Deutschland fliegt aus der WM, Schweiz lobbyiert in Brüssel
Die wichtigsten Entwicklungen des Vormittags am 30. Juni 2026: DFB-WM-Aus, Sechs Tote in Stade, Parmelins Zollstreit-Erklärung und die Marktlage in Schweizer Franken.
Deutschland fliegt aus der WM, Schweiz lobbyiert in Brüssel
Die Mittags-Ausgabe von Macher-Post am Dienstag, 30. Juni 2026. Die wichtigsten Entwicklungen des Vormittags.
DFB-Elf scheitert im Elfmeterschiessen an Paraguay
Die deutsche Fussball-Nationalmannschaft ist bei der Weltmeisterschaft 2026 im Sechzehntelfinale ausgeschieden. Gegen Paraguay setzte es eine Niederlage nach Elfmeterschiessen, wie die Sportschau analysierte. Auch ein VAR-Fehler habe den Ausschlag gegeben, urteilte das deutsche TV-Magazin. Bundestrainer Julian Nagelsmann sprach anschliessend von einem Gegner, der mit «einfachen Mitteln» gewonnen habe. Der frühere Mittelfeldstar Bastian Schweinsteiger kritisierte im Sportschau-Einsatz fehlende Kreativität und fehlende Basics. Es ist das dritte frühe WM-Aus in Folge nach den Vorrundenpleiten 2018 und 2022. Torhüter Manuel Neuer kündigte unterdessen seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft an. Paraguay trifft im Achtelfinale auf Marokko, das die Niederlande am Montagabend in einem Elfmeterkrimi niedergerungen hat. Offen ist, ob Nagelsmann den Neuaufbau als Bundestrainer anführen darf. Die internationale Presse sprach am Dienstag von einem «Debakel», die britische Times titelte: «Von Deutschland ist nicht mehr viel übrig».
Sechs Tote bei Schüssen in Mutter-Kind-Einrichtung in Stade
Ein Schütze hat am Montagabend in einer Eltern-Kind-Einrichtung im niedersächsischen Stade sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter getötet. Die Polizei nahm den 42-jährigen deutschen Tatverdächtigen noch in der Nacht fest. Als Motiv wird ein Sorgerechtsstreit vermutet. Es handelt sich um eines der schwersten Gewaltverbrechen in einer sozialen Betreuungseinrichtung in der Bundesrepublik seit Jahren. Schulen und Kitas im Umkreis blieben am Dienstag geschlossen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt ordnete eine Sonderprüfung der Sicherheitslage in Betreuungseinrichtungen an. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier äusserte sich bestürzt und sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Die Hinterbliebenen werden psychologisch betreut. Die Staatsanwaltschaft Stade ermittelt wegen sechsfachen Mordes. Im politischen Berlin löste die Tat am Dienstag eine erste Debatte über die Sicherheitsstandards in sozialen Einrichtungen aus. Die Tagesschau widmete dem Vorfall ihren 15-Minuten-Podcast. Im Juli 2025 hatte eine ähnliche Tat in Nordrhein-Westfalen zu einer Verschärfung des Waffenrechts geführt.
Parmelin setzt im Zollstreit mit Washington auf das Prinzip Hoffnung
Bundespräsident Guy Parmelin reist ohne konkrete Zusagen der US-Regierung zur nächsten Verhandlungsrunde im Handelsstreit mit Washington. Die Schweiz will ihre Absichtserklärung vom November weiter umsetzen, wie die NZZ schreibt. Während Parmelin die Schweizer Position vertritt, lobbyieren der Bundesrat und andere EU-Regierungen in Brüssel gegen neue Handelsbeschränkungen. Geplant sind höhere EU-Stahlzölle und eine «Buy European»-Klausel im öffentlichen Beschaffungswesen. Für Schweizer Stahl- und Maschinenexporteure würde das den Marktzugang in der EU weiter erschweren. Auch Pharmakonzerne wie Novartis und Roche beobachten die Entwicklung mit Sorge. Die Schweizer Maschinenindustrie exportiert rund 30 Prozent ihrer Waren in die EU. Eine Anpassung der bilateralen Verträge wäre laut Wirtschaftsverbänden dringend nötig.
