Erdbeben in Venezuela, Hormus-Blockade und ein WM-Dämpfer
Morgen-Briefing: Beben in Caracas fordert 235 Tote, UN stoppt Hormus-Evakuierung, DFB verliert 1:2 gegen Ecuador.
Erdbeben in Venezuela, Hormus-Blockade und ein WM-Dämpfer
Guten Morgen. Die Nacht brachte Bilder aus Caracas, eine Eskalation an der Strasse von Hormus und das erste Sommerspiel der DFB-Elf in den Sechzehntelfinals mit Niederlage. Wir beginnen mit dem Beben, das ein ganzes Land erschüttert hat.
Mindestens 235 Tote nach Doppel-Erdbeben in Venezuela
Zwei schwere Erdstösse haben Venezuela in der Nacht zum Donnerstag getroffen. Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärken mit 7,2 und 7,5 an, nur 39 Sekunden lagen zwischen den Beben, 20 Nachbeben folgten. Gesundheitsminister Carlos Alvarado sprach am späten Abend von mindestens 235 Toten und mehr als 4'300 Verletzten. Rund 10'000 Personen gelten laut örtlichen Behörden als vermisst, etwa 250 Gebäude wurden zerstört. Am stärksten betroffen ist der Grossraum Caracas, aus dem eingestürzte Häuser gemeldet werden. Es war das heftigste Beben in dem Land seit mehr als einem Jahrhundert. Das Beben kommt weniger als sechs Monate nach der Festnahme des damaligen Präsidenten Nicolás Maduro durch US-Streitkräfte, die das Land in eine Phase politischer Unsicherheit gestürzt hatte. Knapp 50 Einsatzkräfte des deutschen Technischen Hilfswerks (THW), darunter vier Rettungshundeführer mit Hunden, fliegen am Freitagmorgen vom Fliegerhorst Wunstorf aus mit einer Bundeswehrmaschine in das Katastrophengebiet. THW-Präsidentin Sabine Lackner erklärte in Köln, die ersten 72 Stunden nach einem Beben seien entscheidend, um Überlebende zu bergen. Auch die USA stellten nach Angaben von US-Aussenministerium und Regionalkommando Southcom ein amphibisches Transportschiff, ein Küstenkampfschiff und Transportflugzeuge bereit, dazu 150 Millionen Dollar humanitäre Hilfe, von denen 100 Millionen direkt an das UN-Büro für humanitäre Angelegenheiten OCHA fliessen sollen. Kanada kündigte 5 Millionen kanadische Dollar an, Mexiko und Kuba schickten ebenfalls Rettungsteams (Tagesschau, BBC, Reuters, Guardian).
Strasse von Hormus: Frachter beschossen, UN stoppt Evakuierungsplan
Im Iran-Krieg, in den die USA seit Februar 2026 verwickelt sind, greift die Krise auf die zivile Schifffahrt über. Nach dem Beschuss eines Frachters durch ein "unbekanntes Projektil" nahe der Küste des Oman hat die UNO ihren Evakuierungsplan für die Strasse von Hormus vorerst auf Eis gelegt, wie die BBC unter Berufung auf UN-Kreise meldete. Die Meerenge zwischen Iran und der arabischen Halbinsel ist eine der wichtigsten Öl- und Gasrouten der Welt; rund ein Fünftel der globalen Öl-Exporte laufen hier durch. US-Aussenminister Marco Rubio stellte weitere Gespräche in der Schweiz in Aussicht. Der Ölpreis fiel nach den Meldungen zeitweise auf das Niveau vor Kriegsbeginn zurück, weil erste Schiffe die Route wieder anliefen (BBC, NZZ, Reuters).
