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Hitze, Stromausfall und ein Machtwort im Senat

Iran-Resolution im US-Senat, Rekordhitze in Europa, Bern erhöht die Mehrwertsteuer für die Armee.

Von der MacherPost-Redaktion 24.06.2026, 16:00 ♪ 15 Min Audio · 1'988 Wörter
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Hitze, Stromausfall und ein Machtwort im Senat

Das bestimmende Thema dieses Mittwochs ist die Hitzewelle, die weite Teile Europas im Griff hat. Parallel verschärft sich die Auseinandersetzung um die US-Kriegsführung gegen Iran, in Bern fliesst ein Bundesfinanz-Überschuss in die Armee, und die Deutsche Bahn kämpft nach einer bundesweiten IT-Panne um Schadensbegrenzung. Hier sind die wichtigsten Signale des Tages.

US-Senat durchbricht Trumps Iran-Kurs. Mit einer Resolution entzog der Senat am Mittwoch dem Präsidenten die alleinige Kriegsvollmacht im Konflikt mit Iran. Das Votum ist überwiegend symbolisch, es erhöht aber den Druck auf das Weisse Haus, den Krieg formell zu beenden oder zumindest die Kriegsgründe offenzulegen. Der Kongress zieht damit zum ersten Mal in diesem Konflikt die Notbremse. Gleichzeitig kündigte IAEA-Chef Rafael Grossi an, dass Uno-Inspektoren iranische Atomanlagen im Rahmen eines künftigen Abkommens besuchen wollen. Ein iranischer Minister stellte allerdings Bedingungen: Zugang gebe es nur als Teil eines Enddeals mit den USA. Die USA und Iran befinden sich seit Februar 2026 im Kriegszustand, die Folgen sind weltweit spürbar. Seit dem Wochenende fahren wieder vermehrt Schiffe durch die Strasse von Hormuz, am Samstag waren es 42 Schiffe, am Dienstag mehrere Dutzend weitere. Oman richtete einen temporären, gebührenfreien Korridor durch die Meerenge ein, um den Schiffsverkehr zu erleichtern. Die iranische Protestbewegung zeigt sich nach vier Jahren Krieg und westlichem Eingreifen indes tief gespalten, viele Aktivisten ziehen sich zurück. (Reuters, BBC, NZZ)

Sewastopol nach Angriffen ohne Strom. Die grösste Stadt auf der Krim fiel am Mittwoch nach ukrainischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur teilweise aus. Der von Moskau eingesetzte Gouverneur warnte, einige Stadtteile würden bis zum Abend keinen Strom haben, darunter offenbar auch zentrale Verwaltungsgebäude. Es ist der grösste einzelne Stromausfall seit Monaten auf der Halbinsel. Separat meldet die FAZ unter Berufung auf Satellitendaten, dass eine grosse Moskauer Raffinerie nach ukrainischen Drohnentreffern bis Jahresende ausfallen dürfte. Die Treibstoffkrise greife inzwischen auf Sibirien über, weil logistische Lieferketten zusammenbrechen. Präsident Selenskyj reist unterdessen nicht zur Wiederaufbaukonferenz nach Polen, sein Büro begründete die Absage mit der angespannten Sicherheitslage. Verteidigungsminister Pistorius kündigte an, Deutschland werde notfalls zusätzliche Soldaten für Litauen verpflichten, um die Nato-Ostflanke zu stabilisieren. (BBC, FAZ, NZZ)

Hitzewelle erreicht Spanien und Frankreich. In Spanien wurden am Mittwoch die höchsten Junitemperaturen seit mehr als 70 Jahren gemessen, der spanische Wetterdienst sprach von einer aussergewöhnlichen Hitzeglocke über der Iberischen Halbinsel. Frankreich erlebte seinen heissesten Tag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, Météo-France gab für rund die Hälfte des Landes rote Warnungen aus. In der Bretagne fiel am Morgen in rund 68'000 Haushalten der Strom aus, Netzbetreiber Enedis rechnet damit, dass die Versorgung erst in der Nacht vollständig wiederhergestellt sein wird. Der Flughafen Hannover wässerte seine Landebahn, weil der Asphalt bei der Hitze weich wurde. In Frankreich wurden Abiturprüfungen verschoben, die SNCF stellte mehrere Zugverbindungen im Land teilweise ein. Auch Paris verhängte für den Mittwoch eine rote Hitzewarnung, am Quai de Jemmapes badeten Menschen im Kanal, obwohl das offiziell verboten ist. In der Schweiz gilt im Kanton Aargau ab sofort ein Feuerverbot im Freien, der Kanton Zürich rief zur Vorsicht bei Grillfeuern auf. Der Chef des Weltklimarats IPCC warnte, weitere Klimäxtreme in Europa seien zu erwarten, die Häufigkeit solcher Hitzewellen werde bis 2035 deutlich zunehmen. Die erhöhte Sterblichkeit bei älteren Menschen ist ein bekanntes Risiko: Alleinerziehende mit kleinen Kindern können sich an heissen Tagen arbeitsrechtlich schlecht schützen, auch Mieter haben kaum Anspruch auf klimatische Abkühlung. (BBC, NZZ, Spiegel, FAZ)

