Juni endet mit Hitze-Rekord und WM-Achtelfinals
Hitzewelle in Europa mit 41,7 Grad in Deutschland und 1300 Hitzetoten, Kanada schlägt Südafrika zum WM-Auftakt der K.o.-Runde, USA und Iran suchen das Gespräch in Katar.
Juni endet mit Hitze-Rekord und WM-Achtelfinals
Der Juni geht mit Rekordtemperaturen zu Ende. In Brandenburg wurde am Sonntag mit 41,7 Grad der dritte Hitzerekord in drei Tagen gemessen, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beziffert die hitzebedingten Todesfälle in Europa inzwischen auf rund 1300. Sportlich startet die Fussball-WM in den USA, Kanada und Mexiko in die K.o.-Runde, geopolitisch bleibt die Lage zwischen Washington und Teheran angespannt. Hier sind die wichtigsten Signale zum Wochenstart.
Hitzewelle in Europa verschärft sich. Der Deutsche Wetterdienst registrierte am Sonntag in Brandenburg 41,7 Grad Celsius, der dritte Temperaturrekord innerhalb von drei aufeinanderfolgenden Tagen. In der Schweiz kletterten die Werte am Wochenende verbreitet auf 39 Grad, in Graubünden örtlich darüber. Im Muotatal strömt derweil weiter eisige Luft aus dem Berg, was die Region bei Wanderern als natürlichen Kühlort beliebt macht (SRF Meteo). Die WHO beziffert die Zahl der hitzebedingten Todesfälle in Europa auf rund 1300 (BBC). In Deutschland starben nach Behördenangaben mindestens 15 Menschen bei Badeunfällen in Seen und Flüssen (Zeit). Die Energiepreise steigen, weil Klimaanlagen die Stromnachfrage treiben, in vielen Fachmärkten sind Geräte vorerst ausverkauft (FAZ). Für den Montag kündigt der DWD eine Unwetterserie mit Gewittern und Starkregen an, die Temperaturen gehen aber nur langsam zurück (Spiegel Panorama). Der Schweizer Bundesrat hatte zuvor die Bevölkerung aufgerufen, ältere Menschen und Pflegebedürftige vermehrt zu betreuen und Trinkpausen einzulegen. In Spitälern steigt die Zahl der Patientinnen und Patienten mit Hitzekollaps und Kreislaufproblemen.
WM 2026: Kanada steht erstmals in einem Achtelfinal. Beim ersten Sechzehntelfinal der WM-Geschichte besiegte Kanada am Sonntag Südafrika mit 1:0. Das entscheidende Tor erzielte Mittelfeldspieler Stephen Eustaquio erst in der Nachspielzeit (SRF Sport, FAZ). Zeitgleich sicherte sich England durch Tore von Jude Bellingham und Harry Kane den Gruppensieg in Gruppe L vor Panama (Spiegel Sport). Das deutsche Team um Florian Wirtz und Jamal Musiala trifft am Montagabend auf Paraguay, Bundestrainer Julian Nagelsmann schloss Startelf-Veränderungen nicht aus (Zeit). Ausserhalb des Rasens sorgt der überraschende Rücktritt des südkoreanischen Trainers nach scharfer Kritik von Präsident Yoon für Schlagzeilen (Spiegel Sport, FAZ). Das Turnier mit 48 Mannschaften ist das grösste in der Geschichte des Weltverbands FIFA, die Vorrunde endete mit Rekordquoten bei den Übertragungen in Europa. In den USA wiederum entschuldigte sich eine Reporterin nach Spott über die bosnische Mannschaft vor laufenden Kameras (Spiegel Sport).
Formel 1: Russell siegt in der Hitzeschlacht von Spielberg. Beim Grossen Preis von Österreich feierte George Russell im Mercedes seinen zweiten Saisonsieg, Max Verstappen im Red Bull wurde Zweiter (Spiegel Sport, NZZ). Die Streckentemperatur von über 50 Grad Celsius brachte Reifen und Fahrer an die Grenzen, mehrere Piloten klagten nach dem Rennen über Übelkeit. Drei verschiedene Sieger in drei Rennen deuten auf ein offenes Titelrennen hin. In der Fahrerwertung bleibt Verstappen knapp vorn. Aus deutscher Sicht überzeugte Nico Hülkenberg mit einem Punkt im Mittelfeld, Mick Schumacher verpasste die Top 10.
