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Supreme Court bremst Trump, Deutschland fliegt aus dem WM

Abend-Briefing 30.06.2026: US-Höchstrichter kippen Trumps Linie zur Geburtsbürgerschaft, DFB-Team im Penaltyschiessen raus, UBS-Reichtumsbericht zeigt wachsende Schere.

Von der MacherPost-Redaktion 30.06.2026, 16:00 ♪ 13 Min Audio · 1'736 Wörter
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Supreme Court bremst Trump, Deutschland fliegt aus dem WM

Das Abend-Briefing zum 30. Juni 2026: ein politischer Tagsieg für die Geburtsbürgerschaft in den USA, eine historische WM-Pleite für Deutschland, neue EU-Hürden für Schweizer Stahl und ein UBS-Bericht, der die Vermögensungleichheit schärfer zeichnet als je zuvor. Die Schweiz streitet über die E-ID, ein neues AKW und ein Gewaltverbrechen in Bellach. Die Märkte schliessen das Halbjahr mit einem deutlichen Plus ab, der Goldpreis bleibt über 4'000 US-Dollar.

Niederlage für Trump: Supreme Court hält an Geburtsbürgerschaft fest

Der Supreme Court hat am Dienstag eine zentrale migrationspolitische Linie von US-Präsident Donald Trump gekippt. In den USA geborene Kinder erhalten weiterhin automatisch die US-Staatsbürgerschaft, urteilten die Richterinnen und Richter in Washington (SRF, 17:07 Uhr). Das Gericht folgte damit nicht dem Argument der Regierung, wonach der 14. Verfassungszusatz per Executive Order einschränkbar sei. Trump hatte die Neubewertung als eine seiner ersten Amtshandlungen im Januar angekündigt und die automatische Einbürgerung wiederholt als Einwanderungsmagneten kritisiert. Das Urteil gilt als eine der deutlichsten Niederlagen seiner zweiten Amtszeit, nur sechs Monate nach Amtsantritt. In den vergangenen Tagen hatte er wiederholt auf eine Entscheidung im Sinn seiner Linie gedrängt. Beobachter werten das Verdikt als Signal, dass der Supreme Court auch in dieser konservativen Besetzung klare verfassungsrechtliche Schranken zieht. Menschenrechtlerinnen und Einwanderungsanwälte hatten im Vorfeld vor einem Präzedenzfall gewarnt, der Millionen Betroffene zu Staatenlosen gemacht hätte.

Inflation in Deutschland sinkt auf 2,3 Prozent

Die Teuerung in Deutschland hat sich im Juni weiter abgeschwächt. Die Verbraucherpreise lagen um 2,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, nach 2,6 Prozent im Mai und 2,9 Prozent im April, wie das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mitteilte (Tagesschau, 13:27 Uhr). Von Mai auf Juni fielen die Preise sogar um 0,3 Prozent, was vor allem auf tiefere Energiekosten und das Ende des Tankrabatts zu Mitternacht zurückgeht. Der Preissprung an den Zapfsäulen am Dienstag war vielerorts deutlich sichtbar, Autofahrerinnen und Autofahrer standen teils Schlange. Volkswirtinnen sehen die Europäische Zentralbank damit näher an ihrem Zwei-Prozent-Ziel, halten aber den nächsten Zinsschritt für offen. Für Juli rechnen erste Institute mit einer Inflation von 2,1 Prozent.

