Trump vor Sonderparteitag, Erdbeben in Venezuela, Schweiz vor EU-Entscheid
Morgen-Briefing: Supreme Court stoppt Trumps Geburtsrechts-Angriff, US-Regierung hebt KI-Exportblockade auf, und in Wimbledon endet das Comeback von Serena Williams bereits in Runde eins.
Trump vor Sonderparteitag, Erdbeben in Venezuela, Schweiz vor EU-Entscheid
Die Nacht brachte Bewegung an mehreren Fronten. Die US-Regierung feiert einen juristischen Sieg und kassiert gleichzeitig eine schwere Niederlage am Obersten Gerichtshof. In Venezuela bergen Helfer noch immer Überlebende aus den Trümmern. In Bern liegt unterdessen ein konkreter Vorschlag auf dem Tisch, wie die Stimmbürger über die EU-Verträge entscheiden sollen. Und in Wimbledon endet das mit Spannung erwartete Comeback einer 44-Jährigen bereits nach der ersten Runde.
Das sind die Signale des Morgens.
Supreme Court stoppt Trumps Angriff auf das Geburtsrecht. Der Oberste Gerichtshof der USA hat am Dienstag entschieden, dass das in der Verfassung verankerte Geburtsortsprinzip weiter gilt. Präsident Donald Trump war mit dem Versuch gescheitert, die automatische Staatsbürgerschaft für alle in den USA geborenen Kinder per Erlass einzuschränken. Bürgerrechtsorganisationen werteten das Urteil als schweren Schlag für die Migrationsagenda des Weissen Hauses. Im gleichen Verfahren stützten die Richter Trumps Vorgaben, die Transpersonen vom Frauensport an Schulen und Colleges ausschliessen. Trump sprach von einem grossen Sieg. Das Ende der Amtsperiode des Gerichts bringt für den Präsidenten eine durchzogene Bilanz aus klaren Niederlagen und taktischen Erfolgen. Beobachter sehen darin den vorläufigen Höhepunkt einer ganzen Serie von Niederlagen, die das Gericht der Regierung in den vergangenen Wochen beigebracht hat (BBC, NZZ, Spiegel).
Trump nimmt über 1,4 Milliarden Dollar mit Krypto ein. Laut einem am Dienstag veröffentlichten Finanzbericht hat der US-Präsident im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit mehr als 1,4 Milliarden Dollar mit Krypto-Geschäften verdient. Allein der Verkauf seiner eigenen Memecoins habe 635 Millionen Dollar eingebracht, heisst es unter Berufung auf die Offenlegung. Die Einnahmen übertreffen seine Erlöse aus der Immobilienwirtschaft und aus Merchandise wie Uhren bei weitem. Trump pflegt seit seinem Wiedereinzug ins Weisse Haus enge Verbindungen zur Kryptobranche und hat mehrere Regulierungsentscheide zugunsten der Branche getroffen. Die Enthüllung nährt die seit Monaten laufende Debatte über private Geldinteressen des Präsidenten und die Rolle digitaler Vermögenswerte in der US-Politik. Die Demokraten im Kongress kündigten bereits parlamentarische Anfragen an (Spiegel, FAZ, BBC).
USA heben Export-Blockade gegen Anthropic auf. Die US-Regierung gibt die im Juni verhängte Sperre für die KI-Modelle Fable und Mythos des OpenAI-Rivalen Anthropic wieder frei. Anfang des Monats hatte Washington den Export überraschend gestoppt, weil Sicherheitsbehörden befürchteten, die Modelle könnten von Hackern für Cyberangriffe missbraucht werden. Anthropic bestätigte am Mittwochmorgen eine Lösung. Welche Auflagen mit der Freigabe verbunden sind, ist noch offen. Der Vorgang gilt in der Branche als Lackmustest dafür, wie weit Washington künftig bei der Kontrolle führender KI-Systeme gehen will. Anthropic gehört neben OpenAI und Google Deepmind zu den drei wichtigsten Anbietern sogenannter Frontier-Modelle (BBC, NZZ).
