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Wimbledon startet, Paraguay stürzt den DFB, Schweiz im US-Zollstreit

Morgen-Briefing: WM-Aus, Supreme Court stärkt Trump, Iran-Gespräche und Schweizer Zoff um Stahl, Uhren und Banken.

Von der MacherPost-Redaktion 30.06.2026, 04:00 ♪ 14 Min Audio · 1'814 Wörter
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Wimbledon startet, Paraguay stürzt den DFB, Schweiz im US-Zollstreit

Der Dienstagmorgen beginnt mit einem sportlichen Erdbeben aus der Karibik, den ersten Grand-Slam-Ergebnissen aus London und einem schwelenden Handelskonflikt zwischen Bern und Washington. An den Aktienmärkten treiben Wetten auf US-Zinssenkungen die Kurse, der Iran signalisiert neue Verhandlungsbereitschaft, der Supreme Court stärkt Trump in der Verwaltung, und das Schweizer Parlament befasst sich am Dienstag mit dem F-35-Kauf, der Hitzewelle und der umstrittenen Bundesrats-App.

Der DFB fliegt aus dem Turnier. Deutschland hat das Achtelfinale der Fussball-Weltmeisterschaft 2026 in den Vereinigten Staaten gegen Paraguay im Elfmeterschiessen verloren. Nach 120 torlosen Minuten entschied erst das Penaltyschiessen die Partie, Paraguay trifft damit auf einen anderen Sieger aus dem Achtel. Schon in den Tagen zuvor hatte die deutsche Mannschaft nach indiskutablen Auftritten scharfe Kritik eingefahren, die Sportschau sprach von einem Totalausfall mit wenigen Lichtblicken. Für die DFB-Elf ist es nach der WM 2022 in Katar die nächste Enttäuschung bei einem grossen Turnier. Das frühe Aus hat personelle Konsequenzen: In Berlin steht die Trainerdebatte unmittelbar bevor (Sportschau, Ntv, Al Jazeera, Watson, 28./29.6.).

Wimbledon startet mit Überraschungen. Das All England Club in London hat die erste Runde der 139. Austragung gespielt. Jannik Sinner brauchte gegen Miomir Kecmanovic fünf Sätze, lag zwischenzeitlich zurück und drehte das Spiel noch. Novak Djokovic zog am Abend gegen einen unorthodoxen Gegner mit Mühe in die zweite Runde ein. Naomi Osaka fiel bei ihrer Rückkehr auf den Rasen mit einem Kimono-inspirierten Outfit auf. Die grösste Enttäuschung für das Heimpublikum: Jack Draper sagte wenige Stunden vor seinem Erstrundenmatch verletzt ab, womit zwei prominente Briten schon am ersten Tag fehlen. Hintergrund war zudem ein erbitterter Streit zwischen der ATP und den Top-Spielern um die Preisgelder; nach Krisengesprächen einigten sich beide Seiten noch in der Nacht, womit der sportliche Auftakt nicht belastet wurde. Der Sieger des Herren-Turniers erhält in diesem Jahr 3,5 Millionen Pfund, das Gesamt-Preisgeld stieg auf 65,5 Millionen Pfund (The Guardian, Fox Sports, The Independent, 29.6.).

Trump kündigt neue Iran-Gespräche an. US-Präsident Donald Trump erklärte am späten Montagabend, der Iran habe um ein neues Treffen gebeten, ein Vorgang, den CNN als widersprüchlich beschreibt. Teheran bestätigte Verhandlungsbereitschaft, knüpfte sie aber an Vorbedingungen, vor allem an die Frage einer Aufhebung von Sanktionen. In der iranischen Hauptstadt melden Beobachter zugleich eine Gegenbewegung: einflussreiche Gruppen fordern das Ende der Gespräche mit Washington. Gleichzeitig öffnete die Trump-Regierung ein handelspolitisches Entgegenkommen: Für marokkanische Phosphat-Importe werden die Zusatzzölle für acht Monate ausgesetzt. Phosphat ist ein Schlüsselrohstoff für Düngemittel und damit für die globale Lebensmittelproduktion (CNN, T-Online, Watson, AgWeb, 28./29.6.).