Danzig: EU sagt Ukraine mehr als 3 Milliarden Euro zu
Auf der Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine im polnischen Danzig hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Hilfen von mehr als 3 Milliarden Euro angekündigt, um den ukrainischen Haushalt kurzfristig zu stabilisieren. Der vor einem Jahr in Rom angekündigte Europäische Flaggschiff-Fonds sei jetzt startklar und solle in saubere Energie, Infrastruktur und wachstumsstarke Unternehmen fliessen. Bundeskanzler Friedrich Merz forderte Privatinvestoren auf, sich zu beteiligen; die EU will dafür einen gemeinsamen Risikomechanismus aufbauen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fehlte wegen eines Streits mit Gastgeber Polen über die gemeinsame Geschichte; Regierungschefin Julija Swyrydenko vertrat die Ukraine. Polens Ministerpräsident Donald Tusk sprach vor Vertretern aus 50 Ländern, darunter Argentinien, Belgien und Japan (Tagesschau).
Ebola-Notstand: Mehr als 300 Tote im Kongo, erster Fall in Frankreich
Die WHO hat den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Im Kongo sind nach offiziellen Angaben mehr als 300 Menschen an Ebola gestorben, das Virus breitet sich in mehreren Provinzen aus. Aus Frankreich wurde am Mittwoch der erste Fall gemeldet: Es handelt sich um einen Arzt, der zuvor in der Demokratischen Republik Kongo gearbeitet hatte. Das Ebolavirus gehört zu den gefährlichsten Erregern weltweit, die Sterblichkeit liegt je nach Subtyp zwischen 25 und 90 Prozent. Die Übertragung erfolgt über Körperflüssigkeiten, eine Ansteckung über die Luft gilt als unwahrscheinlich. In Kenia hat die Regierung den Bau einer von den USA geplanten Ebola-Behandlungseinrichtung gestoppt, mit Verweis auf Sicherheitsbedenken. Die WHO hat das Forschungsprogramm im ugandischen Bwindi-Wald eingestellt, nachdem die US-Regierung unter Präsident Trump die Mittel gestrichen hatte (NZZ, Guardian).
Fussball-WM: Deutschland verliert gegen Ecuador, steht aber im Sechzehntelfinal
Die deutsche Nationalmannschaft hat das letzte Vorrundenspiel der Gruppe E in New York/New Jersey mit 1:2 (1:1) gegen Ecuador verloren. Leroy Sané brachte die DFB-Elf in der 2. Minute in Führung, Nilson Angulo glich für Ecuador bereits in der 9. Minute aus, Gonzalo Plata (78.) entschied die Partie. Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte vor dem Spiel bereits als Gruppenerster festgestanden, der zwölfte Pflichtspielsieg in Serie blieb aus. Die Mannschaft trifft nun in den Sechzehntelfinals auf einen Gruppendritten. In den anderen gestrigen Spielen schlugen die Niederlande Tunesien und sicherten sich Platz eins, Japan und Schweden trennten sich unentschieden und stehen ebenfalls im Sechzehntelfinal (Tagesschau, NZZ).
Hitzewelle rollt weiter: Basel-Rekord, Paris verbietet Alkohol im Freien
Die Hitzewelle verlagert sich weiter nach Osten. In der Schweiz wurde am Donnerstag in Basel der bisherige Juni-Temperaturrekord übertroffen; der Bund warnt für weite Teile des Landes vor hohen Temperaturen und empfiehlt, anstrengende Aktivitäten in die Morgenstunden zu verlegen. In Frankreich gilt nach Berechnungen der Nachrichtenagentur AFP für 72 von 101 Départements die Alarmstufe Rot, weitere 17 stehen auf der zweithöchsten Stufe. Damit sind 51 Millionen Menschen in Frankreich von extremer Hitze betroffen. Paris hat den Verkauf und Konsum von Alkohol im öffentlichen Raum eingeschränkt, um die Rettungsdienste zu entlasten; die Temperaturen an der Atlantikküste lagen teils über 44 Grad, am Dienstag war im Landesdurchschnitt der heissste Tag seit Messbeginn im Jahr 1947 registriert worden. Der staatliche Stromkonzern EDF drosselte das Atomkraftwerk Golfech und kündigte Einschränkungen für drei weitere Werke an, weil die Wassertemperaturen der Kühlflüsse zu hoch sind; die SNCF stellte den Verkehr an der Atlantikküche tagsüber weitgehend ein. In Grossbritannien blieben am Donnerstag wegen einer roten Warnung des Met Office zahlreiche Schulen geschlossen. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus warnte, jährlich sterben weltweit rund eine halbe Million Menschen an Hitzefolgen, viele davon seien vermeidbar. Die Deutsche Bahn rechnet deutschlandweit mit Verspätungen und Streckensperrungen, das Schienennetz reagiert empfindlich auf Temperaturen über 35 Grad (NZZ, BBC, Tagesschau).
