Nachts heiss, tagsüber heisser: die ersten Signale
Hitzewelle in der Schweiz, Starmer-Rücktritt in London und Trumps Drohung an die Nato prägen den Dienstagmorgen.
Nachts heiss, tagsüber heisser: die ersten Signale
Am Dienstagmorgen prägen eine historische Hitzewelle, der angekündigte Rücktritt des britischen Premiers und neue Spannungen zwischen Trump und den Nato-Partnern das Bild. Was die Schweiz und die Welt zum Start in den Tag bewegt.
Die Schweiz schwitzt, und der Dienstag wird kaum Abkühlung bringen. MeteoSchweiz rechnet verbreitet mit 34 bis 37 Grad, in Luzern könnte der Juni-Rekord aus dem Jahr 1947 (35,4 Grad) fallen. Die Gefahrenstufe für Hitzebelastung steht auf 3 von 4, die Behörden raten älteren Menschen und Säuglingen zu Aufenthalt in kühlen Räumen. Im Mittelland weht eine schwache Bise, in den Alpen bleibt die Nullgradgrenze auf über 4'000 Metern.
In Grossbritannien kündigt Premierminister Keir Starmer seinen Rücktritt an. Er werde nach der Suche eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin aus dem Amt scheiden, erklärte er am Montagabend in London. Als wahrscheinlichster Kronprinz gilt der Bürgermeister der Greater Manchester, Andy Burnham. Sein erstes Ziel wäre die Labour-Partei wieder zu einen, die seit den Kommunalwahlen angeschlagen ist. Die Märkte reagierten verhalten: das Pfund verlor rund 0,4 Prozent gegen den Euro, die Rendite zehnjähriger Gilts stieg um 6 Basispunkte.
Donald Trump verschärft den Ton gegen die europäischen Nato-Partner. Vor dem Besuch von Generalsekretär Mark Rutte in Washington warf er den Alliierten am Montagabend vor, bei Kleinigkeiten jede Hilfe im Iran-Konflikt zu verweigern. «Wenn wir bei Kleinigkeiten um Hilfe bitten, sagen sie Nein», zitierte ihn die «Welt». Hintergrund ist die Weigerung mehrerer europäischer Regierungen, sich an einer möglichen Marinemission in der Strasse von Hormus zu beteiligen. Zugleich lockerte das US-Finanzministerium die Sanktionen gegen iranisches Öl für 60 Tage. Ziel sei es, den Preisauftrieb an den Tankstellen vor den Zwischenwahlen zu dämpfen.
Israel fliegt erneut Luftangriffe im Gazastreifen. Am Montag wurde nach palästinensischen Angaben eine Schülerin in der Stadt Gaza getötet, mehrere Personen seien verletzt worden. Die Waffenruhe, die seit Anfang Mai offiziell gilt, ist damit erneut unter Druck. Ägypten und Katar vermitteln laut dem ägyptischen Aussenministerium hinter den Kulissen über einen Mechanismus zur Wiederherstellung der Ruhe.
Bei der Fussball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada trifft Frankreich im zweiten Gruppenspiel auf den Irak. Die Partie wird wegen heftiger Gewitter in der Region Houston für mehr als zwei Stunden unterbrochen, am Ende steht ein ungefährdetes 3:0 für die Equipe Tricolore. Kylian Mbappé erzielt zwei Tore und zieht damit in der ewigen französischen Torschützenliste mit Thierry Henry gleich. Mit dem Sieg steht Frankreich vorzeitig im Achtelfinale und kann am letzten Gruppenspieltag Kräfte schonen.
In Katar sterben 13 Menschen bei einer Explosion in einer Industrieanlage für Flüssiggas. Das Staatsministerium in Doha spricht von einem Vorfall in der Anlage Ras Laffan, schliesst aber einen «feindlichen Akt» aus. Die Anlage gehört zum Gemeinschaftsunternehmen Qatargas und ist eine der grössten LNG-Export-Infrastrukturen der Welt. Der globale Gaspreis reagierte im frühen Handel mit einem Aufschlag von 1,8 Prozent.
