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Nacht über Europa, Hitze über dem Kontinent

Zwei Erdbeben erschüttern Venezuela, US-Kampfjets fliegen den zweiten Angriffsabend gegen Ziele im Iran, und Genf misst am frühen Morgen 37 Grad.

Von der MacherPost-Redaktion 28.06.2026, 04:00 ♪ 15 Min Audio · 1'904 Wörter
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Nacht über Europa, Hitze über dem Kontinent

Zwei Erdbeben erschüttern Venezuela, US-Kampfjets fliegen einen zweiten Angriffsabend gegen Ziele im Iran, und Genf misst am frühen Morgen 37 Grad. Ein Überblick über die Nacht, mit Ausblick auf den Tag.

Jahrhundertbeben in Venezuela

Die Zahl der Toten nach den beiden Erdbeben vom Mittwoch ist nach Behördenangaben auf über 1400 gestiegen. Zehntausende Menschen werden laut nationalem Zivilschutz noch vermisst. In Caracas sprach eine Sprecherin der Hilfsorganisation Rescate Venezuela gegenüber der BBC von einem «Kampf gegen die Uhr», jede gerettete Person sei ein Wunder. Internationale Rettungsteams aus Kolumbien, Mexiko und der Schweiz sind eingetroffen, die Suche konzentriert sich auf eingestürzte Wohnblöcke in der Hauptstadt und im Bundesstaat Carabobo. Präsident Nicolás Maduro rief den Ausnahmezustand aus und bat um internationale Hilfe, während die Opposition eine sofortige Öffnung der Grenzen für humanitäre Korridore fordert. Die NZZ schätzt die Zahl der obdachlos gewordenen Menschen auf über 200'000. Für Schweizer Hilfswerke steht nach Angaben der DEZA ein Betrag von 4 Millionen Franken zur Verfügung, erste Teams der Swiss Rescue sind bereits vor Ort.

USA fliegen zweite Angriffsnacht gegen den Iran

Die US-Streitkräfte haben in der Nacht auf Sonntag zum zweiten Mal binnen 24 Stunden iranische Stellungen angegriffen. Wie das Pentagon mitteilte, richteten sich die Schläge gegen Militäreinrichtungen in der Provinz Hormozgan und gegen Stützpunkte der iranischen Revolutionsgarden entlang der Strasse von Hormuz. Auslöser war nach Angaben von US-Verteidigungsministerium und CENTCOM der Angriff einer iranischen Drohne auf einen zivilen Frachter im Golf von Oman, bei dem ein Besatzungsmitglied getötet wurde. US-Präsident Donald Trump drohte dem Regime in Teheran in einer Pressekonferenz am Samstagabend mit «vollständiger Vernichtung», sollten weitere Angriffe auf US-Schiffe oder Verbündete folgen. Der iranische Aussenminister bezeichnete die US-Angriffe als «Aggression ohne Legitimation» und kündigte eine Reaktion an der «Wahl der Zeit und des Ortes» an. Die Hizbullah erklärte parallel das Ende der seit Tagen laufenden Waffenstillstandsverhandlungen mit Israel für «nichtig». An den Ölmärkten zog der Brent-Preis im asiatischen Handel um 4 Prozent an.

Hitze bricht Rekorde in der Schweiz und in Europa

Die Hitzewelle hat in der Nacht auf Sonntag neue Rekordmarken gesetzt. In Genf zeigte das Thermometer am frühen Morgen 37 Grad, in Basel 36 Grad, in Zürich 35 Grad. MeteoSchweiz sprach von einem «historischen Juni-Wert» und gab für weite Teile der Deutschschweiz die zweithöchste Hitzewarnstufe aus. Auch in Deutschland, Dänemark und Tschechien wurden nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes neue Allzeit-Rekorde für den Monat Juni gemessen. In Berlin kletterte die Temperatur am Samstag auf 39 Grad, in Prag auf 38 Grad. Die NZZ dokumentierte in einer interaktiven Karte, dass in acht europäischen Hauptstädten die Junirekorde aus dem Hitzesommer 2003 überschritten wurden. Das Bundesamt für Umwelt rief die Bevölkerung auf, körperliche Anstrengungen im Freien zwischen 11 und 17 Uhr zu vermeiden, und kündigte eine Hitzetelefon-Nummer für ältere Menschen an. In Lugano und im Tessin erreichten die Temperaturen am Samstag 34 Grad, begleitet von einzelnen Gewittern. Die nächste messbare Abkühlung wird frühestens für Dienstag erwartet.