Russland kämpft mit Treibstoffengpässen. Wladimir Putin räumte am Wochenende Versorgungsprobleme an Tankstellen ein. Hintergrund sind ukrainische Drohnenangriffe auf russische Raffinerien, die in mehreren Regionen die Benzin- und Dieselproduktion drosseln. Putin berief eine Krisensitzung ein und wies die Regionalregierungen an, Engpässe rasch zu melden (Zeit). Ukrainische Stellen meldeten am Sonntag zudem, eigene Drohnen hätten eine weitere russische Raffinerie in Brand gesetzt (NZZ). An der Front im Donbass rücken russische Truppen nach Angaben des ukrainischen Generalstabs weiter vor, die ukrainische Gegenoffensive konzentriert sich auf das Hinterland (NZZ). Die Kreml-Führung steht damit wenige Wochen vor Beginn der Sommerreisesaison unter Druck, die Preise an den Zapfsäulen sind in einigen Regionen um bis zu 15 Prozent gestiegen.
USA und Iran ringen um die Waffenruhe. Nach dem gegenseitigen Beschuss am Wochenende zeigen sich die USA gesprächsbereit. Das Weisse Haus geht davon aus, dass die für Dienstag in Katar geplanten Verhandlungen stattfinden (FAZ, Zeit). Irans Klerus drängt im Innern auf einen Abbruch der Gespräche, die Hardliner wittern eine Falle (Spiegel Ausland, NZZ). US-Präsident Donald Trump drohte Teheran zugleich mit «Vernichtung», sollten die Angriffe auf US-Stützpunkte am Persischen Golf weitergehen. Unklar ist, ob der designierte oberste Führer, Khamenei Junior, zur offiziellen Beisetzung seines getöteten Vaters aus dem Untergrund auftaucht (Spiegel Ausland). Die iranische Regierung beansprucht zudem die alleinige Kontrolle über die Strasse von Hormus, eine der wichtigsten Ölhandelsrouten der Welt. Rund 20 Prozent des globalen Ölhandels laufen täglich durch die Meerenge.
Venezuela: Zahl der Toten steigt auf 1450. Nach dem schweren Doppelerdbeben vom Vortag wuchs die Zahl der Toten am Sonntag auf 1450. Die Regierung spricht zugleich von 69'000 Vermissten (NZZ, FAZ). Schweizer Rettungskräfte sind in den Trümmergebieten im Einsatz und koordinieren die Suche nach Überlebenden. Über das Wochenende wurden nach Regierungsangaben 33 Menschen lebend geborgen, darunter zwei Buben, die tagelang unter Trümmern ausgeharrt hatten (BBC). Die wirtschaftliche Lage und jahrelange Misswirtschaft erschweren die Hilfsarbeiten, Trinkwasser und medizinische Versorgung sind knapp. In Caracas nutzen Helfer einen Country Club als improvisiertes Spital (BBC). Die venezolanische Diaspora in der Schweiz organisiert derweil Sachspenden und sucht verzweifelt nach Nachrichten von Angehörigen (SRF).
Elf Tote bei Flugzeugabsturz in Frankreich. In der Nähe von Nancy verunglückte am Sonntag ein Kleinflugzeug einer Fallschirmspringerschule. An Bord waren überwiegend erfahrene Springer. Alle elf Insassen kamen ums Leben (Spiegel Panorama, FAZ, NZZ). Die Maschine war wenige Minuten nach dem Start in ein Feld gestürzt. Die Behörden haben eine Untersuchung eingeleitet, erste Hinweise deuten auf ein technisches Problem hin. Der Flugplatz Lothringen ist ein bekannter Ort für Fallschirmsprungkurse in der Region Grand Est.
Vucic kündigt Rücktritt und Neuwahlen an. Der serbische Präsident Aleksandar Vucic hat am Sonntag seinen Rücktritt angekündigt und zugleich Neuwahlen in Aussicht gestellt. Beobachter werten den Schritt als Versuch, seine Macht über eine Neuaufstellung der Regierungspartei zu festigen (NZZ, SRF). Der genaue Zeitpunkt der Abstimmung ist noch offen, die Opposition fordert eine rasche Urabstimmung. Vucic regiert das Land seit 2017, Kritiker werfen ihm autoritäre Züge und die Aushöhlung demokratischer Institutionen vor. Aus Deutschland wurde unterdessen bekannt, dass die Bundesregierung Vucic zuletzt Rohstoffgeschäfte angeboten hatte, um die serbische Haltung zu Russland zu beeinflussen (Spiegel Wirtschaft).
