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Hitze drückt aufs Land, der Iran-Krieg spaltet Washington

Der Vormittag im Überblick: Rekordtemperaturen in ganz Europa, ein seltenes Signal des US-Kongresses gegen den Iran-Kurs, ein Ausverkauf an den Tech-Börsen und das Schweizer WM-Spiel gegen Kanada in Vancouver.

Von der MacherPost-Redaktion 24.06.2026, 10:00 ♪ 15 Min Audio · 1'989 Wörter
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Hitze drückt aufs Land, der Iran-Krieg spaltet Washington

Der Vormittag im Überblick: Rekordtemperaturen in ganz Europa, ein seltenes Signal des US-Kongresses gegen den Iran-Kurs, ein Ausverkauf an den Tech-Börsen und das Schweizer WM-Spiel gegen Kanada in Vancouver.

Hitze legt den Schienenverkehr lahm

Die Hitzewelle, die Europa seit Tagen im Griff hat, trifft am Mittwoch auch die Schweizer Bahninfrastruktur. Die SBB kämpft mit ausgefallenen Klimaanlagen in Zügen und verformten Schienen, die sich bei Temperaturen von bis zu 35 Grad ausdehnen. Die Rekordwerte vom Wochenende mit 36,1 Grad in Buchs (AG) und 35,4 Grad in Delsberg (JU) markierten laut MeteoSchweiz den zweitheissesten Juni seit Beginn der Messungen vor 270 Jahren. Für Mittwoch gilt in weiten Teilen der Deutschschweiz die Warnstufe 4, in Basel werden 35,8 Grad erwartet, in Genf 36,3 Grad.

Die SBB empfiehlt Reisenden am Mittwochnachmittag, nicht zwingend notwendige Fahrten auf den frühen Morgen oder späten Abend zu verschieben. Besonders betroffen sind Strecken im Mittelland und im Jurabogen, wo sich Gleise bei direkter Sonneneinstrahlung am stärksten ausdehnen. Auf mehreren Bahnhöfen fielen die Klimaanlagen in Wartehallen aus, in Zürich HB und Bern standen nur einzelne gekühlte Bereiche zur Verfügung. Auch der Güterverkehr ist betroffen, weil die Belastungsgrenzen für die Stromabnehmer an der Oberleitung sinken.

In Frankreich sind am Dienstagabend mehrere Zehntausend Haushalte vorübergehend ohne Strom gewesen, weil Klimaanlagen und Industrie das Netz überlasteten. Die Behörden riefen für 16 Départements die höchste Hitzewarnstufe aus. Auch Deutschland erwartet am Mittwoch Werte über 35 Grad, mit ersten Engpässen im Bahnverkehr. In Spanien und Italien kletterten die Temperaturen bereits am Dienstag auf über 40 Grad.

US-Senat setzt Trump beim Iran-Kurs ein Stoppsignal

Erstmals in der laufenden Auseinandersetzung hat der US-Kongress mit einer Resolution zur Kriegsbefugnis ein politisches Zeichen gegen Präsident Donald Trump gesetzt. Der Senat stimmte am Dienstag (Ortszeit) für ein Ende der eigenmächtigen Angriffe auf Iran. Die Resolution ist rechtlich weitgehend symbolisch, weil Trump sein Veto angekündigt hat. Sie erhöht jedoch den innenpolitischen Druck auf das Weisse Haus, den seit Februar 2026 laufenden Konflikt zu beenden.

Inhaltlich verlangt die Resolution, dass jede weitere militärische Eskalation der Zustimmung des Kongresses bedarf. Sie wurde mit knapper Mehrheit und überparteilich verabschiedet. Beobachter werten das Signal als Ausdruck wachsender Sorge über die wirtschaftlichen Folgen des Krieges, insbesondere die gestiegenen Öl- und Treibstoffpreise im Inland.

Parallel dazu normalisiert sich der Schiffsverkehr in der Strasse von Hormuz wieder. Nach dem US-iranischen Abkommen durchfuhren am Samstag 42 Schiffe die Meerenge, am Dienstag kamen weitere dazu. UN-Generalsekretär António Guterres kündigte an, gestrandete Seeleute aus der Region auszufliegen. US-Aussenminister Marco Rubio warnte Iran zugleich, keine Mautgebühren für die Durchfahrt zu erheben. Der iranische Staat hatte über eine Beteiligung an der Strasse spekuliert.

Hintergrund: Der Iran-Krieg hat den Ölpreis zwischenzeitlich um über 35 Prozent steigen lassen und die Spritpreise an den US-Tankstellen auf mehr als 4,80 Dollar pro Gallone getrieben. Trump kündigte am Dienstag Ermittlungen wegen möglicher Preistreiberei durch Mineralölkonzerne an.