Erdbeben in Venezuela: Zahl der Toten steigt auf 1.719
Nach den beiden schweren Erdstössen in der Region um Caracas ist die Opferzahl auf 1.719 Tote gestiegen. 5.034 Menschen wurden verletzt, Zehntausende gelten weiter als vermisst. Internationale Rettungsteams suchen in den Trümmern weiter nach Überlebenden. Die Lage vor Ort bleibt chaotisch, die Stromversorgung ist in mehreren Vierteln ausgefallen. Die Bevölkerung wirft der Regierung von Präsident Nicolas Maduro schleppendes Krisenmanagement vor. Die USA haben ihre Hilfslieferungen ausgebaut, mehrere europäische Staaten kündigten Soforthilfe an. Die Erdbeben der Stärke 6,2 und 6,4 hatten am Dienstag vergangener Woche die Küstenregion erschüttert. Betroffen sind vor allem die Bundesstaaten Vargas und Carabobo.
Tankrabatt in Deutschland läuft mit Monatsende aus
Am Dienstag endet der Tankrabatt der Bundesregierung. Spätestens am Mittwoch ist mit einem Sprung der Benzin- und Dieselpreise an den Zapfsäulen zu rechnen. Verbraucherschützer warnten die Mineralölkonzerne vor überhöhten Aufschlägen. Das ifo-Institut hatte zuvor errechnet, dass der Steuernachlass von 16,7 Cent je Liter Diesel nicht vollständig an die Verbraucher weitergegeben wurde. Verkehrsminister Patrick Schnieder kündigte eine genaue Beobachtung der Preise an und drohte mit kartellrechtlichen Schritten. An den Tankstellen bildeten sich am Montagabend bereits lange Schlangen. Branchenverbände rechnen mit einem deutlichen Anstieg der Spritpreise in den kommenden Tagen. Der Tankrabatt war Teil des dritten Entlastungspakets der Ampel-Nachfolgeregierung und galt seit Anfang des Jahres.
BaFin entmachtet Geschäftsführung der Privatbank Berenberg
Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat die Geschäftsführung der Hamburger Privatbank Berenberg entmachtet. Zwei Vorstandsmitglieder bleiben vorläufig im Amt, drei wurden abberufen. Hintergrund sind Defizite im Risikomanagement und bei der Geldwäscheprävention. Der Eingriff gilt als einer der seltenen Fälle dieser Schwere in der Aufsichtspraxis. Berenberg gehört zu den ältesten Privatbanken Deutschlands und ist überwiegend im Vermögensverwaltungsgeschäft aktiv. Für den Finanzplatz Frankfurt mit seiner dichten Konzentration von Privatbankhäusern löst der Schritt Unruhe aus. Die Bank bat ihre Kundinnen und Kunden um Geduld und kündigte eine Pressekonferenz für Mittwoch an. Die Beratungen mit der Aufsicht laufen.
SPI erstmals über 20.000 Punkte, NZZ warnt vor Untoten
Der Swiss Performance Index (SPI) hat am Dienstag erstmals die Marke von 20.000 Punkten überschritten. Die breite Schweizer Benchmark profitierte von starken Pharmawerten und einem soliden Technologiesektor. Gleichzeitig warnt die NZZ vor einer wachsenden Zahl «untoter» Titel an der SIX: Mehrere Firmen notieren nahe ihrem Allzeittief, obwohl der Gesamtindex auf Rekordjagd ist. Die Diskrepanz zwischen Breitenrally und Einzelschicksalen habe zugenommen. Der SMI notierte am Dienstagmittag auf einem neuen Allzeithoch, getragen von Nestlé, Roche und Novartis. Der Gesamtmarkt wird nach Berechnungen der NZZ derzeit mit einem deutlich über dem historischen Mittel liegenden Kurs-Gewinn-Verhältnis bewertet. Anlegerinnen und Anleger sollten das hohe Einstiegsniveau im Hinterkopf behalten, mahnen mehrere Schweizer Vermögensverwalter. Die NZZ erwähnt in dem Zusammenhang auch strukturelle Risiken: Während die Pharmariesen stabile Cashflows liefern, leiden zyklische Werte unter dem starken Franken und der schwachen chinesischen Nachfrage. Wer breit diversifiziert investiere, könne die Rekordstände dennoch nutzen, raten die Expertinnen und Experten.
US-Dollar auf Mehrjahreshoch, Yen unter Druck
Der US-Dollar hat am Dienstag ein neues Mehrjahreshoch gegenüber dem japanischen Yen erreicht. Die japanische Notenbank stemmt sich nach Angaben von Reuters mit Devisenverkäufen gegen den Anstieg. Hintergrund sind die jüngsten amerikanischen Konjunkturdaten, die eine weitere Zinserhöhung der Federal Reserve möglich erscheinen lassen. Für Schweizer Exportfirmen mit Lieferungen in die USA wird die Währungsbasis damit günstiger. Gold und der Schweizer Franken bleiben als sichere Häfen gefragt. Die Schweizerische Nationalbank beobachtet die Lage nach eigenen Angaben genau, hält sich aber mit Stellungnahmen zurück. Die Wechselkursbandbreite EUR/CHF bewegt sich weiter im Korridor von 0,91 bis 0,93 Franken. Mehrere Industriekonzerne aus dem Mittelland haben bereits begonnen, Dollar-Erlöse länger in Reserven zu halten.