Erster Ebola-Fall in Frankreich. Ein französischer Arzt, der im Kongo gearbeitet hatte, ist nach seiner Rückkehr positiv auf das Ebola-Virus getestet worden. Das bestätigte das französische Gesundheitsministerium am Mittwochabend. Der Mediziner hatte beim Abflug aus Kinshasa kaum Symptome gezeigt, sein Zustand verschlechterte sich kurz nach der Landung. Er wird in einer Spezialklinik in der Region Paris behandelt. Im Kongo sind nach Uno-Angaben mehr als 260 Menschen an Ebola gestorben, der Ausbruch betrifft mehrere Provinzen. In Kenia hat die Regierung unterdessen den Bau eines Quarantänezentrums für US-Bürger auf einer Militärbasis gestoppt. Dagegen hatte es seit Wochen Proteste gegeben, ein Gericht hatte den Bau bereits untersagt, der Baustart erfolgte dennoch. (BBC, FAZ)

Bundesrat will Mehrwertsteuer für die Armee erhöhen. Der Bundesrat hat am Mittwoch beschlossen, die Mehrwertsteuer für die Landesverteidigung anzuheben, allerdings weniger stark als ursprünglich geplant. Grundlage ist ein Bundesfinanz-Überschuss, der nun verstärkt in die Armee fliessen soll. Die genauen Sätze und der Zeitplan werden an der laufenden Pressekonferenz in Bern erläutert. Im Vorfeld hatte es Kritik an der Fokussierung auf die Armee gegeben, Sozialverbände fordern, einen Teil des Überschusses in die Prämienverbilligung zu investieren. In einer separaten Debatte sorgen Vorschläge der UBS-Ökonomen zur Reform der Altersvorsorge für Verstimmung. Die Bank rät, das Dreisäulensystem grundlegend umzuarbeiten und stärker an Kapitaldeckung auszurichten. Branchenexperten halten dies nicht für die Schweizer Mentalität, der Vorschlag werde in den Branchenverbänden skeptisch aufgenommen. Vermögensverwalter wie Ethos kritisieren unterdessen die Managerlöhne: SMI-Chefs haben im vergangenen Jahr im Durchschnitt 8,4 Millionen Franken verdient, europäischer Spitzenwert. (NZZ)

Deutschland: Bahn-Chaos in der Nacht, Fregatte F126 begraben. In der Nacht auf Mittwoch legte eine IT-Störung des digitalen Zugfunks den Bahnverkehr in ganz Deutschland für rund zweieinhalb Stunden lahm. Ursache war laut Deutscher Bahn ein technischer Tausch an einer zentralen Komponente, ein Software-Update, das nicht korrekt eingespielt wurde. Tausende Reisende sassen in Zügen fest, die Bundespolizei riet von Reisen ab. Bahnchefin Evelyn Palla muss sich am Mittwoch zudem dem Verkehrsausschuss des Bundestags stellen, es geht um das Kosten- und Zeitdesaster bei Stuttgart 21. Verteidigungsminister Boris Pistorius beerdigte derweil das Fregatten-Projekt F126, das eigentliche «richtige Werkzeug» für die Marine. Das Milliardenprojekt war mehrfach gestoppt und neu aufgesetzt worden, die nun veranschlagten Kosten galten als nicht mehr vertretbar. Die Rheinmetall-Aktie brach unmittelbar nach der Meldung um 17 Prozent ein, weil das Unternehmen einer der Hauptlieferanten gewesen wäre. Die FAZ spricht von einem «Scheitern de Luxe», nun kommen zwei gescheiterte Milliarden-Rüstungsvorhaben in Serie zusammen, nach dem Kampfflugzeug FCAS nun auch die Fregatte. (FAZ, NZZ, Spiegel)