Supreme Court stützt Trumps Asylpolitik
Der Oberste Gerichtshof der USA hat der Regierung von Präsident Donald Trump zwei weitreichende Entscheidungen zugestanden. Vorläufig aufgenommene Haitianer und Syrer können ausgewiesen werden, Migranten dürfen schon vor Erreichen der Grenze zurückgewiesen werden. Das Urteil öffnet den Weg für die Abschiebung von Hunderttausenden Menschen, die teilweise seit Jahren in den USA leben. In einem zweiten Urteil bestätigte der Supreme Court Eingriffe in Trumps Zollpolitik und stärkte damit die Rolle des Kongresses in der Handelspolitik, was einer schweren Niederlage für den Präsidenten gleichkommt. Beide Entscheidungen kommen den Republikanern vor den Zwischenwahlen im November gelegen (NZZ, BBC).
Bund und Länder entlasten Kommunen um Milliardenbetrag
Nach langem Streit haben sich Bund und Länder in Berlin auf eine Finanzreform geeinigt. Künftig gilt der Grundsatz "Wer bestellt, bezahlt": Übersteigen die finanziellen Mehrkosten eines Bundesgesetzes für Länder und Kommunen zusammen 200 Millionen Euro, übernimmt der Bund 80 Prozent. Damit sollen vor allem die stark gestiegenen Sozialausgaben der Kommunen gedämpft werden. Bundeskanzler Friedrich Merz und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies sprachen von einem fairen Ausgleich. Rheinland-Pfalz Ministerpräsident Gordon Schnieder schätzt das Entlastungsvolumen im Jahr 2027 auf etwa 3 Milliarden Euro, mit steigender Tendenz. Die Regelung gilt ab dem 1. September (Tagesschau).
Gutachten: AfD verstösst gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung
Die zivilgesellschaftliche Organisation Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) hat nach 13-monatiger Arbeit ein Rechtsgutachten vorgelegt, das der AfD Verstösse gegen das Demokratieprinzip und die Menschenwürde attestiert. Acht Experten werteten Reden, Parlamentsprotokolle und Social-Media-Posts aus und listeten 220 Einzelbelege auf. Projektleiter Bijan Moini erklärte, ein AfD-Verbotsantrag hätte "nach unserer Einschätzung wahrscheinlich Erfolg". Die Gutachter sehen einen "ethnisch-kulturellen Volksbegriff" als Kern der Partei. Kritik übten sie am Bundesamt für Verfassungsschutz, das eine "Verächtlichmachung des Parlamentarismus" festgestellt hatte; eine generelle Ablehnung der Demokratie sehen sie aber nicht als erwiesen (Tagesschau).
Merck übernimmt US-Laborausrüster für 10 Milliarden
Der deutsche Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck hat die Übernahme eines US-Laborausrüsters angekündigt. Die Transaktion hat ein Volumen von 10 Milliarden Dollar. Der Zukauf soll das Geschäft mit Laborausrüstung stärken, in dem Merck bisher weniger stark aufgestellt ist als in den Sparten Healthcare und Life Science. Die Billigung durch die Aufsichtsbehörden wird im ersten Halbjahr 2027 erwartet. Die Billigfluggesellschaft Easyjet hat unterdessen ein Übernahmeangebot eines US-Investors einstimmig abgelehnt (NZZ).