1943 Tote nach Erdbeben in Venezuela. Knapp eine Woche nach den schweren Erdstössen ist die Zahl der bestätigten Todesopfer auf 1943 gestiegen, etwa 10'000 Personen gelten weiter als vermisst. Einem jordanischen Rettungsteam gelang es am Dienstag, einen dreijährigen Jungen sechs Tage nach der Katastrophe lebend aus den Trümmern zu bergen. Die EU will nach Angaben der EU-Kommission 50 Tonnen Hilfsgüter in das Katastrophengebiet schicken. Über das genaue Ausmass der Schäden an Strassen, Spitälern und Stromnetzen ist weiterhin wenig bekannt. Internationale Hilfsorganisationen fordern einen schnelleren Zugang zu den betroffenen Regionen. Besonders betroffen ist die Hafenstadt La Guaira nördlich von Caracas, wo zahlreiche ältere Gebäude eingestürzt sind. Auch die Schweiz prüft nach Angaben des Departements für auswärtige Angelegenheiten eine Beteiligung an den Hilfsflügen (Tagesschau, FAZ, NZZ).
Griechenland kämpft gegen Waldbrand bei Thessaloniki. Nahe der nordgriechischen Stadt Thessaloniki ist am Dienstagabend ein Waldbrand ausgebrochen, der zwei Menschenleben gefordert hat. Mehr als 100 Feuerwehrleute und Löschflugzeuge sind im Einsatz, der Brand breitet sich wegen starker Winde schnell aus. Es ist der erste schwere Waldbrand der diesjährigen Saison in Griechenland. Die Regierung in Athen hatte das Land zuvor als vergleichsweise glimpflich durch die Vorsaison gekommen dargestellt. Die Behörden ordneten die Evakuierung mehrerer Dörfer im Umkreis des Brandgebiets an. Die Wetterdienste erwarten für die kommenden Tage weiterhin hohe Temperaturen und geringe Luftfeuchtigkeit (Tagesschau, BBC).
Südafrika: Tausende demonstrieren gegen illegale Migration. In mehreren Regionen Südafrikas sind am Dienstag nach Ablauf eines Ultimatums einer antimigrantischen Bewegung erneut Tausende auf die Strasse gegangen. Präsident Cyril Ramaphosa verurteilte die ausländerfeindliche Gewalt scharf. Nach Schätzungen haben bereits Tausende Migranten das Land verlassen. Menschenrechtsorganisationen warnen vor einer Eskalation und einem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung in den betroffenen Townships. Die Lage gilt als Lackmustest für die regierende Koalition des ANC mit seinen Tolerierungspartnern. Diplomatische Vertretungen mehrerer Nachbarländer organisierten in den vergangenen Tagen Busse für die Ausreise ihrer Staatsangehörigen (NZZ, BBC).
UNRWA steht vor 100-Millionen-Dollar-Lücke. UNO-Generalsekretär António Guterres warnt, dem Palästinenserhilfswerk UNRWA fehlten rund 100 Millionen Dollar, um seine Hilfe in Gaza und im Westjordanland aufrechtzürhalten. Die Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas bleibt nach Darstellung mehrerer Beobachter brüchig. Ein nachhaltiger Frieden ist nicht in Sicht, die Verhandlungen über die zweite Phase der Waffenruhe kommen nur stockend voran. Die Finanzierungslücke trifft das Hilfswerk in einer Phase, in der die Versorgung der Bevölkerung im Gazastreifen vollständig von internationalen Organisationen abhängt. Mehrere westliche Geberländer hatten ihre Beiträge nach israelischen Vorwürfen gegen UNRWA-Mitarbeiter auf Eis gelegt (NZZ).
Kreml spricht von Treibstoffproblem. In Russland hat die Benzinkrise inzwischen auch die Hauptstadt erreicht. An zahlreichen Zapfsäulen stehen Autofahrer stundenlang Schlange, weil Raffinerien nach Drohnenangriffen der Ukraine ausgefallen sind. Präsident Wladimir Putin räumte das Problem am Rande einer Veranstaltung in dieser Woche ein. Die Knappheit trifft den Alltag der Bevölkerung direkt, Beobachter werten die Aussage als ungewöhnliches Eingeständnis eines Staatschefs, der sonst Stabilität beschwört. Auch die Landwirtschaft ist betroffen, die Erntezeit steht bevor. Der Schwarzmarkt für Benzin hat sich in mehreren Regionen neu formiert (NZZ).