US-Supreme Court stärkt die Exekutive. Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hat mit einer Grundsatzentscheidung den Spielraum des Präsidenten gegenüber der Bundesbürokratie deutlich erweitert. Konkret geht es um die Befugnisse, Personal in unabhängigen Agenturen ohne verfahrensrechtliche Hürden austauschen zu können. Wenige Stunden später wies das Gericht die Berufung Trumps im Verfahren E. Jean Carroll ab; das Zivilurteil über 5 Millionen Dollar, das 2024 wegen sexuellen Übergriffs und Verleumdung ergangen war, ist damit rechtskräftig. Beobachter werten den Tag als wichtigsten juristischen Sieg der Regierung in diesem Kongresszyklus (Washington Post, The New York Times, 29.6.).

Aktienmärkte ziehen an. Die Futures auf den Dow Jones Industrial Average reagierten auf die Iran-Nachrichten mit steigenden Notierungen, die Eröffnung an der Wall Street wird deutlich im Plus erwartet. An den US-Börsen profitierten Alphabet nach Produktmeldungen, ausserdem Rocket Lab, SpaceX und Tesla. Die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank Federal Reserve ihre Leitzinsen in der Julisitzung unverändert lässt, taxiert die CME-Gruppe per Ende letzter Woche auf 69,5 Prozent. Während die Fed mit abwartender Haltung rechnet, hält sich die Reserve Bank of Australia nach dem jüngsten Sitzungsprotokoll weitere Zinserhöhungen offen, sollten die Inflationsdaten den Spielraum dafür geben. Asien folgt den US-Vorgaben: Die Tokioter Börse startet leicht im Plus (Investor's Business Daily, Bitget, 29.6.).

Yen fällt, BoJ-Spekulationen heizen sich an. Der japanische Yen notiert nahe einem Rekordtief zum US-Dollar, ein Dollar kostet zeitweise mehr als 165 Yen. Beobachter rechnen deshalb jederzeit mit einer Devisenintervention der japanischen Notenbank, wie sie Tokio zuletzt 2024 durchgeführt hatte. Ein ehemaliger Beamter der Bank of Japan schloss eine nächste Zinserhöhung vor Dezember nicht aus, was den Yen weiter unter Druck setzen würde. Die Vorgaben aus Japan treffen auf einen nervösen asiatischen Handelstag (Devdiscourse, Bitget, 30.6.).

Amazon verlagert KI-Rechenlast. Der US-Konzern Amazon verändert seine interne KI-Abrechnung und passt das Verhältnis der grossen Modell-Anbieter neu an. Nach Informationen asiatischer Fachmedien vertieft Amazon die Zusammenarbeit mit OpenAI und reduziert gleichzeitig die Abhängigkeit von Anthropic. Branchenkenner werten den Schritt als Beleg dafür, dass selbst grosse Hyperscaler ihren Modell-Stack strategisch neu kalibrieren, zumal die Preise für Trainings- und Inferenzrechenleistung im freien Fall sind. Parallel entwickelt OpenAI nach eigenen Angaben einen «ChatGPT for Science»-Plan für Universitäten und Forschungslabore, der auf wissenschaftliche Recherche und Hypothesenprüfung zugeschnitten ist (Chosunbiz, Crypto Briefing, 30.6.).

Nvidia vor den Zahlen, Micron im Aufwind. Der Halbleiterkonzern Nvidia veröffentlicht in dieser Woche seine Quartalsergebnisse, der Markt erwartet erneut ein Wachstum im hohen zweistelligen Prozentbereich. Ein kritischer Branchenbericht bezeichnet den Speicherchiphersteller Micron als das nächste Nvidia, da KI-Bestellungen das Angebot bei DRAM- und HBM-Chips übersteigen. Nvidia selbst verweist auf eine neue KI-Plattform, die das Unternehmen erneut als unverzichtbaren Infrastrukturanbieter positioniert. Hintergrund sind die Lieferfristen für die kommende Generation von Beschleunigerkarten, die mehrere grosse Cloud-Kunden offenbar neu sortieren (GuruFocus, AD HOC NEWS, 29.6.).