Volkswagen streicht 100'000 Stellen: Menetekel für den Standort Deutschland

Der Volkswagen-Konzern hat am Wochenende überraschend einen massiven Stellenabbau angekündigt. Wie die NZZ unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, sollen in den kommenden drei Jahren rund 100'000 Arbeitsplätze in der deutschen Autoproduktion wegfallen. Betriebsrat und IG Metall kündigten bereits Widerstand an, in Wolfsburg ist für Montag eine Belegschaftsversammlung einberufen. Die NZZ-Kommentatoren Malte Fischer und Tobias Sedlmaier werten den Schritt als «Menetekel für den Standort Deutschland». Jahrelang habe die EU eine Politik gegen die eigene Autoindustrie betrieben, nun werde die Rechnung präsentiert. Die Reaktion an den Börsen fiel am Samstag wegen des Wochenendes aus, der Schlusskurs vom Freitag lag für die VW-Vorzugsaktie bei 94 Euro. Für die Schweiz rechnen Beobachter mit indirekten Folgen über die Zulieferketten, da mehrere grosse CH-Firmen Komponenten für die Wolfsburger Konzernmarken liefern.

Frauen-WM 2026: Kane schreibt Geschichte, Portugal nur remis

Harry Kane hat im Spiel England gegen Panama den Rekord als bester englischer WM-Torschütze aller Zeiten aufgestellt. Beim 3:0-Erfolg, der den Gruppensieg in Gruppe L sicherte, traf der Kapitän zum 13. Mal bei einer Weltmeisterschaft. Damit überholte er die Bestmarke von Gary Lineker aus dem Jahr 1990. Parallel trennten sich Portugal und Kolumbien in einem hochklassigen Spiel 0:0, Cristiano Ronaldo blieb ohne Tor, Kolumbien sicherte sich damit den Gruppensieg. Lionel Messi steht im letzten Gruppenspiel Argentiniens gegen Jordanien laut Trainer Lionel Scaloni zunächst nur auf der Bank. Kroatien qualifizierte sich mit einem 2:1 gegen Ghana für die K.o.-Runde, England trifft im Sechzehntelfinal auf Paraguay. Schottlands Nationaltrainer Steve Clarke trat nach dem Vorrunden-Aus der Schotten zurück. Die Spielgewohnheit, dass viele Zuschauer in den US-Stadien Trinkgeld geben müssen, sorgt unterdessen für wachsende Verstimmung bei internationalen Fans, die BBC spricht von einer «Trinkgeld-Müdigkeit».

Israel beschiesst den Südlibanon, Waffenstillstand brüchig

Nur einen Tag nach Unterzeichnung des Rahmenabkommens zwischen Israel und dem Libanon am 27. Juni hat die israelische Luftwaffe Stellungen im Südlibanon angegriffen. Nach Angaben des libanesischen Staatssenders NNA wurde mindestens eine Person getötet, mehrere Gebäude in der Region Tyros zerstört. Die Hizbullah verurteilte die Angriffe als Bruch der Vereinbarung und erklärte, man werde «angemessen reagieren». Die NZZ wertet die Entwicklung als möglichen Anfang vom Ende des erst am Vortag mühsam ausgehandelten Waffenstillstands. Israel hatte seinerseits die Bombardierung als Vergeltung für eine Drohnenattacke auf den Norden Israels bezeichnet. Die UNO-Sondergesandte für den Libanon rief beide Seiten zur «maximalen Zurückhaltung» auf. An der israelischen Nordgrenze bereiten sich Bodentruppen nach BBC-Informationen auf einen «verlängerten Aufenthalt» vor, wie es in einer internen Order heisst.