Naomi Osaka eröffnet Wimbledon im Kimono
Die ehemalige Weltranglistenerste Naomi Osaka hat am Dienstag in Wimbledon einen Auftaktsieg gefeiert. Die 28-jährige Japanerin trat im traditionellen Kimono zum Court auf und gewann ihr Erstrundenmatch in zwei Sätzen. Bei den Männern hatte Jannik Sinner bereits am Montag Miomir Kecmanovic in fünf Sätzen niedergerungen. Im Streit um das Preisgeld einigten sich die ATP und die Top-Spieler nach Krisengesprächen. Das Gesamtpreisgeld bleibt bei 65 Millionen Pfund, umgerechnet rund 77 Millionen Franken. Am Dienstag trifft Carlos Alcaraz auf den britischen Wildcard-Spieler Oliver Tarvet. Bei den Frauen stehen zudem die Erstrundenmatches von Iga Swiatek und Aryna Sabalenka auf dem Programm. Das Wetter an der Church Road zeigt sich sommerlich warm und trocken. Insgesamt sind an Tag zwei des Turniers 32 Erstrundenmatches angesetzt. Auch der Schweizer Stan Wawrinka greift am Dienstag in den Wettbewerb ein.
USA und Iran einigen sich auf sofortiges Stand Down
Nach dem gegenseitigen Beschuss haben sich die USA und Iran nach amerikanischer Lesart auf ein sofortiges «Stand Down» geeinigt. Das Weisse Haus sprach am Montagabend von einem «substanziellen Meinungsaustausch». Wenige Stunden zuvor hatte Washington iranische Stellungen angegriffen. Die Regierung in Teheran bestätigte ihrerseits das Ende der direkten Militärschläge. Beobachter werten den Schritt als Versuch beider Seiten, eine weitere Eskalation kurz vor der US-Kongresswahl im November zu vermeiden. Die UNO rief zur Mässigung auf und bot Vermittlung an. Die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm sollen nach Angaben von Bundespräsident Parmelin parallel zur Krisendiplomatie weitergehen. Die Schweizer Diplomatie in Teheran wird seit Stunden konsultiert.
Putin räumt Benzin-Knappheit in Russland ein
Russlands Präsident Wladimir Putin hat erstmals eingeräumt, dass Teile der russischen Bevölkerung wegen ukrainischer Angriffe auf Raffinerien ohne Benzin dastehen. In mehreren Regionen bilden sich Schlangen an den Tankstellen. Russland, einst einer der grössten Energieexporteure der Welt, muss nun Importbenzin aus Belarus und Kasachstan zukaufen. Der Kreml versucht, die Preise zu deckeln, und hat eine Ausfuhrsperre für Treibstoff verhängt. Die Ukraine hatte in den vergangenen Wochen systematisch Raffinerien und Öllager im russischen Hinterland angegriffen. Die wirtschaftlichen Folgen für die russische Bevölkerung nehmen zu. In St. Petersburg mussten am Montag mehrere Tanksälen geschlossen bleiben.
Pakistanische Luftangriffe töten mindestens 28 Zivilisten in Afghanistan
Pakistanische Luftangriffe im Grenzgebiet zu Afghanistan haben nach UN-Angaben mindestens 28 Zivilisten getötet. Mehrere Dutzend weitere Menschen wurden verletzt. Islamabad sprach von einem gezielten Schlag gegen Stellungen der pakistanischen Taliban. Die afghanische Regierung in Kabul verurteilte die Angriffe als «eklatante Verletzung» der territorialen Souveränität und rief den UNO-Sicherheitsrat an. Die Spannungen zwischen den beiden Atommächten Pakistan und Afghanistan haben sich in den vergangenen Wochen deutlich verschärft. Beobachter sehen die grösste militärische Krise zwischen den Ländern seit 2024. China rief beide Seiten zur Zurückhaltung auf.