Schweizer Ausblick: Schulen reagieren auf die Hitze
Im Zürcher Volksschulgesetz ist Hitzefrei nicht vorgesehen, doch immer mehr Schulen reagieren mit Sonderregelungen auf die hohen Temperaturen. Am Donnerstag stellten mehrere Schulen den Unterricht am Nachmittag ein, verlegten ihn in kühlere Räume oder schickten die Kinder früher nach Hause. Die Pädagogen begründen den Schritt mit dem Schutz der Lehrpersonen und Kinder. Die Bildungsdirektion des Kantons Zürich sieht darin einen Konflikt mit dem Schulrecht und hat auf das Fehlen einer gesetzlichen Grundlage hingewiesen. Der Kanton empfiehlt den Schulen, hitzetaugliche Kleidung zu tragen, den Unterricht an heissen Tagen zu entschleunigen und Trinkpausen einzuplanen. Die Schulpflegen mehrerer Gemeinden haben in den vergangenen Tagen unabhängig voneinander über ähnliche Massnahmen entschieden, was den Druck auf die Bildungsdirektion erhöht, eine einheitliche Regelung zu schaffen (NZZ).
Bundestag diskutiert über die Widerspruchsregelung bei Organspende
In Deutschland warten mehr als 8'000 Menschen auf ein Spenderorgan, jeden Tag sterben einige von ihnen. Der Bundestag hat am Donnerstagabend offen über eine mögliche Widerspruchsregelung debattiert: Erwachsene gelten dann grundsätzlich als Organspender, sofern sie nicht zu Lebzeiten aktiv widersprochen haben. Befürworter wie die CDU-Abgeordnete Gitta Connemann verweisen auf den Erfolg der Regelung in den meisten europäischen Nachbarländern. Kritiker wie die Grünen-Abgeordnete Kirsten Kappert-Gonther halten dagegen: "Schweigen ist keine Zustimmung". Der Fraktionszwang war für die ethische Debatte aufgehoben (Tagesschau).
Die Märkte heute
Gold notiert nach dem Rutsch der vergangenen Handelstage bei 4'008 Dollar pro Unze, ein Minus von 4,15 Prozent seit Mittwoch. Der breite MSCI World Index verliert 1,56 Prozent auf 4'746 Punkte, getrieben von Sorgen um die globale Konjunktur und der anhaltenden Unsicherheit im Nahen Osten. Bitcoin fällt um 3,63 Prozent auf 58'479 Dollar und bleibt unter der Marke von 60'000 Dollar. Der Euro notiert zum Franken bei 0,9223, der US-Dollar bei 0,8132, beide EZB-Referenzkurse gelten seit Mittwochabend. Der Franken profitiert weiter von der Rolle als sicherer Hafen in einem unsicheren Marktumfeld (Stand: 26.06.2026, 03:00 UTC).
Ausblick auf den Tag
Heute Vormittag veröffentlicht das Statistische Bundesamt die Ifo-Geschäftsklimadaten für Juni, am Nachmittag sprechen Vertreter der US-Notenbank zu Konjunkturaussichten. In den Schweizer Alpen gilt verbreitet Warnstufe 3 vor Waldbrandgefahr, die Kantone Tessin und Graubünden haben zusätzliche Feuerverbote im Freien erlassen. Bei Temperaturen bis 38 Grad empfiehlt das Bundesamt für Umwelt, anstrengende Aktivitäten in die Morgenstunden zu verlegen und ausreichend zu trinken. Am späten Abend trifft sich der UN-Sicherheitsrat zu einer Sondersitzung zur Lage in Venezuela, Russland hat eine Erklärung zur humanitären Hilfe beantragt. In Danzig endet heute die Wiederaufbaukonferenz mit einer Abschlusserklärung, in Genf beginnen die indirekten Gespräche zwischen US-Vertretern und Iran unter Vermittlung der Schweiz. Wir melden uns um 12 Uhr mit dem Mittags-Update.