VW vor Milliarden-Deal mit Everllence. Volkswagen steht nach F.A.Z.-Informationen kurz vor dem Verkauf der Mehrheit an seiner Schiffsmotorensparte Everllence (vormals MAN Energy Solutions). Die Transaktion wäre eine der grössten deutschen Milliardendeals des Jahres. Der Verkaufserlös soll in den Umbau der VW-Sparte für autonomes Fahren und in den Ausgleich der Lasten aus der schwächelnden Kernmarke fliessen. Parallel sichert sich der Energiekonzern RWE eine Mehrheitsbeteiligung am Stromnetzbetreiber Amprion, ein überraschender Schritt, weil RWE vor Jahren das Netzgeschäft abgestossen hatte. Branchenkenner werten das als Rückkehr zu einer integrierten Energie- und Netzwertschöpfung. Derweil hat der Börsenkurs von SpaceX seit dem IPO deutlich nachgegeben, Elon Musk verlor zwischenzeitlich seinen Billionärsstatus. Der wichtigste deutsche Konjunkturindikator, das Ifo-Geschäftsklima, legte nach der Iran-Entspannung leicht zu. Die Stimmung der Unternehmen bessert sich, getrieben von der Hoffnung auf sinkende Energiepreise und stabilere Lieferketten. In der Schweiz beobachten Risikokapitalgeber aus dem Silicon Valley derweil ein wachsendes Interesse an Biotech, Robotik, Raumfahrt und Quantencomputern aus der Schweiz, berichtet die NZZ. (FAZ, Spiegel, NZZ)

Mamdani-Lager feiert Sieg in New York. Bei den demokratischen Vorwahlen in New York haben drei vom linkssozialistischen Bürgermeister Mamdani unterstützte Kandidaten das Establishment geschlagen. Besonders Aufmerksamkeit erregte das Duell zwischen Brad Lander, dem amtierenden Comptroller, und dem Amtsinhaber Dan Goldman, in dem es unter anderem um den Umgang mit dem Gaza-Krieg ging. Mamdani baut damit seinen Einfluss auf nationaler Ebene aus, sein Lager interpretiert den Sieg als Bestätigung des Kurses gegen die Biden-Generation in der Partei. Die NZZ beschreibt die Bewegung als «linker, jünger, antiisrälisch», während die BBC von einer «Clean Sweep» für Mamdanis Kandidaten spricht. (BBC, NZZ)

Fussball-WM 2026: Deschamps fehlt, Kroatien schlägt Panama. Frankreichs Trainer Didier Deschamps verpasst das Spiel gegen Norwegen am Mittwochabend wegen des Todes seiner Mutter. Er wird in dieser Partie nicht an der Seitenlinie stehen, Co-Trainer Guy Stephan übernimmt. Es geht um den Gruppensieg in Gruppe B. Im zweiten Spiel der Gruppe B gewann Kroatien nach der Auftaktniederlage gegen England mit 2:0 gegen Panama, Kapitän Luka Modrić steht vor einem Rekordspiel, Kolumbien traf am Abend auf die DR Kongo. England trennte sich am Vorabend torlos 0:0 von Ghana, ARD-Kommentator Tom Bartels kritisierte das Timing der Trinkpause als «komplett unverständlich». Die englische Mannschaft hatte zum Auftakt gegen Kroatien noch begeistert, gegen Ghana wirkte sie deutlich verhaltener, der «alte England-Fussball» schien zurück. Bei den Schweizer Auftritten sorgt Offensivspieler Johan Manzambi für Aufsehen, sein Marktwert stieg laut Schätzungen um 6500 Prozent. Im Hintergrund laufen die Diskussionen um die Leistung von Cristiano Ronaldo weiter, der gegen Usbekistan mit zwei Toren verstummen liess. Bei den deutschen Spielern wird Felix Nmecha als heimlicher Held gehandelt, er vereint Technik und Physis. Die WM läuft noch bis zum 19. Juli in den USA, Kanada und Mexiko, der nächste grosse Spieltag beginnt in der Nacht auf Donnerstag mit den entscheidenden Partien der Gruppen A, B und C. (Spiegel, FAZ, NZZ)

Kirchen-Vatikan: keine Predigt-Lockerung für Deutschland. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte beantragt, dass auch Frauen und Männer ohne Priesterweihe predigen dürfen. Der Vatikan lehnte den Antrag am Mittwoch ab. Es sei keine kirchliche Sonderregelung vorgesehen, heisst es aus Rom. Die Entscheidung gilt als Rückschlag für Reformkräfte in der deutschen katholischen Kirche, die seit Jahren auf mehr Beteiligung von Laien drängen. Die Frage bleibt offen, ob der Synodale Weg in Deutschland eigene Wege geht. (FAZ)

