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USA rücken vom Iran ab, Hitze zwingt Westschweizer Schulen in Pause

Washington hebt Iran-Ölsanktionen fast komplett auf, in Westeuropa steigt die Zahl der Hitzetoten auf über 40, und Starmer sucht die geordnete Nachfolge mit Andy Burnham.

Von der MacherPost-Redaktion 23.06.2026, 16:00 ♪ 14 Min Audio · 1'880 Wörter
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USA rücken vom Iran ab, Hitze zwingt Westschweizer Schulen in Pause

Guten Abend zur Abendausgabe von MacherPost am Dienstag, 23. Juni 2026.

Washington lockert die Sanktionen gegen iranisches Öl fast vollständig, in Paris und London steigt die Zahl der Hitzetoten, und der britische Premierminister Keir Starmer sucht die geordnete Nachfolge. In Bern diskutiert der Nationalrat ein neues Klimagesetz, und an der Fussball-Weltmeisterschaft wirbelt ein Todesfall bei einem Public Viewing in Jordanien die Stimmung auf. Die Schweizer Börse gibt nach, der Goldpreis setzt seinen Ausverkauf fort.


USA geben Iran beim Öl fast freie Bahn

Die US-Regierung hat am Dienstag die Sanktionen gegen iranisches Erdöl nahezu vollständig aufgehoben. Nach Angaben des Finanzministeriums dürfen Exporteure ihre Ware künftig in praktisch alle Länder verkaufen, auch in die Vereinigten Staaten selbst. Ziel sei es, die laufenden Verhandlungen über das Nuklearprogramm zu erleichtern und den Preisauftrieb an den Tankstellen vor den Zwischenwahlen zu dämpfen (NZZ).

Die Wirkung ist bereits sichtbar. Wie die BBC unter Berufung auf Schifffahrtsdaten berichtet, passierten am Samstag 42 Frachter die Strasse von Hormus, so viele wie seit Monaten nicht mehr. Die iranische Regierung erklärte zugleich, sie werde bei den Bürgenstock-Gesprächen vom Wochenende keine neuen Verpflichtungen zur Inspektion der Atomanlagen eingehen.

Für die Schweiz ist die Entwicklung vielschichtig. Einerseits steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die in Bürgenstock begonnenen Gespräche nicht abbrechen. Andererseits haben die Sanktionslockerungen direkte Folgen für den Rohstoffhandel, an dem Genfer und Zuger Handelshäuser stark beteiligt sind. Rohstoffhändler wie Gunvor oder Mercuria wickeln einen grossen Teil ihrer Iran-Geschäfte über die Schweiz ab.

Westeuropa erlebt die heisseste Nacht seit Aufzeichnungsbeginn

Frankreich hat in der Nacht auf Dienstag die höchste je gemessene Temperatur registriert. Nach Angaben des Wetterdienstes Météo-France sank das Thermometer in weiten Teilen des Landes nicht unter 25 Grad. Premierminister Sébastien Lecornu sprach von 40 Hitzetoten durch Ertrinken seit Donnerstag, die meisten davon in Flüssen und unbewachten Badestellen (BBC).

Die Wucht der Welle zeigt sich auch bei den Schulen. In der Westschweiz ordneten mehrere Kantone am Dienstag Hitzefrei an, darunter Genf und Waadt. In Frankreich blieben rund 1'800 Schulen geschlossen, wie das Erziehungsministerium mitteilte. In Deutschland kletterten die Werte am Oberrhein erneut über 38 Grad, in Mannheim registrierte der Deutsche Wetterdienst die vierthöchste je in Deutschland gemessene Junitemperatur.

In der Schweiz bleibt die Lage am Dienstagabend angespannt, aber unter Kontrolle. MeteoSchweiz rechnet für Mittwoch erneut mit 34 bis 36 Grad im Mittelland. Das Bundesamt für Umwelt registrierte an mehreren Messstationen Ozonwerte über 180 Mikrogramm pro Kubikmeter, die Schwelle für eine Warnung an empfindliche Personen.

