Nacht der Entscheidungen: Hitzerekord, Iran-Gespräche und ein SMI-Rekord
Morgen-Briefing für Donnerstag, den 25. Juni 2026: Schweizer Nati als Gruppenerster, Senat gegen Trump im Iran-Konflikt, und Basel am Hitzerekord.
Nacht der Entscheidungen: Hitzerekord, Iran-Gespräche und ein SMI-Rekord
Der Morgen-Briefing für Donnerstag, den 25. Juni 2026.
Die Nacht brachte Bewegung in mehreren Dossiers gleichzeitig. In Basel steht ein neuer Juni-Hitzerekord bevor, in Washington stimmte der Senat gegen das Iran-Vorgehen von Präsident Donald Trump, und die Schweizer Börse hat erstmals die Marke von 14'000 Punkten überschritten. Die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft ist nach einem 2:1 gegen Kanada Gruppenerster, der OpenAI-Chip Jalapeño wurde gemeinsam mit Broadcom vorgestellt, und in Bern streiten Bundesrat und SP über die Finanzierung der Patriot-Luftabwehr. Die wichtigsten zwölf Signale des Morgens im Überblick.
Schweizer Nati sichert sich den Gruppensieg
Die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft hat am Mittwochabend in Vancouver Kanada mit 2:1 geschlagen und sich damit den ersten Platz in Gruppe B der Fussball-WM 2026 gesichert. Der 21-jährige YB-Stürmer Thibault Manzambi erzielte erneut ein Tor, zudem traf Remo Vargas vom FC Augsburg. Granit Xhaka dirigierte das Mittelfeld und liess sich auch von Pfiffen gegen Goalie Gregor Kobel nicht aus der Ruhe bringen. Die Partie begann aus Schweizer Sicht optimal, nach dem Doppelschlag zur 2:0-Führung brachte Kanada aber nochmals Spannung in die Schlussphase. Als Gruppenerster trifft die Schweiz im Sechzehntelfinal am Donnerstag um 5 Uhr Schweizer Zeit auf einen noch zu ermittelnden Gegner. Mögliche Kontrahenten sind Brasilien oder Uruguay. Für die Schweizer Fans bedeutet das eine ungewöhnlich frühe Spielzeit, die Partie wird live auf SRF 2 übertragen (SRF, NZZ, Tages-Anzeiger).
SMI knackt erstmals die 14'000-Punkte-Marke
Der Swiss Market Index ist am Mittwochmittag erstmals über die Marke von 14'000 Punkten gestiegen und hat damit ein neues Rekordhoch erreicht. Der Leitindex der Schweizer Börse legte im Verlauf des Nachmittags weiter zu, gestützt auf positive Vorgaben aus den USA, einen festeren Euro und die Hoffnung auf neue Iran-Gespräche in Genf. Besonders die Schwergewichte Nestlé und Novartis profitierten. Auf Wochensicht steht der SMI damit deutlich im Plus. Marktbeobachter führen den Anstieg auch auf die Suche nach sicheren Häfen in einem unsicheren geopolitischen Umfeld zurück, wobei der Franken für ausländische Investoren derzeit besonders attraktiv wirkt (20 Minuten, finanzen.ch).
Bundesrat will Mehrwertsteuer nur um 0,5 Prozentpunkte erhöhen
Die Landesregierung beantragt für die Armeefinanzierung eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,5 Prozentpunkte und nicht, wie ursprünglich diskutiert, um 1 Prozentpunkt. Das geht aus dem am Mittwoch vorgestellten Armeefinanzierungs-Paket hervor. Die Patriot-Luftabwehr soll schneller beschafft werden, parallel dazu prüft der Bund europäische Alternativen wie SAMP/T oder IRIS-T SLM. Finanzministerin Karin Keller-Sutter präsentiert am Donnerstag zudem das Budget 2027, das einen unerwarteten Steuerüberschuss aufweist. Der Armee sollen so zusätzliche Mittel zufliessen, ohne die Schuldenbremse auszuhebeln. Die SP Schweiz kritisiert die Vorlage scharf als Umverteilung an die Rüstungsindustrie und fordert stattdessen Investitionen in die zivile Sicherheit. Die Vorlage wird nun im Parlament beraten (SRF, NZZ, Watson, Aargauer Zeitung).
OpenAI und Broadcom präsentieren KI-Chip Jalapeño
OpenAI hat am Mittwochabend gemeinsam mit dem Chiphersteller Broadcom den ersten eigenen Inferenzchip mit dem Namen Jalapeño vorgestellt. Der Chip ist speziell für die Verarbeitung grosser Sprachmodelle ausgelegt und soll in den nächsten Jahren schrittweise in den OpenAI-Rechenzentren ausgerollt werden. Ab Ende 2026 sollen die Inferenzkosten um bis zu 50 Prozent sinken, wie das Unternehmen ankündigte. Die Broadcom-Aktie legte nach der Vorstellung an der Wall Street um 3,4 Prozent zu. Der Schritt ist Teil einer breiten Offensive der grossen KI-Konzerne, sich aus der Abhängigkeit vom Chip-Giganten Nvidia zu lösen, dessen Grafikprozessoren aktuell noch den Standard für KI-Training darstellen. OpenAI hatte bereits im Juni einen S-1-Börsenprospekt bei der US-Börsenaufsicht SEC vertraulich eingereicht, der Gang an die Börse wird für Anfang 2027 erwartet (heise online, The Decoder, Investing.com, aktien.news).