Schweizer Nati trifft heute Abend auf Kanada

Die Schweizer Fussballnationalmannschaft bestreitet am Mittwochabend in Vancouver das letzte Gruppenspiel der FIFA Weltmeisterschaft 2026 gegen Kanada. Bei einem Sieg oder Unentschieden steht die Schweiz als Gruppensieger fest und könnte das Achtelfinale erreichen. Erstmals spielt die Nati an dieser WM nicht in den USA, das WM-Spiel findet am BC Place in Vancouver statt, wo schon die Frauen-Nati 2015 ausschied. Spielbeginn ist um 21 Uhr Ortszeit, 6 Uhr Mitteleuropäische Zeit am Donnerstag.

Kapitän Granit Xhaka steht nach überstandener Muskelverletzung wieder im Kader, Trainer Murat Yakin nominierte den gleichen 26-Mann-Kader wie gegen Kroatien. Bei einem Sieg würde die Schweiz als Gruppensieger in den Achtelfinal gehen und den Sieger der Gruppe F zugelost bekommen. Im Fall einer Niederlage könnte Brasilien noch vorbeiziehen, das parallel gegen Kamerun spielt.

Am Dienstag hatte England im zweiten Gruppenspiel gegen Ghana nicht über ein 0:0 hinausgekommen, was als Realitäts-Check für die Mannschaft von Nationaltrainer Thomas Tuchel gewertet wird. Tuchel verteidigte zugleich Mittelfeldspieler Jude Bellingham nach einer hitzigen Auseinandersetzung mit Ghanas Trainer Carlos Queiroz an der Seitenlinie. Schottland trifft am Mittwoch auf Brasilien und braucht einen Sieg, um die Chance auf das Achtelfinale zu wahren.

Ausverkauf an den Tech-Börsen

Eine Welle von Verkäufen bei grossen US-Technologieaktien hat am Dienstag die Kurse belastet. Auslöser waren Zweifel an der Tragfähigkeit der laufenden Investitionen in Künstliche Intelligenz. Der MSCI World schloss 1,77 Prozent tiefer bei 4'748,92 Punkten, auch der Goldpreis geriet mit einem Minus von 3,04 Prozent auf 4'095,80 Dollar pro Unze unter Druck. Bitcoin notiert bei 62'716 Dollar und damit 0,65 Prozent fester als am Vortag.

Hintergrund der Skepsis sind Berichte über nachlassende Margen bei mehreren Cloud-Anbietern sowie Spekulationen, dass die hohen Ausgaben für KI-Rechenzentren erst verzögert zurückfliessen. Der Halbleiterhersteller Nvidia und der Chiphersteller Broadcom verloren in der Spitze mehr als 4 Prozent. Auch Microsoft und die Google-Mutter Alphabet gerieten unter Druck.

Gleichzeitig geriet der KI-Sektor auch operativ unter Druck: Der Facebook-Konzern Meta hat ein vor zwei Monaten gestartetes Programm gestoppt, bei dem Mitarbeitende am Bildschirm getrackt wurden, um Trainingsdaten für KI-Modelle zu gewinnen. Datenschützer hatten Bedenken angemeldet. Das Beispiel zeigt, wie heikel die Beschaffung grosser Datenmengen für KI-Modelle inzwischen geworden ist.

Bundesrat will Zivilschutz und Zivildienst zusammenlegen

Der Bundesrat plant eine Fusion von Zivilschutz und Zivildienst zu einem gemeinsamen Sicherheitsdienst. Damit soll der Personalbestand für Katastrophenfälle langfristig gesichert werden. Beide Organisationen kämpfen seit Jahren mit sinkenden Eintrittszahlen, während die Anforderungen bei Unwettern, Pandemien und Stromausfällen steigen. Details will die Regierung bis Ende Jahr in einer Vernehmlassungsvorlage präsentieren. Kritiker befürchten, dass der Wehrersatz und die freiwilligen Dienste dadurch weiter an Attraktivität verlieren.

Die Diskussion ist Teil einer breiteren Debatte um die Sicherheitspolitik der Schweiz. Erst im Mai hatte der Bundesrat einen Sonderstab für die Krisenvorsorge eingesetzt, angetrieben durch die Erfahrungen der letzten Jahre mit Strommangellage, Cyberangriffen und extremer Hitze. Die neuen Strukturen sollen die rund 60'000 Zivilschutzpflichtigen und 15'000 Zivildienstleistenden unter ein gemeinsames Kommando stellen.