Litauen bekommt neuen Regierungschef. Der Sozialdemokrat Rimantas Sinkevicius ist am Dienstag vom Parlament in Vilnius zum neuen Ministerpräsidenten gewählt und von Präsident Gitanas Nauseda ernannt worden. Sinkevicius war zuvor EU-Kommissar für Umwelt und ist im Inland für seinen pragmatischen Kurs bekannt. Er versprach Stabilität in schwierigen Zeiten. Litauen gehört zu den eifrigsten Befürwortern einer militärischen Stärkung der EU-Ostflanke und stellt eine Brigade an der Grenze zu Belarus bereit. Die neue Regierung muss innenpolitisch vor allem die steigenden Lebenshaltungskosten adressieren (Tagesschau, FAZ).
London erhöht Verteidigungsetat um 15 Milliarden Pfund. Premierminister Keir Starmer will das britische Verteidigungsbudget um 15 Milliarden Pfund aufstocken, rund 5 Milliarden davon sollen in Drohnensysteme und unbemannte Systeme fliessen. Die Ukraine dient laut Regierungsangaben als Vorbild. Die Erhöhung geht mit Einsparungen bei der Infrastruktur und im Sozialbereich einher, was bereits Kritik aus den Reihen der eigenen Labour-Partei und der Gewerkschaften ausgelöst hat. Beobachter werten den Schritt als Antwort auf den wachsenden Druck der USA, die europäischen NATO-Partner müssten mehr Eigenverantwortung übernehmen. Die britische Rüstungsindustrie soll mit Aufträgen im Inland rechnen können (NZZ, Tagesschau).
EU schliesst Zoll-Schlupfloch für Asien-Pakete. Seit Mittwoch müssen alle Sendungen von Anbietern wie Temu, Shein und anderen asiatischen Plattformen in der EU verzollt werden. Die bisherige Freigrenze von 150 Euro pro Paket entfällt. Brüssel reagiert damit auf die Flut von Billiglieferungen aus China, die den europäischen Handel und die lokalen Innenstädte unter Druck setzen. Der Onlinehandel erwartet deutlich steigende Endpreise, gleichzeitig hofft die europäische Industrie auf eine Entlastung im Wettbewerb. Die Regelung gilt ab sofort in allen 27 Mitgliedstaaten. Auch Schweizer Konsumenten, die direkt bei asiatischen Plattformen bestellen, müssen mit höheren Endpreisen rechnen, auch wenn das Schweizer Recht mit der EU-Regelung nicht identisch ist (Spiegel).
WM 2026: Mbappé schiesst Frankreich ins Achtelfinale. Frankreich hat im Sechzehntelfinal in Boston Schweden mit 3:0 deklassiert. Superstar Kylian Mbappé traf doppelt und überholte damit in der WM-Torjägerliste Miroslav Klose. Bayern Münchens Michael Olise gab erneut eine starke Vorstellung als Vorbereiter, Bondscoach Didier Deschamps sprach von einer Machtdemonstration. Norwegen erreichte durch ein 2:1 gegen die Elfenbeinküste, bei dem Erling Haaland kurz vor Schluss traf, das Achtelfinale. Auf den Rekordweltmeister wartet nun eine sehr hohe Hürde. Niederlande-Trainer Ronald Köman trat nach dem Out seines Teams in der K.-o.-Runde zurück und begründete den Schritt auch mit der Gesundheit seiner Frau. Die deutsche Mannschaft war bereits in der Vorrunde gescheitert und wird seither intensiv diskutiert (Spiegel, FAZ, NZZ).