UBS Wealth Report: Vermögen wachsen, Schere zwischen Arm und Reich wird grösser

Die weltweiten Privatvermögen sind 2025 um 10,8 Prozent gestiegen, nach nur 4 bis 5 Prozent in den beiden Vorjahren. Das zeigt der Global Wealth Report der Schweizer Bank UBS, den ARD-Korrespondentin Kathrin Hondl aus Genf auswertet (Tagesschau, 14:30 Uhr). Die reichsten 3,9 Prozent der Deutschen ab 18 Jahren besassen demnach rund 46 Prozent des gesamten Privatvermögens in Deutschland. In Europa, dem Nahen Osten und Afrika lag der Zuwachs mit 17,5 Prozent über dem Durchschnitt, getrieben von starken Finanzmärkten und Immobilien. Die Schweizer Bevölkerung bleibt laut UBS mit einem Durchschnittsvermögen von mehr als 900'000 US-Dollar weltweit am vermögendsten. In Deutschland wuchs die Zahl der Dollar-Millionäre auf 2,6 Millionen, fast zehn Prozent der Erwachsenen besitzen dort weniger als 10'000 Dollar. Mehr als die Hälfte des globalen Privatvermögens konzentriert sich auf die USA und China. Die Zahl der Superreichen, also Personen mit mehr als 100 Millionen Dollar, stieg in Deutschland rasant auf 3'900.

Verfassungsschutz: Extremistenpotenzial in Deutschland so hoch wie nie

Das extremistische Personenpotenzial in Deutschland erreicht einen neuen Höchststand. Der Verfassungsschutz sprach am Dienstag in Berlin von einer Rekordzahl, ohne neue Beobachtungsobjekte hinzuzufügen (Tagesschau, 12:45 Uhr). Der Rechtsextremismus bleibe die grösste Gefahrenquelle, heisst es im Jahresbericht. Auch die linksextreme Szene und die Reichsbürger-Bewegung legten demnach zu. Konkrete Zahlen nannte die Behörde zunächst nicht, sie werden mit der Veröffentlichung des vollständigen Berichts in dieser Woche erwartet. Innenpolitiker aller Bundestagsfraktionen reagierten mit Forderungen nach schärferen Befugnissen für die Sicherheitsbehörden. Verfassungsschutz-Präsidentin Sinan Selen sprach von einer besorgniserregenden Normalisierung extremistischer Positionen in Teilen der Gesellschaft. Die Behörde sieht auch die wachsende Radikalisierung über soziale Medien als zentralen Treiber.

Deutschland scheitert im WM-Sechzehntelfinal an Paraguay

Die deutsche Fussball-Nationalmannschaft ist bei der WM in den USA sensationell im Sechzehntelfinal ausgeschieden. Gegen Paraguay reichte es trotz 75 Prozent Ballbesitz, 56 Flanken und 21 Abschlüssen nicht, das Spiel zu gewinnen. Nach 120 Minuten und 0:0 entschied das Penaltyschiessen gegen die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann (SRF, 01:59 Uhr). Für Paraguay ist es der bisher grösste internationale Erfolg. Präsident Santiago Peña rief den Dienstag spontan zum Nationalfeiertag aus, das ganze Land solle feiern. Kapitän Torhüter Manuel Neuer erklärte im Anschluss sein Comeback in der Nationalelf für beendet, Joshua Kimmich kündigte an, weiterzumachen. Die deutsche Mannschaft fliegt am Mittwoch zurück, Nagelsmann muss sich vor der nächsten Pressekonferenz kritischen Fragen stellen. Die Adidas-Aktie geriet am Morgen unter Druck, konnte sich im Verlauf aber im freundlichen Gesamtmarkt wieder fangen. Im US-Fernsehen erreichte die WM beim Sender Fox Rekordquoten, das amerikanische Team sorgt für Begeisterung.

Fujimori gewinnt Präsidentenwahl in Peru ganz knapp

Im vierten Anlauf hat Keiko Fujimori die Stichwahl um das Präsidentenamt in Peru gewonnen. Die rechte Politikerin kam auf 50,13 Prozent der Stimmen, ihr linker Kontrahent Roberto Sánchez auf 49,86 Prozent (Tagesschau, 09:28 Uhr). Nur 49'641 Stimmen trennten die Kandidaten bei 27 Millionen Wahlberechtigten. Sánchez hatte zunächst angekündigt, die Auszählung nicht anzürkennen, legte aber am Dienstag doch keinen Einspruch ein. Fujimori ist die Tochter des 2024 verstorbenen Ex-Präsidenten Alberto Fujimori und tritt für die konservative Fürza Popular an. Sie kündigte hartes Durchgreifen gegen organisierte Kriminalität und irreguläre Migration an. Beobachter sehen in dem Ergebnis eine Bestätigung des Rechtsrucks in Lateinamerika.