Starmer sucht den Ausgang mit Burnham

Der britische Premierminister Keir Starmer hat am Dienstagnachmittag in London Gespräche mit Andy Burnham aufgenommen, dem Bürgermeister der Greater Manchester. Burnham gilt nach seinem Sieg bei der Nachwahl in Makerfield als Kronprinz in der Labour-Partei. Starmer kündigte einen geordneten Übergang an und will das Amt des Parteichefs noch vor der Sommerpause abgeben (BBC).

Die Nachfolgefrage hat unmittelbare Folgen für die Wirtschaftspolitik. Das Königshaus der Finanzen, der Schatzkanzler, steht vor einer ungewissen Zukunft. Beobachter in London rechnen damit, dass eine neue Regierung um Burnham die geplante Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts schneller umsetzen könnte als Starmer. Das Pfund verlor am Dienstagnachmittag weitere 0,6 Prozent gegenüber dem Franken und notierte bei 1,12 Franken.

Für die Schweiz steht vor allem der Finanzplatz London auf dem Spiel. Rund 60 britische Banken unterhalten Genf-Zweigstellen, die Credit Suisse und UBS betreiben ihre wichtigsten Europa-Hauptsitze in London. Eine Verschiebung der britischen Wirtschaftspolitik hin zu mehr Staatsausgaben könnte den Druck auf die Banken verstärken, Jobs zurück in die Schweiz zu verlegen.

Ethos: 8,4 Millionen Franken für SMI-Chefs, Tendenz steigend

Die Schweizer Stiftung Ethos hat am Dienstag ihren jährlichen Lohnbericht vorgelegt. Demnach haben die Chefs der 20 SMI-Unternehmen im vergangenen Jahr durchschnittlich 8,4 Millionen Franken verdient. Das ist europäischer Spitzenwert. Im Vergleich zu den USA fallen die Zahlen bescheiden aus, in der Tendenz aber zeigt sich eine klare Steigerung gegenüber dem Vorjahr.

Ethos-Chefs Vincent Kaufmann sprach von einer Normalisierung der Exzesse. Die Löhne seien in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich 9 Prozent pro Jahr gestiegen, während die Reallöhne der Belegschaften stagnierten. Ethos verlangt eine stärkere Bindung der Boni an langfristige Leistungskennzahlen sowie eine unabhängige Bestätigung der Vergleichsdaten durch die Revisionsstellen.

Die grossen Schweizer Arbeitgeberverbände wiesen die Kritik zurück. Economiesuisse argumentiert, dass internationale Konzerne ihre CEOs im globalen Wettbewerb um Talente bezahlen müssten, nicht nach Schweizer Massstab. Die nächsten entscheidenden Abstimmungen dazu stehen an den Generalversammlungen im Frühjahr 2027 an, wenn die neuen Vergütungsberichte zur Genehmigung vorgelegt werden.

Nationalrat debattiert verschärftes Klimagesetz

Der Nationalrat hat am Dienstag die Detailberatung des revidierten CO2-Gesetzes aufgenommen. Der Entwurf des Bundesrats sieht eine Halbierung der Treibhausgasemissionen bis 2030 gegenüber dem Stand von 1990 vor, dazu einen schrittweisen Ausstieg aus fossilen Heizungen und verbindliche Reduktionsziele für die Industrie.

Im Zentrum der Debatte standen die Massnahmen für die Industrie. Die vorberatende Kommission schlägt ein Modell mit freiwilligen Branchenvereinbarungen vor, die bei Verfehlung der Ziele in eine CO2-Abgabe auf Importe münden. Der Verband der Schweizerischen Maschinenindustrie Swissmem warnt vor Wettbewerbsnachteilen gegenüber der EU, die sich beim Fit-for-55-Paket ähnliche Instrumente gibt.

Die zweite und dritte Lesung ist für die Herbstsession vorgesehen. Beobachter rechnen mit einem Referendum der Wirtschaftsverbände, falls der Ständerat die Vorlage nicht entschärft. Die letzte Volksabstimmung zum CO2-Gesetz im Jahr 2021 war am Ständemehr knapp gescheitert.

UNO wirft Israel gezielte Angriffe auf Kinder in Gaza vor

Eine unabhängige UNO-Untersuchungskommission wirft der israelischen Armee vor, im Gazastreifen gezielt Kinder getötet zu haben. Der am Dienstag in Genf vorgestellte Bericht stützt sich auf über 1'200 dokumentierte Vorfälle aus den vergangenen 18 Monaten. Demnach seien bei Luftangriffen mehrfach ganze Familien ausgelöscht worden (BBC, FAZ).