Die Uno dokumentiert in einem neuen Bericht mindestens 700 zivile Todesopfer durch das Militär in Myanmar innerhalb von sechs Monaten. Die Zahl stamme aus einer Auswertung von über 1'200 Vorfällen, heisst es aus dem Büro des Hochkommissars für Menschenrechte in Genf. Besonders betroffen seien die Regionen Sagaing und Magway, wo die Armee gegen bewaffnete ethnische Gruppen und den Widerstand der Volksverteidigungskräfte vorgeht.
In den Vereinigten Staaten weitet die Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA ihre Untersuchung gegen Tesla aus. Hintergrund ist ein tödlicher Unfall in Texas, bei dem ein Model Y in ein Wohnhaus gefahren war. Die Behörde prüft nun, ob die Software für automatisiertes Fahren eine Rolle spielte. Insgesamt stehen 2,9 Millionen Tesla-Fahrzeuge der Baujahre 2017 bis 2025 unter Beobachtung. Tesla-Aktien verloren im nachbörslichen Handel 2,1 Prozent.
Die Hitzewelle trifft auch Deutschland hart. In München stieg der Trinkwasserverbrauch am Wochenende im Vergleich zur Vorwoche um rund ein Fünftel. Die Stadtwerke riefen die Bevölkerung zum sparsamen Umgang mit Wasser auf, Brunnen in Parks blieben länger geöffnet. In mehreren deutschen Bundesländern gilt eine Hitzewarnstufe 4 des Deutschen Wetterdienstes, die Temperaturen erreichten am Montag Spitzenwerte von 38 Grad am Oberrhein. Der Betreiber des Kernkraftwerks Neckarwestheim 2 drosselte seine Leistung, weil das Kühlwasser des Neckar zu warm ist.
In der Schweizer Wirtschaft zeigen neue Daten von Deloitte den wachsenden Druck auf die junge Generation. 47 Prozent der unter 43-Jährigen in der Schweiz leben von Lohnzahlung zu Lohnzahlung, können also nicht oder kaum Geld auf die Seite legen. Besonders betroffen sind Berufseinsteiger zwischen 22 und 28 Jahren. Die Lebenspläne verschieben sich: Wohneigentum rückt für die meisten in weite Ferne, Familiengründung wird später geplant. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund fordert eine Ausweitung der beruflichen Vorsorge auf jüngere Arbeitnehmende.
Der Schweizer Biotech-Sektor erlebt eine Welle von Übernahmen. Seit Anfang Jahr haben sich die Transaktionen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt, wie der Swiss Biotech Report 2026 zeigt. Treiber sind vor allem grosse Pharmakonzerne aus den USA und Japan, die zunehmend auf Innovation «made in Switzerland» setzen. Die durchschnittliche Kaufpreisprämie liegt bei 38 Prozent über dem letzten Aktienkurs. Mit dem Rekordhoch bei den Investitionen steigt auch die Zahl der Mitarbeitenden in der Branche auf über 50'000.
Die künstliche Intelligenz rückt näher an geopolitische Konfliktlinien. Die US-Regierung hat am 12. Juni Exportkontrollen für die neuesten Modelle von Anthropic verhängt. Die Modelle Mythos und Fable 5 dürfen vorerst nicht in die EU, die Schweiz und weitere verbündete Staaten ausgeführt werden. Hintergrund sind Berichte über Sicherheitslücken in Claude Fable 5, die laut Anthropic erst teilweise behoben sind. Zeitgleich bereitet OpenAI eine deutliche Preissenkung seiner API-Dienste vor. Google hatte zuvor die Preise für Gemini mehr als halbiert. Der Preiskampf unter den grossen Anbietern verschärft sich.
Der KI-Boom verändert auch den antiquarischen Buchhandel. Modelle für Machine Learning benötigen grosse Mengen an Trainingsdaten, darunter alte Texte, die als gemeinfrei gelten. Mehrere grosse KI-Firmen kaufen in den USA und in Deutschland Antiquariate leer, darunter auch spezialisierte Händler in Berlin und München. Kulturschaffende kritisieren das Vorgehen, weil seltene Erstausgaben unwiederbringlich aus dem Handel verschwinden. In Zürich ist die Buchhandlung an der Bahnhofstrasse betroffen, die seit Jahrzehnten einzelne Inkunabeln anbot.