EU kappt zollfreie Stahlimporte aus der Schweiz um 33 Prozent

Im Handelsstreit zwischen der EU und der Schweiz gibt es einen neuen Dämpfer. Die EU reduziert die zollfreien Stahleinfuhren aus Drittstaaten mit Abkommen, also auch aus der Schweiz, um rund ein Drittel (SRF, 14:13 Uhr). Eine Ausnahme für Schweizer Stahlwerke gibt es nicht. Die EU begründet den Schritt mit globalen Überkapazitäten und dem Schutz des heimischen Marktes. Die Schweizer Stahlbranche fürchtet um Aufträge und Arbeitsplätze, economiesuisse verlangt eine sofortige Reaktion der Landesregierung. Die EU-Stahlproduktion läuft seit Monaten auf reduzierter Auslastung, der Weltmarktpreis für Walzstahl ist im Jahresvergleich deutlich gefallen.

AKW-Neubau: Bündnis ergreift Referendum

Ein breites Bündnis aus Umweltverbänden, SP, Grünen und weiteren Organisationen hat am Dienstag das Referendum gegen den Parlamentsbeschluss zum Bau neuer Atomkraftwerke lanciert (SRF, 15:23 Uhr). Bis am 8. Oktober 2026 müssen 50'000 Unterschriften gesammelt werden. Eine Volksabstimmung wäre frühestens im Februar 2027 möglich. Das Parlament hatte im Frühsommer mit knapper Mehrheit den Weg für den Bau moderner Reaktoren freigemacht. Die Gegner argumentieren mit den Kosten, der ungelösten Entsorgung und dem langsameren Ausbau der erneuerbaren Energien. Befürworter verweisen auf Versorgungssicherheit und tiefen CO2-Ausstoss. Die Energiestrategie 2050 des Bundes bleibt umstritten, auch in den Kantonen gehen die Meinungen weit auseinander. Bei einer Annahme des Referendums wäre der Parlamentsbeschluss vollständig aufgehoben.

E-ID: Einführung verzögert sich weiter

Die Schweizer E-ID kommt später als geplant. Ursprünglich sollte der digitale Ausweis Mitte 2026 verfügbar sein, nun rechnet der Bundesrat mit einer Verschiebung um mindestens ein Jahr (SRF, 16:10 Uhr). Begründet wird der Aufschub mit zusätzlichen Anforderungen an Datenschutz und Sicherheit, die wegen jüngster Entwicklungen in der Künstlichen Intelligenz nötig geworden seien. Konkret geht es um neue Verfahren zur Identitätsprüfung, etwa gegen Deepfake-Angriffe bei der Video-Identifikation. Wirtschaftsverbände zeigten sich enttäuscht, der Schweizerische Gewerbeverband sprach von einem Wettbewerbsnachteil gegenüber Deutschland und Österreich, wo die E-ID bereits funktioniert. Der Bundesrat will den überarbeiteten Entwurf im Herbst 2026 vorlegen. Die Verzögerung kommt für viele Unternehmen überraschend, die bereits auf digitale Identitätsnachweise für ihre Online-Dienste setzen.

Ukraine erhält erste EU-Milliarden für Drohnen

Die EU hat die erste Tranche aus dem 90 Milliarden Euro schweren Darlehen an die Ukraine ausgezahlt, konkret für die Drohnenbeschaffung (SRF, 14:30 Uhr). Damit kann Kiew in den nächsten Wochen mehrere tausend Angriffs- und Aufklärungsdrohnen verschiedener Hersteller ordern. Die ukrainische Armee setzt im Abwehrkampf gegen Russland zunehmend auf kostengünstige Drohnen statt auf schwere Waffen. Im ukrainischen Generalstab hiess es, die eigene Drohnenproduktion sei inzwischen auf über 4 Millionen Stück pro Jahr hochgefahren worden. Die EU plant weitere Tranchen bis Ende 2027, gebunden an Reformzusagen Kiews bei Justiz und Antikorruption.