Israel wies die Vorwürfe als libellöse Farce zurück und kündigte eine eigene Untersuchung an. Die USA äusserten sich zurückhaltend, das Aussenministerium in Washington sprach von besorgniserregenden Vorwürfen. Die Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas, die seit Anfang Mai offiziell gilt, ist seit Tagen erneut unter Druck. Ägypten und Katar vermitteln nach eigenen Angaben über einen Mechanismus zur Wiederherstellung der Ruhe.

Für die Schweiz ist der Bericht heikel. Bern hat in den letzten Wochen humanitäre Hilfe in Höhe von 32 Millionen Franken aufgestockt und ist im UNO-Sicherheitsrat als nichtständiges Mitglied aktiv. Das Aussendepartement EDA erklärte am Dienstag, die Schweiz werde den Bericht sorgfältig prüfen und sich an einer möglichen Folgesitzung des Rates beteiligen.

Massenpanik bei Public Viewing in Jordanien

Bei einem Public Viewing zur Fussball-Weltmeisterschaft ist in der jordanischen Hauptstadt Amman am Dienstagabend ein Mensch ums Leben gekommen, mehrere weitere wurden verletzt. Nach Angaben des Innenministeriums brach in einer Menschenmenge vor einem Grossbildschirm Panik aus, als Unbekannte pyrotechnische Gegenstände zündeten. Die Sicherheitskräfte riegelten den Platz ab (FAZ).

Parallel dazu qualifizierten sich am Dienstag die ersten europäischen Teams sicher für die K.o.-Runde. Norwegen und Frankreich stehen nach ihren Siegen über Senegal (3:2) und Irak (3:0) bereits in den Achtelfinals. Bei den Franzosen traf Kylian Mbappé im 100. Länderspiel doppelt, Lionel Messi erhöhte mit seinen zwei Toren gegen Österreich den WM-Torrekord auf 14 Treffer und zog mit Miroslav Klose gleich.

Am Abend trifft Deutschland im dritten Gruppenspiel auf Ecuador. Schiedsrichterin Tori Penso aus den USA leitet die Partie, es ist ihr zweiter WM-Einsatz. Bundestrainer Julian Nagelsmann kündigte eine Rotation an, die Schweiz beobachtet das Geschehen mit Blick auf die mögliche Achtelfinal-Paarung.

Merz und Bas übernehmen Rentenbericht vollständig

Die deutsche Regierungskoalition hat am Dienstag den Bericht der Rentenkommission vollständig übernommen. Bundeskanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas sprachen von einem Gesamtkonzept ohne Rosinenpickerei. Die 33 Empfehlungen sehen unter anderem eine Aktienrente nach schwedischem Vorbild, eine Anhebung des Renteneintrittsalters und einen Ausbau der privaten Vorsorge vor (FAZ, Handelsblatt).

CSU-Chef Markus Söder unterstützte das Paket ausdrücklich. Die Opposition aus Linken und Grünen kritisierte vor allem die Anhebung des Renteneintrittsalters und forderte eine stärkere Sicherung des Rentenniveaus. Wirtschaftsverbände warnten vor einer zu hohen Belastung der jüngeren Generation, der DGB sprach von einem Angriff auf den Generationenvertrag.

Die Eckpunkte sollen noch vor der Sommerpause in ein Gesetzgebungsverfahren münden. Im Zentrum steht die Frage, wie der Bundeszuschuss zur Rentenversicherung stabilisiert werden kann. Die Sozialausgaben sind nach Berechnungen des Bundesfinanzministeriums bereits im Jahr 2030 um 18 Milliarden Euro höher als heute.

AfD überholt Union in Forsa-Umfrage

In einer am Dienstag veröffentlichten Forsa-Umfrage liegt die AfD erstmals mit fünf Prozentpunkten vor der Union. Bei der Sonntagsfrage kommen CDU und CSU zusammen auf 23 Prozent, die AfD auf 28 Prozent. Die SPD verharrt bei 14 Prozent, die Grünen verlieren einen Punkt auf 11 Prozent (Zeit).