Apple muss sich in Grossbritannien vor Gericht verantworten

Im Vereinigten Königreich hat ein Gericht den Weg für eine Sammelklage gegen Apple freigemacht. Bis zu 24 Millionen britische Nutzerinnen und Nutzer könnten Anspruch auf einen Anteil an einer Entschädigung von umgerechnet rund 3,8 Milliarden Franken haben. Apple weist den Vorwurf wettbewerbswidrigen Verhaltens im App-Store zurück und kündigte Berufung an. Der Ausgang könnte auch in der Schweiz Signalwirkung haben, wo die Wettbewerbskommission ähnliche Vorbehalte gegen Apple und Google prüft.

Konkret werfen die Kläger Apple vor, über die App-Store-Gebühren von 30 Prozent jahrelang zu hohe Preise auf iPhones und iPads verlangt zu haben. Eine ähnliche Sammelklage in den USA wurde im vergangenen Jahr mit einem Vergleich über 1,5 Milliarden Dollar beigelegt. In der Schweiz hatte die WEKO im Frühjahr 2025 eine Voruntersuchung gegen Apple eröffnet, die noch läuft.

Schweizer CEOs verdienen über 10 Millionen Franken

Eine neue Auswertung der Stiftung Ethos zeigt, dass acht Schweizer Konzernchefs im vergangenen Geschäftsjahr Löhne von mehr als 10 Millionen Franken erhielten. Die Gesamtvergütungen sind gegenüber dem Vorjahr im Schnitt um 6 Prozent gestiegen, obwohl die Gewinne der betroffenen Unternehmen stagnierten. Die höchsten Zahlungen flossen an die Chefs von Nestlé, Novartis und der Bank Vontobel. Die Stiftung kritisiert die Entwicklung als unvereinbar mit dem Leistungsprinzip und fordert eine Aktionärsabstimmung über die Vergütungspolitik.

Die Auswertung umfasst die 100 grössten an der SIX kotierten Unternehmen. Der Medianlohn eines Schweizer Konzernchefs liegt inzwischen bei 5,4 Millionen Franken, die Differenz zwischen höchstem und mittlerem Lohn hat sich seit 2018 fast verdreifacht. Auffällig ist, dass Bankenchefs mit deutlichem Abstand an der Spitze liegen, gefolgt von Pharma- und Industriekonzernen. Kleinere und mittelgrosse Unternehmen zahlen im Schnitt nur halb so viel. Die Gewerkschaft Travail.Suisse sprach von einer Entkoppelung der Löhne von der wirtschaftlichen Realität.

Wölfe sollen künftig ganzjährig zum Abschuss frei sein

Der Bundesrat will das Jagdgesetz anpassen und den Abschuss von Wölfen neu das ganze Jahr über erlauben. Bisher ist die Jagd auf den Spätsommer und Herbst beschränkt. Auslöser ist die wachsende Zahl von Wolfsrudeln in der Schweiz und im angrenzenden Ausland, die wiederholt Schafherden gerissen haben. Die grossen Wolfsrudel im Calanda-Massiv bei Chur und im Berner Oberland stehen unter besonderer Beobachtung. Umweltorganisationen wie Pro Natura haben Widerstand angekündigt. Die Zahl der in der Schweiz nachgewiesenen Wolfsrudel hat sich seit 2020 von 7 auf 38 erhöht.

Der Schweizer Bauernverband hatte jahrelang auf eine Ausweitung der Abschusszeiten gedrängt, weil die Schäden an Schafherden und Mutterkühen zunehmen. Im letzten Jahr entschädigte der Bund Schäden von rund 4,5 Millionen Franken. Die Vorlage sieht vor, dass Abschüsse weiterhin durch die kantonalen Jagdbehörden bewilligt werden müssen, die Hürden für die ganzjährige Regulierung aber sinken.

Mietrecht: Bundesgericht entscheidet im Streit um Kontrollen

Das Bundesgericht befasst sich am Mittwoch mit einer Grundsatzfrage zum Schweizer Mietrecht. Geklärt werden soll, wie weit staatliche Mietpreiskontrollen in den verfassungsrechtlich geschützten Vertragsfreiheits-Grundsatz eingreifen dürfen. Konkret geht es um einen Fall aus dem Kanton Genf, wo der Vermieter eine Wohnung über der ortsüblichen Spanne anbot. Das Urteil dürfte Auswirkungen auf Zehntausende Mietverhältnisse in den städtischen Märkten Zürich, Genf und Basel haben.