Serena Williams scheitert in Wimbledon. Die 44-jährige Serena Williams ist bei ihrem Comeback im All England Club in der ersten Runde an einer 20-jährigen Australierin gescheitert. Die frühere Weltranglistenerste wehrte einen Matchball ab, unterlag am Ende aber in zwei Sätzen. Der Auftritt in London war ihr erster offizieller Match seit dem US Open 2022. Ein endgültiger Abschied vom Profitennis steht weiterhin nicht fest. Williams hatte das Turnier in Wimbledon bereits siebenmal gewonnen, zuletzt 2016. Das Centre Court war mit 15'000 Zuschauern ausverkauft, viele waren eigens für die Rückkehr der Rekordgewinnerin angereist (Spiegel, FAZ).
Ausblick. Der Mittag bringt aus den USA die ADP-Beschäftigungsdaten für Juni, am Abend entscheidet die US-Notenbank Fed über die künftige Geldpolitik und veröffentlicht das Protokoll der letzten Sitzung. In Berlin tagt der Koalitionsausschuss unter anderem mit Beratungen über den Kündigungsschutz. In Wimbledon steigen die Topspiele der zweiten Runde, darunter Auftritte von Carlos Alcaraz und Jannik Sinner. In der Schweiz beginnt die Sommersession des Parlaments mit Beratungen über das Budget 2027 und die Sicherheitspolitik. Bundesrat Ignazio Cassis hatte am Vortag vor den Folgen einer starren Neutralitätspolitik für die Schweiz gewarnt, falls die Volksinitiative der SVP angenommen würde.
Cassis warnt vor starrer Neutralität. Aussenminister Ignazio Cassis hat am Dienstag vor den Folgen einer allzu starren Neutralitätsauslegung gewarnt. Bei einem Ja zur Neutralitätsinitiative der SVP wäre die Schweiz in künftigen Krisen weniger handlungsfähig, befürchtet der Bundesrat. Die Initiative will die bewaffnete Neutralität und die Pflicht zur Nichtteilnahme an Sanktionen verfassungsrechtlich verankern. Cassis verwies auf die geopolitische Lage und die Notwendigkeit, sich mit gleichgesinnten Staaten koordinieren zu können (NZZ).
Grasshoppers gehen erneut in chinesische Hand. Die Grasshopper Club Zürich werden nach zweieinhalb Jahren unter amerikanischer Führung wieder chinesisch. Die Bridge Football Group um Geschäftsmann Tony Wang übernimmt den Verein vom Los Angeles FC. Der bisherige Sportchef Alain Sutter muss gehen, als möglicher Nachfolger auf der Trainerbank wird Peter Zeidler gehandelt. Die Grasshoppers spielen aktuell in der Super League und gelten als eines der traditionsreichsten Aushängeschilder des Schweizer Fussballs (NZZ).
Deutschland tankt ab Mitternacht teurer. Mit dem Auslaufen des Tankrabatts um Mitternacht dürften die Spritpreise in Deutschland weiter steigen. Bereits am Dienstag waren Benzin und Diesel deutlich teurer geworden, die 17-Cent-Steuerentlastung pro Liter fällt weg. Beobachter erwarten für die Mittagsstunden einen weiteren Preissprung an den Tankstellen. Die Entlastung war im vergangenen Jahr als Reaktion auf die Energiepreiskrise eingeführt worden (Tagesschau, FAZ).
Die Märkte heute
Der Goldpreis steht am Morgen bei 3995 Dollar pro Unze, das ist ein Verlust von 0,87 Prozent seit dem Vortag. Hauptgrund ist die anhaltende Dollarstärke nach den Konjunkturdaten vom Vortag.
Der MSCI World notiert bei 4821,94 Punkten, ein Plus von 1,43 Prozent seit Wochenbeginn. Der breite globale Index profitiert vom versöhnlichen Halbjahres-Abschluss an der Wall Street und der Nasdaq-Rally.
Bitcoin liegt bei 59'010 Dollar, ein Verlust von 1,45 Prozent in den letzten 24 Stunden. Der Druck kommt aus der abwartenden Haltung institutioneller Investoren vor der Fed-Sitzung am Abend.
Der Euro wechselt zum Franken bei 0,9224, der US-Dollar zum Franken bei 0,8095. Beide Werte stammen vom Referenzkurs der EZB vom 30. Juni 2026.