Bei der Bundestagsdebatte zum Gebäudemodernisierungsgesetz wächst der Widerstand. Der Entwurf der Bundesregierung sieht strenge Vorgaben für die energetische Sanierung von Bestandsbauten vor, samt verpflichtender Beratung bei jeder Eigentumsübertragung. Wirtschaftsverbände warnen vor zusätzlichen Kosten in Milliardenhöhe und einem Einbruch der Baukonjunktur. Die Opposition wirft der Koalition eine überstürzte Umsetzung ohne ausreichende Übergangsfristen vor. Die zweite und dritte Lesung ist für die zweite Julihälfte vorgesehen.
In Rumänien scheitert die Regierungsbildung. Das Parlament in Bukarest lehnte am Montagabend den designierten Ministerpräsidenten ab. Damit rückt eine politische Krise näher, die den pröuropäischen Kurs des Landes gefährden könnte. Die EU-Kommission zeigte sich besorgt. Rumänien ist seit 2007 Mitglied der Europäischen Union und gehört zu den wichtigsten Nato-Stützpunkten an der Schwarzmeerküste.
Am Sonntag ist die Musiklegende Clive Davis im Alter von 94 Jahren gestorben. Der Produzent und Labelgründer hatte in den 1970er-Jahren Whitney Houston entdeckt und ihre Karriere geprägt. Er arbeitete mit Janis Joplin, Bruce Springsteen und Aretha Franklin. Sein Tod löste international Reaktionen aus.
In denkmalgeschützten Altstädten Süddeutschlands steigen die Ozonwerte deutlich. Das Umweltbundesamt meldete am Montag Werte über 180 Mikrogramm pro Kubikmeter in Stuttgart, München und Augsburg. Bei diesen Konzentrationen rät das Amt empfindlichen Personen, anstrengende Aktivitäten im Freien auf die frühen Morgen- oder späten Abendstunden zu verschieben. Erste Kommunen prüfen die Einführung von temporären Tempolimits auf Hauptverkehrsstrassen, um die Stickoxid-Belastung zu senken.
Die Schweiz blickt auf zehn Jahre Brexit-Votum. Am Dienstag jährt sich das britische Referendum zum zehnten Mal, die wirtschaftlichen Folgen wirken bis heute nach. Der Handelsaustausch Grossbritanniens mit der EU ist eingebrochen, gleichzeitig hat London neue Abkommen mit Singapur, Indien und Australien geschlossen. In Brüssel wächst die Erkenntnis, dass die EU den Briten mehr Aufmerksamkeit schenken muss. Eine umfassende Neuverhandlung des Handelsabkommens gilt aber als politisch heikel.
In Wien trifft sich am Nachmittag der Energiegipfel der Alpenländer. Vertreter aus Österreich, der Schweiz, Liechtenstein, Südtirol und Bayern beraten über die Folgen der anhaltenden Trockenheit für die Stromproduktion aus Wasserkraft. Die Speicherseen in den Alpen liegen nach Angaben des Bundesamts für Energie bereits Ende Juni unter dem Zehn-Jahres-Schnitt. Der Schweizer Alpenraum produziert im Sommer rund 55 Prozent seines Stroms aus Wasserkraft.
Die Märkte heute
An den Aktienmärkten notiert der MSCI World bei 4'816,61 Punkten, ein Minus von 0,56 Prozent seit dem Vortag. Gold fällt deutlich auf 4'172 Dollar pro Unze, was einem Rückgang von 3,66 Prozent entspricht und den Preis in Franken auf rund 3'370 drückt. Bitcoin liegt bei 64'173 Dollar, praktisch unverändert. Der Euro notiert bei 0,9257 Franken, der US-Dollar bei 0,8081 Franken.
Ausblick
Der Tag bleibt heiss. MeteoSchweiz erwartet am Mittwoch weiterhin Höchstwerte um 35 Grad im Mittelland. In Grossbritannien beginnt die Suche nach einem Nachfolger für Keir Starmer. Die Uno-Sicherheitsratssitzung zur Lage in Myanmar ist für Mittwoch in New York anberaumt. Bei der WM 2026 stehen die letzten Gruppenspiele der zweiten Runde an, unter anderem trifft Deutschland am Abend auf Südkorea. Und die Schweizer Biotech-Branche wartet auf den Verkaufsstart eines neuen Wirkstoffs gegen Multiple Sklerose, der am Donnerstag erwartet wird.