Hubschrauberabsturz in Saudi-Arabien. Beim Absturz eines Hubschraubers des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco starben am Wochenende 14 Menschen. Die Maschine war nach Firmenangaben im Wartungseinsatz unterwegs (Spiegel Ausland, BBC). Die saudische Luftaufsicht hat Ermittlungen zur Unfallursache aufgenommen. Der Vorfall wirft Fragen zur Flugsicherheit in der Ölindustrie des Landes auf, die zuletzt in mehrere Unfälle verwickelt war.
Südkorea: Trainer tritt nach Präsidenten-Kritik zurück. Der südkoreanische Nationaltrainer trat am Sonntag überraschend zurück, nachdem Präsident Yoon den Trainer in einer live übertragenen Stellungnahme scharf kritisiert hatte (Spiegel Sport). Hintergrund war das enttäuschende Abschneiden der Mannschaft in der WM-Gruppenphase. Die Mannschaft hatte das Achtelfinale knapp verpasst. In Seoul kam es am Abend zu spontanen Demonstrationen von Fans, die den Rücktritt des Trainers als politische Einmischung kritisierten.
Wimbledon startet ohne Raducanu und mit Zverev-Sorgen. Die britische Ex-US-Open-Siegerin Emma Raducanu sagte ihren Start beim dritten Grand-Slam-Turnier des Jahres wegen einer Verletzung am Handgelenk ab (Sky Sports). Alexander Zverev klagte vor dem Turnier über eine «Rasenallergie». Aus Schweizer Sicht steht Simona Waltert vor ihrem nächsten Grand-Slam-Auftritt und will den Vormarsch im Ranking fortsetzen (SRF Sport). Das Turnier auf dem Heiligen Rasen beginnt am Montag mit den ersten Matches der Herren und Damen.
117 tote Hunde in US-Tierheim entdeckt. In einer als «No-Kill» geführten Tierauffangstation in Kalifornien fanden Ermittler die Leichen von 117 Hunden, viele mit Schussverletzungen. Die Betreiberin wurde festgenommen (Spiegel Panorama, BBC). Die Staatsanwaltschaft prüft Anklagen wegen Tierquälerei und illegaler Entsorgung. Der Fall hat in den USA eine breite Debatte über die Kontrolle privater Tierheime ausgelöst. Tierschutzorganisationen fordern eine bundesweite Datenbank für Auffangstationen.
Bayern: Biber von Zug erfasst. In Türkenfeld in Bayern beobachteten Schulkinder, wie ein Biber von einem Zug erfasst und getötet wurde. Spaziergänger hatten das Tier zuvor am Bahndamm gesehen (Spiegel Panorama). Die Deutsche Bahn wies darauf hin, dass Biber an Bahnstrecken zunehmend zum Problem werden, weil sie Dämme bauen und Gleise untergraben. In den vergangenen zwei Jahren ist die Zahl der Biber an deutschen Bahnstrecken nach Schätzungen des Naturschutzbundes um 30 Prozent gestiegen.
Texas: Bibel wird Pflichtlektüre an Schulen. Im US-Bundesstaat Texas hat die Schulbehörde die Bibel als Pflichtlektüre für Schülerinnen und Schüler eingeführt. Der Beschluss fiel am Sonntag mit knapper Mehrheit (Spiegel Panorama). Kritiker sprechen von einer Vermischung von Staat und Religion, Befürworter sehen darin die Stärkung traditioneller Werte. Der texanische Gouverneur Greg Abbott hatte die Initiative persönlich vorangetrieben.
AfD-Kandidaten scheitern bei Stichwahlen. In Sachsen-Anhalt und Brandenburg verloren Kandidatinnen und Kandidaten der AfD mehrere Stichwahlen um Landratsämter (Zeit). Die Wahlforscher werten das Ergebnis als Signal, dass die Mitte der Gesellschaft mobilisiert. Die CDU konnte ihre Position in den ostdeutschen Flächenländern leicht festigen. Gleichzeitig bleibt die AfD in Umfragen auf Bundesebene stabil bei rund 22 Prozent.