Bern und Washington im Zollstreit. Der Schweizer Wirtschaftsminister Guy Parmelin will im Konflikt mit den USA um Zusatzzölle «auf eine einseitige Erklärung setzen», wie die NZZ in der Nacht auf Dienstag berichtet. Hintergrund ist eine Pattsituation in den Verhandlungen über Stahl, Uhren und Pharmazeutika, in der Washington bislang keine substantielle Senkung der Schweizer Abgaben anbietet. Die Blue News vermelden zudem, dass die US-Behörden eine Schweizer Bank ins Visier genommen hätten und der Bundesrat interveniere. Es ist die heikelste Phase des seit Monaten schwelenden Handelsstreits. Schweizer Industrievertreter fürchten, dass eine einseitige Erklärung als Schwächezeichen interpretiert werden könnte, Wirtschaftsverbände sprechen bereits von einer «Plan-B-Diplomatie» (NZZ, Blue News, 29./30.6.).

Die Schweiz zahlt F-35 vorzeitig. Die Schweiz hat alle für das laufende Jahr vorgesehenen Raten für die F-35-Kampfjets vorzeitig überwiesen. Damit ist die Tranche 2026 für den Rüstungskauf, dessen Gesamtvolumen bei rund 6 Milliarden Franken liegt, abgeschlossen. Hintergrund ist der Wunsch der Armasuisse, Lieferzeiten nicht durch Zahlungsverzug zu verlängern. Im Bundeshaus brodelt derweil der Streit um eine geplante App des Bundesrats, die bis zu 3,5 Millionen Franken kosten soll und 2027 erscheinen würde. Die SVP kritisiert das Vorhaben scharf, im Parlament formiert sich eine Allianz gegen das Projekt, die selbst eine SVP-nahe Politikerin aus dem Kanton Schwyz als «überflüssig» bezeichnete (Thurgauer Zeitung, Blick, Watson, 28.6.).

Steinmeier warnt vor UN-Kürzungen. Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat mögliche Mittelkürzungen der Bundesregierung bei den Vereinten Nationen als «kurzsichtig und fatal» kritisiert. Hintergrund ist der Sparkurs der schwarz-roten Koalition in Berlin, der auch die deutschen Pflichtbeiträge nach New York betrifft. In Frankfurt am Main versammelten sich am Montagabend Hunderte Beschäftigte zu Protesten vor dem Bundeskanzleramt. Die deutsche Aussenpolitik steht unter dem Druck, die Beiträge an UNHCR, UNICEF und das Welternährungsprogramm um bis zu 18 Prozent zu senken (WELT, kobinet-nachrichten, RND, 28./29.6.).

Grossbritannien verschärft Asylregeln. Die britische Regierung unter Premierminister Keir Starmer hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der Asylsuchende an den Kosten ihrer Unterbringung beteiligen will. Wer in staatlichen Unterkünften lebt, soll künftig einen monatlichen Beitrag von bis zu 240 Pfund leisten, sofern er über ein eigenes Einkommen verfügt. Menschenrechtler kritisieren den Schritt als bürokratiebelastend und integrationsfeindlich, Innenministerin Yvette Cooper spricht von einem «fairen Anteil». Im Hintergrund steht der Druck der Labour-Basis angesichts steigender Zahlen irregulärer Ankünfte über den Kanal (Spiegel, 29.6.).

Japanisches Pharma unter Druck, Alzheimer-Therapien starten. Der japanische Pharmakonzern Takeda bereitet sich nach Konzernangaben auf einen Sparkurs vor, Details sollen am Donnerstag folgen. In Deutschland treten parallel ab Juni 2026 die ersten beiden Alzheimer-Therapien Lecanemab und Donanemab in den Regelbetrieb. Erste gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten unter Auflagen, die Altersmedizin rechnet mit wachsendem Bedarf. Begleitend veröffentlichte eine deutsche Studie, dass SGLT-2-Hemmer, eine Klasse von Diabetesmitteln, das Alzheimer-Risiko um 43 Prozent senken könnten (it boltwise, Ntv, AD HOC NEWS, 29.6.).