Fujimori gewinnt Präsidentenwahl in Peru
Keiko Fujimori hat im vierten Anlauf die Präsidentenwahl in Peru gewonnen. Nach einer langwierigen Auszählung setzte sie sich nur knapp gegen den Linkspolitiker Pedro Sánchez durch. Fujimori tritt die Nachfolge von Präsidentin Dina Boluarte an, deren Amtszeit Ende November endet. Die designierte Präsidentin kündigte einen harten Kurs gegen die organisierte Kriminalität und eine Marktöffnung für ausländische Investoren an. Die internationale Anlegerbasis reagierte verhalten positiv, der Sol-Kurs stabilisierte sich. Die Berufung einer wirtschaftsfreundlichen Regierung in Lima gilt als wichtiges Signal für die Anden-Region. Fujimori wird im Dezember ihr Amt antreten und mit einer Mitte-rechts-Mehrheit im Kongress regieren können.
Südkorea investiert 569 Milliarden Euro in Chipfabriken
Südkorea will mit einem massiven Investitionsprogramm seine Weltmarktstellung in der Halbleiter- und KI-Branche festigen. Insgesamt 569 Milliarden Euro sollen in den kommenden zehn Jahren in Chipfabriken und Rechenzentren fliessen, wie das Wirtschaftsministerium in Seoul mitteilte. Samsung Electronics und SK Hynix steuern den grössten Anteil bei. Damit reagiert Seoul auf die amerikanischen Subventionen im Rahmen des Chips Acts und auf den Aufbau von Halbleiterkapazitäten in Taiwan. Für die Schweiz bedeutet das eine zusätzliche Konkurrenz im Halbleiter- und KI-Bereich. Auch die Schweizer Forschung am Paul Scherrer Institut und an der ETH Zürich beobachtet die Entwicklung mit Spannung. Der globale Wettlauf um Halbleiter-Subventionen verschärft sich zusehends. Brüssel bereitet derzeit eine eigene Chipfabrik-Initiative mit einem Volumen von rund 20 Milliarden Euro vor. China kündigte unterdessen ein zusätzliches Konjunkturprogramm im Umfang von umgerechnet 130 Milliarden Franken an. Die Schweizer MEM-Industrie befürchtet eine Welle von Billigimporten aus Asien.
Stadler Rail erhält Grossauftrag für Berliner S-Bahn
Die Stadler Rail und ihre Konsortialpartner Siemens und Deutsche Bahn haben nach dem Rückzug von Alstom den Zuschlag für die Beschaffung von 1.400 neuen S-Bahn-Wagen für Berlin erhalten. Das Auftragsvolumen ist nach Tagblatt-Angaben milliardenschwer. Der Vertrag wurde am späten Montagabend unterzeichnet. Für Stadler ist es einer der grössten Einzelaufträge der Firmengeschichte und ein wichtiger Erfolg im hart umkämpften deutschen Schienenfahrzeugmarkt. Die Auslieferung soll ab 2029 beginnen. Am Schweizer Hauptsitz in Bussnang rechnet das Unternehmen mit einer substanziellen Aufstockung der Belegschaft. Stadler hatte zuletzt mit Lieferverzögerungen zu kämpfen, der neue Auftrag bringt Planungssicherheit für die nächsten Jahre. Auch der Verwaltungsrat und die Schweizer Stimmbevölkerung beobachten den Grossauftrag mit Wohlwollen: Stadler gehört zu den wichtigsten industriellen Arbeitgebern in der Ostschweiz.
Die Märkte heute
Der Euro steht aktuell bei 0,9222 Franken, praktisch unverändert gegenüber dem Vortag. Der US-Dollar wird mit 0,8085 Franken gehandelt, leicht fester als am Montag. Der MSCI World notiert bei 4.792,92 Punkten. Das ist ein Plus von 0,82 Prozent seit Wochenbeginn, getragen von den Tech- und KI-Werten. Gold kostet 4.032,10 Dollar pro Unze, ein Plus von 0,04 Prozent seit gestern. Das Allzeithoch bleibt damit in Reichweite. Bitcoin wechselt bei 59.217 Dollar den Besitzer, ein Minus von 0,92 Prozent in den letzten 24 Stunden.
Ausblick: Am Nachmittag werden Inflationsdaten aus Deutschland und Spanien erwartet. Um 14.30 Uhr MESZ erscheinen die US-Verbraucherpreise, die Richtung und Tempo der nächsten Zinsentscheidung der Federal Reserve prägen dürften. In Wimbledon steigen die Erstrundenpartien der verbliebenen Top-Ten-Spieler. Die Schweiz veröffentlicht um 11.00 Uhr die Detailzahlen zur Wirtschaftsleistung im ersten Quartal. Die Macher-Post-Redaktion meldet sich um 18.00 Uhr zur Abend-Ausgabe zurück.