US-Senat fordert Ende der Angriffe auf Iran
Der US-Senat hat am Dienstagabend mit einer parteiübergreifenden Resolution ein Ende der amerikanischen Militäroperationen gegen Iran verlangt. Die Resolution wurde mit Unterstützung mehrerer Senatoren aus Trumps eigener Republikanischer Partei verabschiedet. Sie ist zwar nicht bindend, gilt aber als deutlicher Dämpfer für Präsident Donald Trump, der die Angriffe als Reaktion auf iranische Sperrungen der Strasse von Hormus gerechtfertigt hatte. Beobachter werten die Resolution als Zeichen, dass der Kongress die Eskalationsdynamik im Nahen Osten mit wachsender Sorge beobachtet. Nach ersten Angaben votierten mehrere republikanische Senatoren mit der Demokratischen Partei (Handelsblatt, DW, ZEIT, Telepolis).
Neue Verhandlungen zwischen USA und Iran in der Schweiz
US-Aussenminister Marco Rubio hat für die kommende Woche neue technische Gespräche zwischen den USA und Iran am Verhandlungstisch in der Schweiz in Aussicht gestellt. Hintergrund ist die wiederholte Sperrung der Strasse von Hormus durch iranische Kräfte, die laut Allianz zur Folge hat, dass über 1'000 Schiffe im Persischen Golf festliegen. Am 24. Juni passierten lediglich 72 Schiffe die Meerenge, wie aus Schifffahrtsdaten hervorgeht. Die UNO plant unterdessen die Evakuierung von rund 11'000 Seeleuten aus der Region. Der Bürgenstock-Gipfel von Mitte Juni, an dem Vertreter der USA und Irans unter Vermittlung der Schweiz zusammenkamen, war von Vizepräsident J.D. Vance als Erfolg gefeiert worden (SRF, SWI swissinfo.ch, Tages-Anzeiger, Spiegel).
Basel steht vor neuem Juni-Hitzerekord
In Basel wurden am Mittwoch 39 Grad gemessen, womit die Schweiz nur knapp am bisherigen Juni-Hitzerekord von 39,7 Grad aus dem Jahr 1947 vorbeischrammte. MeteoSchweiz spricht von einer ungewöhnlich langen und frühen Hitzewelle, vergleichbare Phasen gab es zuletzt 2003 und 2019. Der Höhepunkt wird laut Prognosen am Donnerstag und Freitag mit Temperaturen von bis zu 37 Grad in den Tieflagen und bis zu 39 Grad in Basel erwartet. In den Alpen oberhalb von 2'000 Metern bleibt es winterlich, in tieferen Lagen gilt verbreitet Hitzewarnung der Stufe 4. MeteoSchweiz empfiehlt, schwere körperliche Arbeit im Freien zu vermeiden und ausreichend zu trinken (NZZ, SRF, MeteoSchweiz, Basler Zeitung).
Audrey Werro läuft Europarekord über 600 Meter
Die 21-jährige Freiburgerin Audrey Werro hat am Dienstagabend in Biel einen Europarekord über 600 Meter aufgestellt. Die genaue Zeit steht noch aus offizieller Bestätigung durch World Athletics, dürfte aber unter der bisherigen Bestmarke liegen. Werro hatte bereits in den vergangenen Wochen mit starken Leistungen über 800 Meter auf sich aufmerksam gemacht und gehört zu den grossen Hoffnungen der Schweizer Leichtathletik. Sie ist Teil des Schweizer Aufgebots für die Leichtathletik-EM in Zürich Anfang Juli, wo sie über 800 Meter antreten wird (SRF, Blick, sport.ch, HDSports.at).
Denner verliert Verkaufschef
Beim Schweizer Discounter Denner, einer Tochter des Migros-Genossenschafts-Bundes, herrscht weiter Unruhe. Nun verlässt Verkaufschef Christoph Staub das Unternehmen, wie die Aargauer Zeitung am Mittwoch berichtete. Es ist bereits der zweite Abgang in der Geschäftsleitung in diesem Jahr. Migros-Chef Mario Irminger hatte vor der 10-Millionen-Initiative gewarnt, die den Detailhandel weiter unter Druck setzen würde. Aktionär Philippe Gaydoul, Sohn von Denner-Gründer Karl Gaydoul, hatte zuletzt die veraltete Filialstruktur kritisiert und eine Modernisierung der rund 240 Denner-Filialen gefordert. Denner gehört seit 2007 zum Migros-Genossenschafts-Bund und betreibt Filialen in der Deutschschweiz und der Romandie (Aargauer Zeitung, NZZ, bilanz.ch).
