Hitzewelle spaltet Europa, Iran-Krieg flammt wieder auf, Schweiz trifft Petkovic
Die wichtigsten Signale des Tages: Angriffe im Nahen Osten, ein heisser Kontinent, ein brisanter WM-Gegner für die Schweizer Nati und ein historischer Schwingfest-Sonntag.
Hitzewelle spaltet Europa, Iran-Krieg flammt wieder auf, Schweiz trifft Petkovic
Die wichtigsten Signale des Tages: Angriffe im Nahen Osten, ein heisser Kontinent, ein brisanter WM-Gegner für die Schweizer Nati und ein historischer Schwingfest-Sonntag.
Iran-Krieg: Erneut US-Angriffe, Hizbullah erklärt Abkommen für nichtig
Die Waffenruhe zwischen Washington und Teheran hält nicht. Die USA haben in der Nacht auf Sonntag iranische Stellungen angegriffen, nachdem ein Frachtschiff im Golf von Oman von einem unbekannten Geschoss getroffen worden war. US-Präsident Donald Trump wirft dem Regime in Teheran einen Bruch der Waffenruhe vor und droht mit weiterer Eskalation. Parallel erklärte Hizbullah-Chef Naim Kassem das söben unterzeichnete Rahmenabkommen zwischen Israel und dem Libanon für nichtig. Israel flog darauf Luftangriffe auf den Südlibanon, bei denen mindestens ein Mensch getötet wurde. Für die Schweiz ist die Lage direkt betroffen: Ein Grossteil der Schweizer Erdölimporte läuft über die Strasse von Hormus. Eine Eskalation würde den Benzinpreis hierzulande unmittelbar unter Druck setzen, weil Versicherer ihre Prämien für Transiten durch den Golf bereits anheben und die Frachtraten für Containerschiffe in Richtung Asien steigen.
Hitzewelle: WHO zählt 1300 Hitzetote in Europa
Die Hitzewelle in Europa kostet Menschenleben. Die Weltgesundheitsorganisation WHO meldet seit dem 21. Juni über 1300 hitzebedingte Todesfälle auf dem Kontinent. In Deutschland wurde in der Nacht auf Sonntag mit 29,4 Grad Celsius die wärmste je gemessene Nacht registriert. In der Schweiz kletterten die Temperaturen am Samstag erneut über 37 Grad, am heftigsten betroffen waren die Nordwestschweiz und das Mittelland. Mehrere Kantone haben die Hitzewarnstufe 4 ausgerufen, in Zürich gilt sie vorerst bis Mittwoch. Die WHO spricht vom heissesten Juni seit Beginn der Aufzeichnungen in mehreren Ländern. Verglichen wird bereits mit dem Hitzesommer 2003, dem in Europa rund 70'000 Menschen zum Opfer fielen. In der Schweiz registrierten Spitäler einen Anstieg der Notfalleintritte wegen Hitzschlag und Kreislaufproblemen um knapp 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die SBB testen derzeit in neuen Siemens-Zügen stärkere Klimaanlagen, nachdem Temperaturmessungen in herkömmlichen Doppelstockwagen Werte von über 38 Grad ergaben. In Baden wird zudem das Schwammstadt-Prinzip ausgebaut, um Regenwasser künftig stärker zu speichern statt abzuleiten.
Ukraine: Russland rückt im Donbass vor, Drohnenangriffe auf russische Raffinerie
Im Osten der Ukraine steht die nächste Grossstadt vor dem Fall. Die russische Armee rückt nach Angaben von Korrespondenten vor Ort auf Kostjantiniwka vor, die südlichste Stadt des ukrainischen Festungsrings im Donezbecken. Die ukrainische Gegenoffensive der vergangenen Tage hat die Lage im Frontgebiet nicht entlastet, wie aus Berichten von Korrespondenten aus Kramatorsk hervorgeht. Zugleich griff die ukrainische Luftwaffe in der Nacht eine russische Raffinerie in der Region Krasnodar mit Drohnen an. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einer «offenen Arterie», aus der Russland blute. Polen kündigte unterdessen an, sich auf mögliche russische Übergriffe an der Nato-Ostflanke vorzubereiten.
Schweizer Nati trifft im WM-Achtelfinal auf Algerien und Petkovic
Die Schweizer Fussballnationalmannschaft bekommt es im Sechzehntelfinal der Fussball-Weltmeisterschaft in den USA mit Algerien zu tun. Trainer der Nordafrikaner ist Vladimir Petkovic, von 2014 bis 2021 Schweizer Nationalcoach und Architekt der damaligen Erfolge um Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka. Das Wiedersehen wird damit zur ersten Bewährungsprobe für den neuen Nationaltrainer Murat Yakin gegen seinen Vorgänger. Gespielt wird am Freitagmorgen (Schweizer Zeit) im kalifornischen Inglewood. Die Mannschaft reist mit Selbstvertrauen an: Captain Xhaka steht laut internationalen Berichten vor einem Transfer in die saudische Profiliga, ein Abschied, der das Schweizer Mittelfeld langfristig prägen wird. Im Hintergrund sorgen Parallel-Spiele für Aufsehen: Österreich rettete sich in der 96. Minute mit einem 3:3 gegen Algerien und entging nur knapp dem Out, England besiegte Panama 2:0 und holte den Gruppensieg. Portugal um Cristiano Ronaldo spielte 0:0 gegen Kolumbien und verpasste den Gruppensieg, womit es der Schweizer Nati im Achtelfinal aus dem Weg geht.
