Beben in Caracas, Zolldeal in Luxemburg, Hitzewelle
Venezuela von zwei schweren Erdbeben erschüttert, EU macht Weg für Handelsabkommen mit den USA frei, Schweizer SMI auf Rekordhoch.
1|# Beben in Caracas, Zolldeal in Luxemburg, Hitzewelle 2| 3|Zwei schwere Erdbeben erschüttern Venezuela, die EU macht den Weg für den Handelsdeal mit den USA frei, und die Deutsche Bahn reagiert auf die Hitzewelle: das Mittags-Update. 4| 5|Venezuela ist in der Nacht auf Donnerstag von zwei schweren Erdbeben getroffen worden. Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke des ersten Bebens mit 7,2 an, das zweite, 39 Sekunden später folgende Beben erreichte 7,5. Nach Regierungsangaben starben mindestens 32 Menschen, rund 700 wurden verletzt. Die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodrígüz rief den Notstand aus und wandte sich in einer landesweit übertragenen Ansprache an die Bevölkerung. Epizentrum des ersten Bebens lag rund 24 Kilometer östlich von San Felipe im Bundesstaat Yaracuy, in einer Tiefe von 21,9 Kilometern. Das zweite Beben ereignete sich nahe der Küste in nur etwa 10 Kilometern Tiefe, was die Zerstörung verstärkte. Auch in Caracas, etwa 160 Kilometer entfernt, stürzten Gebäude ein, der Zugverkehr im Land wurde eingestellt, der internationale Flughafen der Hauptstadt wegen Schäden geschlossen. Bisher wurden mehr als 20 Nachbeben registriert. Allein in der Stadt Tucacas an der Karibikküste werden 15 Menschen unter den Trümmern eines fünfstöckigen Gebäudes vermutet, wie Gouverneur Víctor Clark dem Sender VTV sagte. Die USGS rechnet in einer Modellrechnung mit mehreren Tausend Toten. In Caracas rief Rodrígüz das gesamte Gesundheitspersonal auf, sich an die Arbeitsplätze zu begeben. US-Präsident Donald Trump sagte dem Land Hilfe zu, Aussenminister Marco Rubio kündigte Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre Hilfe an. El Salvador schickt nach Angaben von Präsident Nayib Bukele 300 Rettungskräfte und Sanitäter sowie 50 Tonnen Hilfsgüter. Auch aus Brasilien, Ecuador, Mexiko, Indien, China und Katar ist Hilfe unterwegs (Tagesschau, Reuters). 6| 7|In Washington haben die USA am Mittwochabend (Ortszeit) die Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeit eröffnet. Hauptredner war Präsident Trump, nachdem mehrere Musiker ihre Auftritte wegen der politischen Ausrichtung der Veranstaltung abgesagt hatten. Nach Schätzungen der ARD-Korrespondenten kamen zwischen 5'000 und 10'000 Besucher auf die National Mall, deutlich weniger als erwartet. Trump nutzte die Rede für seine üblichen Themen: Einwanderung, Energie, die Umbenennung des Golfs von Mexiko. Das mehrtägige Programm unter dem Titel "Great American State Fair" umfasst Rodeo-Shows, christlich-patriotische Feiern und ein Autorennen mitten in Washington. Am 4. Juli ist das grösste Feuerwerk der Landesgeschichte geplant. Kritiker werfen der Veranstaltung eine einseitige Ausrichtung auf das weisse, ländliche Amerika vor (Tagesschau, ARD Washington). 8| 9|In Luxemburg haben die EU-Mitgliedstaaten am Donnerstag das finale grüne Licht für das Handelsabkommen mit den USA gegeben. Damit kann die EU die Zölle auf US-Industriegüter abschaffen und amerikanischen Meeresfrüchten sowie Agrarprodukten besseren Marktzugang gewähren. Das EU-Parlament hatte bereits am 16. Juni zugestimmt. Trump hatte der EU zuvor mit "deutlich höheren" Zöllen gedroht, sollte sie nicht bis zum 4. Juli handeln. Im Gegenzug gilt für die meisten EU-Waren in den USA ein Zoll von höchstens 15 Prozent. Die USA sollen bis Jahresende Zölle auf Waschmaschinen und Produkte mit Stahlanteil auf maximal 15 Prozent reduzieren, aktuell verlangen sie hier oft 50 Prozent. Das Abkommen enthält ein festes Ablaufdatum am 31. Dezember 2029. Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses im EU-Parlament, sagte, so verhindere man, dass die Zugeständnisse dauerhaft zur Normalität würden. Die Schweiz war im November 2025 mit den USA einen ähnlichen Deal eingegangen, der die ursprünglichen Strafzölle von 39 auf 15 Prozent senkte (NZZ, dpa). 