Tour de Suisse endet mit Pogačar-Triumph
Tadej Pogačar hat die Tour de Suisse 2026 nach einer dominanten Vorstellung in der Gesamtwertung gewonnen. Der Slowene vom Team UAE Emirates sicherte sich den Gesamtsieg am vergangenen Wochenende nach einer starken Bergetappe im Tessin. Pogačar hatte bereits zu Beginn der Rundfahrt Akzente gesetzt und seinen Vorsprung in den Bergen kontinuierlich ausgebaut. Insgesamt hatte die diesjährige Austragung mit Bergetappen und einem Zeitfahren wieder ein hochkarätiges Starterfeld, das internationale Spitzenfahrer anzog. Schweizer Hoffnungen trugen nicht in den Spitzenrang, Curdin Orlik fällt mit einer Schulterverletzung für mehrere Monate aus (Karlobag.eu, Tour de Suisse, Tages-Anzeiger).
Verhandlungen über Patriot-Beschaffung parallel zu europäischen Alternativen
Der Bundesrat verfolgt bei der Beschaffung der Patriot-Luftabwehrsysteme eine Doppelstrategie. Einerseits werden die bereits 2022 angekündigten Patriots aus den USA schneller als geplant beschafft, möglicherweise schon ab 2027 statt erst 2028. Andererseits prüft der Bund europäische Alternativen wie das System SAMP/T von Eurosam aus Frankreich-Italien oder das deutsche IRIS-T SLM von Diehl Defence, um die Abhängigkeit von einem einzelnen Hersteller zu reduzieren. Patriot gilt als eines der modernsten Systeme der Welt, ist aber politisch umstritten, da es US-Komponenten enthält und Souveränitätsfragen aufwirft. Die Diskussion ist Teil einer breiteren Debatte über die Schweizer Rüstungsbeschaffung im Lichte des Ukraine-Kriegs (NZZ, Watson, 20 Minuten, SRF).
Wirtschaft: Negativzinsen in der Schweiz wieder im Gespräch
Die Schweizerische Nationalbank könnte nach Einschätzung der Finanz und Wirtschaft angesichts der sich abschwächenden Konjunktur und der EZB-Zinswende erneut über Negativzinsen diskutieren. Hintergrund ist, dass der Schweizer Franken zuletzt wieder an Stärke gewann, was den Exporteuren aus der Maschinen-, Uhren- und Pharma-Industrie zusetzt. Die ZKB rechnet für 2026 mit einer Schweizer Inflation von rund 1,1 Prozent, was der SNB Spielraum für geldpolitische Lockerungen gäbe. Die nächste SNB-Sitzung findet am 19. September statt. Einige Beobachter halten einen erneuten Schritt in den Negativbereich für wahrscheinlich, sollte der Franken weiter unter 0,92 Franken pro Euro fallen (Finanz und Wirtschaft, NZZ, ZKB).
Die Märkte heute
Zum Stand bei Redaktionsschluss: Der MSCI World steht bei 4'750 Punkten, ein Minus von 1,75 Prozent auf Wochensicht (Yahoo Finance). Gold kostet 3'999 US-Dollar pro Unze, ein Tagesverlust von 5,3 Prozent (Yahoo Finance). Bitcoin wechselt bei 60'657 US-Dollar den Besitzer, minus 3,1 Prozent innert 24 Stunden (CoinGecko). Der Euro notiert bei 0,9216 Franken, der US-Dollar bei 0,8127 Franken (EZB-Referenz 24.06.). Der Devisenmarkt zeigt sich volatil wegen der Iran-Lage. An den US-Märkten öffnen die Börsen um 15:30 Uhr Schweizer Zeit nach dem Mittags-Update dieser Redaktion.
Ausblick auf den Tag
Am Donnerstag stehen mehrere Termine an, die Märkte und Politik gleichermassen beschäftigen dürften. Finanzministerin Karin Keller-Sutter präsentiert das Budget 2027 des Bundes, der SMI könnte nach dem Rekordhoch weiter zulegen oder eine Korrektur einleiten. In Vancouver beginnt um 5 Uhr Schweizer Zeit das Sechzehntelfinal der Schweizer Nati gegen einen noch unbekannten Gegner, mögliche Lose sind Brasilien oder Uruguay. In der Schweiz erreicht die Hitzewelle ihren Höhepunkt, MeteoSchweiz rechnet mit bis zu 37 Grad in den Tieflagen und bis zu 39 Grad in Basel. International bleiben die Entwicklungen im Nahen Osten das dominierende Thema: Sollte sich die Lage in der Strasse von Hormus weiter zuspitzen, dürfte der Ölpreis am Nachmittag stärker reagieren. An den US-Märkten öffnen die Börsen um 15:30 Uhr Schweizer Zeit, mit Spannung werden die Inflationsdaten vom Freitag erwartet.