Formel 1: Russell gewinnt Hitzeschlacht in Spielberg
George Russell hat den Grossen Preis von Österreich gewonnen. Der Brite im Mercedes feierte beim Heimspiel von Red Bull in Spielberg seinen zweiten Saisonsieg und verwies Weltmeister Max Verstappen im Red Bull auf Rang zwei. Dritter wurde Kimi Antonelli im zweiten Mercedes. Das Rennen fand bei Temperaturen deutlich über 30 Grad statt und wurde von mehreren Safety-Car-Phasen geprägt. In der WM-Wertung bleibt Verstappen vorne, Russell verkürzt den Rückstand.
Schwingfest Güttingen: 10'000 Besucher, Schlegel fordert Ott im Schlussgang
Das Nordostschweizer Schwingfest in Güttingen hat am Sonntagmorgen 10'000 Zuschauerinnen und Zuschauer angezogen. Es ist das grösste NOS aller Zeiten und übertrifft die bisherigen Rekordmarken aus dem Innerschweizer Verband deutlich. Im Schlussgang stehen sich der Berner Werner Schlegel und Armon Ott gegenüber, nachdem Schlegel mit zwei Express-Siegen in den Gängen zwei und drei Kräfte geschont hatte. Überraschend hatte zuvor der Nidwaldner Adrian Odermatt den favorisierten Werner Schlegel im ersten Gang mit einem Wyberhaken kontert. Parallel findet das Open-Air St. Gallen statt, das mit schwedischen Popstars und Zehntausenden Festivalgästen die Ostschweiz in eine grosse Feierzone verwandelt. Die Veranstalter rechnen am Sonntagabend mit über 25'000 Besucherinnen und Besuchern auf dem Sittertobel-Gelände.
Annik Kälin bricht erneut den Schweizer Siebenkampf-Rekord
Die Schweizer Mehrkämpferin Annik Kälin hat im Ratinger Mehrkampf-Meeting in Deutschland ihren eigenen Landesrekord im Siebenkampf erneut verbessert. Die 25-Jährige erreichte 6819 Punkte und distanzierte damit die einheimische Konkurrenz deutlich. Es ist der zweite Schweizer Rekord innert weniger Monate. Die Bestätigung kommt mit Blick auf die kommenden internationalen Meisterschaften rechtzeitig. Kälin gehört zu den wenigen Schweizer Leichtathletinnen mit Medaillenchance bei einer WM und kombiniert ihren Wettkampfkalender mit einem Teilzeitstudium in Sportwissenschaft an der ETH Zürich.
BIZ warnt vor wachsender Gefahr eines KI-Crashs
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel schlägt Alarm: Der finanzielle Wettlauf um die Vorherrschaft im Bereich künstliche Intelligenz erinnert laut den Währungshütern an vergangene technologische Blasen, die in Krisen mündeten. Die BIZ sieht grosses Potenzial in der Technologie, gleichzeitig aber wachsende Risiken für die Stabilität der Finanzmärkte. Schweizer Privatbanken wie Lombard Odier und die Genfer Vermögensverwalter bereiten sich laut Branchenkreisen auf eine mögliche Gewinnflaute im zweiten Halbjahr vor. Hintergrund sind gesunkene Margen im klassischen Wealth Management und steigende Investitionen in KI-Tools. Pimco-Chefstratege warnte unterdessen, Europa stehe eine neue Bewährungsprobe bevor, sollten die Inflationsdaten der kommenden Wochen nicht den Erwartungen entsprechen.
VW-Krise: Oliver Blume will 100'000 Stellen streichen
Der frühere Porsche-Chef Oliver Blume plant bei Volkswagen den radikalsten Umbau in der Geschichte des Konzerns. Wie aus Unternehmenskreisen durchsickert, will Blume in den nächsten Jahren bis zu 100'000 Stellen abbauen, ein Drittel der Belegschaft. Die deutsche Bundesregierung reagiert verärgert, Gewerkschaften kündigen Widerstand an. Für die Schweiz ist VW ein zentraler Industriekunde, auch über die Zulieferkette im Espace Mittelland und den Werkzeugbau im Aargau. Mehrere Schweizer Automobilzulieferer wie Feintool und Mikron halten sich nach eigenen Angaben Optionen für eine stärkere Eigenfertigung offen, falls VW-Aufträge wegbrechen sollten.
Südafrika: Tausende Migranten versteckt, grosser Protestmarsch am Dienstag
In Südafrika spitzt sich die Lage um illegale Migration weiter zu. Seit Monaten demonstrieren Teile der Bevölkerung gegen die wachsende Zahl ausländischer Arbeitskräfte. Bei einem Mob-Angriff auf mosambikanische Arbeiter wurde in der vergangenen Woche eine Gruppe getötet. Tausende Migranten halten sich versteckt und hoffen auf Repatriierung. Für Dienstag kündigt die Protestbewegung einen «grossen Befreiungsmarsch» an. Die Schweiz hat ihre Reisehinweise für Südafrika verschärft und rät von nicht zwingenden Reisen in die Provinz Gauteng ab.