10| 11|Die Deutsche Bahn hat wegen der anhaltenden Hitzewelle erstmals eine kostenlose Stornierungsmöglichkeit eingeführt. Reisende, die ihre Fahrt nicht antreten wollen, erhalten den Ticketpreis vollständig zurück. Die Sonderkulanz gilt für Fahrten bis kommenden Dienstag, die bis zum 23. Juni gekauft wurden, auch für Spar- und Supersparpreis-Tickets. Digitale Tickets können online storniert werden, analoge Tickets an DB-Verkaufsstellen. Die Bahn begründete den Schritt mit der Belastung der Infrastruktur: Weichen sowie Leit- und Sicherheitstechnik können bei stundenlanger Sonneneinstrahlung Schaden nehmen, hinzu kommt das Risiko von Böschungsbränden. Auch die SBB in der Schweiz rechnet mit Einschränkungen im Betrieb, wie sie am Mittwoch mitgeteilt hatte (Tagesschau, SBB). 12| 13|Die deutsche Börse ist am Donnerstag ruhig in den Handel gestartet. Der DAX eröffnete mit einem Plus von 0,1 Prozent auf 24.780 Punkte, nachdem er tags zuvor 0,6 Prozent auf 24.740 Punkte verloren hatte. Die 25'000-Punkte-Marke bleibt eine hohe Hürde. Anleger halten sich vor den am Nachmittag erwarteten US-Inflationsdaten (PCE-Index) zurück. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh hatte auf der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses mit falkenhaften Aussagen überrascht; der Markt preist inzwischen mehr als einen Zinsschritt bis Jahresende ein. Für Entlastung sorgten die Quartalszahlen des US-Speicherchipherstellers Micron. Der Konzern hatte den Umsatz im dritten Geschäftsquartal auf mehr als 40 Milliarden Dollar verfünffacht, unter dem Strich blieben gut 28 Milliarden Dollar Gewinn. Für das vierte Quartal rechnet Micron mit rund 50 Milliarden Dollar Umsatz. Marktexperte Andreas Lipkow von CMC Markets sprach von Zahlen, die selbst die kühnsten Erwartungen übertroffen hätten. Derweil fielen die Ölpreise: Brent verbilligte sich um 1,5 Prozent auf 72,60 Dollar je Barrel, WTI gab 1,4 Prozent auf 69,37 Dollar nach, ausgelöst durch die geopolitische Entspannung in der Strasse von Hormus (Tagesschau, Helaba). 14| 15|In den USA hat am Mittwoch der Vorverkauf für "Grand Theft Auto VI" begonnen. Seit Mitternacht können Käuferinnen und Käufer in Deutschland Vorbestellungen aufgeben. Der Europapreis liegt bei rund 80 Euro, eine befürchtete Preisexplosion blieb damit aus. Der Release ist für den 19. November geplant. Zunächst erscheint das Spiel nur für PlayStation 5 sowie Xbox Series X und S, eine PC-Version wurde nicht angekündigt. Branchenbeobachter erwarten, dass "GTA VI" das teuerste Unterhaltungsprodukt der Geschichte werden könnte, das Budget soll bei deutlich mehr als einer Milliarde Dollar liegen. Der Vorgänger "GTA V" wurde laut Hersteller Rockstar Games mehr als 200 Millionen Mal verkauft. Allerdings gibt es Kritik: physische Box-Versionen sollen zunächst nur einen Download-Code enthalten (Tagesschau). 16| 17|Die Fussball-WM in Kanada, Mexiko und den USA ist in ihre heisse Phase eingetreten. Südafrika hat mit einem 1:0 gegen Südkorea erstmals in seiner Geschichte die K.-o.-Phase eines Weltturniers erreicht. Das entscheidende Tor erzielte Thapelo Maseko in der 63. Minute. Trainer Hugo Broos trifft mit seinem Team am Sonntag in Inglewood bei Los Angeles auf den Co-Gastgeber Kanada. Mexiko gewann am Mittwoch im legendären Aztekenstadion 3:0 gegen Tschechien und beendete die Vorrunde mit der maximalen Punkteausbeute. WM-Debütant Mateo Chavez traf in der 55. Minute, Julián Quiñones erhöhte sechs Minuten später, Álvaro Fidalgo in der Nachspielzeit. Damit ist Tschechien ausgeschieden, Trainer Miroslav Koubek will dennoch im Amt bleiben: "Ich habe einen Vertrag und ich gebe nie auf", sagte der 74-Jährige. In der Gruppe C sicherte sich Brasilien mit einem 3:0 gegen Schottland den Gruppensieg vor Marokko, das Haiti mit Mühe 4:2 besiegte. Jürgen Klopp hat am Rande des Turniers ein Interview mit der Deutschen Welle abgebrochen, als er auf Aussagen von Bastian Schweinsteiger zum "afrikanischen Fussball" angesprochen wurde. Klopp verliess die Interviewsituation mit den Worten: "Gott sei Dank dachte ich, niemand würde mich dazu befragen". Schweinsteiger hatte das Spiel der deutschen Gruppengegner Elfenbeinküste zuvor als "bisschen afrikanischen Fussball" beschrieben, der "manchmal wild" sei, und war dafür kritisiert worden. Deutschland spielt heute Abend in East Rutherford gegen Ecuador, Bundestrainer Julian Nagelsmann kündigte nur erzwungene Wechsel an, Deniz Undav bleibt auf der Bank (NZZ Sportredaktion). 