Wenn die Sonne scheint, zahlen Netzbetreiber Geld dafür, dass jemand Strom abnimmt. Wenn sie nicht scheint und der Wind fehlt, fehlt mit einem Mal die Leistung von Dutzenden Grosskraftwerken. Ein Blackout in Spanien am 28. April 2025 hat gezeigt, wie dünn das Sicherheitsnetz geworden ist. Dieser Bericht erklärt, warum das grösste Energiesystem der Menschheit in seine anstrengendste Umbruchphase geht und was das für Wirtschaft, Politik und jedes einzelne Stromkonto bedeutet.
Spanien verlor am 28. April 2025 für mehrere Stunden den grössten Teil seines Stromnetzes, weil innerhalb von fünf Sekunden 15 Gigawatt Leistung verschwanden, mehr als zwölf Atomkraftwerke zusammen. Die Netzfrequenz fiel unter 48 Hertz, tiefer als jedes europäische Sicherheitslimit. Weltweit verdoppelt sich die installierte Wind- und Solarkapazität bis 2030, nach Zahlen der Internationalen Energieagentur auf rund 30 Prozent des Weltstroms. In Deutschland waren 2024 bereits 59 Prozent des Stroms erneuerbar, fast jeder zweite Solar-Euro wandert aber bereits in Stunden, in denen die Preise negativ sind. Die Schweiz deckt 89 Prozent ihres Stroms aus Wasserkraft und Kernkraft, hat aber gleichzeitig per Gesetz beschlossen, die Kernkraft bis 2044 abzuschalten und 35 Terawattstunden pro Jahr Wind und Solar dazuzubauen. Und über all dem steht ein Naturgesetz, das keine Energiewende abschafft: Strom muss in jeder Sekunde genau so viel erzeugt wie verbraucht werden, sonst kippt das Netz.