US-Sondergesandte in Katar, ohne direkte Iran-Gespräche

Die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner sind am Dienstag in Katar mit katarischen Vermittlern zusammengetroffen, führten aber kein direktes Gespräch mit Vertretern Irans (SRF, 14:01 Uhr). Eine seit Tagen erwartete Begegnung in Doha kam nicht zustande. Hintergrund sind die gegenseitigen Angriffe der vergangenen Woche und ungeklärte Fragen zur Anreicherung von Uran. Die US-Regierung signalisierte Bereitschaft, den Dialog über Mittelspersonen fortzusetzen. Teheran verlangt vor direkten Gesprächen die Aufhebung weiterer Sanktionen und Sicherheitsgarantien gegen einen israelischen Angriff. In den nächsten Tagen soll es weitere indirekte Kontakte geben.

Venezuela: Unicef spricht von über 1'700 Toten nach Erdbeben

Die Zahl der Toten nach den schweren Erdbeben in Venezuela ist auf 1'719 gestiegen, 5'034 Menschen wurden verletzt (Tagesschau, 29.06., 21:23 Uhr). Zehntausende werden noch vermisst. Unicef-Vertreter Gabriel Vockel warnte am Dienstag vor den Folgen für Kinder: Sie bräuchten Schutz, Nahrung und psychologische Betreuung, sofortiges Spielen sei die beste Therapie (SRF, 12:44 Uhr). Oppositionsführerin María Corina Machado kündigte unterdessen ihre Rückkehr nach Venezuela an, sie war seit Monaten im Ausland. Die USA erweiterten ihre Hilfszusagen um weitere 50 Millionen US-Dollar. In Caracas wächst die Wut auf die Regierung, die nach Darstellung von Betroffenen zu langsam reagiert. Das Militär habe Rettungseinsätze in mehreren betroffenen Küstenstädten erst mit zwei Tagen Verzögerung begonnen, kritisierte die Opposition.

Ausblick auf Mittwoch

Am Mittwoch stehen die US-Inflationsdaten im Mittelpunkt, die US-Notenbank Fed wird sie als Signal für die Zinsentscheidung im Juli werten. In der Schweiz veröffentlicht das Staatssekretariat für Wirtschaft die neuesten Arbeitslosenzahlen. Im Sport beginnt die K.o.-Runde der WM mit dem Achtelfinal England gegen Brasilien, in Wimbledon steht die zweite Runde auf dem Programm. Und in Berlin tagt der Bundesrat, auf der Agenda stehen das Wachstumschancengesetz und die Reform der Pflegeversicherung.

Die Märkte heute

Der MSCI World Index steht aktuell bei 4'806,65 Punkten, ein Gewinn von 1,11 Prozent seit dem Vortag (Yahoo Finance). Das Halbjahr endet mit einem freundlichen Gesamtmarkttag, getragen von den US-Technologiekonzernen und der Erwartung sinkender Zinsen.

Der Goldpreis liegt bei 4'058,80 US-Dollar pro Unze, ein Gewinn von 0,7 Prozent gegenüber dem Vortag (Yahoo Finance). Gold bleibt auf Rekordniveau, gestützt von der Dollarschwäche und der anhaltenden Nachfrage der Zentralbanken.

Der Bitcoin notiert bei 58'407 US-Dollar, ein Verlust von 1,54 Prozent in den letzten 24 Stunden (CoinGecko). Die Kryptowährung gibt am letzten Handelstag des Halbjahres leicht nach.

Der Euro steht zum Franken bei 0,9224, der US-Dollar bei 0,8095 (EZB-Referenz). Der Franken bleibt fest, gestützt von der Schweizerischen Nationalbank und der als sicher geltenden Schweizer Konjunktur. Sowohl EUR/CHF als auch USD/CHF bewegen sich seit dem Vortag kaum.

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