18| 19|In der Schweiz ist die Geburtenrate im vergangenen Jahr zum vierten Mal in Folge gesunken. Laut Bundesamt für Statistik wurden 2025 durchschnittlich nur noch 1,28 Kinder pro Frau geboren. Eine neue Studie des Versicherers Swiss Life zeigt die Gründe: Über die Hälfte der kinderlosen Personen zwischen 18 und 45 Jahren will keine Familie gründen. Knapp 40 Prozent der Befragten nennen die finanzielle Belastung als Hindernis, etwa ein Drittel die Schwierigkeit, Beruf und Familie zu vereinbaren. Die Studie zeigt zudem grosse geschlechtsspezifische Unterschiede: Mütter verrichten laut Swiss Life bis zu 65 Stunden unbezahlte Arbeit pro Woche, Väter bis zu 42. 45 Prozent der Befragten glauben, dass vor allem Frauen den Kinderwunsch in einer Partnerschaft trügen. Für die Altersvorsorge und die Sozialversicherungen hat der Trend erhebliche Folgen (NZZ, Swiss Life Studie). 20| 21|Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag ein neues Rekordhoch erreicht. Der SMI stieg im Verlauf auf den höchsten Stand seiner Geschichte. Damit setzt der Leitindex seine Erholung der vergangenen Wochen fort. Die Schweizer Grossbank UBS hat zudem das Bocken-Areal in Horgen an den Versicherer Swiss Life verkauft. Easyjet hat unterdessen ein Angebot eines US-Investors abgelehnt, wie aus einer Kurzmeldung der NZZ Bellevü hervorgeht (NZZ Bellevü). 22| 23|Die Hitze hält Europa weiter im Griff. Die Klima-Faktenchecker der ARD wiesen am Donnerstag darauf hin, dass in sozialen Medien alte Zeitungsschlagzeilen und irreführende Behauptungen kursieren, mit denen Leugner des menschengemachten Klimawandels die Hitzewelle relativieren wollen. Eines der meistgeteilten Bilder zeigt angeblich eine Hitzemeldung aus dem Jahr 2003; die Aufnahme stammt jedoch aus dem Archiv der "Bild"-Zeitung von 2015. Die Deutsche Bahn hatte zuvor eine kostenlose Stornierungsmöglichkeit für Fahrten bis kommenden Dienstag eingeführt, weil die Infrastruktur unter den Temperaturen leidet (Tagesschau Faktenfinder). 24| 25| 26| 27|Philippe Sands erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Der britische Jurist und Autor werde für sein Engagement für die Menschenrechte und das Völkerrecht ausgezeichnet, teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Donnerstag in Frankfurt mit. Die Verleihung findet am 18. Oktober in der Paulskirche statt (NZZ Kultur). 28| 29|## Die Märkte heute 30| 31|Der Schweizer Franken zeigt sich am Mittag robust: 1 Euro kostet 0,9216 Franken, 1 US-Dollar 0,8127 Franken (Referenzkurs EZB Frankfurt vom Vortag). Der MSCI World notiert bei 4.754 Punkten, ein Minus von 1,41 Prozent gegenüber dem Vortag. Gold gibt um 4,14 Prozent auf 4.008,60 Dollar pro Unze nach. Bitcoin verliert 1,74 Prozent auf 61.625 Dollar. Die Kurse wurden um 09:00 UTC abgerufen (Quelle: recherche/marktdaten.json). 32| 33|Am Schweizer Aktienmarkt hat der SMI im Verlauf ein Rekordhoch erreicht. Die Volatilität am Schweizer Optionsmarkt blieb moderat. Am Devisenmarkt zeigt sich der Franken gegenüber dem Euro praktisch unverändert, gegenüber dem Dollar minimal stärker als am Vortag. Der Goldpreis hat in den vergangenen Handelstagen deutlich nachgegeben. Bitcoin bleibt unter dem Niveau der letzten Wochen. Die Marktstimmung wird weiterhin von der Geldpolitik der grossen Notenbanken und der Entwicklung der Weltkonjunktur geprägt (Marktdaten). 34| 35|## Ausblick 36| 37|Am Nachmittag richtet sich die Aufmerksamkeit auf den PCE-Preisindex der US-Notenbank Fed, der um 14:30 Uhr MESZ veröffentlicht wird. Die Daten gelten als wichtigster Inflationsindikator für die Geldpolitik. Sollte die Teuerung stärker als erwartet ausfallen, rechnen Händler mit Verlusten an den US-Börsen und einem weiteren Anstieg der Renditen. In Venezuela laufen die Rettungsarbeiten weiter. Die EU bereitet die Veröffentlichung des Handelsabkommens im Amtsblatt vor. In Deutschland trifft die DFB-Elf am späten Abend in East Rutherford auf Ecuador. Am späten europäischen Abend beginnen die letzten WM-Gruppenspiele mit der Partie Niederlande gegen Tunesien.