Hintergrund ist der seit Jahren anhaltende Anstieg der Mieten in den Schweizer Städten. In Genf liegt die durchschnittliche Monatsmiete für eine 3,5-Zimmer-Wohnung inzwischen bei 2'150 Franken, in Zürich bei 2'280 Franken. Die kantonalen Mietämter sind chronisch überlastet, Verfahren dauern oft mehrere Jahre. Mit dem Urteil erwarten Beobachter eine Klärung, ob die Kontrollsysteme mit der Eigentumsgarantie vereinbar sind.

Deutscher Bahnausfall traf Hunderttausende Reisende

In Deutschland hat ein Software-Problem am späten Dienstagabend für rund zweieinhalb Stunden den Bahnverkehr im ganzen Land lahmgelegt. Ursache war eine Störung des digitalen Bahnfunks, ausgelöst offenbar durch ein fehlerhaftes Update. Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn tagt am Mittwoch und Donnerstag, die Konzernspitze rechnet mit einer ersten Schadenanalyse bis Ende der Woche. Reisende im grenznahen Verkehr mit der Schweiz waren am Mittwochmorgen ebenfalls betroffen, die grenzüberschreitenden Verbindungen Basel SBB und Schaffhausen liefen am Mittag wieder regulär.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder sprach von einem «nicht hinnehmbaren Zustand». Der Vorfall ereignete sich nur sechs Wochen nach dem grössten Streik im deutschen Bahnwesen seit 30 Jahren. Die Bahn-Gewerkschaft EVG forderte erneut eine Beschleunigung der Digitalisierungsoffensive und mehr Mittel für die Erneuerung der Leit- und Sicherungstechnik.

New York: Progressive Welle bei Demokraten-Vorwahl

Bei der Vorwahl der Demokraten in New York City haben sich am Dienstag mehrere vom links-progressiven Bürgermeisterkandidaten Zohran Mamdani unterstützte Kandidatinnen und Kandidaten durchgesetzt. Bemerkenswert ist das Ergebnis der parteiinternen Wahlkampf-Auseinandersetzung um den Kongresssitz von Dan Goldman, der vom bisherigen Comptroller Brad Lander herausgefordert wurde. Das Ergebnis gilt als Stimmungstest für die Richtung der Demokratischen Partei im Hinblick auf die nächsten Kongresswahlen 2026.

Mamdani hatte im Vorwahlkampf für Bürgermeister ein Wahlkampagnen-Programm mit kommunalem Wohnungsbau, kostenlosem Nahverkehr und einer kommunalen Lebensmittelversorgung vorgelegt. Seine Unterstützung gilt nun als Hebel für weitere progressive Vorhaben auf bundesstaatlicher Ebene. Beobachter sehen Parallelen zur Bewegung um Bernie Sanders, die 2016 ebenfalls städtische Vorwahlen dominierte.

Die Märkte heute

Der Schweizer Franken zeigt sich weiter fest gegenüber dem Euro. EUR/CHF notiert bei 0,9225, USD/CHF bei 0,8098. Der MSCI World verliert 1,77 Prozent auf 4'748,92 Punkte, Gold gibt 3,04 Prozent nach auf 4'095,80 Dollar pro Unze. Bitcoin steigt leicht um 0,65 Prozent auf 62'716 Dollar.

Wetter und Ausblick

Heute Mittwoch erreicht die Hitzewelle in weiten Teilen der Schweiz ihren Höhepunkt. Zürich liegt am Mittag bei 28,5 Grad, das Tagesmaximum wird bei 33,6 Grad erwartet. Bern folgt mit 28,2 Grad aktuell und bis zu 34,3 Grad am Nachmittag. Basel ist mit 29,1 Grad am wärmsten, hier werden bis zu 35,8 Grad erwartet. Genf liegt bei 29,3 Grad, Höchstwert 36,3 Grad, abends erste Schauer möglich. Lugano bleibt mit 28,7 Grad und Höchstwerten um 33 Grad etwas milder, auch hier kündigen sich am Donnerstag Gewitter an. St. Gallen kommt auf 26,7 Grad, maximal 31,4 Grad. In den Bergen oberhalb von 2'500 Metern liegen die Temperaturen weiter im winterlichen Bereich.

Der Donnerstag bringt in der Deutschschweiz kaum Entspannung: In Basel werden 37,7 Grad erwartet, in Bern 35,6 Grad. In Genf und Lugano kündigen sich erste Gewitter an. Am Abend trifft die Schweizer Nati in Vancouver auf Kanada.

Das war die Mittags-Ausgabe von MacherPost am Mittwoch, vierundzwanzigster Juni zweitausendsechsundzwanzig. Die MacherPost-Redaktion verabschiedet sich, bis heute Abend um achtzehn Uhr.

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