Burkina Faso bricht diplomatische Beziehungen zu Frankreich ab

Die Militärjunta in Burkina Faso hat am späten Samstagabend die diplomatischen Beziehungen zu Paris mit sofortiger Wirkung abgebrochen. Die Regierung in Ouagadougou wirft Frankreich vor, die nationalen Interessen des westafrikanischen Landes systematisch zu untergraben und subversive Gruppen zu unterstützen. Burkina Faso folgt damit dem Beispiel mehrerer Nachbarstaaten in der Sahelzone, die in den vergangenen Jahren ebenfalls die Beziehungen zu Frankreich eingefroren oder abgebrochen haben. Die französische Botschaft in Ouagadougou wurde nach Angaben der BBC bereits am Samstag geschlossen, rund 4000 in Burkina Faso lebende Franzosen wurden zur Ausreise aufgefordert. Die EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas zeigte sich «zutiefst besorgt» über die Entwicklung. Für die Schweiz, die in Ouagadougou ein Kooperationsbüssro unterhält, gibt es nach Angaben des EDA derzeit keine Hinweise auf eine Beeinträchtigung der humanitären Programme.

Trump lässt sein Konterfei in US-Pässen verewigen

Die US-Regierung hat am Samstag offiziell bestätigt, dass das Konterfei von Präsident Donald Trump in ausgewählte neue US-Reisepässe aufgenommen wird. Hintergrund ist der 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten, der am 4. Juli mit einem umfangreichen Festprogramm begangen wird. Nach Angaben des State Department handelt es sich um eine befristete Sonderausgabe zum Jubiläum, reguläre Pässe enthalten weiterhin das herkömmliche Design. Die Reaktion in den US-Medien fiel verhalten aus, mehrere Bürgerrechtsorganisationen sprachen von einer «Politisierung eines neutralen Dokuments». Die Aktion folgt auf eine Reihe ähnlicher symbolischer Schritte Trumps, darunter die Umbenennung eines Verteidigungsministeriums und die Anbringung seines Namens an Bundesgebäuden. Für Schweizer Reisende ändert sich nach Angaben des EDA nichts, die bestehenden Visa-Regelungen gelten unverändert.

Italien und die Corona-Milliarden: gemischte Bilanz nach fünf Jahren

Fünf Jahre nach Ausbruch der Corona-Pandemie zieht Italien eine durchzogene Bilanz über die Verwendung der EU-Hilfen. Wie die SRF am Wochenende berichtete, hat Rom insgesamt fast 200 Milliarden Euro an Zuschüssen und Krediten aus dem EU-Wiederaufbaufonds erhalten. Davon flossen nach Berechnungen des italienischen Rechnungshofs rund 60 Prozent in tatsächlich produktive Investitionen, der Rest in Subventionen und kurzfristige Konjunkturmassnahmen. Die EU-Kommission zeigte sich zufrieden mit dem Reformtempo, mehrere Wirtschaftsforscher warnten jedoch vor nachlassender Wettbewerbsfähigkeit der italienischen Industrie. Für die Schweiz ist Rom nach Deutschland und den USA der drittwichtigste Handelspartner; die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen haben sich seit 2022 nach Angaben von Switzerland Global Enterprise weiter vertieft.

Budapest: Zehntausende feiern erste Pride nach Orbans Abgang

In Budapest haben am Samstag Zehntausende Menschen an der ersten Pride-Parade seit dem Ende der 16-jährigen Regierung von Viktor Orbán teilgenommen. Die Veranstaltung verlief nach Angaben der ungarischen Polizei friedlich, die Behörden hatten im Vorfeld mit rund 50'000 Teilnehmenden gerechnet, die Veranstalter sprachen nach BBC-Informationen von über 80'000. Die neue Regierung unter Ministerpräsident Péter Magyar hatte die Demonstration als Zeichen der «Wiederherstellung der Meinungsfreiheit» offiziell begrüsst. Orbán, der bei der Parlamentswahl im April überraschend verloren hatte, äusserte sich nicht öffentlich zu der Veranstaltung. Die Pride in Budapest ist nach Zürich, Berlin und Amsterdam die mittlerweile vierte grosse LSBTI-Demonstration dieses Sommers in Europa. Die ungarische Wirtschaft sieht den Imagegewinn nach Einschätzung von Tourismusexperten bereits in steigenden Buchungszahlen für den Sommer.

