufende Verbesserungen, im Bundesrat dürfte das Thema in den nächsten Wochen auf die Traktandenliste kommen (NZZ, 1.7.).

NHS-Energiepreise steigen um 13 Prozent. In Grossbritannien greift die jährliche Erhöhung der Energiepreisobergrenze durch die Regulierungsbehörde Ofgem. Britische Haushalte zahlen damit 13 Prozent mehr als im Vorjahr; die Regierung ruft zum Ablesen der Zählerstände auf, um höhere Nachzahlungen zu vermeiden. Die Erhöhung fällt mit einer Phase von Streit über die Klimaziele der Labour-Regierung zusammen (BBC, 1.7.).

Waldbrände in Griechenland. Über 100 Feuerwehrleute kämpfen seit Dienstagabend gegen einen Waldbrand nahe Thessaloniki. Mindestens zwei Menschen kamen ums Leben, mehrere wurden verletzt. Die griechische Regierung aktivierte den EU-Katastrophenschutz und forderte Löschflugzeuge an. Die Polizei geht zudem von einer koordinierten Brandstiftung aus: Die Mutter eines Politikers starb nach einem Molotow-Anschlag, drei weitere Brandsätze wurden in der Nacht in Thessaloniki sichergestellt (BBC, 1.7.).

Kanada feiert 1. Juli - und ringt um seinen Zusammenhalt. Kanada beging am Mittwoch den 159. Geburtstag der Konföderation. Premier Mark Carney, erst seit wenigen Wochen im Amt, versuchte die kanadische Identität in den Mittelpunkt zu rücken, während Separationsströmungen in Alberta und Québec zunehmend Zulauf erhalten. Die Carney-Regierung will die Wirtschaft gegen die US-Zollagenda stärken und kündigte ein Investitionsprogramm in Milliardenhöhe an (BBC, 1.7.).

Tottenham schnappt sich Sandro Tonali. Die Spurs werden sich nach BBC-Informationen mit Newcastle United auf einen Transfer des italienischen Mittelfeldspielers Sandro Tonali einigen. Das Paket kann bis zu 100 Mio. Pfund (rund 117 Mio. Franken) schwer werden, inklusive Boni und Verkaufsbeteiligungen. Tonali war zuletzt einer der auffälligsten Premier-League-Spieler und Stammspieler in der italienischen Nationalelf. Unterdessen steht Oliver Glasner, ehemaliger Crystal-Palace-Cheftrainer, vor dem Engagement als Nachfolger von Vitor Pereira bei Nottingham Forest (BBC Sport, 1.7.).

Schweiz: ZHAW unter Druck wegen Werbeverbots-Studie. Eine Forschungsgruppe der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat eine Studie veröffentlicht, die ein Werbeverbot in der Stadt Zürich aus Klimaschutzgründen unterstützt. Hochschulleitung und Zürcher FDP werfen der Gruppe vor, die in den Statuten verankerte Trennung von Wissenschaft und politischer Kampagne verletzt zu haben. Die ZHAW verteidigt die Studie, kündigte aber eine interne Prüfung an (NZZ, 2.7.).

Schweiz: Patienten-Dossier in der Sackgasse. Das elektronische Patientendossier (EPD), an dem Spitäler seit Jahren mitarbeiten, ist nach NZZ-Befund in einer «surrealen Sackgasse» gelandet. Der Bund plant beim zweiten Anlauf eine grundlegende Neukonzeption, dabei soll die Verpflichtung der Spitäler zur kostenintensiven Mitwirkung gelockert werden. Bis Ende 2027 sollen die ersten überarbeiteten Versionen zur Verfügung stehen (NZZ, 2.7.).

Was der Tag bringt. In Wimbledon steigen die Drittrunden-Matches weiter, beim Tour de France laufen die letzten Vorbereitungen, und die SNB-Jahresrechnung wird erwartet. Konjunkturseitig rücken die EZB-Sitzung in der kommenden Woche und erste chinesische Aussenhandelsdaten näher. In den USA erscheinen am Nachmittag die ADP-Beschäftigungsdaten.

Die Märkte heute

Der Goldpreis steht aktuell bei 4'069,8 US-Dollar pro Unze. Das ist ein Verlust von 0,22 Prozent gegenüber dem Vortag. Die Notenbanken hielten sich zuletzt mit Äusserungen zurück, ein klarer Auslöser für den Rückgang ist nicht ersichtlich.

Der MSCI World steht bei 4'813,84 Punkten. Das ist ein Gewinn von 1,46 Prozent seit Wochenbeginn. Die Erholung an den grossen Börsen nach den Verlusten Ende Juni setzt sich fort, getragen von den US-Indizes und einer Erholung der europäischen Technologiewerte.

Der Bitcoin notiert aktuell bei 60'379 US-Dollar. Das ist ein Gewinn von 2,32 Prozent in den letzten 24 Stunden. Der Markt reagiert unter anderem auf die Aufhebung des US-Exportverbots für die Anthropic-Modelle und ein freundliches Risiko-Sentiment an den Aktienmärkten.

Der Euro steht zum Franken bei 0,9234. Der US-Dollar notiert bei 0,8112 Franken. Beide Werte stammen aus der Frankfurter/EZB-Referenz vom 1. Juli. Der Franken bleibt damit nahe an seinem mehrjährigen Starkurs gegenüber dem Euro.

Notiz zu Hintergrund: Die Berichterstattung zum Ukraine-Krieg hält sich inzwischen stärker an konkrete Angriffsmuster. Russland kombiniert Gleitbomben mit Marschflugkörpern und ballistischen Raketen, westliche Geheimdienste werten die Angriffe auf Kiew als Versuch, die Luftabwehr der Ukraine vor dem Winter zu erschöpfen. Die ukrainische Führung hat in den letzten Wochen wiederholt auf Lieferungen zusätzlicher Patriot-Systeme gedrängt. Eine substanzielle Reaktion der NATO-Staaten steht aus.

Notiz zum Schweizer Innenraum: Die Diskussion um das elektronische Patientendossier fällt in eine breitere Debatte über Digitalisierung im Gesundheitswesen. Nach Schätzungen des Bundesamts für Gesundheit sind seit 2017 über 600 Mio. Franken in das Projekt geflossen, ohne dass ein durchgängig nutzbares System entstanden ist. Vergleichsweise Länder wie Dänemark und Estland haben ihre Patientendaten zentral aufgebaut und sind bei der Durchdringung deutlich weiter. Der Bund prüft nun ein ähnlich zentrales Modell mit Anschlusspflicht der Leistungserbringer.

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