Der Rohstoffmarkt zwischen Phosphat und Phosphor. Mit der Aussetzung der US-Zölle auf marokkanische Phosphat-Importe für acht Monate verschiebt sich der globale Düngemittelmarkt. Marokko kontrolliert rund 70 Prozent der Weltreserven an Phosphat, der Preis für Phosphorsäure gab in der Folge leicht nach. Argentinien und Brasilien, die wichtigsten Importeure, stocken ihre Lagerbestände. Die Wirkung auf Lebensmittelpreise in Europa und der Schweiz bleibt laut FAO-Daten vorerst begrenzt (AgWeb, eigene Berechnung, 29.6.).

Hitze zieht ab, neue Welle vor Juli. Die längste Hitzewelle seit Messbeginn an mehreren Schweizer Messstationen klingt im Norden und im Wallis ab, teils begleitet von heftigen Gewittern. In Basel-Stadt haben sich die Sanitätseinsätze nahezu verdoppelt, in den Spitälern der Deutschschweiz stieg die Zahl der Hitzekollapse. Meteorologen sehen für Anfang Juli bereits die nächste Welle aufziehen, in Deutschland steigen die Temperaturen nach Norden ebenfalls wieder spürbar. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor einer erhöhten Ozonbelastung in den Ballungsräumen Rhein-Main und Berlin-Brandenburg (Tages-Anzeiger, 20 Minuten, Frankfurter Rundschau, NDR, 29.6.).

Die Tour de France beginnt, Tour de Suisse ohne Stars. Die Tour de France startet am Samstag in Lille, die Equipe um Tadej Pogacar nimmt Grossschartner zurück in den Kader. Im deutschen Lager zählt das Picnic-Team mit John Degenkolb und Jonas Märkl zu den Mitfavoriten der Sprintwertung. Bei der parallel laufenden Tour de Suisse sagten die britischen Spitzenfahrer Tom Pidcock und Demi Vollering ihren Start ab, was die helvetische Rundfahrt sportlich schwächt. Im Frauenradsport kritisierte Marlen Reusser erneut Sexismus im Sportunterbau (sport.ORF.at, Blick, MSN, 27./28.6.).

Mehrwertsteuer, Post und der Bund. Die NZZ schreibt, der Bundesrat agiere «erstaunlich einig», was Entscheide zur Mehrwertsteuer, zur Altersvorsorge und zur Postzustellung betrifft. Im konkreten Fall will der Bundesrat die Mehrwertsteuer erneut anheben, ein Schritt, der seit 30 Jahren regelmässig diskutiert wird. Postchef Pascal Grieder stellt die tägliche Zustellung infrage, ein Punkt, der die politische Sommeragenda prägen dürfte. Die SVP bleibt bei Steuererhöhungen auf Konfrontationskurs, was den Spielraum der Mitte-Parteien einengt (NZZ, Watson, 28.6.).

Ausblick auf den Dienstag. In London beginnt am Abend die zweite Wimbledon-Runde mit den ersten Matches der gesetzten Spieler. Im britischen Unterhaus stehen weitere Beratungen zur Asylpolitik an. Auf den Märkten warten Anleger auf die Frühindikatoren der US-Wirtschaft, allen voran den Chicago-PMI und den Verbrauchervertrauensindex. Die Schweizer Detailhandelsumsätze vom Mai werden veröffentlicht, und die SNB tauscht sich mit Industrievertretern zur Frankenstärke aus. Bei Nvidia steht die Ergebnisveröffentlichung am Mittwochabend im Mittelpunkt, an den Techbörsen Asiens dominiert die Erwartung an die Halbleiterwerte.

Die Märkte heute

Der Goldpreis steht aktuell bei 3976,8 Dollar pro Unze. Das ist ein Verlust von 0,34 Prozent seit heute Morgen (Yahoo Finance, Gold-Futures).

Der MSCI World notiert bei 4790,06 Punkten. Das ist ein Gewinn von 0,97 Prozent seit Wochenbeginn. Hauptgrund ist die Aussicht auf neue Iran-Gespräche, die den Risikoappetit der Anleger stützt (Yahoo Finance).

Der Bitcoin-Kurs liegt bei 59'878 Dollar. Das ist ein Gewinn von 0,36 Prozent in den letzten 24 Stunden (CoinGecko).

Der Euro steht zum Franken bei 0,9222. Der US-Dollar zum Franken liegt bei 0,8085. Beide Referenzkurse stammen vom Frankfurter Fixing am 29. Juni (EZB-Referenz).

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