FDP Schweiz richtet Wahlkampf für 2027 aus

Die FDP Schweiz hat an einer Klausur in Bern die strategischen Leitlinien für die National- und Ständeratswahlen 2027 verabschiedet. Parteipräsident Thierry Burkart sprach von einem «konzentrierten Wahlkampf mit wenigen, klaren Botschaften». Im Zentrum stehen die Themen Wirtschaftskraft, Sicherheit und eine bürgernahe Verwaltung. Die Freisinnigen hatten bei den letzten Wahlen 2023 rund 14,6 Prozent Wähleranteil erreicht und damit den zweiten Platz in der Wählergunst verloren. In einer ersten Reaktion zeigte sich die SVP skeptisch, die Grünen warfen der FDP «Sozialabbau-Pläne» vor. Die kommenden Wochen werden laut Burkart im Zeichen der Kandidatinnen- und Kandidaten-Suche stehen, erste Nominationen werden für Anfang September erwartet.

Formel 1: Russell holt die Pole in Österreich

George Russell hat sich im Qualifying zum Grossen Preis von Österreich die Pole-Position gesichert. Der Brite fuhr im Mercedes die schnellste Runde, nachdem sein WM-Rivale Max Verstappen in der Schlussphase des dritten Abschnitts in die Leitplanken geprallt war. Die gelbe Flagge, die danach geschwenkt wurde, führte zunächst zu grosser Verwirrung über die Gültigkeit der Rundenzeiten. Die Rennleitung bestätigte Russells Zeit nach mehr als 20 Minuten Prüfung als gültig, wie die SRF live aus Spielberg berichtete. Verstappen startet aus der zweiten Reihe, Weltmeister Lewis Hamilton im Ferrari von Position fünf. Das Rennen auf dem Red-Bull-Ring beginnt am Sonntagnachmittag um 15 Uhr mitteleuropäischer Zeit, die Temperaturen in Spielberg werden bei 34 Grad erwartet.

Ausblick auf den Tag

In den kommenden Stunden dürften die Hilfslieferungen nach Venezuela die kritische Phase erreichen, internationale Beobachter sprechen von einem Wettrennen gegen die Zeit. An den Finanzmärkten wird der Wochenstart mit Spannung erwartet, die Eskalation im Iran und die VW-Krise dürften die Eröffnungskurse prägen. Im Sport steht das letzte Gruppenspiel Argentiniens gegen Jordanien auf dem Programm, das Sechzehntelfinal wird damit komplettiert. In der Schweiz bleiben die Temperaturen extrem, MeteoSchweiz warnt vor einer weiteren Zunahme der Ozonbelastung in den Mittagsstunden.

Die Märkte heute

Der MSCI World notiert bei 4744 Punkten, das ist ein Verlust von 1,6 Prozent seit dem Börsenschluss am Freitag. Die Eskalation im Iran und die VW-Krise haben die Anlegerstimmung spürbar belastet. Gold notiert bei 4096 US-Dollar die Unze, umgerechnet rund 3312 Franken, und liegt damit rund 2 Prozent tiefer als am Freitag, was vor allem an einer leichten Entspannung an den Anleihemärkten liegt. Bitcoin steht bei 48'585 Franken, praktisch unverändert gegenüber Samstagmorgen. Der Euro notiert bei 0,9218 Franken, der US-Dollar bei 0,8085 Franken, beide Referenzkurse stammen von der Europäischen Zentralbank.

Zum Wetter am Sonntag und am Montag: in Zürich aktuell 25 bis 35 Grad und bewölkt, am Montag bis 30 Grad mit Schauern am Nachmittag. In Bern 21 bis 34 Grad, trocken, morgen 30 Grad. In Basel 24 bis 36 Grad mit einzelnen Schauern, morgen 31 Grad. In Genf 24 bis 37 Grad und bewölkt, morgen bis 34 Grad. In Lugano 24 bis 34 Grad mit Gewittern, morgen 34 Grad. In den Alpen oberhalb von 2500 Metern bleibt es winterlich.

Das war die Morgen-Ausgabe von MacherPost am Sonntag, achtundzwanzigster Juni zweitausendsechsundzwanzig. Die MacherPost Redaktion verabschiedet sich, bis heute Mittag um zwölf Uhr.

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