Erdogan spielt sich als neuer Nahost-Player auf
Die Türkei positioniert sich nach dem Wiederaufflammen des Iran-Kriegs als regionaler Machtfaktor. Während sich Iran und die USA gegenseitig Angriffe vorwerfen, baut Präsident Recep Tayyip Erdogan seine Beziehungen zu Israel, Saudi-Arabien und Ägypten aus. Ankara sieht eine historische Chance, die eigene geopolitische Rolle neu zu definieren. Für die Schweiz, die mit der Türkei seit 2024 über ein Freihandelsabkommen verhandelt, bekommt das Thema zusätzliches Gewicht. Schweizer Maschinenbauer und Pharmalieferanten exportieren jährlich Waren im Wert von Milliardenbeträgen in die Türkei, Istanbul gilt als wichtiger Umschlagplatz für Exporte in den Nahen Osten. Sollte sich die Türkei als Vermittler im Iran-Konflikt positionieren, könnte das die Verhandlungen über das Schweizer Freihandelsabkommen beschleunigen.
Bardella überholt Le Pen, Umfragen in Frankreich klar vorne
Jordan Bardella baut seine Führung in den französischen Präsidentschaftsumfragen weiter aus. Der Chef des Rassemblement National kommt aktuell auf 35 Prozent der Stimmen und liegt damit deutlich vor allen anderen Kandidaten, auch vor seiner politischen Mentorin Marine Le Pen, deren Wählbarkeit weiterhin vor Gericht entschieden werden muss. Wirtschaftspolitisch distanziert sich Bardella zunehmend von Le Pen und spricht sich offen für Deregulierung und niedrigere Steuern aus. Eine Regierungsbeteiligung der Rechtspopulisten in Paris hätte unmittelbare Folgen für den bilateralen Handel mit der Schweiz und die Verhandlungen über das Stromabkommen.
Vucic kündigt Rücktritt in Serbien an
Nach eineinhalb Jahren regierungskritischer Proteste kündigt der serbische Präsident Aleksandar Vucic seinen Rücktritt und vorgezogene Präsidentschafts- und Parlamentswahlen an. Beobachter werten den Schritt als taktisches Manöver, um die Protestbewegung zu entschärfen und die eigene Macht über die Urne zu sichern. Die Schweiz unterhält mit Serbien enge wirtschaftliche Beziehungen, insbesondere im Rohstoffhandel.
Schweizer Wirtschaft: Grizzly Research wettet gegen Partners Group
Ein Schweizer Investor nimmt die Zuger Beteiligungsgesellschaft Partners Group ins Visier. Siegfried Eggert, Chef der auf Leerverkäufe spezialisierten Research-Firma Grizzly, wirft dem Unternehmen intransparente Bewertungen vor und rechnet mit einem deutlichen Kursrückgang. Die Partners Group weist die Vorwürfe zurück. Der Fall zeigt exemplarisch, wie Schweizer Vermögensverwalter zunehmend selbst zur Zielscheibe internationaler Short-Seller werden. Die Schweizer Finanzaufsicht Finma hat in den vergangenen Monaten mehrere ähnliche Fälle untersucht. Acrevis und Regiobank Männedorf haben unterdessen am Freitag ihren Zusammenschluss vollzogen und schaffen im Kanton Zürich eine neue Regionalbank mit 12 Milliarden Franken Bilanzsumme.
Ausblick auf morgen
Die Woche beginnt mit zwei grossen Themen: Der EZB-Rat tagt am Donnerstag in Frankfurt, und in der Schweiz beginnt die Sommersession der eidgenössischen Räte. Im Nationalrat stehen die Beratungen über das neue AKW-Rahmengesetz und der Bericht zur Finanzierung der 13. AHV-Rente auf der Traktandenliste. Die Finanzmärkte blicken zudem auf die Schweizer Inflationsdaten, die am Freitag veröffentlicht werden. Sportlich steigt am Montag das WM-Sechzehntelfinal zwischen der Schweiz und Algerien, das erste grosse Turnierdüll zwischen Yakin und seinem Vorgänger Petkovic. In der Formel 1 beginnen die Vorbereitungen für den Grossen Preis von Grossbritannien in Silverstone.
Die Märkte heute
Der Goldpreis steht aktuell bei 4096 Dollar pro Unze, ein Minus von 0,81 Prozent seit Handelsbeginn. Der MSCI World notiert bei 4744 Punkten, praktisch unverändert mit einem leichten Verlust von 0,18 Prozent seit Freitag. Bitcoin wechselt bei 59'964 Dollar den Besitzer, ein Verlust von 0,91 Prozent in den letzten 24 Stunden. Der Euro steht bei 0,9218 Franken, der US-Dollar bei 0,8085 Franken, beide Referenzkurse der Europäischen Zentralbank.