Zentralbank-Legende Greenspan gestorben. Der frühere Chef der US-Notenbank Federal Reserve, Alan Greenspan, ist im Alter von 99 Jahren gestorben. Er prägte die Geldpolitik der USA fast zwei Jahrzehnte lang und gilt als Architekt der «Great Moderation», einer Phase relativ stabiler Konjunktur und niedriger Inflation (FAZ). Sein Vermächtnis wird in der Fachwelt bis heute kontrovers diskutiert, Kritiker werfen ihm eine Mitverantwortung für die Finanzkrise von 2008 vor. Greenspan hatte die Fed von 1987 bis 2006 geführt.
VW prüft Ausstieg aus Bosch-Allianz für autonomes Fahren. Volkswagen erwägt nach Informationen der FAZ den Ausstieg aus dem Gemeinschaftsprojekt mit Bosch für autonomes Fahren. In das Projekt wurden bisher rund 1,5 Milliarden Euro investiert. Hintergrund sind strategische Differenzen über die künftige Ausrichtung der Plattform. VW setzt verstärkt auf eine eigene Lösung, die auch mit Partnern aus den USA und China kompatibel sein soll. Ein Sprecher des Unternehmens wollte sich am Sonntag nicht äussern, der Aufsichtsrat soll in der kommenden Woche informiert werden. Die Nachricht schloss am deutschen Aktienmarkt die Lücke zur bisherigen Handelsspanne bei der VW-Vorzugsaktie.
Strompreise in Deutschland steigen wegen Hitze. Die anhaltende Hitzewelle treibt die Strompreise an der Leipziger Börse EEX nach oben. Grund ist die hohe Nachfrage nach Klimaanlagen und Lüftungen, parallel drosseln ältere Kernkraftwerke in Frankreich ihre Leistung, weil das Kühlwasser zu warm ist (FAZ). In der Schweiz steigt die Last auf den Pumpspeicherkraftwerken, weil die Stromproduktion aus Photovoltaik tagsüber Höchstwerte erreicht und in den Abendstunden rasch abfällt. Die Schweizerische Eidgenossenschaft beobachtet die Lage laut Bundesamt für Energie (BFE) genau, Engpässe seien aber nicht zu erwarten.
Trump-Projekt: Neuer Golfplatz in Washington. US-Präsident Donald Trump inspizierte am Sonntag Pläne für einen neuen Golfplatz in Washington, D.C. (Spiegel Ausland, FAZ). Das Projekt ist Teil der Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten. Kritiker werfen der Regierung vor, persönliche Interessen mit staatlicher Inszenierung zu vermischen. Trumps Organisation betreibt bereits mehr als ein Dutzend Golfplätze in den USA und im Ausland. Biden hielt unterdessen eine Rede, in der er Trump als «Verlierer» bezeichnete (Spiegel Ausland).
Ausblick auf den Montag. In Deutschland folgt nach der Hitze eine Unwetterserie mit Gewittern und Starkregen. An der Fussball-WM steigen die nächsten Sechzehntelfinals, die deutsche Mannschaft trifft am Abend auf Paraguay. In Katar sollen die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran fortgesetzt werden. Die serbische Regierung könnte einen Termin für die angekündigten Neuwahlen nennen. In Wimbledon startet die erste Runde bei den Damen und Herren, Angelique Kerber gibt ihr Comeback. Die US-Börsen bleiben wegen des «Independence Day»-Vorabends am Montag geschlossen, der MSCI World notiert damit ohne Impulse aus New York.
Die Märkte heute
Der MSCI World steht aktuell bei 4744,35 Punkten. Das ist ein Verlust von 0,18 Prozent seit Freitag. Der Goldpreis liegt bei 4082,1 US-Dollar pro Unze, ein Minus von 1,16 Prozent seit Freitag. Der Bitcoin notiert bei 59'657 US-Dollar, ein Verlust von 0,72 Prozent innert 24 Stunden. Der Euro steht zum Franken bei 0,9218, der US-Dollar zum Franken bei 0,8085 (EZB-Referenz vom 26. Juni 2026). Die Devisenkurse bewegen sich damit weiter im Bereich der jüngsten Schwankungen.