Die Verschiebung ist vor allem auf die Schwäche der Union bei jungen Wählern zurückzuführen. Bei den 18- bis 29-Jährigen liegt die AfD mit 34 Prozent klar vorne, die Union kommt nur auf 16 Prozent. Besonders ausgeprägt ist der Abstand bei Wählern mit niedriger formaler Bildung. In Ostdeutschland führt die AfD mit 41 Prozent, im Westen liegt sie bei 25 Prozent.

Die Umfrage kommt zu einem politisch heiklen Zeitpunkt. Die Koalition ringt um die Umsetzung des Rentenberichts und steht vor der Verabschiedung des Gebäudemodernisierungsgesetzes. Beobachter sehen darin einen Vertrauensverlust in die Handlungsfähigkeit der Regierung.

Schweizer Wirtschaft: Frankenstärke drückt Exporte

Die anhaltende Aufwertung des Frankens setzt die Schweizer Exportwirtschaft zunehmend unter Druck. Nach Berechnungen der UBS-Konjunkturforscher ist der handelsgewichtete Franken in den vergangenen sechs Monaten um 4,7 Prozent gestiegen. Besonders betroffen sind die Pharma- und die Maschinenindustrie, die zusammen rund 38 Prozent der Schweizer Warenexporte ausmachen.

Der Verband Swissmem rechnet für das laufende Jahr mit einem Exportrückgang von 1,8 Prozent. Besonders stark schrumpfen die Auslieferungen nach Deutschland, dem wichtigsten Einzelmarkt. Die Uhrenindustrie verzeichnete im Mai einen Rückgang der Exporte um 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, wie der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie FH am Dienstag mitteilte.

Die Schweizerische Nationalbank hatte am Vormittag bereits zum zweiten Mal in Folge den Faktor für die Verzinsung der Sichtguthaben der Banken gesenkt, um den Franken zu schwächen. Der Faktor liegt neu bei 0,70 Prozent. Volkswirte werten den Schritt als Signal, dass die SNB notfalls auch bei den Devisenreserven aktiv werden könnte.

Märkte schliessen schwächer, Gold setzt Ausverkauf fort

An den Aktienmärkten hat die Verunsicherung am Dienstag zugenommen. Der Dax fiel unter die Marke von 25'000 Punkten und schloss 1,1 Prozent tiefer. Besonders stark verloren Chip-Aktien, nachdem der US-Futures-Handel mit deutlichen Abschlägen in den Tag gestartet war (Handelsblatt). An der Wall Street verlor der Nasdaq-Future am späten Nachmittag 1,4 Prozent.

Der Goldpreis setzte seinen Ausverkauf vom Montag fort. Eine Unze fiel am Dienstag auf 4'144 US-Dollar, ein Minus von 4,9 Prozent seit Wochenbeginn. Die Deutsche Bank kürzte ihre Prognose für das Gesamtjahr deutlich und verwies auf die hartnäckige Inflation und steigende Realzinsen. Bitcoin notierte zuletzt bei 62'459 Dollar, ein Tagesverlust von 3,7 Prozent.

Der breite MSCI World verlor 0,8 Prozent auf 4'769 Zähler. Der Swiss Market Index SMI gab um 0,6 Prozent auf 13'230 Punkte nach. Die grössten Verlierer waren Logitech und Sika. Der Euro notiert bei 0,9225 Franken, der US-Dollar bei 0,8098 Franken.


Vorgeschaut

Am Mittwoch entscheidet das deutsche Bundeskabinett über die Eckpunkte der Rentenreform. In Den Haag beginnt der NATO-Gipfel, bei dem die Bündnispartner über die neue Verteidigungsplanung beraten. In Bern tagt die Eidgenössische Finanzkommission zu den Mehrausgaben für die Armee. Und an der Fussball-Weltmeisterschaft steht das letzte Gruppenspiel Deutschlands gegen Ecuador an, gleichzeitig trifft Portugal auf Usbekistan.


Das war die Abendausgabe von MacherPost am Dienstag, 23. Juni 2026. Morgen früh um 6 Uhr lesen Sie hier die nächste Ausgabe.

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