Esa-Teleskop Euclid zeigt Zentrum der Milchstrasse. Das europäische Weltraumteleskop Euclid hat eine der detailliertesten Aufnahmen vom inneren Bereich unserer Galaxie veröffentlicht. Das Bild zeigt Millionen Sterne im Zentrum unserer Heimatgalaxie und liefert neue Daten für die Forschung zu Schwarzen Löchern, der Sternentstehung und der Struktur des galaktischen Kerns. Das Bild soll unter anderem dabei helfen, die Existenz von Planeten in der dichten Sternenregion zu erforschen. Forscher in Mexiko berichteten unterdessen von der Entdeckung einer unberührten Maya-Stätte im Dschungel mit Palästen, Wasserkanälen und einem Enthauptungsrelief. Die Funde werden auf 2000 bis 2500 Jahre geschätzt. In Australien fanden Biologen eine Spinnenart, die besonders wehrhafte Ameisen mit einer Katapulttechnik überlistet, Forscher aus Greifswald waren an der Studie beteiligt. (Spiegel)

Operation Endgame: Microsoft und BKA zerschlagen Schadsoftware-Netz. Ermittler haben in einer international koordinierten Aktion Hunderte Server abgeschaltet, die hinter einigen der meistgenutzten Schadprogramme standen. An der Operation Endgame waren Microsoft, das BKA und weitere Strafverfolgungsbehörden aus mehreren Ländern beteiligt. Erstmals wurden in Echtzeit Daten zu laufenden Cyberangriffen ausgetauscht. In Deutschland liess der Generalbundesanwalt zudem Räume in Berlin und Frankfurt durchsuchen, ein russischer Staatsbürger steht im Verdacht, bei der geplanten Liquidation von Gazprom Germania geholfen zu haben. Der Verdacht zielt auf Sabotage der Gasversorgung. In Zweibrücken begann am Mittwoch der Prozess gegen einen Mann, der im Februar einen Zugbegleiter brutal zusammengeschlagen haben soll, der zweifache Vater starb. Der Angeklagte bat die Familie des Opfers um Vergebung. (Spiegel, FAZ)

Die Märkte heute

Der Goldpreis liegt bei 4028 US-Dollar pro Unze, ein Minus von 4,64 Prozent gegenüber dem Vortag. Der Gold-Future reagierte damit auf die Iran-Entspannung und den festeren Dollar. Der MSCI World fiel um 1,22 Prozent auf 4775,48 Punkte, getrieben von den schwachen US-Vorgaben und der Verunsicherung über die US-Iran-Politik. Bitcoin notiert bei 60'965 US-Dollar, ein Rückgang um 2,39 Prozent innerhalb von 24 Stunden, der Kurs reagierte auf die Risikoaversion am Aktienmarkt. Der Euro steht bei 0,9216 Franken, der US-Dollar bei 0,8127 Franken, beide Referenzkurse stammen von der Europäischen Zentralbank (Stand 15:00 UTC). Die grossen Verlierer im DAX waren Rüstungswerte, Rheinmetall verlor 17 Prozent nach dem Aus für die Fregatte F126. Am Anleihemarkt wirkte die Iran-Entspannung beruhigend, das Ifo-Geschäftsklima legte leicht zu. Insgesamt zeigt der Handelstag, dass die Anleger trotz erster Entspannungssignale im Nahen Osten weiter vorsichtig bleiben.

Ausblick auf Donnerstag

In der Nacht zum Donnerstag entscheiden die Gruppen A bis C der Fussball-WM über den Einzug in die K.-o.-Runde, darunter Brasilien und Tschechien. In Bern setzt der Bundesrat seine Pressekonferenz zur Armee-Finanzierung fort, in den eidgenössischen Räten werden erste Reaktionen erwartet. In Washington dürfte die formelle Unterzeichnung der Iran-Resolution den Konflikt mit dem Weissen Haus weiter zuspitzen, eine Antwort von Präsident Trump wird noch am Mittwochabend oder am Donnerstagmorgen erwartet. In Paris werden die Temperaturen erneut über 40 Grad erwartet, neue Hitzerekorde sind möglich, die Behörden prüfen weitere Schutzmassnahmen für ältere Menschen. An den Märkten dürften die Quartalszahlen aus den USA am Donnerstag im Fokus stehen.

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